Ein Tabaktrockenschuppen (kurz: Tabakschuppen oder Schuppen) ist ein Gebäude, das der Trocknung von Tabakblättern dient.

Begriff Im 17. Jahrhundert ist erstmals von „Tabac-Häuser[n]“ die Rede.Karl Ludwig (Kurfürst): Verordnung wie man zu Pestzeit zuverhalten, 1650, S. 17 Im 19. Jahrhundert finden sich die Wörter „Tabakschuppen“ und vereinzelt „Tabakschopfen“ (Metzger, 1836)Metzger, Johannes: Versuche über das Trocken des Tabaks in offenen Schopfen. In: Centralstelle des landwirthschaftlichen Vereins (Hrsg.): Landwirthschaftliches Wochenblatt für das Grossherzogthum Baden, Druck der Hofbuchdruckerei von G. Braun, Karlsruhe, 1836, S. 293–294. In der Folgezeit setzte sich „Tabakschuppen“ als Bezeichnung für der Tabakblatttrocknung dienende Gebäude durch. Tabakschuppen werden im Englischen „tobacco barn“, im Französischen „séchoir du tabac“ oder „séchoir à tabac“, im Niederländischen „tabakschuur“, im Pfälzischen „Duwakschopp“ oder „Schopp“ genannt.

Funktion mini|Arbeit im Tabaktrockenschuppen in der Wittlicher Senke, 1975 Ein Tabaktrockenschuppen dient der Trocknung der geernteten Tabakblätter. Direkt nach der Ernte enthalten die Blätter etwa 90 % Wasser. Durch die Trocknung soll dieser Gehalt auf etwa 15 % sinken. Weitere Ziele sind die Braunfärbung der Blätter und die Einleitung chemischer Abbauprozesse, die dem Tabak einen angenehmeren Geschmack und Geruch verleihen.Hoffmann, Philipp: Anleitung zum Tabakbau, Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1918, S. 89

In einem Tabakschuppen kommt die Methode der Lufttrocknung zur Anwendung: Trockene Luft strömt in den Schuppen ein und nimmt die von den Blättern abgegebene Feuchtigkeit auf. Die feuchte Luft verlässt den Schuppen, trockene Luft strömt nach. Die Lufttrocknung – und somit die Nutzung von Tabakschuppen – erfolgen meist dort, wo alternative Trockenmethoden, z. B. Sonnen- oder Ofentrocknung, aufgrund des Klimas oder unzureichender Brennstoffressourcen nicht in Frage kommen. Um eine ausreichende Belüftung zu sichern, sind die Tabakschuppen mit verschließbaren Klappen oder mit Lüftungslücken versehen. Die Lüftungsöffnungen erlauben außerdem den Einfall von Sonnenlicht, der für die Braunfärbung erforderlich ist.

Ein Tabakschuppen wird im Jahresverlauf nur für einen kurzen Zeitraum genutzt, der mit der Ernte im Spätsommer beginnt und – je nach Wetter, Anzahl der Erntedurchgänge und Trocknungsfähigkeit des Schuppens – mehrere Wochen umfasst. Nach der Trocknung wird der Tabak abgenommen, für den Verkauf vorbereitet und zur Tabakwiegehalle transportiert. In der übrigen Zeit steht der Schuppen leer und dient gegebenenfalls als Abstellraum. Moderne Folienschuppen werden zusätzlich als Gewächshaus genutzt, in dem die Tabaksetzlinge heranwachsen.

Die Monofunktionalität, d. h. die Eignung für eine einzige Aufgabe, macht die Umnutzung der vorhandenen Tabakschuppen schwierig. Da der Tabakanbau in Deutschland und anderen EU-Ländern seit 2010 nicht mehr subventioniert wird, werden die Schuppen kaum noch genutzt. Sie werden zurückgebaut, abgerissen oder dem Zerfall preisgegeben.

Vorkommen Der Tabaktrockenschuppen ist ein Gebäudetyp, der weltweit anzutreffen ist. Man errichtet Tabakschuppen dort, wo Tabak angebaut wird und wo die Tabaktrocknung durch Luft – und nicht durch Sonne oder mithilfe von Öfen – erfolgt. Tabakschuppen befinden sich insbesondere in Nordamerika und Europa, aber auch in Südamerika, Asien und Afrika. In Europa stehen Tabakschuppen unter anderem in Frankreich (v. a. im Elsass), in den Niederlanden (v. a. bei Amersfoort und Amerongen) und in Österreich. In Deutschland befinden sich die meisten Tabakschuppen im Oberrheingraben, da dort die klimatischen und geologischen Voraussetzungen für den Tabakanbau gegeben waren: ausreichend Wärme und Niederschlag sowie sandige Böden. Auf der linken Rheinseite ist die Südpfalz ein Zentrum des Tabakanbaus. Tabakschuppen findet man von der deutsch-französischen Grenze im Süden bis etwa Speyer im Norden; vom Rhein im Osten bis zu den Winzerdörfern im Westen. Die meisten Tabaktrockenschuppen haben sich erhalten in den Gemeinden Erlenbach, Hatzenbühl (älteste deutsche Tabakanbaugemeinde), Hayna, Herxheim (größte deutsche Tabakanbaugemeinde), Herxheimweyher, Rheinzabern und Rülzheim. Auf der rechten Rheinseite, wo sich das ehemals größte Tabakanbaugebiet Deutschlands erstreckte, befanden sich ebenfalls Tabaktrockenschuppen, die zum größten Teil abgerissen wurden.

Innerhalb der pfälzischen Gemeinden können die Tabaktrockenschuppen an verschiedenen Stellen stehen. Die frühesten Schuppen wurden in der Regel innerhalb des Dorfes errichtet. „Neben Trockenschuppen, …, die auf der Rückseite des Hofgrundstücks errichtet wurden, gab es auch Schuppen, die auf dem Hof untergebracht waren. Teilweise überbaute man dafür die bereits vorhandenen, seitlich gelegenen Wirtschaftsgebäude.“Schüler, Christian (Text) und Straeter Heinz (Photos): Hayna, Geschichte eines Tabakdorfs in der Südpfalz. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Verlag Zechner, Speyer 1994, S. 67 Mit zunehmender Tabakanbaufläche reichte der innerörtliche Bauplatz nicht mehr aus. Die neueren Tabakschuppen wurden am Ortsrand oder auf dem Feld errichtet. Mancherorts legte man spezielle Schuppenstraßen an, wo Schuppen an Schuppen grenzt. Erhalten haben sich solche Ensembles u. a. in Herxheim am Bruchweg (beiderseitige Bebauung) und am Panzergraben (einseitige Bebauung), in Hatzenbühl westlich der K10 (nur teilweise realisiert).

Geschichte Die ersten Tabakschuppen, von denen heute keiner mehr erhalten ist, „waren Rundholzkonstruktionen mit ca. 3 Meter hohen Kieferpfosten, die man zu etwa 5 Meter breiten Böcken [Tragkonstruktion] zusammennagelte …. Die Böcke stellte man auf halbmeterhohe Sandsteine oder Mauerwerk, damit sie vor Erdfeuchtigkeit und bei Regen gegen Spritzwasser geschützt waren. In der Regel wurden drei solcher Böcke auf je 3 Meter Länge durch Fichtenstangen miteinander verbunden. Ein solcher Schopp war also 5 Meter breit und 8 bis 9 Meter lang.“Weigel, Albert: Tabakanbau und Entwicklung der Tabaktrockenschuppen in Hatzenbühl. In: Arbeitskreis für Hausforschung: Jahrbuch für Hausforschung, Band 41. Hausforschung und Wirtschaftsgeschichte in Rheinland-Pfalz. Bericht über die Tagung des Arbeitskreises für Hausforschung in Sobernheim/Nahe vom 24.–28. September 1990, Jonas Verlag für Kunst und Literatur GmbH, Marburg 1993, S. 122 Die Wände bestanden aus senkrecht angenagelten Holzschwarten, zwischen denen Lüftungsschlitze belassen wurden. Im Laufe der Zeit änderten sich zum einen die verwendeten Materialien: Die Stroh- und Rohrbedeckung wurde ab Ende des 19. Jahrhunderts durch Ziegel ersetzt; anstelle der billigen Holzschwarten verwendete man für die Wände Schnittholz; nach dem Zweiten Weltkrieg hielt Eternit (Platten aus Asbestzement) Einzug als Wand- und Dachmaterial. Die entscheidenden Änderungen betrafen aber die Gestaltung der Wand, den „Theil, welcher die Hauptaufgabe zu erfüllen hat: Luft, Windzug durchzulassen, den Regen, feuchte Luft, Nebel, Sonnenschein abzuhalten.“Babo, August Wilhelm von; Hoffacker, F., Der Tabak und sein Anbau, nebst einem Anhang über die Cultur und Behandlung des Tabaks in Holland von Oekonom Ph. Schwab, Verlag der Herder’schen Buchhandlung, Karlsruhe 1852, S. 120 Die unkontrollierbare Belüftung durch die Spalten wurde durch ein kontrollierbares Belüftungssystem ersetzt, bei dem die Wandöffnungen durch Klappen oder Jalousien geschlossen werden konnten, um die Tabakblätter vor Nebel zu schützen. Eine Klappe bestand aus einem mit Scharnieren an der Wand angebrachten Brett, das einen langen senkrechten Lüftungsschlitz verschließen konnte.

Eine weitere Verbesserung der Belüftung brachte der Wechsel zu waagrecht angebrachten Jalousien. Sie „zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass man in ihnen einen Luftzug künstlich zu erzeugen vermag, wenn die Außenluft völlig unbewegt erscheint, und dass dem Nebel der Eintritt in den Schuppen unmöglich gemacht wird.“Hoffmann, Philipp: Anleitung zum Tabakbau, Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1918, S. 93 Die innere Struktur eines Schuppens hat sich im Laufe der Zeit wenig geändert.

Einen radikalen Bruch mit der Jahrzehnte überdauernden Tradition des hölzernen Tabakschuppens stellte der Folienschuppen dar. Ein Folienschuppen ähnelt einem Gewächshaus: ein etwa 3 bis 4 m hohes Holz- oder Metallgerüst trägt die transparente Folie. „An den Längsseiten ist die Folie zwischen zwei parallellaufende Perlonschnüre gespannt. So kann die Folie von unten nach oben verschoben … werden. Damit ist es möglich, die Luft- und Feuchtigkeitszufuhr zu regulieren, die Blattfärbung und den Trocknungsvorgang zu beeinflussen.“Weigel, Albert: Tabakanbau und Entwicklung der Tabaktrockenschuppen in Hatzenbühl. In: Arbeitskreis für Hausforschung: Jahrbuch für Hausforschung, Band 41. Hausforschung und Wirtschaftsgeschichte in Rheinland-Pfalz. Bericht über die Tagung des Arbeitskreises für Hausforschung in Sobernheim/Nahe vom 24.–28. September 1990, Jonas Verlag für Kunst und Literatur GmbH, Marburg 1993, S. 129 Anders als die monofunktionalen Schuppen, die nur der Trocknung dienten, eignete sich ein Folienschuppen zur Trocknung und zur Aufzucht der Tabakpflänzchen. Allerdings erwiesen sich diese Folienschuppen als anfällig für Sturm und Hagelschäden.

In den 70er Jahren wurde ein neuer hölzerner Schuppentyp eingeführt, der „Rülzheimer Schopp“ oder „Flachschuppen“. Es sind lange, etwa 3 bis 4 m hohe Holzschuppen mit einem flachen Satteldach. Aufgrund der Länge findet man diese Schuppen meist am Ortsrand oder auf dem Feld. Einer der größten Flachschuppen, ein Feldschuppen westlich von Herxheim, ist etwa 70 m lang.

Innenraum mini|Das Innere eines Tabakschuppens in Hatzenbühl Der Innenraum eines Tabakschuppens besteht in der Regel aus zwei übereinanderliegenden Zonen: einer Arbeitszone im Erdgeschoss sowie der darüberliegenden Lagerzone, die sich über mehrere Gefache bis unter das Dach erstreckt. Die Arbeitszone dient zum einen dem Verkehr, d. h. dem Ein- und Ausfahren mit Schubkarren, Leiterwagen oder Anhängern. Das Erdgeschoss ist außerdem Ausgangspunkt für das Behängen der darüber liegenden Gefache. Zum anderen dient die Arbeitszone der Belüftung des darüber hängenden Tabaks. Damit die Arbeitszone beiden Funktionen, Verkehr und Belüftung, gerecht werden kann, ist sie möglichst barrierefrei und wird nicht mit Tabak behängt. Die Lagerzone dient der Lagerung der Tabakblätter, die dort trocknen sollen. Verkehrsflächen innerhalb der Lagerzone, z. B. Treppen oder Laufgänge, sind unüblich, da sie wertvollen Speicherplatz verbrauchen. Die Vertikalbewegung innerhalb der Lagerzone erfolgt meist mithilfe von Leitern. Die Tabakblätter werden zunächst entweder an Schnüren („Tabakbandelier“) mithilfe einer großen Nadel bzw. einer Einfädelmaschine aufgereiht oder an Stäben aufgespießt. In Deutschland ist die Bandelierhängung üblich, in den Niederlanden wurden Stäbe verwendet. Die Trockenschuppen sind in der Lagerzone mit einem Gerüst aus langen Holzstangen (sog. „Rahmschenkel“) ausgestattet, um die Schnüre bzw. die Stäbe aufzunehmen. Im Falle der Bandeliertrocknung sind die Rahmschenkel mit Tabaknägeln versehen, das sind Nägel ohne hinderlichen Nagelkopf. Die Bandeliere haben an ihren beiden Enden jeweils eine Schlaufe. Zwischen zwei benachbarten Rahmschenkeln wird das Bandelier aufgehängt, indem jeweils eine Schlaufe über einen Nagel gestreift wird. Im Falle der Stangentrocknung werden die Stäbe auf die Rahmschenkel gelegt.