Friedrich Ludwig Werner von Bergen (* 20. Januar 1839 in Königsberg; † 29. Oktober 1901 in Wiesbaden) war ein deutscher Diplomat. Er war Konsul in Siam (1871–1874) und Französisch-Indochina (1874–1876) sowie von 1876 bis 1897 (mit Unterbrechung) Ministerresident bzw. Gesandter in Guatemala und Geschäftsträger für Zentralamerika.
mini|hochkant|Das Grab von Werner von Bergen im Familiengrab auf dem Nordfriedhof (Wiesbaden).
Leben Werner von Bergen stammt aus einer uradeligen Familie, mit verschiedenen Schreibweisen, auch von Berg, und er war der Sohn des preußischen Regierungsrats Adolph von Bergen und der Auguste Amalie, geb. Wartmann.
Er studierte 1855/56 und 1859 Rechts- und Staatswissenschaft an den Universitäten Königsberg und Berlin. 1857 trat er in die preußische Armee ein, in das 7. Ostpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 44, wurde im Februar 1861 Sekonde-Leutnant. Dann absolvierte er von 1861 bis 1864 die Kriegsakademie in Berlin, war 1866 Premieur-Leutnant und wurde folgend zum Hauptmann befördert. Im Deutschen Krieg 1866 zog er sich ein Beinleiden zu, lehrte 1867 Taktik an der Vereinigten Artillerie- und Ingenieurschule und dann Terrainkunde an der Kriegsschule in Potsdam.
Nachdem er 1868 dienstunfähig ausgemustert wurde, wechselte von Bergen in den konsularischen Dienst des Auswärtigen Amtes. Er wurde zunächst Sekretär des Generalkonsulats in Caracas. In Venezuela hatten im selben Jahr die „blauen“ (konservativen) Rebellen die liberale Regierung von Juan Crisóstomo Falcón gestürzt. Zeitweilig leitete von Bergen als interimistischer Geschäftsträger die Vertretung des Norddeutschen Bundes in Caracas.
Als 1869 die deutschen Schoner Franz und Marie Sophie in Maracaibo geentert und festgehalten wurden, protestierte von Bergen scharf, verlangte eine förmliche Entschuldigung und Wiedergutmachung. Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, überzeugte er Berlin, drei Kriegsschiffe – Arcona, Niobe und Meteor – unter Eduard von Knorr nach Venezuela zu entsenden. Unter diesem Eindruck gab Venezuela im März 1870 den deutschen Forderungen nach.Holger H. Herwig: Germany's Vision of Empire in Venezuela. 1871–1914. Princeton University Press, Princeton (N.J.) 1986, S. 143.
Im Dezember 1870 heiratete Werner von Bergen die gebürtige Venezolanerin Isabel de Alcalá, Tochter eines Offiziers und Plantagenbesitzers. Zwei Wochen später wurde er aus Caracas abberufen und auf eine Stelle in der Abteilung II (Handels-, Rechts- und Konsularsachen) im Auswärtigen Amt in Berlin versetzt.
Von Dezember 1871 bis 1874 war Werner von Bergen erster Konsul des neugegründeten Deutschen Reichs in Siam, wo kurz zuvor König Chulalongkorn (Rama V.) den Thron bestiegen hatte.Rudolf Baierl: (PDF; 2,7 MB), Stand September 2003.
Im Oktober 1872 wurde sein Sohn Diego von Bergen in Bangkok geboren,Deutsche Biographie: Bergen, Carl-Ludwig Diego von. 1872–1944., Stand 6. Juni 2026. der später ebenfalls eine Diplomatenkarriere einschlug. Von 1874 bis 1876 war von Bergen Konsul (mit dem Charakter als Generalkonsul) in Saigon, der Hauptstadt der damaligen französischen Kolonie Cochinchina, im heutigen Vietnam.
Ab April 1876 war er Geschäftsträger und Generalkonsul für Zentralamerika (Guatemala, Costa Rica, Honduras, Nicaragua und El Salvador) mit Dienstsitz in Guatemala-Stadt, ab 1883 im Rang eines Ministerresidenten. 1876 schloss er Freundschafts-, Handels-, Schifffahrts- und Konsularverträge mit den mittelamerikanischen Republiken Guatemala und HondurasStaatsbibliothek-Berlin.de. (SBB): Amtspresse., Stand 6. Juni 2026. und förderte damit den entstehenden Kaffeeanbau für den Export, welcher mit einer Landreform das Ejido zerstörte. Er ließ Hans Türckheim und Karl Sapper Konsulate einrichten.Regina Wagner, Cristóbal von Rothkirch: The history of coffee in Guatemala. Villegas Asociados, 2001, ISBN 958-8156-01-7, S. 118–119 (Digitalisat)Regina Wagner, Cristóbal von Rothkirch: Historia del café de Guatemala. Villegas Asociados, Colombia 2003, ISBN 958-96982-8-X, S. 118–119 (Digitalisat)
1877 eskalierte von Bergen die Eisenstuck-Affäre mit der Regierung von José Vicente Cuadra in Nicaragua. Gegen die Monroe-Doktrin, welche die Europäischen Handelsinteressen in Zentralamerika fortgesetzt bedrohte, riet von Bergen auf jeden erdenklichen Weg die Atmosphäre unter den fünf zentralamerikanischen Staaten zu verbessern und eine wirtschaftliche Integration vorzubereiten. Der kaiserliche Missionschef von Bergen warf der Regierung der USA imperiale Ambitionen in Zentralamerika vor, dies belastete Anfang der 1880er-Jahre die deutsch-amerikanischen Beziehungen.Thomas David Schoonover: The United States in Central America, 1860–1911: Episodes of Social Imperialism and Imperial Rivalry in the World System. Duke University Press, Durham (North Carolina) 1991, ISBN 0-8223-1160-7, S. 90, S. 169. (Digitalisat).Vgl. Zitat: “In order to oppose permanently the US. plans which threatened all European trade interests in Central America,” German Minister Werner von Bergen found it “necessary to improve in every possible way the atmosphere among the five free states and to prepare them for union.” … German-US relations were shaken when German Minister Werner von Bergen publicly accused the United States of imperial ambitions in Central America. Zitatende. Stand 6. Juni 2026.
Seine Position wurde Ende 1888 zum Gesandten in Guatemala aufgewertet, ab 1889 war er zugleich als Gesandter in Costa Rica akkreditiert. Werner von Bergen wurde 1890 zum königlich-preußischen Kammerherrn ernannt. Im März 1892 wurde er beurlaubt und im Oktober 1893 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Anfang 1895 wurde er jedoch erneut zum Gesandten bei den zentralamerikanischen Republiken ernannt (mit Dienstsitz in Guatemala–Stadt), die Geschäfte übernahm er dort im Mai 1895, im Januar des Folgejahres wurde er auch in Nicaragua akkreditiert.Götz Dieter Freiherr von Houwald: Deutsches Leben in Nikaragua. (Los Alemanes en Nicaragua). Auswanderer-Schicksale. Hrsg.: Nicaragua-Gesellschaft e.V., Bonn 1986, ISBN 3-925290-60-5. S. 143.
Bei seiner Versetzung in den Ruhestand Ende 1897 bekam von Bergen den Titel Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehen. Im Frühjahr 1890 wurde von Bergen als EhrenritterC. Herrlich: Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg. Jahrgang 31, Nr. 13, Julius Sittenfeld-Carl Heymanns Verlag, Berlin, den 26. März 1890, S. 73. in den Johanniterorden aufgenommen, war dort Mitglied der Brandenburgischen Provinzial-Genossenschaft, 1898 wurde er Rechtsritter der Kongregation.
Schriften Passive verb of the Thai language. 1875.Soll nach einer Idee von Samuel J. Smith entstanden sein. Reprint: Nabu-Press-BiblioBazar, Charleston-South Carolina 2013. ISBN 978-1-294-36736-9.
Literatur Maria Keipert (Red.), Peter Grupp: Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Hrsg. Auswärtiges Amt, Historischer Dienst. Band 1: Johannes Hürter: A–F. Schöningh, Paderborn u. a. 2000, ISBN 3-506-71840-1, S. 116. Johanniter-Orden (Hrsg.): Liste der Mitglieder der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem. 1898. Julius Sittenfeld, Berlin 1898, S. 91 Nr. 866, S. 186. Nr. 67. Fritz Erich, N.N. Toeppen: Geschichte des 7. Ostpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 44 von 1860 bis 1885. Mit: Militär-Vita bis 1885. Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1885, S. 192*. Nr. 51.
Einzelnachweise
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