mini|Versammlung der Formationen der Heimwehr auf der Neuklosterwiese beim Aufmarsch der Heimwehr und des Schutzbundes in Wiener Neustadt am 7. Oktober 1928 mini|Landesführer Walter Pfrimer (rechts) in Heimwehruniform neben dem Bundesführer vom Österreichischen Heimatschutz Richard Steidle (links) auf der Heimwehr-Tribüne auf der Neuklosterwiese am 7. Oktober 1928 mini|Der Bundesführer der österreichischen Heimwehr Richard Steidle (Mitte), der stellvertretende steirische Führer Reinhart Bachofen von Echt (links) und der steirische Kreisführer Hans von Pranckh (rechts hinten), Foto auf der Heimwehr-Tribüne auf der Neuklosterwiese am 7. Oktober 1928 Der Steirische Heimatschutz (offiziell Heimatschutzverband Steiermark, ab 9. Januar 1933 Deutschösterreichischer HeimatschutzEdmondson (1978), S. 178) war eine paramilitärische Organisation im Österreich der Zwischenkriegszeit und als solche ein Teil der Heimwehr. Unter der Führung von Walter Pfrimer und später von Konstantin Kammerhofer war der Heimatschutz das zahlenmäßig größte und bedeutendste Segment der österreichischen Heimwehrbewegung.Lauridsen (2007), S. 138ff. Der Heimatschutz vertrat von Anfang an eine radikale deutschnationale und bald auch antisemitische Linie, wandte sich gegen Parlamentarismus und Demokratie, versuchte 1931 einen gewaltsamen Umsturz und näherte sich schließlich immer stärker der NSDAP an, mit der er eine Kampfgemeinschaft abschloss. 1933 kam es zur Spaltung in einen regierungstreuen und einen revolutionären Flügel; letzterer wurde noch im selben Jahr verboten und ging ein Jahr später endgültig in der nationalsozialistischen Partei auf.

Entstehung und Entwicklung Der Heimatschutz entstand aus verschiedenen Selbstschutzverbänden, die sich 1918/19 zum Widerstand gegen die Abtrennung der Untersteiermark und zur Abwehr einer möglichen sozialistischen Revolution gebildet hatten. Es bestanden zunächst das vom Arzt Willibald BrodmannChrista Schillinger in Straden, Hrsg. Marktgemeinde Straden 1999, S. 134ff gegründete Untersteirische Bauernkommando in Straden, die Heimwehr Mittel- und Weststeier sowie der Heimatschutz im Ennstal und der Deutsche Volksrat in Judenburg, der vom dortigen Rechtsanwalt Walter Pfrimer geführt wurde.Karner (2000), S. 135f. Die mittelsteirischen Heimwehren in Graz und Umgebung vereinigten sich im August 1920 unter maßgeblicher Mitwirkung des christlichsozialen Landeshauptmannes Anton Rintelen und nahmen Kontakt zu ähnlichen Verbänden in Westösterreich sowie zur bayerischen Organisation Kanzler auf. Im Sommer 1921 kam es unter Druck der bürgerlichen Parteien zu einer vorübergehenden Einigung aller steirischen Selbstschutzverbände, diese gesamt-steirische Heimwehr zerbrach jedoch bald wieder.Wiltschegg (1985), S. 172f. Im April 1922 vereinigten sich die völkisch orientierten Organisationen zu einem einheitlichen Verband, der zunächst den Namen Selbstschutzverband Steiermark trug. Im Herbst des nächsten Jahres wurde Pfrimer zu dessen Landesleiter gewählt. Eine weitere Stärkung erfuhr die Bewegung, als sich die Kampfgruppen der Grazer und Leobener Studenten anschlossen. Ihr Führer, Hanns Albin Rauter, wurde Stabsleiter des Heimatschutzes.Carsten (1977), S. 42

Schon im Mai 1927 kam es in Freilassing zu einem ersten Zusammentreffen der Heimatschutzführer Pfrimer, Rauter und August Edler von Meyszner mit Adolf Hitler, bei der eine weitgehende ideologische Übereinstimmung des Heimatschutzes mit der NSDAP festgestellt wurde.Schafranek (2006), S. 13 Im Zuge der Unruhen nach dem Justizpalastbrand mobilisierte der Republikanische Schutzbund seine Einheiten in der Steiermark: In Graz wurden Straßensperren errichtet und die Telefonleitungen nach Wien gekappt; in Bruck an der Mur wurde von einem „Arbeiter-Exekutivausschuss“ unter Koloman Wallisch der Ausnahmezustand ausgerufen, Landeshauptmann Hans Paul flüchtete mit seiner Regierung nach Feldbach.Karner (2000), S. 140 Pfrimer konnte jedoch durch die Androhung von Gewalt den Schutzbund zum Rückzug bewegen. Ab diesem Zeitpunkt galt Pfrimer als „starker Mann“ der Steiermark; die Passivität des Bundesheeres bei diesem Anlass führte in bürgerlichen und bäuerlichen Kreisen dazu, Pfrimers Heimatschutz als einzig wirkungsvolle Ordnungsmacht im Land zu betrachten.Pauley (1972), S. 51 Zwischen Oktober und Dezember 1927 schlossen sich auch eine kleinere, christlichsozial orientierte Gruppe namens „Steirische Heimwehr“, die von Jakob Ahrer gegründet worden war, sowie andere Splittergruppen dem Heimatschutz an.Edmondson (1978), S. 54f.

Die Organisation erlebte einen starken Aufschwung und Mitgliederzuwachs und wurde in der Folge auch von der Alpine Montangesellschaft in organisatorischer und finanzieller Hinsicht massiv unterstütztPauley (1972), S. 65. Der Steirische Heimatschutz hatte an seinem Höhepunkt im Sommer 1929 etwa 54.000 Angehörige, davon 25.000 unterstützende Mitglieder.Carsten (1977), S. 123 In der Obersteiermark bemühte man sich mit einigem Erfolg um die Gewinnung von Anhängern aus der Arbeiterschaft, unter anderem wurde unter Führung des Metallarbeiters Josef Lengauer und des Alpine-Ingenieurs Josef Oberegger 1928 die Unabhängige Gewerkschaft gegründet, um den sozialdemokratischen und christlichsozialen Organisationen eine Heimatschutz-Arbeitervertretung entgegenzusetzen. Die Unabhängige Gewerkschaft erwies sich – gemäß ihrer Grundausrichtung als wirtschaftsfriedlicher Arbeiterverein – als sehr kooperativ gegenüber den Arbeitgebern, sie wurde daher auch von verschiedenen Unternehmern gefördert und hatte 1929 nach eigenen Angaben in der Steiermark 20.000 Mitglieder. Wiltschegg (1985), S. 175 sowie S. 281f.

Verhältnis zum Bundesverband Im Oktober 1927 schlossen sich die Heimwehrverbände in Österreich zum Bund österreichischer Selbstschutzverbände zusammen und wählten den Tiroler Richard Steidle zum Bundesführer, Pfrimer wurde dessen Stellvertreter. Am 2. September 1930 wurde Ernst Rüdiger Starhemberg zum neuen Bundesführer gewählt; in der Folge kam es immer stärker zu Unstimmigkeiten über Fragen der Ideologie und politischen Strategie: während Starhemberg für eine eigene Heimwehrliste bei der Nationalratswahl 1930 eintrat, lehnte der Steirische Heimatschutz dies ab. Pfrimer war grundsätzlich gegen ein Antreten zur Wahl, sein Stabschef Rauter hingegen verfolgte die Idee eines Wahlbündnisses mit den Nationalsozialisten. Zur Diskussion einer solchen Zusammenarbeit traf Rauter Anfang Oktober 1930 mit dem Organisationsleiter der NSDAP, Gregor Strasser, zusammen. Schließlich trat die Liste Heimatblock getrennt von Christlichsozialen und Nationalsozialisten an. Bei der Wahl erreichte die Liste nur 6,25 Prozent der Stimmen, in Teilen der Steiermark jedoch deutlich mehr: Im Wahlkreis Obersteiermark erzielte man 16,9 Prozent und war in den politischen Bezirken Bruck an der Mur, Mürzzuschlag, Leoben und Judenburg die zweitstärkste Kraft. In diesem Wahlkreis gewann der Heimatblock auch sein österreichweit einziges Grundmandat. Es gingen zwei von acht Mandaten des Heimatblocks an steirische Vertreter, in Summe waren die Ergebnisse für die angebliche Volksbewegung jedoch enttäuschend.Pauley (1972), S. 82f. Bei den zeitgleich stattfindenden Landtagswahlen in der Steiermark war der Heimatblock wesentlich erfolgreicher und erreichte 12,5 Prozent (6 Mandate). August Meyszner wurde zum Landesrat gewählt.Karner (2000), S. 594 sowie 599.

Auch die deutschnationale Ausrichtung des Heimatschutzes und die Gegnerschaft zum Parteiensystem insgesamt trennten die Organisation immer mehr vom Bundesverband, der inhaltlich stärker den Christlichsozialen zuneigte. Der innere Zusammenhalt der Bewegung wurde immer schwächer, schließlich trat Starhemberg von seinem Amt zurück und überließ am 2. Mai 1931 Pfrimer die Führung der österreichischen Heimwehren.

Aufbau und Organisation Wie der Republikanische Schutzbund war auch der Steirische Heimatschutz in eine politische und eine militärische Abteilung gegliedert. Die politische Gliederung des Heimatschutzes war weitgehend der Landespolitik nachempfunden, der Landesleiter entsprach dem Landeshauptmann, danach kamen Kreisleiter (entsprechend Bezirkshauptmännern), sowie Gau- und Ortsgruppenleiter. Im militärischen Bereich war die Rangfolge ähnlich, jedoch wurden die Funktionsbezeichnungen mit dem jeweiligen Titel Führer bezeichnet (also Landesführer, Kreisführer etc.) Neben der Unabhängigen Gewerkschaft wurden noch weitere Vorfeldorganisationen gegründet, wie etwa die Frauenhilfsgruppen (ab 1929), das Weiß-grüne Jungvolk und die Heimatschutz-Hochschulgruppen, die beide 1932 organisiert wurden.Pauley (1972), S. 63ff. Ab 1. Mai 1930 erschien das Wochenblatt „Der Panther - Steirische Heimatschutzzeitung“, das eine Auflage von bis zu 18.000 Stück erreichte.Wiltschegg (1985), S. 371 Der Steirische Heimatschutz fand aufgrund seiner radikalen Agitation und organisatorisch und finanziell überlegenen Position auch außerhalb der Landesgrenzen Unterstützer, so gab es auch „steirisch“ gesinnte Heimwehr-Ortsgruppen in Niederösterreich, Wien und im Burgenland.Pauley (1972), S. 53 Als Symbol verwendete der Steirische Heimatschutz in der Anfangszeit die Farben Schwarz-Weiß-Rot sowie das Hakenkreuz. Später wurde das Landeswappen, der steirische Panther, ergänzt um einen Stahlhelm, zum offiziellen Abzeichen. In der Phase der Kampfgemeinschaft mit der NSDAP wurde das Hakenkreuz wieder eingeführt.Wiltschegg (1992), S. 147

Ideologische Ausrichtung Zunächst verstand sich der Heimatschutz als rein defensive Organisation, welche die bestehende Ordnung gegen revolutionäre Bewegungen von links (u. a. den Austromarxismus) verteidigen, ansonsten aber überparteilich organisiert sein sollte. Hinzu kamen verschiedene völkische Vorstellungen, die insbesondere aus dem Umkreis des Schulvereines Südmark stammten. Ab dem Jahr 1928 stand Pfrimer in Kontakt mit dem Sozialphilosophen Othmar Spann, dessen Denken der Steirische Heimatschutz bald weitgehend übernahm.Edmondson (1978), S. 73. Spann und seine Schüler, vor allem Walter Heinrich und Hans Riehl, hielten Vorträge und publizierten im Grazer Heimatschutz-Verlag. Im Zentrum von Spanns Gesellschaftskonzept standen die Gegnerschaft zu Marxismus, Liberalismus und Demokratie sowie das Bekenntnis zu einem ständischen Staatsaufbau und einer korporatistischen Wirtschaft.Lauridsen (2007), S. 197ff. Der Korneuburger Eid der Heimwehren wurde hauptsächlich von Walter Heinrich formuliert.Edmondson (1978), S. 98. Im Sommer 1931 initiierte der Steirische Heimatschutz ein Volksbegehren gegen die Rettung der Creditanstalt mit Steuergeldern, das von 620.000 Menschen unterschrieben wurde.Lauridsen (2007), S. 225 Die „zwölf Grundsätze des Steirischen Heimatschutzes“ vom Juni 1932 betonen darüber hinaus die revolutionäre, völkische und wehrhafte Grundhaltung des Verbandes und enthalten deutlicher als bis dahin rassistische und antisemitische Inhalte.Pauley (1972), S. 146f.

Das Verhältnis zwischen Idee und Praxis blieb – wie bei vielen rechtsextremen Organisationen jener Zeit – ungeklärt. Welche Ideen Spanns der Steirische Heimatschutz übernahm und welche nicht, wurde vor allem von praktischen Überlegungen (etwa Rücksicht auf die Unterstützung durch die Industrie) bestimmt.Pauley (1972), S. 70

Pfrimer-Putsch 1931