Die hessische Kleinstadt Hadamar umfasst zahlreiche denkmalgeschützte Gebäude. Zusätzlich zum Denkmalschutz haben das Schloss, das Konvikt, die Liebfrauenkirche, die Euthanasie-Gedenkstätte, das Rathaus und die ehemalige Synagoge den Schutzstatus für den Kriegsfall nach der Haager Konvention erhalten.
Ensembleschutz 200pxLuftaufnahme des Stadtzentrums aus Richtung Norden. Rechts der Mitte ist der Schlosskomplex zu erkennen, rechts darüber die neue und rechts darunter die alte Elbbachbrücke. Am rechten Bildrand ein Teil der Alten Chaussee, zwischen ihr und dem Schloss die Bahnhofsanlage. Die Borngasse läuft auf die untere linke Bildecke zu. Links der Mitte befindet sich der Komplex des Jesuitenklosters, am linken Bildrand der Neumarkt und rechts davon der Untermarkt. Als Gesamtanlage stehen das gesamte rechte Elbbachufer oberhalb der Steinernen Brücke (Kirchgasse), nahezu die gesamte westlichen Gebäude an der Alten Chaussee, eine Kleinsiedlung an Faulbacher und Haidaer Straße sowie die gesamte Altstadt unter Schutz.
Alte Chaussee und Kirchgasse Die Nordseite der Alten Chaussee ist villenähnlichen Gebäuden bebaut, die um 1900 für das Bürgertum der Stadt sowie Ärzte der angrenzenden Heilanstalt entstanden. Die Hanglage in einem damaligen Grüngürtel und die Nähe zum Bahnhof begünstigten die gehobene Wohnbebauung.
Die Kirchgasse am Elbbachufer wird von eng gebauten, kleinen Tagelöhnerhäusern des 19. Jahrhunderts, einigen Bauten aus dem 17. Jahrhundert sowie dem ehemaligen Posthaus von 1906 und einem größeren Haus aus dem 19. Jahrhundert geprägt. Der Denkmalwert der einzelnen Häuser ist eher gering, der Zusammenhang mit der Liebfrauenkirche am nördlichen Ende der Straße und die Nähe zum ältesten, nicht mehr vorhandenen Siedlungskern am Hang des Mönchberges begründen aber den Denkmalwert des Straßenzuges.
Faulbacher und Haidaer Straße An der Faulbacher und der Haidaer Straße befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zwei Kleinsiedlungen aus verschiedenen Epochen des 20. Jahrhunderts. Die vier Doppelhäuser an der Faulbacher Straße entstanden um 1930 als zweistöckige Mehrfamilienhäuser mit Zwerchhäusern, Walmdächern und Gartenhöfen. Mit Elementen der Neuen Sachlichkeit und zugleich des Klassizismus sind sie typisch für den Siedlungsbau dieser Epoche. Der Ensembleschutz erstreckt sich auch auf die vier gegenüberliegenden Kleinvillen. In der Haidaer Straße befinden sich drei Doppel- und zwei Mehrfamilienhäuser, die von der 1948 gegründeten Hadamarer Baugenossenschaft als Heimstätten für Heimatvertriebene erbaut wurden und sich noch heute im Besitz der Gesellschaft befinden. Es handelt sich ebenfalls um typische Vertreter des Siedlungsbaus ihrer Epoche, allerdings mit einzelnen Stilelementen historisierender und regional nassauischer Formensprache. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden die Gebäude saniert.
Altstadt Das größte geschützte Ensemble umfasst die gesamte, im frühen 17. Jahrhundert gebaute, linkselbische Altstadt. Dieses Areal ist von der planmäßigen Anlage nach Schachbrettmuster mit drei Märkten geprägt. Zweigeschossige, barocke Häuser in Traufstellung zu den Straßen herrschen vor. Lediglich die abschüssige Neugasse ist von sehr schmalen Häusern in Giebelstellung geprägt. Die größten, teilweise dreigeschossigen Häuser stehen in der Borngasse. Allerdings weist das Ensemble inzwischen zahlreiche Schäden auf: Der Melander- oder Lindenplatz am östlichen Kopf der alten Elbbachbrücke wurde durch die Umlegung einer Durchgangsstraße in den 1980er Jahren zerstört, ebenso die Ostseite des Neumarkts durch zwei Geschäftsgebäude aus den 1960er Jahren. Eines dieser Gebäude wurde 2014 durch einen als Kinderkrippe genutzten Neubau ersetzt, der in der Kubatur an das ehemals dort vorhandene Katasteramt angelehnt ist und damit wieder eine Annäherung an das historische Fassadenbild des Neumarkts darstellt. Dazu kommen weitere Neubauten insbesondere des 20. Jahrhunderts, die das historische Ensemble lückenhaft werden lassen. mini|hochkant|Südflügel des Schlosses vom Schlossplatz aus
Schloss Hadamar Hauptartikel Schloss Hadamar
Das größte Einzeldenkmal der Stadt ist das Schloss Hadamar. Frühester fassbarer Vorgängerbau ist ein um 1200 errichteter zisterziensischer Musterhof. Im frühen 14. Jahrhundert entstand eine erste Wasserburg. Am Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Anlage weitgehend umgebaut und erhielt ihr heutiges, von der Renaissance geprägtes Aussehen. Zudem wurden angrenzende Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude errichtet.
mini|hochkant|Liebfrauenkirche
Liebfrauenkirche Hauptartikel Liebfrauenkirche
Die Liebfrauenkirche am Elbbach ist eine spätgotische Hallenkirche mit drei Schiffen. Die Inneneinrichtung stammt aus der Renaissance und dem Barock. Eine reiche Skulpturenausstattung des Gewölbes und besonders kunstvoll gestaltete Fenster machen ihren besonderen bauhistorischen Wert aus. Von 1637 bis 1818 war Liebfrauen die Pfarrkirche der Stadt und bis 1835 Grablege der Hadamarer Fürsten.
mini|hochkant|Herzenbergkapelle
Herzenberg Hauptartikel Herzenbergkapelle
Der nordöstlich der Altstadt gelegene Herzenberg wird von einer 1675 errichteten Marien- und Prozessionskapelle dominiert. Er stellt einen bedeutenden Wallfahrtsort in der Volksfrömmigkeit der Region dar.
Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk und Jesuitenkolleg mini|Seitenansicht der Nepomuk-Kirche aus Norden Hauptartikel Ehemaliges Jesuitenkloster Hadamar
Auf dem Gelände eines ehemaligen Adelshofs errichtete der Jesuitenorden von 1753 bis 1757 eine große Niederlassung mit drei Gebäudeteilen. Die dem Heiligen Johannes Nepomuk geweihte Kirche bildet den nördlichen Abschluss der Anlage, die aus drei Gebäudezügen besteht: Kirche, Klosteranlage mit altem Pfarrhaus und Jesuitenkolleg.
1818 wurde die Jesuiten- zur Pfarrkirche. Im Inneren zeigt sie reichen Rokoko-Schmuck. An die Kirche schließen sich zwei dreistöckige Flügel des ehemaligen Jesuitenkollegiums an. Vom Hauptgebäude des Kollegs durch die Johann-Ludwig-Straße getrennt, befindet sich die so genannte „Jesuitenaula“. Sie wurde 1764 als Erweiterung des Kollegs errichtet.
Im ehemaligen Jesuitenkolleg sind heute verschiedene Verwaltungseinrichtungen des Bistums Limburg sowie der Pfarrei und des Kirchenbezirks Hadamar untergebracht. Das Aulagebäude enthält die katholische öffentliche Bücherei sowie Privatwohnungen.
Psychiatrisches Krankenhaus Die Anlage des psychiatrischen Krankenhauses auf dem Mönchberg umfasst Baudenkmäler aus verschiedenen Epochen.
Kloster und Ägidienkirche mini|links|Ägidienkirche mini|Luftaufnahme von Ägidienkirche und Klosteranbau aus Richtung Nordwesten. Rechts im Bild: Teil des Hauptbaus der Korrigendenanstalt. Ältester Bestandteil ist das ehemalige Franziskanerkloster, das mit der Kirche St. Ägidius einen Gebäudekomplex bildet. Die Anlage prägt durch ihre exponierte Lage über einem Steilhang das Bild der gesamten Hadamarer Innenstadt. An dieser Stelle stand die älteste, heute nicht mehr vorhandene Hadamarer Kirche. Sie wurde vor 1190 als Filiale der Pfarrkirche in Niederzeuzheim errichtet und ging möglicherweise auf die Burgkapelle der alten Hadamarer Burg auf dem Mönchberg zurück. Um 1250 wurde die Kirche unabhängig von Niederzeuzheim. 1320 war die Kirche Bestandteil des Kaufs des Zisterzienserklosters an der Elb durch Graf Emich I. von Nassau-Hadamar.
1637 schenkte Graf Johann Ludwig die alte Kirche dem Franziskanerorden, der im gleichen Jahr mit dem Bau des Klosters begann. Im Verlauf der Arbeiten wurde die Kirche abgerissen.
Von 1658 bis 1666 entstand an der Südseite des Klosters eine neue, an den Baustil des Mittelalters angelehnte Kirche, was sich insbesondere an den gestuften Strebepfeilern der Ost- und Südfassade festmacht. Der flachgedeckte Saalbau wies einen fünfseitigen Chor auf. Das Querhaus ist mit kurzer Länge nach Süden ausgeführt. 1661 erfolgte die erste Bestattung in der Fürstengruft unter dem Chor der neuen Kirche.
Kirche und Kloster haben erhebliche Veränderungen mitgemacht, insbesondere ab 1803, als das Kloster aufgehoben wurde. So existiert das spitzbogige Westportal der Kirche nicht mehr. Erhalten haben sich dagegen mehrere Grabplatten des 17. und 18. Jahrhunderts. Zwei Grüfte beherbergen die Überreste von Mönchen sowie seit 1835 die Sarkophage der Hadamarer Grafen und Fürsten. 1880 erhielt der Eingang zur Fürstengruft ein kunstvolles Sandsteinportal. 1883 wurde der Chor durch eine Backsteinwand vom restlichen Kirchenraum abgetrennt. 1890 wurde auf Betreiben des Bezirkskommunalverbands Wiesbaden im Klostergebäude die Landarmenanstalt für nicht vorbestrafte „arbeitsscheue“ Arme aus der Region untergebracht. 1927 erhielt das Kirchenschiff und 1959 der Chor eine Zwischendecke. Die obere Hälfte des Chores wurde 1960 anstelle einer kleineren Kapelle zur Anstaltskapelle. Das Kirchenschiff wurde oben zu einem Festsaal und unten zu einer Krankenstation umgewandelt. Im späten 20. Jahrhundert wurde dieser Station zur Kantine umgebaut, die als „Klostercafé“ heute auch der Öffentlichkeit zugänglich ist. mini|Hauptgebäude der psychiatrischen Klinik, aus Osten gesehen mini|Garage der „grauen Busse“, mit denen Menschen in die Tötungsanstalt gebracht wurden. Heute Teil der Gedenkstätte.
Korrigendenanstalt Nach mehreren kurzzeitig wechselnden Besitzern und Nutzungen wurde das Klostergelände von 1880 an zur Korrigendenanstalt für den Regierungsbezirk Wiesbaden umgestaltet. So genannte „Besserungshäftlinge“ wurden in der Anlage untergebracht. Von 1880 bis 1883 entstand nach Entwürfen von Eduard Zais das Hauptgebäude der Anstalt.
Es handelt sich um einen lang gestreckten, dreiflügeligen, symmetrischen Bau im Landhausstil. Er wird von dem dreigeschossigen Verwaltungstrakt in der Mitte beherrscht, in dem sich auch die Wohnräume des Anstaltsleiters und seiner Familie befanden. Durch eingeschossige Verbindungsbauten sind beidseitig die zweistöckigen Gebäude des Männertrakts im Westen und des etwas kleineren Frauentrakts im Osten angeschlossen. In den Erdgeschossen der Seitentrakte befanden sich Ess- und Arbeitssäle, oben die Unterkünfte und Lazarettbereiche. Ursprünglich war die Fassade durch das Backsteinmauerwerk geprägt, das heute unter Verputz liegt. Das Gebäude weist starke Bezüge zur Heil- und Pflegeanstalt Eichberg nahe Eltville auf, die Zais rund 40 Jahre zuvor geplant hatte.
Das Gebäude hatte zur Bauzeit eine Kapazität von 130 männlichen und 48 weiblichen Korrigenden. Im Jahr 1884 erfolgte eine Erweiterung, nach der 136 Männer und 80 Frauen untergebracht werden konnten.
Die Wirtschaftsgebäude im hinten liegenden Hof wurden nach 1960 abgerissen. Sie umfassten Kuh- und Schweineställe, die Anstaltsküche, Wäscherei, Baderäume für die Insassen, Schmiede, Schlosserei, Schreinerei und Kleiderkammer sowie Nebenräume.
Der Zais’sche Bau war von einer rund vier Meter hohen Mauer umgeben.
Gedenkstätte Hadamar mini|links|hochkant|Mahnmal auf dem Friedhof der Gedenkstätte mini|Historische Bediensteten-Wohngebäude
Hauptartikel NS-Tötungsanstalt Hadamar
Rund 14.500 Menschen wurden von 1941 bis 1945 in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Heute erinnert daran eine Gedenkstätte mit Informations- und Seminarhaus. Die Gedenkstätte Hadamar umfasst den östlichen Gebäudeteil der ehemaligen Korrigendenanstalt, in dessen Keller sich die Gaskammer sowie das Krematorium befanden. Auch der Friedhof mit seinem Mahnmal gehört dazu.
Busgarage Der Holzschuppen steht heute wieder nahezu an seinem ursprünglichen Platz im Hof des Anstaltshauptgebäudes. Der fensterlose Fachwerkbinderbau mit Bretterverschalung und drei Toren wurde 1941 errichtet. In ihm entluden die so genannten „grauen Busse“ die Opfer, die in Hadamar ermordet werden sollten. 1948 wurde die Busgarage auf den damals anstaltseigenen „Schnepfenhäuser Hof“ nordwestlich außerhalb der Stadt versetzt und dort als Scheune verwendet. 2003 wurde das vom Verfall bedrohte Gebäude an seinem ursprünglichen Platz restauriert.
Mönchberg 9, 11 und 13