mini|hochkant=1.3|US-Soldaten mit 3,5-Zoll- (vorne) und 2,36-Zoll-Bazookas während des Koreakrieges mini|Das namensstiftende Musikinstrument Die Bazooka (offiziell: Launcher, Rocket, Antitank, M1, später Rocket Launcher) ist eine rückstoßfreie Panzerabwehrhandwaffe, die von den US-amerikanischen Streitkräften im Jahre 1942 entwickelt wurde. Ihren Namen verdankt sie der Ähnlichkeit mit dem ebenfalls Bazooka genannten posaunenartigen Musikinstrument des zeitgenössischen US-amerikanischen Komikers Bob Burns.

Die Bazooka gilt als erste raketenangetriebene Infanteriewaffe und zudem als eine der ersten Hohlladungswaffen. Ihr Einsatz erfolgte im Zweiten Weltkrieg hauptsächlich gegen gepanzerte Fahrzeuge und Bunker, die bis zu 100 Meter entfernt sein konnten. Die Bedienung einer Bazooka erforderte für gewöhnlich ein aus Richt- und Ladeschütze bestehendes Zweierteam.

Die ersten Modelle waren wenig zuverlässig und galten als schwer handhabbar, durchliefen jedoch weitere Entwicklungsschritte, die die Einsatzfähigkeit deutlich verbesserten. Spätere Varianten, auch als Super Bazooka bekannt, wurden im Koreakrieg und Vietnamkrieg eingesetzt. Neben den US-amerikanischen Streitkräften rüsteten auch andere Staaten ihre Streitkräfte mit der Bazooka aus bzw. benutzen darauf basierende Weiterentwicklungen. Wie bei der Panzerfaust wird Bazooka im Englischen oft stellvertretend als Gattungsbezeichnung für alle raketenangetriebenen Panzerabwehrwaffen verwendet.

„Bazooka“ wird als Metapher für finanzpolitische Maßnahmen verwendet, z. B. dafür, das Notwendige zu tun (siehe whatever it takes, Draghi-Effekt).

Entwicklung Die Grundlage für die Konstruktion der Bazooka bildeten zwei zunächst voneinander unabhängig verlaufende Entwicklungen: die des Raketenantriebs und die des Hohlladungssprengkopfes.

Raketenantrieb mini|Robert Goddard, 1918 mini|hochkant|Leslie Skinner Seit Erfindung des Schwarzpulvers kamen darauf basierende Raketen auch in kriegerischen Auseinandersetzungen zum Einsatz, beispielsweise in Form der Hale’schen Rakete im Amerikanischen Bürgerkrieg. Bereits kurz danach galten solche Raketen im militärischen Bereich jedoch als überholt, da die Artillerie ab etwa 1870 durch Einführung von Hinterladerwaffen mit gezogenen Läufen deutlich an Leistungsfähigkeit gewonnen hatte.A. Bowdoin Van Riper: Rockets and Missiles: The Life Story of a Technology. JHU Press, 2007, ISBN 978-0-8018-8792-5, S. 7, 14, 19 books.google.de

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs schlug der US-amerikanische Raketenpionier Robert Goddard nach diversen Experimenten wieder die militärische Nutzung einer Rakete vor, diesmal in einem offenen Startrohr als rückstoßfreie Infanteriewaffe. Die kleinsten Varianten waren dabei leicht genug, um von der Schulter abgefeuert werden zu können. Erste Prototypen führte er und sein Mitarbeiter Clarence Hickman den US-Militärs am 6. November 1918 in Aberdeen Proving Ground vor. Zwar wurde das Potential als Panzerabwehrwaffe erkannt, doch mit Ende des Ersten Weltkriegs nur wenige Tage später die Weiterentwicklung eingestellt. Goddard widmete sich daraufhin anderen Raketenprojekten.David A. Clary: Rocket Man: Robert H. Goddard and the Birth of the Space Age. Hachette, 2003, ISBN 978-1-4013-9833-0, S. 100–104 books.google.de Erst 1931 setzte Leslie Skinner in Aberdeen Proving Ground die Versuche von Robert Goddard und Clarence Hickman fort. Innerhalb von zwei Jahren führte er etwa 900 Raketenstarts mit dem Ziel durch, Raketen als Flugzeugbewaffnung zu etablieren.Reardon: Bazooka. 2010, S. 74. Dabei stellte er unter anderem fest, dass sich zweibasiges Schießpulver besonders gut als Antrieb eignete. Die US-Army erkannte Skinners Fähigkeiten und förderte daraufhin seine Raketenforschungen, allerdings nur mit einem sehr begrenzten Budget. Die Arbeiten kamen 1938 mit der Versetzung Skinners nach Hawaii zum Erliegen.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sorgte Hickman in seiner Eigenschaft als Mitglied des National Defense Research Committees dafür, dass Skinner im November 1940 in der Indian Head Powder Factory seine Tätigkeit wieder aufnehmen konnte.Green u. a.: The Ordnance Department. 1955, S. 354. Bereits im Dezember 1940 stellte Skinner der US Army seine Idee eines tragbaren Raketenwerfers vor. Da es jedoch an einem wirksamen Sprengkopf mangelte,Rottman: The Bazooka. 2012, S. 13. hatte das Projekt für die US Army alsbald nur noch eine niedrige Priorität, dennoch wurde Skinner mit Edward George Uhl ein Assistent zur Seite gestellt. Während Skinner sich fortan hauptsächlich Flugzeug- und Artillerieraketen wie der M8 widmete,U. S. rocket ordnance, development and use in world war II. United States Government Printing Office, Washington 1946, S. 24 babel.hathitrust.org. konzentrierte sich stattdessen Uhl auf die Entwicklung der Panzerabwehrrakete, der späteren Bazooka.

Hohlladungssprengkopf

Seit Ende des 18. Jahrhunderts war bekannt, dass eine Sprengladung mit besonderer geometrischer Anordnung des Sprengstoffs in Hohlform eine stärkere Detonationswelle als eine konventionelle Sprengladung erzeugen kann. Dieser sogenannte Hohlladungseffekt fand jedoch zunächst keine militärische Anwendung. Erst 1935 erkannte der Schweizer Heinrich Mohaupt, dass eine zusätzliche Auskleidung mit Metall bei Zündung einen sich extrem schnell fortbewegenden Metallstachel erzeugt. Die Bewegungsenergie dieses Geschosses ist dabei derart hoch, dass damit konventionelle Panzerungen durchschlagen werden können. Nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen im Westfeldzug floh Mohaupt 1940 in die USA und stellte dem US-Militär seinen Entwurf für einen Hohlladungssprengkörper vor.Donald R. Kennedy: History of the Shaped Charge Effect. 1983

Die von Mohaupt vorgeführte 30-mm-Gewehrgranate konnte etwa 5 cm starken Panzerstahl durchschlagen. Darauf aufbauend entwickelte die US-Army die 60-mm-Gewehrgranate M10 mit einer auf etwa 10 cm gesteigerten Durchschlagsleistung. Das zu hohe Gewicht des Geschosses und der damit verbundene starke Rückstoß führte jedoch zu großen Beschädigungen an den Gewehren. Eilends entwickelte Ladungswerfer verschossen die Granaten dagegen problemlos, konstruktionsbedingt jedoch nur im Steilfeuer.Reardon: Bazooka. 2010, S. 75. Eine wirksame Bekämpfung kleiner Ziele war aufgrund der großen Streuung der Geschosse nicht möglich und machte damit ein neues Abschusssystem erforderlich.Green u. a.: The Ordnance Department. 1955, S. 357.

Rakete mit Hohlladungsprengkopf mini|hochkant|Patentzeichnung Erstmals kombiniert wurde das Konzept eines raketenbasierten Geschosses mit dem eines Hohlladungssprengkopfes von Gregory Joseph Kessenich, dem Leiter der Patentabteilung des US-amerikanischen Ordnance Departement. Zur Vermeidung des starken Rückstoßes und der steilen Flugbahn des Sprengkopfes schlug er Anfang August 1941 Colonel Wiley T. Moore die Verwendung des Raketenmotors von Skinner vor, dessen Arbeiten Kessenich seit Dezember 1940 bekannt waren. Moore, der die Entwicklung der leichten Waffen leitete, erkannte das Potential dieser Kombination. Kessenichs Zeichnungen sowie Informationen über Hohlladungen wurden daraufhin Leslie Skinner übermittelt,Green u. a.: The Ordnance Department. 1955, S. 357. jedoch noch bevor Kessenich ein entsprechendes Patent einreichen konnte. Durch die nachfolgende Einstufung des Bazooka-Projekts als Verschlusssache verzögerte sich die Patentanmeldung (US2579323) bis zum 14. Februar 1944. Nach dem Krieg kam es deshalb zu einem jahrelang währenden Streit wegen der verspäteten Erteilung des Patents und der damit entgangenen Einkünfte, der 1960 vom Senat der Vereinigten Staaten mit einer Zahlung von 100.000 USD beendet wurde.Congressional Record Band 106, Teil 11. 23. Juni 1960, bis 30. Juni 1960, United States Government Printing Office, Washington, 1960, S. 75 (PDF; 559 MB)

Nach dem Erhalt von Kessenichs Zeichnungen arbeiteten Skinner und Uhl umgehend daran, einerseits den M10-Sprengkopf mit einem Raketenmotor zu vereinen und andererseits eine tragbare Startvorrichtung – den Raketenwerfer – dafür zu entwickeln. Unterstützt wurden sie dabei von Hickman in Form von wissenschaftlicher Beratung und von Moore, der Hilfestellung bei der Entwicklung der Munition leistete. Begünstigt wurden die Arbeiten von einer besseren Verfügbarkeit des essentiell wichtigen zweibasigen Schießpulvers, das die US Army in zwei im Frühjahr 1941 neu errichtete Sprengstofffabriken in Radford Ordnance Works und Sunflower Ordnance Works nun in größeren Mengen herzustellen in der Lage war.Green u. a.: The Ordnance Department. 1955, S. 237.

Der von Uhl entwickelte Prototyp eines Hohlladungssprengkopfes mit Raketenmotor erreichte im Februar 1942 bei Reichweite und den ballistischen Eigenschaften erste annehmbare Ergebnisse. Später konzeptionierten Uhl und Skinner aus Metallabfällen ein provisorisches Raketenwerferrohr mit Griffen und elektrischem Zünder und testeten dieses mit der zuvor entwickelten Rakete erfolgreich.Reardon: Bazooka. 2010, S. 76. Kurz darauf erfolgte im Mai die erste große Demonstration der beiden Abschusssysteme Ladungs- und Raketenwerfer vor einem hochrangigen Publikum. Die in Steilfeuer abgefeuerten und zudem langsamen Geschosse der Ladungswerfer verfehlten großteils den sich bewegenden Zielpanzer. Im Gegensatz dazu war der von Uhl entwickelte Raketenwerfer ein großer Erfolg, was für diese Technologie den militärischen Durchbruch bedeutete. Daneben erhielt die Waffe zu dieser Zeit ihren Spitznamen Bazooka, der auf einen von General Gladeon M. Barnes gemachten Vergleich mit dem Musikinstrument Bazooka zurückgeht.Reardon: Bazooka. 2010, S. 76–78.

Kurz nach der Erstvorstellung erfolgte eine zweite in Camp Simms vor dem US-Army-General George C. Marshall, der bereits im April 1941 eine Arbeitsgruppe unter Anthony McAuliffe zur Entwicklung von neuen Panzerabwehrwaffen initiiert hatte. Unter den Begutachtern befanden sich auch zahlreiche Vertreter der britischen und sowjetischen Alliierten.Reardon: Bazooka. 2010, S. 73, 78–79. Marshall bestellte aufgrund der erfolgreich verlaufenden Demonstration 5.000 Raketenwerfer sowie 25.000 Panzerabwehr- und 5.000 ÜbungsraketenGreen u. a.: The Ordnance Department. 1955, S. 358–359. im Rahmen des sogenannten Leih- und Pachtgesetzes (englisch Lend-Lease Act) für die Alliierten. Die Bestellung des Raketenwerfers wurde am 20. Mai 1942 von General Electric in Bridgeport (Connecticut) angenommen.Reardon: Bazooka. 2010, S. 76–79. Die Raketen wurden bei Edward G. Budd Manufacturing Company, eigentlich einem Hersteller von Karosserien und Schienenfahrzeugen, bestellt.Green u. a.: The Ordnance Department. 1955, S. 359. Die Waffe erhielt als militärischen Decknamen die Bezeichnung Whip (deutsch Peitsche).Mayo: The Ordnance Departement. 1968, S. 31.

Weiterentwicklung mini|M1, späte Ausführung mit einseitigem Visier und Munition für Versionen ab M1A1 Die Weiterentwicklung wurde ab 1943 dem Physikinstitut Corcoran Hall an der George Washington University in Washington, D.C. übertragen.George Washington University, School of Engineering and Applied Science: SEAS History. seas.gwu.edu Als Ergebnis folgten bis 1945 die verbesserten Versionen M1A1, M9, M9A1 und M18.