Dieser Artikel behandelt die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010.
Qualifikation Die Mannschaft qualifizierte sich über die Qualifikationsspiele des europäischen Fußballverbandes UEFA für die Weltmeisterschaft in Südafrika.
Spiele In der ersten Runde traf Deutschland in der Gruppe 4 auf Russland, Finnland, Wales, Aserbaidschan und Liechtenstein. In den zehn daraus entstandenen Begegnungen trug Deutschland acht Siege und zwei Remis davon und qualifizierte sich so als Gruppensieger direkt für die WM-Endrunde. Der höchste Sieg in der Gruppenphase war gleich in der ersten Partie ein 6:0-Auswärtserfolg über Liechtenstein. Beide Remis erreichten die Deutschen gegen Finnland (3:3 und 1:1).
DatumSpielortGastgeber GastErgebnisTorschützen 06.09.2008 Vaduz Liechtenstein – Deutschland 0:6 (0:1)Podolski (21., 48.), Rolfes (64.), Schweinsteiger (65.), Hitzlsperger (75.), Westermann (86.) 10.09.2008 Helsinki Finnland – Deutschland 3:3 (2:2)Johansson (33.), Klose (38.), Väyrynen (43.), Klose (45.), Sjölund (53.), Klose (83.) 11.10.2008 Dortmund Deutschland – Russland 2:1 (2:0)Podolski (9.), Ballack (28.), Arschawin (51.) 15.10.2008 M’gladbach Deutschland – Wales 1:0 (0:0)Trochowski (72.) 28.03.2009 Leipzig Deutschland – Liechtenstein 4:0 (2:0)Ballack (4.), Jansen (9.), Schweinsteiger (48.), Podolski (50.) 01.04.2009 Cardiff Wales – Deutschland 0:2 (0:1)Ballack (11.), Williams (48., Eigentor) 12.08.2009 Baku Aserbaidschan – Deutschland 0:2 (0:1)Schweinsteiger (11.), Klose (53.) 09.09.2009 Hannover Deutschland – Aserbaidschan 4:0 (1:0)Ballack (14., FE), Klose (55., 65.), Podolski (71.) 10.10.2009 Moskau Russland – Deutschland 0:1 (0:1)Klose (35.) 14.10.2009 Hamburg Deutschland – Finnland 1:1 (0:1)Johansson (11.), Podolski (90.)
Abschlusstabelle der Qualifikationsrunde
Aufgebot
Ein vorläufiges Aufgebot wurde am 6. Mai in Stuttgart im Mercedes-Benz-Museum bekannt gegeben.tz.de: Das ist Jogi Löws vorläufiger WM-Kader (6. Mai 2010) Der FIFA konnte der Bundestrainer bis zum 11. Mai bis zu 30 Spieler nennen. Aus diesem Kader musste er dann bis zum 1. Juni die 23 WM-Spieler auswählen. Der endgültige Kader wurde am 4. Juni durch die FIFA bekanntgegeben.
Die Mannschaft von 2010 zeigte personell ein verändertes Gesicht. Viele der letzten WM-Spieler waren entweder außer Form, verletzt oder hatten das Ende ihrer Nationalmannschaftskarriere erreicht. Auf der Torwartposition entschied sich Bundestrainer Löw nach dem Tod Robert Enkes zunächst für den Leverkusener René Adler als Nr. 1, der jedoch aufgrund einer Rippenverletzung nicht zur Verfügung stand.kicker.de: WM-Aus für Adler! OP am Montag (4. Mai 2010) Im Vorfeld der WM wurde besonders eine Rückkehr von Kevin Kurányi diskutiert. Löw hatte den Stürmer zuvor aus der Mannschaft ausgeschlossen. Am 3. Mai gab der Bundestrainer bekannt, dass Kurányi bei der WM endgültig nicht dabei sein werde.kicker.de: Ohne Kevin Kuranyi zur WM (3. Mai 2010) Torsten Frings wurde aus Altersgründen nicht mehr für die Nationalmannschaft berücksichtigt. Auf der Position im defensiven Mittelfeld zeigten sich daher Probleme, da Simon Rolfes durch eine Verletzung ausfielkicker.de: Simon Rolfes sagt ab (4. Mai 2010) und Thomas Hitzlsperger aufgrund seiner Formschwäche gar nicht erst nominiert wurde. Zudem mussten Mannschaftskapitän Michael Ballack (nach einer im englischen Pokalfinale erlittenen Sprunggelenksverletzung),kicker.de: WM-Aus für Ballack (17. Mai 2010) Christian Träsch (nach einer Sprunggelenksverletzung in einem inoffiziellen DFB-Freundschaftsspiel gegen den FC Südtirol)dfb.de: Flick: „Träsch steht bei WM nicht zur Verfügung“ (25. Mai 2010) und Heiko Westermann (nach einer Kahnbeinfraktur im linken Fuß in einem Vorbereitungsspiel gegen Ungarn)kicker.de: Auch Westermann fällt aus (30. Mai 2010) ihre Turnierteilnahmen absagen. Am 1. Juni 2010 wurde schließlich bekanntgegeben, dass Andreas Beck aus dem vorläufigen WM-Kader gestrichen wurde, um das Maximalkontingent von 23 Spielern zu erreichen.
Der deutsche WM-Kader 2010 war der erste seit 1978, der ausschließlich aus Bundesligaprofis bestand. Nach der WM wechselten Jérôme Boateng (Manchester City), Sami Khedira und Mesut Özil (beide Real Madrid) ins Ausland. Während der Wechsel von Boateng schon vor der WM feststand, kamen die Wechsel von Khedira und Özil erst nach der WM zustande.
Nr. Spieler Verein Länderspiel-einsätze * Länderspiel-tore * Geburtsdatum Spiele Tore 10px|Gelbe Karten 10px|Gelb-Rote Karten 10px|Rote Karten Torhüter 1 style="text-align:left" FC Schalke 04 5 0 6 0 0 0 0 12 style="text-align:left" Werder Bremen 2 0 0 0 0 0 0 22 style="text-align:left" FC Bayern München 3 0 1 0 0 0 0 Abwehr 2 style="text-align:left" Hamburger SV 31 2 4 1 0 0 0 3 style="text-align:left" Hertha BSC 72 0 7 1 1 0 0 4 style="text-align:left" Hamburger SV 2 0 1 0 0 0 0 5 style="text-align:left" VfB Stuttgart 12 0 1 0 0 0 0 14 style="text-align:left" FC Bayern München 2 0 2 0 0 0 0 16 style="text-align:left" FC Bayern München 65 4 6 0 1 0 0 17 style="text-align:left" Werder Bremen 62 1 7 0 0 0 0 20 style="text-align:left" Hamburger SV 5 0 5 0 0 0 0 Mittelfeld 6 style="text-align:left" VfB Stuttgart 5 0 7 1 1 0 0 7 style="text-align:left" FC Bayern München 74 21 7 0 1 0 0 8 style="text-align:left" Werder Bremen 10 1 7 1 1 0 0 15 style="text-align:left" Hamburger SV 31 2 4 0 0 0 0 18 style="text-align:left" Bayer 04 Leverkusen 4 0 4 0 0 0 0 21 style="text-align:left" Werder Bremen 9 1 2 0 0 0 0 Angriff 9 style="text-align:left" Bayer 04 Leverkusen 4 0 2 0 0 0 0 10 style="text-align:left" 1. FC Köln 73 38 6 2 0 0 0 11 style="text-align:left" FC Bayern München 96 48 5 4 0 1 0 13 style="text-align:left" FC Bayern München 2 0 6 5 2 0 0 19Cacau VfB Stuttgart 8 3 4 1 1 0 0 23 style="text-align:left" FC Bayern München 34 12 4 0 0 0 0
(*) angegeben sind nur die Spiele und Tore, die vor Beginn der Weltmeisterschaft absolviert bzw. erzielt wurden.
Quartier der Mannschaft Während der WM hatte die deutsche Mannschaft ihr Basislager im Velmore Grande Hotel in Erasmia bezogen. Das Hotel lag zwischen Pretoria und Johannesburg.
Endrunde
Vorrunde In der Vorrunde der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika traf die deutsche Fußballnationalmannschaft in der Gruppe D auf Australien, Serbien und Ghana.
Gegen Serbien gab es für Deutschland ein Wiedersehen mit aus der Bundesliga bekannten Gesichtern. Für den Kader Serbiens wurden Neven Subotić (Borussia Dortmund), Zdravko Kuzmanović (VfB Stuttgart), Zoran Tošić (1. FC Köln), Gojko Kačar (Hertha BSC), Antonio Rukavina (TSV 1860 München) und der ehemalige Hertha-Stürmer Marko Pantelić nominiert. Serbien nahm zum ersten Mal an einer WM teil; das frühere Jugoslawien ist Deutschlands häufigster WM-Gegner. In sechs Spielen gab es vier Siege für Deutschland, ein Remis und eine Niederlage bei einem Torverhältnis von 11:4. Gegen Serbien spielte Deutschland zuvor erst einmal. Bei der Vorbereitung auf die EM 2008 gab es in Gelsenkirchen ein 2:1.
Von den Akteuren aus dem vorläufigen Kader Australiens spielte Dario Vidosic (1. FC Nürnberg) in Deutschland. Auch Michael Beauchamp konnte Erfahrung in der Bundesliga sammeln, er spielte von 2006 bis 2008 beim 1. FC Nürnberg. Dies konnte auch Joshua Kennedy, der von 2000 bis 2009 für diverse deutsche Vereine spielte. Bereits 1974 trafen Deutschland und Australien in der WM-Vorrunde aufeinander. Damals siegte Deutschland mit 3:0. Zudem gab es 2005 beim Confed-Cup ein 4:3 in der Vorrunde.
Beim Spiel gegen Ghana kam es erstmals in der WM-Geschichte zu einem Duell zwischen zwei Halbbrüdern: Jérôme Boateng, der für Deutschland spielt, und Kevin-Prince Boateng, der für Ghana nominiert wurde, zuvor aber mehrere deutsche U-Nationalmannschaften bis hin zur U21 durchlaufen hatte.kicker.de: Boateng fährt zur WM (30. Mai 2010) Der Ghanaer Kevin-Prince Boateng war zuvor beim englischen Cupfinale zwischen Chelsea und Portsmouth durch ein Foul am deutschen Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack aufgefallen. Durch das Foul wurde Ballack so schwer verletzt, dass er für die ganze WM ausfiel.
Weitere Bundesligaspieler Ghanas waren Hans Sarpei (Bayer 04 Leverkusen) sowie Isaac Vorsah und Prince Tagoe (TSG 1899 Hoffenheim). Das zuvor einzige Spiel zwischen Deutschland und Ghana fand 1993 in Bochum statt und endete mit 6:1 nach 0:1 zur Halbzeit.
Gegen Australien legte die deutsche Mannschaft einen überzeugenden Start in das Turnier hin. Schon früh gerieten die Australier wegen eines missglückten Tacklings seitens des australischen Rekordtorschützen Tim Cahill gegen Bastian Schweinsteiger, das mit Rot geahndet wurde, in Unterzahl. Dank einer guten Offensivleistung erreichte man einen 4:0-Sieg. Ein frühzeitiger Platzverweis für Torjäger Miroslav Klose und viele ungenutzte Torchancen, darunter ein vergebener Elfmeter, warfen die Deutschen im zweiten Spiel jedoch wieder zurück. Dazu kam noch ein schwerwiegender Abwehrfehler, so dass man Serbien mit 0:1 unterlag. In einem nervösen Entscheidungsspiel gegen Ghana mit Chancen auf beiden Seiten konnte sich der Gruppenfavorit schließlich dank eines gezielten Fernschusstreffers von Mesut Özil mit 1:0 doch noch als Tabellenerster für das weitere Turnier qualifizieren. Özils Tor wurde anschließend zum drittschönsten Tor der WM gewählt.
Finalrunde Achtelfinale
Vorgeschichte Im Achtelfinale kam es zum Klassiker gegen England. Bei Weltmeisterschaften war die Bilanz zuvor ausgeglichen. Bei vier Spielen kam es zu einem Sieg (3:2 n. V. im Viertelfinale 1970), einer Niederlage (2:4 n. V. im Finale 1966) und zwei Remis (0:0 in der Zwischenrunde 1982 und 1:1 n. V. im Halbfinale 1990). 1990 konnte Deutschland die Partie im Elfmeterschießen mit 4:3 für sich entscheiden. Das vorhergehende Spiel zwischen beiden Mannschaften am 19. November 2008 endete mit 1:2. Deutschland und England waren neben Italien die einzigen Mannschaften bei der WM, in deren Kader nur Spieler aus der heimischen Liga standen.
Vier der eingesetzten deutschen Spieler standen auch 2009 in der Mannschaft, die das Finale der U-21-Europameisterschaft mit 4:0 gegen England gewonnen hatten. Auf Seiten der Engländer lief bei der damaligen Partie mit James Milner ebenfalls ein aktueller Spieler auf.
Spielverlauf Während der Achtelfinalbegegnung konnte die früh angreifende und schnell kombinierende deutsche Mannschaft durch Klose in Führung gehen, der sich nach einem weiten Abschlag des Torwarts Manuel Neuer gegen seinen Gegenspieler durchsetzte und knapp vor Torwart James an den Ball kam. Dem 2:0 durch Podolski ging eine Reihe schneller Pässe voraus, bei der Klose Müller und Müller Podolski bediente. Podolski konnte aus spitzem Winkel einen starken Schuss mit dem linken Fuß gegen den Innenpfosten abgeben. Nach einem Eckball in der 37. Minute köpfte Innenverteidiger Matthew Upson den überraschenden Anschlusstreffer für England ein und erzielte damit sein zweites Länderspieltor. In der Folgezeit bis zur Halbzeitpause zeigte das bis dahin sichere deutsche Team deutliche Konzentrationsschwächen. Glück hatte die deutsche Mannschaft, als der Ball nach einem Lattenschuss von Frank Lampard die Torlinie in vollem Durchmesser überquert hatte, Schiedsrichter und Assistent jedoch kein Tor gaben, wodurch die Erinnerung an das Wembley-Tor wieder wach wurde. In der zweiten Halbzeit verstärkte England zunächst den Druck, aber Deutschland spielte wieder sicheren Kombinationsfußball und begann England auszukontern. Müller erzielte zwei Tore nach Kontern in der 67. und 70. Minute und führte somit die Scorer-Liste dieser WM an. Danach unternahmen beide Mannschaften weitgehend keine Anstrengungen mehr, das Ergebnis zu ihren Gunsten zu verbessern. Bundestrainer Löw wechselte Gómez und Trochowski sowie Kießling ein, der damit zu seinem ersten WM-Einsatz kam.Kicker.de: Spielanalyse Deutschland – England
Viertelfinale
Vorgeschichte