Klein-Breitenbach ist eine Ansiedlung in der Gemarkung Mörlenbach der Gemeinde Mörlenbach im südhessischen Landkreis Bergstraße.

Geographie mini|Das Klein-Breitenbacher Tal unterhalb des Waldsees und am Fuße des Steinböhls. Hier liegt eine Quellkammer für die Trinkwasserversorgung von Mörlenbach.

Geographische Lage Klein-Breitenbach liegt im Nordwesten der Kerngemeinde im Vorderen Odenwald und ist von der nahen Bergstraße nur durch den Gebirgszug der Juhöhe getrennt. Die Ansiedlung folgt auf rund eineinhalb Kilometern Länge in etwa der östlichen Talseite des in Nord-Süd-Richtung fließenden Bachs, der über den unteren Ederbach, der aus dem Bonsweiherer Tal kommt, der Weschnitz von Westen zufließt. Die Ortslage konzentriert sich auf die Klein-Breitenbach genannte Ortsstraße und einige kurze Parallelstraßen mit etwa 180 bebauten Grundstücken. Am südlichen Ortsende schließen sich die ersten Häuser der Kerngemeinde Mörlenbach und ein Gewerbegebiet an.

Der im Ortsnamen erwähnte Dorfbach entspringt nördlich von Klein-Breitenbach am Fuß der bewaldeten Taschengrube (297 m) und speist den Waldsee, bevor er durch die Wiesen der Ansiedlung zufließt. Im Tal unterhalb des Sees und am westlichen Fuß des Steinböhl (ca. 261 m) liegen auch eine Quellkammer und ein Wasserbehälter für die Trinkwasserversorgung von Mörlenbach.Geodaten online

Geologie Das Gebiet um Klein-Breitenbach zählt im Kristallinen Odenwald zu dessen größter geologischer Einheit, dem →Weschnitzpluton in der Weschnitzsenke. Hier entstand im Unterkarbon vor etwa 333 bis 329 Mio. Jahren mit der variszischen Gebirgsbildung Granodiorit. Bei den Prozessen der Gebirgsbildung rissen im Gestein zwischen Klein- und Groß-Breitenbach Spalten auf, in welche Baryt-Quarz-Schmelzen eindrangen und langsam auskristallisierten. mini|Steinböhl-Quarz-Baryt-Härtling von Groß-Breitenbach aus Vor etwa 45 Mio. Jahren formte sich das heutige Landschaftsbild. Ursache waren tektonische Bewegungen, die zur Absenkung des Oberrheingrabens und zu einer Zerklüftung und Zerlegung des Odenwaldes in viele Gebirgsblöcke führten.Nickel, Erwin: Odenwald – Vorderer Odenwald zwischen Darmstadt und Heidelberg. Sammlung geologischer Führer (2. Aufl.) 65, Borntraeger Berlin 1985, S. 12ff. Zudem förderte das warmfeuchte Tertiär-Klima die Verwitterung, und die Wasserläufe der Weschnitz-Seitentäler bei Mörlenbach, wie die Breitenbacher Bäche, schnitten sich tief ins Gelände ein und zersägten die Bergmassive. Große Teile der Granodioritmassen zerfielen zu Grus und die Bäche transportierten den Schutt ab. Wegen seines härteren Gesteins blieb der Steinböhl dagegen als Anhöhe erhalten.

Unter diesen klimatischen Bedingungen bildeten sich auch die Granit-Felsgruppen an den Hängen zur Juhöhe und zum Kreiswald: Die oberen Partien der Höhenrücken zerrissen in Blöcke, die anschließend durch Chemische Verwitterung abgerundet wurden und talabwärts rutschten.

Geschichte Von den Anfängen bis zum 18. Jahrhundert Klein-Breitenbach entstand im Gebiet der ehemaligen „Mark Heppenheim“, die einen Verwaltungsbezirk des Frankenreichs bezeichnete. Am 20. Januar 773 schenkte Karl der Große die Stadt Heppenheim nebst dem zugehörigen Bezirk, der ausgedehnten „Mark Heppenheim“, dem Reichskloster Lorsch. Von hier wurde die Urbarmachung und Besiedlung des Gebietes betrieben, dazu gehörte auch das Weschnitztal mit seinen Seitentälern. Der Blütezeit des Klosters Lorsch folgte im 11. und 12. Jahrhundert sein Niedergang. 1232 wurde Lorsch dem Erzbistum Mainz unterstellt. 1461 verpfändet dann Kurmainz diese Besitzungen an die Kurpfalz. Diese wechselte 1556 zum protestantischen Glauben und hob 1564 das Kloster auf.

Klein-Breitenbach wurde, wie die Dörfer in den benachbarten Weschnitznebentälern, etwa im 11. JahrhundertWagner, Otto (Bearbeiter): Heimatbuch Mörlenbach. Selbstverlag der Gemeinde Mörlenbach. 1983, S. 3,12. von Mörlenbach aus als planmäßige Waldhufensiedlung angelegt.Nitz, Hans-Jürgen: Die ländlichen Siedlungsformen des Odenwaldes. Heidelberger geogr. Arbeiten H. 7, Heidelberg/München 1962. Die Bauernhöfe lagen östlich des Bachlaufes im Abstand von etwa 200 bis 400 Metern jeweils innerhalb eines breiten, als „Hufe oder Hube“ quer zum Tal durch die Feldflur parzellierten Ackerland- und Wiesenstreifens.

1232 unterstellte Kaiser Friedrich II. die Reichsabtei Lorsch dem Erzbistum Mainz und seinem Bischof Siegfried III. von Eppstein zur Reform. Die Benediktiner widersetzten sich der angeordneten Reform und mussten deshalb die Abtei verlassen. Sie wurden durch Zisterzienser aus dem Kloster Eberbach und diese 1248 durch Prämonstratenser aus dem Kloster Allerheiligen ersetzt. Von diesem Zeitpunkt an wurde das Kloster als Propstei weitergeführt.

1267 wird erstmals ein Burggraf auf der Starkenburg (über Heppenheim) genannt, der auch das „Amt Starkenburg“, zu dem Klein-Breitenbach zählte, verwaltete. Als Gericht der „Niederen Gerichtsbarkeit“ und untergeordnete Verwaltungseinheit entwickelte sich die Zent Mörlenbach deren älteste erhalten gebliebene Beschreibung aus dem Jahr 1504 stammt, in der Klein-Breitenbach noch nicht erwähnt wurde. Erst 1654 wurde der Ort erstmals als Teil der Zehnt genannt.

Die erste Erwähnung des Ortes findet sich 1369 als Klein-Breidenbach in einem Zinsbuch für das Oberamt Heidelberg zusammen mit den Orten Mörlenbach, Bonsweiher und Weiher.Generallandesarchiv Karlsruhe Sign 66/3480. (Siehe auch Zent Mörlenbach.) Ein Salbuch von 1480Hess. Staatsarchiv Darmstadt, Salbuch 47a (Sign C2, St. Nr. 47a). sowie das Kopialbuch von 1590Generallandesarchiv Karlsruhe, Kopialbuch 882, Fol.234. nennen für Klein-Breitenbach 3 Höfe.

Über die Grundherrschaftsverhältnisse in Klein-Breitenbach ist bekannt, dass im 14. Jahrhundert der Pfalzgraf an die Landschad von Steinach die Gülte über die vier Hubengüter zum Lehen gab und im 15. Jahrhundert der Erzbischof von Mainz die Gülte von mehreren Gütern als Lehen vergab. Über die Abgabe des Zehnten wurde überliefert, dass 1488 je der zweite Teil an den Landesherren und die Landschad zu Steinach gehen. 1654 haben an dem großen und „kleinen Zehnten“ der „Junker Stettenberger“ 2/3 und das Kloster Lorsch zusammen mit dem Pfarrer von Mörlenbach 1/3.

Im Verlauf der für Kurmainz verhängnisvollen Mainzer Stiftsfehde wurde das Amt Starkenburg an Kurpfalz wiedereinlöslich verpfändet und blieb anschließend für 160 Jahre pfälzisch. Pfalzgraf Friedrich ließ sich für seine Unterstützung von Erzbischof Dieter – im durch die Kurfürsten am 19. November 1461 geschlossenen „Weinheimer Bund“ – das „Amt Starkenburg“ verpfänden, wobei Kurmainz das Recht erhielt, das Pfand für 100.000 Pfund wieder einzulösen.

In den Anfängen der Reformation sympathisierten die pfälzischen Herrscher offen mit dem lutherischen Glauben, aber erst unter Ottheinrich (Kurfürst von 1556 bis 1559) erfolgte der offizielle Übergang zur lutherischen Lehre. Danach wechselten seine Nachfolger und gezwungenermaßen auch die Bevölkerung mehrfach zwischen der lutherischen, reformierten und calvinistischen Religion. Als Folge der Reformation hob die Kurpfalz 1564 das Kloster Lorsch auf. Die bestehenden Rechte wie Zehnten, Grundzinsen, Gülten und Gefälle des Klosters Lorsch wurden fortan durch die „Oberschaffnerei Lorsch“ wahrgenommen und verwaltet.

Als im Laufe des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) spanische Truppen der „Katholischen Liga“ die Region eroberten, wurde 1623 die Kurmainzer Herrschaft wiederhergestellt. Dadurch wurde die durch die Pfalzgrafen eingeführte Reformation weitgehend wieder rückgängig gemacht und die Bevölkerung musste wieder zum katholischen Glauben zurückkehren. Zwar zogen sich die spanischen Truppen nach 10 Jahren vor den anrückenden Schweden zurück, aber nach der katastrophalen Niederlage der Evangelischen in der Nördlingen 1634 verließen auch die Schweden die Bergstraße, und mit dem Schwedisch-Französischen Krieg begann ab 1635 das blutigste Kapitel des Dreißigjährigen Krieges. Aus der Region berichten die Chronisten aus jener Zeit: „Pest und Hunger wüten im Land und dezimieren die Bevölkerung, sodass die Dörfer öfters völlig leer stehen“. Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 wurde die Einlösung der Pfandschaft endgültig festgeschrieben.

Als es 1782 zu einer Umstrukturierung im Bereich des Kurmainzer Amtes Starkenburg kam, wurde der Bereich des Amtes in die vier untergeordneten Amtsvogteien Heppenheim, Bensheim, Lorsch und Fürth aufgeteilt und das Amt in Oberamt umbenannt. Die Zente Abtsteinach, Fürth und Mörlenbach, wo Klein-Breitenbach lag, wurden der Amtsvogtei Fürth unterstellt und mussten ihre Befugnisse weitgehend abgeben. Zwar blieb die Zentordnung mit dem Zentschultheiß formal bestehen, dieser konnte jedoch nur noch die Anordnungen der übergeordneten Behörden (Oberamt Starkenburg, Unteramt Fürth) ausführen. Das „Oberamt Starkenburg“ gehörte verwaltungsmäßig zum „Unteren Erzstift“ des Kurfürstentums Mainz. Kirchlich gehörte der Ort unter Kurmainzer Herrschaft als Filialdorf zur Pfarrei Mörlenbach.Wagner, 1983, S. 94ff.

Vom 19. Jahrhundert bis heute Klein-Breitenbach wird hessisch

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachten Europa weitreichende Änderungen. Als Folge der Napoleonischen Kriege wurde bereits 1797 das „Linke Rheinufer“ und damit der linksrheinische Teil von Kurmainz durch Frankreich annektiert. In seiner letzten Sitzung verabschiedete im Februar 1803 der Immerwährende Reichstag in Regensburg den Reichsdeputationshauptschluss, der die Bestimmungen des Friedens von Luneville umsetzte, und die territorialen Verhältnisse im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) neu regelte. Dabei erhielt die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, als Ausgleich für verlorene rechtsrheinische Gebiete, unter anderem Teile der aufgelösten Fürstentümer Kurmainz, Kurpfalz und des Worms zugesprochen. Auch das Oberamt Starkenburg und mit ihm Klein-Breitenbach kam an Hessen-Darmstadt. Dort wurde die „Amtsvogtei Fürth“ vorerst als hessisches Amt weitergeführt, während das Oberamt Starkenburg 1805 aufgelöst wurde. Die übergeordnete Verwaltungsbehörde war der „Regierungsbezirk Darmstadt“, der ab 1803 auch als „Fürstentum Starkenburg“ bezeichnet wurde. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Damit hatten die Zente und die mit ihnen verbundenen Zentgerichte endgültig ihre Funktion eingebüßt.

Unter Druck Napoléons gründete sich 1806 der Rheinbund, dies geschah mit dem gleichzeitigen Reichsaustritt der Mitgliedsterritorien. Dies führte am 6. August 1806 zur Niederlegung der Reichskrone, womit das alte Reich aufhörte zu bestehen. Am 14. August 1806 erhob Napoleon die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, gegen den Beitritt zum Rheinbund und Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich, zum Großherzogtum, andernfalls drohte er mit Invasion.

1812 wurde das ehemals Pfälzische Oberamt Lindenfels aufgelöst und das bereits als Zentort bestehende Wald-Michelbach erhielt eine eigene Amtsvogtei, deren Amtsbereich wurde auch Klein-Breitenbach zugewiesen.Konrad Dahl, S. 243 ()

Konrad Dahl berichtet 1812 in seiner Historisch-topographisch-statistische Beschreibung des Fürstenthums Lorsch, oder Kirchengeschichte des Oberrheingaues über Klein-Breitenbach als Ort der „Zent Mörlenbach“: