mini|Adriaen Coorte: Stillleben mit Spargelbund, 1697, Rijksmuseum Amsterdam Adriaen Coorte (* um 1665; † nach 1707), auch Adrian Coorte oder Adriaen Corte, war ein niederländischer Maler des Barock. Über das Leben des auf Stillleben spezialisierten Künstlers ist nur wenig bekannt. Coorte geriet nach seinem Tod fast 200 Jahre nahezu in Vergessenheit. Sein Werk fand erst im 20. Jahrhundert Eingang in öffentliche Sammlungen.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 16. Vermutet wird eine Ausbildung Coortes bei Melchior de Hondecoeter in Amsterdam.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 23. Danach arbeitete er als Maler zwischen 1685 und 1707 in der Gegend von Middelburg.Fred G. Meijer: Coorte, Adriaen in Allgemeines Künstlerlexikon, 1999, Band XXI, S. 93. In seinem Frühwerk finden sich Darstellungen mit Vögeln und einige Vanitas-Gemälde. In den späteren Bildern wählte Coorte bevorzugt Beerenobst, Spargel oder Muscheln für seine Stillleben. Hierbei beschränkte er sich meist auf einige wenige Gegenstände, die durch eine besonders naturnahe Darstellung gekennzeichnet sind.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 15. Zwei Drittel seiner Arbeiten entstanden zunächst auf Papier und wurden später auf Holz oder Leinwand übertragen, eine Technik, die zu Lebzeiten des Künstlers nur selten Verwendung fand.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 57.

Leben mini|Berglandschaft mit Enten, 1683, Privatsammlung Über das Leben von Adriaen Coorte ist nahezu nichts bekannt. Es existieren weder Angaben zu Geburtsort und -datum noch Informationen über den Zeitpunkt und Ort seines Todes.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 18. Ebenso fehlen jegliche Hinweise über seinen familiären Hintergrund. Die erste bekannte urkundliche Erwähnung Coortes ist in den Büchern der Lukasgilde der niederländischen Stadt Middelburg für das Jahr 1695 oder 1696 vermerkt. Danach verhängte die Gilde der Maler eine Geldstrafe gegen Coorte, da er unerlaubterweise versucht hatte, Gemälde zu verkaufen, ohne der Gilde anzugehören.Bei der Bombardierung von Middelburg 1940 ging ein Großteil der Archivunterlagen der Stadt verloren, darunter auch das Archiv der Lukasgilde. Heute existieren nur einige Abschriften diese Quellen. In Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 18.

Coorte geriet nach seinem Tod fast 200 Jahre nahezu in Vergessenheit und nur wenige Privatsammler kannten seine Bilder. Sein Name erschien in dieser Zeit nur vereinzelt in Verkaufsunterlagen. In der kunstgeschichtlichen Literatur fand Coorte 1881 durch den Franzosen Henry Havard erstmals Erwähnung, 1889 gefolgt durch den niederländischen Architekten Jan Adriaan Frederiks. Beide besaßen Werke von Coorte in ihren Sammlungen und beschrieben seine Arbeiten in Artikeln.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 17. 1903 schenkte Arnoldus des Tombe aus Den Haag dem Rijksmuseum Amsterdam Coortes Stillleben mit Spargelbund von 1697, wodurch eine größere Öffentlichkeit Gelegenheit hatte, eines seiner Werke zu betrachten. Der Kunsthistoriker und damalige Direktor des Dordrechts Museum, Laurens J. Bol, veröffentlichte 1952 erstmals einen ausführlichen Artikel über den Maler. Nach einer dem Künstler 1958 im Dordrechts Museum gewidmeten Werkschau, bei der 35 Arbeiten von Coorte gezeigt wurden, veröffentlichte Bol schließlich 1977 eine Monografie über Adriaen Coorte, die ein Werkverzeichnis der bekannten Gemälde einschloss. Anlässlich einer Retrospektive von Coortes Werken 2008 im Mauritshuis in Den Haag erschien ein aktualisiertes und kommentiertes Werkverzeichnis von Quentin Buvelot.

Über das Geburtsjahr von Coorte gibt es verschiedene Annahmen. Ausgehend von der vermuteten Lehrzeit in Amsterdam von 1680 bis 1683 geht der Kunsthistoriker Quentin Buvelot von einem möglichen Geburtsjahr im Zeitraum 1660–1665 aus. Fred G. Meijer vom Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie gibt als Geburtsjahr „(um) 1665“ an. Auch bei der Herkunft des Malers kommen Kunsthistoriker zu unterschiedlichen Überlegungen. Ein Dokument von 1780 gibt als Coortes Herkunftsort Vlissingen an.In einer Beschreibung eines Coorte zugeschriebenen Stillleben wurde als Herkunft des Malers 1780 Vlissingen angegeben. Das BloemStuck door Coorte te Vlissingen (Blumenstück von Coorte aus Vlissingen) bezeichnete Gemälde ist im Inventar des Jacob van Citters erwähnt, ehemals Archives von des Tombes, heute Nationalarchiv Utrecht. In Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 121. Weiter südlich, in den Spanischen Niederlanden, sieht hingegen der Kunsthistoriker Arthur K. Wheelock das Herkunftsgebiet von Adriaen Coorte.Arthur K. Wheelock: The Golden Age of Dutch and Flemish painting. S. 48. Nach den Aufzeichnungen des Kunsthistorikers Abraham Bredius war der Name Adriaen Coorte 1665 in Middelburg erwähnt. Hierbei könnte es sich nach Bredius aber auch um den Vater des Künstlers gehandelt haben.Laurens Johannes Bol: Adriaen Coorte . S. 3. Zudem findet sich ein Johan Coorte 1659 als Mitglied der Gemeinde von Sluis.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 75.

Für Coortes Tätigkeit als Maler in der Gegend von Middelburg spricht neben dem Vermerk in den Büchern der Lukasgilde auch die Tatsache, dass seine Gemälde im 18. und 19. Jahrhundert fast ausschließlich in Inventaren und Auktionsunterlagen der Provinz Zeeland vermerkt sind. Vermutet wird Coortes Ausbildung zum Maler bei Melchior de Hondecoeter in Amsterdam von 1680 bis 1683. Das früheste bekannte Werk Coortes, Berglandschaft mit Enten von 1683, ist in Teilbereichen nach Gemälden von de Hondecoeter kopiert. Seine datierten Werke reichen insgesamt bis ins Jahr 1707.Coortes bis heute erhaltenen Gemälde sind bis zum Jahr 1705 datiert. Bei Verkauf der Sammlung H.W.F. van Panhus 1882 in Amsterdam machte sich der Kunsthistoriker Abraham Bredius Notizen über ein mit 1707 datiertes und signiertes Werk Coortes, dessen Verbleib und Motiv heute unklar sind. In Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 18 und 124. Da das bekannte Gesamtwerk des Künstlers nur etwas mehr als 100 Werke umfasst, ist unklar, ob Coorte von der Malerei seinen Lebensunterhalt allein bestreiten konnte, oder ob er noch einen weiteren Beruf hatte. Der früheste Nachweis für die Versteigerung eines Werkes von Coorte stammt vom 3. August 1713.Es handelt sich um ein Vrugten, door van Koorde (Früchte, von van Koorde) bezeichnetes Werk, das bei der Auktion der Sammlung des Bürgermeisters von Middelburg, Jean Walran Sandra, vermerkt ist. In Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 75 und 120. Quentin Buvelot hält es für möglich, dass Adriaen Coorte zu diesem Zeitpunkt noch lebte, da der Tod des Malers in den Auktionsunterlagen nicht vermerkt ist.

Werk

Malweise mini|Stillleben mit drei Mispelfrüchten und Schmetterling, um 1696–1700, Privatsammlung Coorte beschränkte sich bei der Mehrheit seiner Bilder auf die Darstellung weniger Gegenstände. Seine Gemälde zeichnen sich durch eine detailreiche Feinmalerei mit geschickter Beleuchtung aus. Durch eine besonders naturnahe Darstellung wirken die Objekte nahezu realistisch. Gelegentlich finden sich allerdings Schwächen in der Perspektive. Dies wird besonders bei einigen der wiedergegebenen Steintische und Tongefäße deutlich.

Etwa zwei Drittel seiner Stillleben malte Coorte auf Papier. Während des Malprozesses oder direkt nach Fertigstellung fixierte er das Papier auf Holz oder Leinwand. Obwohl heute davon ausgegangen wird, dass Coorte diese Arbeit selbst vornahm, sprechen einige Indizien dafür, dass die Übertragung auf Leinwand oder Holz möglicherweise erst im 18. oder 19. Jahrhundert erfolgte, zumal diese so genannte Marouflé-Technik im 17. und 18. Jahrhundert nur selten Verwendung fand. Bei der Restaurierung des 1693–1695 entstandenen Gemäldes Zwei Pfirsiche mit einem Schmetterling kam nach Trennung des Papiers vom Trägerholz auf der Rückseite des Papiers eine alte Rechnung zum Vorschein. Möglicherweise benutzte Coorte auch bei anderen Gemälden Altpapier als Malgrund. Bei der Restaurierung dreier weiterer Bilder im Jahr 2007 konnten zudem kleine Löcher im Papier entdeckt werden, die auf die Fixierung des Papiers während des Malprozesses schließen lassen.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 127.

Motive mini|Vanitas-Stillleben, 1686, Privatsammlung Coortes bekanntes Œuvre ist mit etwas mehr als 60 signierten Werken relativ klein. Zusammen mit einigen nur noch aus älteren Beschreibungen bekannten Bildern kam Bol in seinem Werkkatalog von 1977 auf insgesamt 109 Arbeiten des Künstlers. Die Bilder sind meist datiert und stammen aus den Jahren 1683 bis 1707, wobei die Mehrzahl zwischen 1696 und 1705 entstand. All diese Bilder zeigen Stillleben, fast ausnahmslos mit Früchten, Gemüse, Muscheln oder aber einige Vanitas-Stillleben vor einem dunklen Hintergrund.

Zu den Ausnahmen gehören drei Frühwerke mit Geflügelmotiven in einer Landschaft. Neben dem Coorte zugeschriebenen und auf 1682/1683 datierten Gemälde Eine Henne mit Küken gehören zu dieser Gruppe die vom Künstler mit der Jahresangabe 1683 versehenen und signierten Werke Berglandschaft mit Enten und Pelikan und Enten in einer Berglandschaft, die beide in Teilbereichen von Melchior de Hondecoeter übernommene Motive aufweisen. So finden sich der Pelikan und drei Enten aus de Hondecoeters um 1680 entstandenen Gemälde Die schwimmende Feder (Rijksmuseum Amsterdam) nahezu unverändert in Coortes Bild Pelikan und Enten in einer Berglandschaft wieder. 1699 griff Coorte erneut auf das Landschaftsmotiv als Bildhintergrund zurück und nahm hierbei wiederum ein Motiv von de Hondecoeter als Vorbild. Im Stillleben mit Spargelbund, einem Zweig Stachelbeeren, einer Schüssel Erdbeeren und einem Wiedehopf im Hintergrund ist der Wiedehopf eine Kopie aus de Hondecoeters Vögel in einem Park von 1686 (Rijksmuseum Amsterdam).Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 24.

Zum Frühwerk des Künstlers gehören weiterhin drei bekannte Vanitas-Stillleben, die zwischen 1686 und 1688 entstanden.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 30. Das Thema Vergänglichkeit – typisch für niederländische Barockstillleben – thematisierte Coorte in diesen Bildern durch Hinzufügung symbolhafter Gegenstände. In dem auf 1686 datieren Vanitas-Stillleben (Privatsammlung) finden sich beispielsweise ein Totenschädel und ein Stundenglas. Zusätzlich weist eine Öllampe auf die verrinnende Zeit hin. Im Vanitas-Stillleben von 1687 ist es neben einem Schädel eine Kerze, die auf die Endlichkeit des Lebens deutet. Das Vanitasstillleben in einer Nische von 1688 weist wiederum Schädel und Öllampe auf. Hier fügte der Maler darüber hinaus eine Taschenuhr als Symbol der ablaufenden Zeit hinzu. Weitere Requisiten wie eine Pfeife oder eine Tanzmeistergeige stehen für die Flüchtigkeit des Rauches beziehungsweise die schnell verklingende Musik, beides ebenfalls Hinweise auf die vergehende Zeit.

Coortes Stillleben sind häufig auf einer Ecke eines Sockels oder einer Platte aus Stein arrangiert, teilweise zeigt er sie in einer Nische. Solche Steinplatten – auch Fenstersimse – nutzten vor Coorte bereits niederländische Künstler wie Pieter Claesz oder Karel Slabbaert als Standfläche ihrer Stilllebenobjekte.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 28. Der Stein bei Coorte ist oftmals mit einer Kerbe oder einem Riss versehen, wodurch das Thema Vergänglichkeit der Stilllebenmotive noch unterstrichen wird. Die Kante des Steins nutzte er zudem bevorzugt als Platzierung für seine Signatur, die mal als A. Coorte, mal nur mit AC vorkommt.Quentin Buvelot: The still lifes of Adriaen Coorte. S. 29.

mini|Stillleben mit Erdbeeren, 1705, Mauritshuis, Den Haag