Die New Yorker Geschichten ist eine Sammlung von Kurzgeschichten der amerikanischen Autorin Dorothy Parker. Die Auswahl entspricht Here Lies: The Collected Stories of Dorothy Parker von 1939. Die als New Yorker Geschichten bekannte und vielfach neu aufgelegte neuere deutschsprachige Übersetzung erschien in verschiedenen Verlagen.

Die New Yorker Geschichten beinhalten vor allem satirische Darstellungen der Beziehungen zwischen Frauen und Männern sowie kurze Szenen aus dem Familien- und Eheleben der wohlhabenden New Yorker Gesellschaft. Dorothy Parkers Ruf als Autorin beruht vor allem auf ihren Kurzgeschichten, die schon bei Erscheinen positiv aufgenommen wurden. Im deutschsprachigen Raum haben die New Yorker Geschichten durch die Brigitte-Edition mit einem Vorwort von Elke Heidenreich und durch die Aufnahme in den persönlichen Kanon der Weltliteratur des Literaturkritikers Denis Scheck in den 2000er Jahren weitere Bekanntheit erlangt.

Inhalt Eine Starke Blondine (Big Blonde) Hazel Morse ist eine schöne Blondine, ein Partygirl, das Männer magisch anzuziehen scheint. Nach einer gescheiterten Ehe ist sie für ihre Miete und den Lebensunterhalt von einer langen Reihe von Liebhabern abhängig, für die sie immer gut gelaunt scheinen muss. Sie wird zunehmend depressiv, verfällt dem Alkohol und versucht, sich umzubringen. Die Geschichte endet mit einer Unterhaltung mit ihrer Putzkraft Netti, die sie gefunden und vor dem Tod bewahrt hat.

New York – Detroit (From New York to Detroit) Eine junge Frau in New York ruft ihren Liebsten an, der sich in Detroit aufhält. Sie beklagt sich darüber, dass er sich nicht meldet, und will wissen, wann er nach New York zurückkehrt. Er klagt über die angeblich schlechte Telefonverbindung und versucht, das Gespräch mit dem Verweis darauf, dass sie ihm ja schreiben könne, abzubrechen. Es wird deutlich, dass der junge Mann abgelenkt ist, weil er Gäste hat. Er erklärt der jungen Frau auch noch, dass er demnächst weiter nach Chicago ziehen müsse, vertröstet sie auf einen Brief und bricht das Gespräch ab.

Nur ein kleines (Just a Little One) Der Leser wird mit dem Monolog einer Frau konfrontiert, die mit ihrem Freund Fred in einer Bar sitzt. Während die beiden Scotch trinken, schwankt die Frau zwischen romantischem Geturtel mit ihrem Freund und Eifersuchtsszene wegen einer anderen Frau, Edith, mit der Fred offensichtlich auch ausgeht. Obwohl die Erzählerin beteuert, dass sie immer nur ein kleines Schlückchen vom Scotch möchte, wird zum Ende der Geschichte deutlich, dass sie betrunken ist.

Aus dem Tagebuch einer New Yorker Lady (From the Diary of a New York Lady) Die Kurzgeschichte enthält karikierende Tagebucheinträge einer New Yorkerin mit all ihrer Oberflächlichkeit und „Problemchen“, die täglich nur darum kreisen, was sie anziehen soll, mit welchem Mann sie ausgehen soll und welche Farbe ihr Nagellack hat. Die Einträge werden vollends absurd, als klar wird, dass die New Yorker Lady gar nicht wie beabsichtigt jeden Tag mit einem anderen Mann ausgeht, sondern letztlich immer nur mit Ollie Martin, der als einziger Interesse zu haben scheint.

Bei Tageslicht betrachtet (Glory in the Daytime) Mrs. Murdock, die schon seit ihrer Kindheit für das Theater schwärmt, hat die Gelegenheit, über eine Bekannte die bekannte Schauspielerin Lily Wynton kennenzulernen. Während sie über diese Aussicht völlig begeistert ist, muss sie zu ihrer Enttäuschung feststellen, dass ihr Mann ihren Enthusiasmus dafür überhaupt nicht teilt. Als sie Lily Wynton schließlich persönlich kennenlernt, stellt sich heraus, dass diese ihre besten Tage bereits hinter sich hat, sich zynisch über Männer und Liebe äußert und Alkoholikerin ist. Mrs. Murdock verlässt das Treffen verfrüht in dem Bewusstsein, dass sie in ein schönes Zuhause mit einem geliebten Menschen zurückkehrt, wird aber erneut enttäuscht, weil ihr Mann wie immer kein Interesse für ihre Erlebnisse zeigt.

Pferdchen (Horsie) Miss Willmarth arbeitet für einige Wochen als Krankenschwester beim Ehepaar Gerald und Camilla Cruger nach der Geburt des ersten Kindes der Crugers. Sie kümmert sich um das Baby und um Camilla Cruger, die sich nach der Geburt erholen soll. Ohne es selbst zu merken, wird Miss Willmarth zum Gegenstand des Spotts zwischen den Eheleuten Cruger und deren Freunden, weil sie ein wenig wie ein Pferd aussieht. Als sie schließlich den Haushalt der Crugers verlässt, erhält Miss Willmarth von Gerald Cruger einen Blumenstrauß zum Abschied. Während die Crugers froh sind, dass Miss Willmarth geht, freut sie sich über den einzigen Blumenstrauß, den sie je von einem Mann erhalten hat.

Vetter Larry (Cousin Larry) Die Protagonistin beschwert sich in einem fort über die Frau eines Freundes, Larry, "der fast zur Familie" gehöre, bei einer nicht weiter dargestellten oder gar reagierenden Freundin. Sie erklärt, dass sie Larry als Verwandten betrachte und dass doch nichts dabei wäre, dass sie mit Larry Spaß habe. Schließlich sei Larrys Frau selbst schuld, wenn sie so früh ins Bett ginge und sie mit Larry allein ließe.

Trost und Licht (Lady with a Lamp) Während eines Krankenbesuchs bemitleidet die Protagonistin ihre angeblich beste Freundin Mona in einem langen Monolog. Durch den Monolog lernt der Leser, dass Mona schon längere Zeit krank im Bett liegt, offiziell wegen der Nerven, aber ihre Freundin sie bisher nicht besucht hat. Aus verschiedenen Andeutungen lässt sich erahnen, dass die eigentliche Krankheitsursache Monas wohl der Verlust eines Kindes während einer Schwangerschaft war und dass ihr Freund Fred, der mutmaßliche Vater des Kindes, sich nicht bei ihr gemeldet hat. Die Protagonistin will und kann die Zusammenhänge aber nicht begreifen und schwatzt stattdessen davon, wie schön es gewesen wäre, wenn Mona endlich Fred geheiratet und Kinder gehabt hätte. Als sie schließlich auch noch gefühl- und ahnungslos erwähnt, dass Fred bereits mit einer anderen Frau ausgeht, bekommt Mona einen Nervenzusammenbruch.

Sentiment (Sentiment) Eine Frau fährt nach der Trennung von ihrem Mann mit dem Taxi durch die Stadt. Während sie gefahren wird, sinniert sie über ihren Verlust und hat Angst, dass sie es nicht aushält, Orte anzusehen, an denen sie mit ihrem Mann glücklich war.

Morgenstund hat Gift im Mund (The Little Hours) Eine Frau wird in den frühen Morgenstunden wach und kann nicht mehr einschlafen. Sie ärgert sich, dass sie im Gegensatz zu ihren Party feiernden Freunden den vergangenen Abend ein Buch gelesen und früh ins Bett gegangen ist. Aus unerfindlichen Gründen kreisen ihre Gedanken um den Schriftsteller La Rochefoucauld. Als sie versucht, als Ersatz fürs Schäfchenzählen möglichst viele literarische Zitate zu finden, denkt sie zum Schluss doch wieder an La Rochefoucauld.

Der kleine Curtis (Little Curtis) Eine kleine Teegesellschaft bei einer wohlhabenden Dame unterhält sich über ihr kürzlich adoptiertes Kind und ist sich einig, dass der kleine Curtis, eigentlich eine Waise, sehr dankbar sein kann, dass er in eine so gute Familie gekommen ist. Es wird jedoch deutlich, dass Curtis keineswegs ein so schönes neues Elternhaus hat, denn seine Eltern verbieten ihm den Umgang mit dem Nachbarsjungen, dessen Familie nicht gut genug ist, scheinen ihn zu schlagen und drillen ihn zu gehorsamem Verhalten.

So kleide die Nackten (Clothe the Naked) Big Lannie, eine schwarze Wäscherin, wird von ihren wohlhabenden Arbeitgeberinnen entlassen, als sie sich nach dem Tod ihrer Tochter um ihren kleinen, blinden Enkelsohn kümmern muss. Sie lebt mit ihrem Enkel zunächst vom Ersparten, dann von Gelegenheitsjobs, der Mildtätigkeit ihrer Nachbarschaft und schließlich einem Teilzeitjob bei einer ehemaligen Arbeitgeberin, die sie wieder anstellt. Ihr blinder Enkel lebt ein eingeschränktes Leben, dessen ganzes Glück es ist, auf der Straße bei ihrem Wohnhaus spazieren zu gehen, wo er das fröhliche Lachen der Nachbarskinder hören kann. Als seine Kleidung so fadenscheinig wird, dass er die Wohnung nicht mehr verlassen kann, fasst sich Big Lannie ein Herz und fragt ihre Arbeitgeberin nach einer Kleiderspende. Diese „großzügige“ Spende alter Kleidung ihres Ehemanns stellt sich jedoch als schlechtes Geschenk heraus, denn in der neuen Kleidung, die ihm auch nicht richtig passt und für seine Umgebung völlig unangemessen ist, wird er von den Nachbarskindern ausgelacht; er ist unglücklich und will nie wieder auf die Straße.

Das Butterkremherz (The Custard Heart) Die Kurzgeschichte wird aus der subjektiven Perspektive von Mrs. Lanier erzählt, eine wohlhabende Dame der höheren Gesellschaft, die einen Ruf als wehmütige und zartbesaitete Frau pflegt. Umsorgt wird sie unter anderem von ihrer Zofe Gwennie, die offenbar ihr gesamtes Leben der Bedienung und Fürsorge ihrer Arbeitgeberin widmet. Dies ändert sich, als ein neuer Chauffeur eingestellt wird. Der Leser errät, dass der Chauffeur und Gwennie eine Beziehung anfangen, bis der Chauffeur plötzlich spurlos verschwindet und Gwennie offenbar schwanger zurücklässt. Mrs. Lanier bemerkt von diesen Vorgängen nichts und bringt gefühllos auch gegenüber Gwennie weiterhin ihren ständigen Spruch, dass doch nur ein Baby zu ihrem Glück fehlen würde.

Die Geschlechter (The Sexes) Ein junges Paar unterhält sich über eigentlich belanglose Dinge wie das Rauchen sowie ihre jeweilige Kleidung und ihr Aussehen. Egal, was der eine sagt, interpretiert der andere dies sofort als Angriff oder Gehässigkeit.

Der Walzer (The Waltz) Der Walzer ist der innere Monolog einer Frau, die eine Aufforderung zum Tanz annimmt, obwohl sie keine Lust zum Tanzen hat. Ihren Tanzpartner findet sie schrecklich, außerdem tritt er ihr ständig auf die Füße, aber trotzdem erklärt sie gegenüber ihrem Tanzpartner, dass alles wunderbar sei und wie viel Spaß sie habe.

Ein Telefonanruf (A Telephone Call) Eine Frau wartet sehnsüchtig darauf, dass ihr Geliebter endlich anruft. Sie denkt sich mögliche Gründe aus, warum er sich nicht meldet, und zwingt sich gleichzeitig mit Tricks dazu, nicht zum Telefon zu gehen und ihn anzurufen.

Der letzte Tee (The Last Tea) Ein Paar trifft sich zum gemeinsamen Teetrinken im Café. Der junge Mann kommt zu spät und schwärmt der Frau von einer anderen Frau vor, wobei die Frau dazu gute Miene zum bösen Spiel macht. Obwohl sie sich am Ende des Gesprächs gegenseitig versichern, dass sie sich ja wieder treffen könnten, wird aus der Unterhaltung deutlich, dass beiden nichts mehr an dem anderen liegt.

Der Lebensstandard (The Standard of Living) Die Freundinnen Annabel und Midge, beide Büroangestellte, pflegen eine regelmäßige spielerische Unterhaltung, was sie als erstes kaufen würden, wenn sie eine Million Dollar erben würden. Es kommt zum Konflikt zwischen den beiden, als Annabel einen Silberfuchsmantel nennt, was Midge ordinär findet. Annabel schlägt als Alternative schließlich eine Perlenkette vor, die sie im Schaufenster sehen. Nachdem sie im Geschäft schließlich zu ihrer Überraschung erfahren, dass diese Kette 250.000 Dollar kostet, modifizieren sie ihr Spiel und gehen jetzt von einer Erbschaft mit der erhöhten Summe von 10 Millionen Dollar aus.

Arrangement in Schwarz und Weiß (Arrangement in Black and White) Eine Dame bittet auf einer Party ihren Gastgeber, ihr den schwarzen Sänger Walter Williams vorzustellen, für den die Party ausgerichtet wird. Obwohl sich die Frau überaus liberal gibt, wird aus ihren Äußerungen gegenüber dem Gastgeber und aus ihrem Gespräch mit Williams deutlich, dass die Frau rassistische Vorurteile hat und diese unbekümmert von sich gibt.

Mrs. Hofstadter aus der Josephine Street (Mrs Hofstadter on Josephine Street)