mini|Gaskombinat Schwarze Pumpe (1975)
Der VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe, ab 1986 VEB Gaskombinat „Fritz Selbmann“ Schwarze Pumpe (abgekürzt GKSP, später GSP), war ein Kombinat zur kombinierten Verwertung und Veredelung von Braunkohle in unmittelbarer Nähe der Ortschaft Schwarze Pumpe bei Spremberg zur Zeit der DDR. Die Anlage bestand aus mehreren miteinander vernetzten Gaswerken, Kokereien, Heizkraftwerken und Brikettfabriken mit den dazugehörigen Hilfs- und Nebenanlagen.
Nach Ende der DDR wurde die Anlage ab 1990 stillgelegt und größtenteils zurückgebaut. Auf dem Gelände entstand der Industriepark Schwarze Pumpe mit dem neuen, heute zur Lausitz Energie Kraftwerke AG gehörenden Kraftwerk Schwarze Pumpe.
Geschichte Vorplanung mini|Energieumwandlung im GSP
In einer ersten Studie, die 1953 begonnen und im II. Quartal 1955 fertiggestellt war, sahen Planungen vor, ein „Kokskombinat Trattendorf“ in unmittelbarer Nachbarschaft des sich im Bau befindlichen Kraftwerks Trattendorf zu errichten.
Eine zweite Studie, die von 1954 bis 1955 erarbeitet wurde, befasste sich mit dem Aufbau eines „Kokskombinat Schwarze Pumpe“ auf dem jetzigen Standort, einschließlich der Aufschlüsse der Tagebaue Burghammer, Welzow–Süd und Nochten sowie der Errichtung einer notwendigen Wohnstatt für deren Beschäftigte (Hoyerswerda-Neustadt).
Am 3. Mai 1955 erfolgte die erste Begehung der zukünftigen Baustelle des Kombinates Schwarze Pumpe, das auf ca. 900 ha, in einer Ausdehnung von errichtet werden sollte. Am 23. Juni 1955 wurde auf Beschluss (Registernummer 13/2 a) des Ministerrates der DDR über den Aufbau des Kombinats Schwarze Pumpe entschieden. Bereits am 28. Juni 1955 nahm der Aufbaustab in der Gaststätte „Zur Schwarzen Pumpe“ in Schwarze Pumpe seine Arbeit auf. Die Projektierung wurde an das Projektierungs- und Konstruktionsbüro Berlin (PKB) vergeben. Das PKB begann am 1. Juli 1955 mit den Arbeiten für das Vorprojekt Bau KSP. Bis zu 350 Betriebe waren dabei in die Projektierung eingebunden, eine weit größere Zahl dann am Bau und der Montage des Kombinates.
Besonderen Anteil hatten dabei der: VEB Projektierungs-, Konstruktions- und Montagebüro Kohleverarbeitung Leipzig VEB Eisengießerei und Maschinenfabrik Zemag Zeitz VEB Bergmann-Borsig Berlin VEB Kraftwerksbau Radebeul VEB Wasseraufbereitungsanlagen Markkleeberg VEB Starkstromanlagenbau Halle an der Saale VEB Starkstromanlagenbau Cottbus VEB Gaselan Fürstenwalde VEB Chemieanlagenbau Rudisleben VEB Maschinen- und Apparatebau Grimma VEB Montagewerk Leipzig VEB Industrie- und Kraftwerksrohrleitungsbau Bitterfeld VEB Stahlbau Niesky VEB Spezialbau Magdeburg VEB Industrieprojektierung Dresden und Berlin I und II
Die Vorplanung des PKP war so ausgerichtet, dass durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Prozesse auf „engstem“ Raum ein größtmöglicher Nutzen entstand: Rohbraunkohle – Brikettfabriken, Dampferzeuger, Kokerei, Gaswerk Erzeugter Frischdampf – Brikettfabrik, Stromerzeugung, Fernwärmebereitstellung Erzeugtes Gas – Stadtgas
Durch diese Verbundtechnologie wurde ein thermischer Nutzungsgrad des Kombinates von 76,1 % erzielt.
Die Vorplanung des PKB sah für das KSP im Wesentlichen folgende Anlagenteile vor: Brennstoffversorgung: Tagebaue Spreetal, Burghammer und Welzow-Süd. mini|Blick über den Tagebau Welzow-Süd zum Gaskombinat (1989) Im Norden: 2 Großraumkohlebunker mit je 28.000 t Fassungsvermögen; dazugehörige Aufbereitungsanlagen für Brikett- und Kesselkohle 3 Großkraftwerke (West, Mitte, Ost) mit insgesamt 20 Hochleistungsstrahlungskesseln 3 Brikettfabriken, bestehend aus 3 Trockenhäusern mit 3×16 Großröhrentrocknern und 3 Trockenhäusern mit 3×20 Vierstrangpressen
Im Süden: Drei, den jeweiligen Brikettfabriken zugeordnete Kokereien mit je 10 Ofeneinheiten zu je 8 Öfen, in denen Braunkohlenhochtemperaturkoks (BHT-Koks) erzeugt wurde. Wasserwirtschaftliche Anlagenteile für die Ver- und Entsorgung
Im Osten: Ein Gaswerk mit dem dazugehörigen Generatorenhaus.
Im Westen: Werkstattgebäude für alle benötigten Gewerke Sozialbauten und Verwaltungsbau
Bau und Betrieb mini|Arbeiter bei der Eröffnungsfeier
Für den Aufbau des Kombinates wurden durch das PKB im Wesentlichen 3 Baustufen vorgesehen. Mit diesen sollte es möglich sein, alle Produktions- und sonstigen Anlagen in einem Zeitraum von nur 8 Jahren zu errichten, völlig neue Techniken zu erproben und für den Dauerbetrieb tauglich zu machen. Planungen für das Kombinat gingen von bis zu 16.000 Beschäftigten aus. In der Produktion sollten bis zu 2,5 Millionen Tonnen BHT-Koks, 3 Milliarden Kubikmeter Stadtgas und 900 Millionen kWh Elektroenergie jährlich erzeugt werden.
Die sich teilweise überlappenden Baustufen waren: 1953 – 1955 Vorbereitende Maßnahmen (Ausarbeitung von Studien für den Aufbau des Kombinates) Baustelleneinrichtung, Infrastruktur usw. III. Quartal 1955 – 31. Dezember 1956 1. Ausbaustufe: 1. Juli 1956 – III. Quartal 1959 2. Ausbaustufe: 1. Januar 1960 – 21. Dezember 1962 3. Ausbaustufe: 1. Januar 1962 – 31. Dezember 1963
Am 31. August 1955 vollzog der Minister für Schwerindustrie, Fritz Selbmann, mit einer Planierraupe, welche er vom Festplatz zum Beginn der zu bauenden 3,7 km langen Betriebsstraße fuhr, den ersten Spatenstich. Am selben Tag wurde in Hoyerswerda der Grundstein für die ersten Arbeiterwohnungen gelegt. Bis 1980 stieg die Einwohnerzahl Hoyerswerdas von etwa 7700 auf 70700 an.
Am 30. November 1955 wurde über eine Ferndampfleitung aus dem etwa 5 km entfernten Kraftwerk Trattendorf erstmals Fremddampf für die Baustelle des Kombinates bezogen. Am 23. April 1956 wurde der VEB Aufbauleitung Schwarze Pumpe gegründet. Als erster Leiter wurde Hasso Grabner berufen, der jedoch nach wenigen Monaten von Willi Kühn abgelöst wurde.Digitale Bibliothek, Band 32: Enzyklopädie der DDR, ISBN 978-3-89853-432-1, S. 8675 – via Am 27. Juni 1956 wurde der Grundstein für den ersten Industriebau des späteren Kombinats, einer der beiden 28.000 Tonnen Rohbraunkohle fassenden Rohkohlebunker gelegt, der dann am 14. April 1959 fertiggestellt wurde. Am 23. März 1957 wurde mit der symbolischen Schachtholzlegung der Tagebau Burghammer aufgeschlossen. Am 11. April 1957 konnte der erste Kühlturm fertiggestellt werden. Am 19. Juni 1957 wurde mit dem Bau der Brikettfabrik West begonnen. Bereits am 15. Oktober waren alle vier Kühltürme der ersten Ausbaustufe fertiggestellt.
Am 1. April 1958 wurde der VEB Kombinat Schwarze Pumpe (KSP) gegründet; erster Werkdirektor wurde der Leiter des Aufbaustabes Willi Kühn. Am 13. Januar 1959 begann die Montage des ersten 25-MW-Kondensationsturbosatzes im Kraftwerk West. Am 1. März 1959 wurde mit der Förderung von Rohbraunkohle aus dem Tagebau Burghammer, der sich ca. 10 km südlich des Kombinates befand, begonnen. Am 9. April 1959 wurde durch die Schachtholzlegung auch der Aufschluss des Tagebaus Welzow-Süd vorangetrieben. (Andere Angabe 4. September 1959)
Am 18. April 1959 wurden mit Hilfe von Fremddampf aus dem Kraftwerk Trattendorf die ersten Druckproben der Briketttrockner der Brikettfabrik West durchgeführt. Am 21. April 1959 wurde im Kraftwerk West der kontinuierliche Dreischichtsystemdienst aufgenommen und am 30. April 1959 wurde durch Werkdirektor Kühn gegen 2 Uhr der erste Dampfkessel, der Kessel 13, im Kraftwerk West gezündet. Wenig später um 5:38 Uhr nahm die Brikettfabrik West ihre Produktion auf. Die ersten Briketts wurden dabei mit der Aufschrift „Flamme des Sozialismus“ gepresst. Am selben Tag wurde gegen 4 Uhr auch der erste Strom eines 25-MW-Kondensationsturbosatzes in das Verbundnetz eingespeist. Am 4. März bzw. 11. Mai 1960 wurden im Kraftwerk West die ersten beiden Entnahmegegendruckturbinen (EGT) 13 und 14 mit einer Leistung von je 50 MW in Betrieb genommen. Dadurch war es möglich, die angeschlossene Brikettfabrik West am 1. Juli desselben Jahres komplett mit vier Abteilungen in Betrieb zu nehmen. Am 4. Februar 1961 wurde die letzte EGT des Kraftwerkes West in Betrieb genommen. Durch massive Probleme an den Turbinen konnten diese jedoch nicht in Volllast betrieben werden. Erst nach der Beseitigung von Konstruktionsfehlern erreichte am 1. September 1962 die erste 50-MW-Turbine ihre volle Leistung.
Auch die Brikettproduktion verlief nicht so reibungslos wie geplant und erhofft. Im Herbst 1959 wurden von den geplanten 700.000 Tonnen Briketts gerade einmal 64.000 Tonnen abgerechnet.
Am 1. Januar 1961 wurde Heinz Lesinski vom Minister für Kohle und Energie zum Werkdirektor des KSP berufen; Willi Kühn, schied aus Altersgründen aus. Im Februar 1961 wurde mit der Stahlbaumontage am Generatorhaus des Druckgaswerkes begonnen. Am 6. März 1961 nahm die EGT 15 ihren Dauerbetrieb im Kraftwerk West auf. Am 20. Oktober 1962 begann der Probebetrieb des ersten 420-t/h-Dampferzeugers, dem Kessel 21 im Kraftwerk Mitte. Am 1. Juli begann der Probebetrieb der Luftverdichteranlage des Druckgaswerkes. Hermann Stollberg wurde neuer Werkdirektor des KSP. Am 13. September 1963 beschloss der Ministerrat der DDR das endgültige Produktionsprofil und den Endausbau des KSP.
Trotz aller Anstrengungen war es nicht möglich, den errechneten Kosten-Nutzen-Rahmen annähernd einzuhalten. 1965 betrug der Verlust des KSP bereits 20,3 Millionen DDR-Mark. Dies war den unterschiedlichsten Problemen geschuldet: einerseits der schwachen materiellen Basis, andererseits vor allem den vielen technischen Neuentwicklungen, die in Schwarze Pumpe erprobt und erst hier in den Dauerbetrieb übernommen wurden. Durch weitreichende Maßnahmen, die ab 1966 durchgeführt wurden und die unterschiedlichsten Bereiche betrafen, wurde dieser Trend radikal umgekehrt. Im Jahr 1970 betrug der Gewinn des KSP bereits 34,2 Millionen DDR-Mark. Bis zum Jahr 1989 erhöhte sich dieser Gewinn auf 789,3 Millionen DDR-Mark.Dokumentation „50 Jahre Industriestandort Schwarze Pumpe“, Seite 56/57
Am 6. Oktober 1963 gingen in der Brikettfabrik Mitte die ersten Trockenabteilungen in Betrieb. Die erste EGT (EGT 21) des Kraftwerks Mitte hatte bereits am 31. Juli 1963 den Probebetrieb aufgenommen. Am 6. April 1964 um 23:50 Uhr nahm mit der Zündung des ersten Druckgaserzeugers das KSP die Gaserzeugung auf, welches am 15. April erstmals in das Fernleitungsnetz eingespeist wurde. In dieser Zeit wechselten ständig Inbetriebnahmen und Baubeginn von Anlagenteilen ab; so erfolgte am 1. Juni 1964 der erste Spatenstich für die BHT-Kokerei Mitte. Am 1. August 1964 wird mit dem Probebetrieb der Abteilung 4 die Brikettfabrik Mitte mit allen verfügbaren Abteilungen in Betrieb genommen.
Am 30. April 1965 erreichten die Kraftwerke West und Mitte die installierte Leistung von 450 MW. Drei Monate später, am 30. Juni 1965, war das Gaswerk mit allen verfügbaren Generatorengruppen in Betrieb und damit voll verfügbar. Am 1. April 1966 nahmen die ersten Abteilungen der Brikettfabrik Ost den Probebetrieb auf.
Am 1. Juli 1966 wurde Herbert Richter zum neuen Werkdirektor des KSP berufen. Am 14. November 1966 verließ der erste Zug Rohbraunkohle den neu aufgeschlossenen Tagebau Welzow-Süd. Am 28. Februar 1966 nahm die EGT 26 im Kraftwerk Mitte ihren Dauerbetrieb auf. Im Dezember 1968 begann der Probebetrieb im Kraftwerk Ost. Am 29. Januar 1969 ging das Kraftwerk Mitte mit allen sechs installierten Blöcken in den Dauerbetrieb. Am 20. September 1969 ging die BHT-Kokerei Mitte in Betrieb. Im November 1969 erfolgte Inbetriebnahme der Abteilungen I und II der Brikettfabrik Ost.
Das Kraftwerk Ost, das intern in das Kraftwerk III und IV (Kondensationskraftwerk) unterteilt war, nahm am 6. Dezember 1968 mit dem Block 31 seinen Probebetrieb auf. Bereits am 1. Dezember 1968 wurde der Block 31 dem Verbundnetz zugeschaltet. Am 28. April 1970 stand das Kraftwerk Ost III nach Inbetriebnahme von Block 32 zur vollen Verfügung. Am 15. Oktober 1970 wurde mit dem Aufbau des Dampferzeugers 41 im Kraftwerk Ost IV begonnen.