Als Hypogenitalismus (altgr. ὑπό Hypo = ‚unter‘) bezeichnet man die Unterentwicklung der Geschlechtsorgane, , (infantile Entwicklung des Genitale), wozu meist auch die sekundären Geschlechtsmerkmale gerechnet werden. Die Ursache für Hypogenitalismus ist meist hormoneller Natur, beispielsweise als Folge einer Unterfunktion der Keimdrüsen (Hypogonadismus). Das Gegenteil von Hypogenitalismus ist eine übermäßige Geschlechtsentwicklung (Hypergenitalismus).
Klinisches Bild Beim Mann äußert sich Hypogenitalismus durch einen kleinen, kindlichen Penis (siehe auch Mikropenis) und ein kleines, glattes Skrotum. Die Prostata kann nicht ertastet werden, beziehungsweise ist sie nur als haselnussgroßer Knoten fühlbar. Bei Frauen ist im Fall von Hypogenitalismus die Entwicklung von Gebärmutter und Eileiter gestört. Bei beiden Geschlechtern sind die sekundären Geschlechtsmerkmale unvollständig ausgebildet.
mini|Unterentwickeltes Geschlechtsorgan eines Mannes
Hypogenitalismus als Symptom/bei Syndromen Hypogenitalismus ist in vielen Fällen ein Symptom unterschiedlicher Erkrankungen und Syndrome. Dazu gehören unter anderem:H. Vogl: Differentialdiagnose der medizinisch-klinischen Symptome. UTB-Verlag, 1994, ISBN 3-8252-8066-7 Adiposogigantismus Akrokallosales SyndromS. A. Temtamy, N. A. Meguid: Hypogenitalism in the acrocallosal syndrome. In: Am J Med Genet, 32, 1989, S. 301–305. PMID 2658583 Alström-Syndrom kongenitale Anorchie Biemond-Syndrom Typ II, abgerufen am 19. Februar 2010. Börjeson-Forssman-Lehmann-Syndrom Carpenter-SyndromE. Tarhan u. a.: The carpenter syndrome phenotype In: Int J Pediatr Otorhinolaryngol, 68, 2004, S. 353–357. PMID 15129947 CHARGE-Syndrom; abgerufen am 19. Februar 2010. DeSanctis-Cacchione-Syndrom Down-Syndrom (Trisomie 21)A. Schinzel: Down-Syndrom – Trisomie 21. Institut für Medizinische Genetik der Universität Zürich. 1/2007 Dyskeratosis congenita idiopathischer Eunuchoidismus Fanconi-Anämie Fröhlich-Syndrom (Dystrophia adiposogenitalis) Hairless-woman-Syndrom (testikuläre Feminisierung) Harrod-Syndrom; abgerufen am 19. Februar 2010. Hand-Schüller-Christian-Syndrom Hermaphroditismus Kallmann-Syndrom Klinefelter-Syndrom Laurence-Moon-Biedl-Bardet-Syndrom LEOPARD-Syndrom Leschke-Syndrom MacDermot-Winter-Syndrom Martsolf-Syndrom, abgerufen am 19. Februar 2010. MEHMO-Syndrom Hypophysärer Zwergwuchs Prader-Willi-Syndrom Progeria-Hutchinson adrenogenitaler Pseudohermaphroditismus feminus Pseudohermaphroditismus feminus, nicht adrenal bedingt Pseudohermaphroditismus masculinus Richards-Rundle-Syndrom Robinow-Syndrom; abgerufen am 19. Februar 2010. Ruvalcaba-Syndrom Turner-Syndrom Ullna-Mamma-Syndrom (Schinzel-Syndrom), abgerufen am 19. Februar 2010. Van-Bogaert-Scherer-Epstein-Syndrom (zerebrotendinöse Xanthomatose) Warburg-Mikro-Syndrom; abgerufen am 19. Februar 2010. Williams-Beuren-Syndrom XX-Mann
Therapie Hypogenitalismus lässt sich mittels der Hormontherapie behandeln. Bei männlichen Patienten wird beispielsweise Testosteron in Form von Injektionen oder als Pflaster (Testosteronpflaster) zugeführt. Bei weiblichen Patienten wird, je nach Alter und Grad des Hypogenitalismus, meist Ethinylestradiol, Estradiol oder Chlormadinon gegeben.E. Weimann und G. Horneff: Endokrinologische und immunologische Krankheitsbilder in der Pädiatrie. Schattauer Verlag, 2002, ISBN 3-7945-2105-6, S. 44–49. Beim Klinefelter-Syndrom verbessert beispielsweise die Gabe von Testosteron die Lebensqualität der Patienten und wirkt gegen Anämie, Osteoporose, Muskelschwäche und Impotenz.M. Zitzmann u. a.: In: J Clin Endocrinol Metab, 89, 2004, S. 6208–6217. PMID 15579779A. Kübler u. a.: The influence of testosterone substitution on bone mineral density in patients with Klinefelter’s syndrome. In: Exp Clin Endocrinol, 100, S. 1992, S. 129–132. PMID 1305064J. Nielsen u. a.: Follow-up of 30 Klinefelter males treated with testosterone. In: Clin Genet 33, 1988, S. 262–269. PMID 3359683A. Bade: Das Klinefelter-Syndrom: Berücksichtigung in der ärztlichen Praxis und Literatur. Dissertation, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 2007
Einzelnachweise
Kategorie:Krankheitsbild in der Endokrinologie