Ehrwald ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Reutte in Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Reutte.
Geografie Lage und Ortsteile mini|Blick vom Grubigstein auf Ehrwald und die Zugspitze Ehrwald liegt am Fuß des Wettersteingebirges mit der hohen Zugspitze, am Becken des Lermooser Mooses, einer ehemaligen Moorlandschaft. Die Loisach fließt am Ort vorbei.
Ortsteile sind neben dem Hauptort Obermoos mit der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn und Ehrwald-Schanz an der ehemaligen Zollstation, Oberdorf, Unterdorf, Schmiede und Weidach.
Name Der Name leitet sich möglicherweise vom althochdeutschen êriro oder erro wald ab, was „Anfang des Waldes“ bedeutet. Einer anderen Ansicht zufolge bedeutet der Name „alter Wald“ oder aber „Erzwald“, was angesichts der nahe gelegenen Erzvorkommen nicht ausgeschlossen istAugust Clemens Schoener: Alpine Namen. Erläutert und dem D. u. Ö. Alpenverein gewidmet. Pössenbacher, München 1925, 111 S.. 1299 erscheint der Ort als „im Erwalden“, 1400 „gegen dem Erwald“.Peter Anreiter: Der Brenner / The Brenner, in: Namenkundliche Informationen, Leipziger Universitätsverlag, 2017, S. 9–29, hier: S. 23.
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Klima
Geschichte Urgeschichte Mesolithische Funde und Feuersteinabbau am Rothornjoch in Bach und neolithische, die vom 6. bis zum 3. Jahrtausend v. Chr. reichen, belegen menschliches Leben im Bezirk Reutte, also der Region Außerfern.
Siedlungstätigkeit setzte im Ehrwalder Becken spätestens in der mittleren, bzw. späten Bronzezeit ein. Zusammen mit der eisenzeitlichen, karrentauglichen Altwegtrasse im Gemeindegebiet, die im Jahr 2013 entdeckt wurde, gestattet dieser Nachweis eine menschliche Nutzung von cal BC 1410/1270 bis zur Hallstatt- und dann erst wieder in der Frühlatènezeit, also 770/420 v. Chr.,Margarethe Kirchmayr: Archäologie im Bezirk Reutte. Bisheriger Forschungsstand und aktuelle Projekte, in: Extra Verren 12 (2017), S. 7–24, hier: S. 7 f. (academia.edu). bis ins 4. Jahrhundert n. Chr.Gerald Grabherr, Barbara Kainrath: Spuren der römischen Kaiserzeit in Ehrwald, in: Extra Verren 8 (2013), S. 7–22 (academia.edu). Margarethe Kirchmayr leitet im Auftrag der Universität Innsbruck ein entsprechendes Forschungsprojekt.Eine eisenzeitliche Wegtrasse in Ehrwald (Bezirk Reutte, Tirol), Website der Universität Innsbruck, Archäologie. Unklar ist, ob das Gebiet eher von Süden beeinflusst wurde, und damit von der Fritzens-Sanzeno-Kultur, als deren Träger die Räter gelten, oder von den Kelten der nördlicheren Gebiete. In jedem Falle war der Außerfern eine wichtige Transitstrecke mit einem vergleichsweise breiten Handelspfad.
Ortsgeschichte Ehrwald wurde erstmals 1274 urkundlich erwähnt. In einer weiteren Urkunde aus dem Jahr 1299 vergaben die Herren von Starkenberg dem bayrischen Kloster Steingaden das Recht, den Zehent in Ehrwald einzuheben.Num. LXXXII. Decimae in Erwalde. An. 1299. In: Monumenta Steingadensa. In: Monumenta Boica. Band 6. Verlag der Königlichen Akademie, München 1766, S. 566 (bavarikon.de). Ehrwald wurde 1423 eine Filiale der Kuratie Lermoos. 1475 konnte ein langwieriger Streit mit der Gemeinde Untermieming um Holz- und Weiderechte auf der Sigilse-Alm geschlichtet werden. Dies geschah auf Anordnung des Landesfürsten. Die Namen der sieben Zeugen aus Ehrwald sind in der Urkunde von 1475 überliefert. 1495 wurde eine Gemeindeordnung aufgestellt, die die Wahl der beiden Dorfmeister regelte, dass fremdes Vieh auf der „Gmain“ gepfändet werden sollte, sowie weitere Regelungen enthielt.
Am 22. Oktober 1577 baten die Ortsvertreter den Herzog schriftlich darum, durch den bereits vor Ort gewesenen Deichmeister keinen See aufstauen zu lassen, da dieser ihre wirtschaftlichen Grundlagen gefährdet, das Wetter feuchter und kälter gemacht hätte. Tatsächlich wurde ihrem Ersuchen nachgekommen. 1672 kam es zu einem Zehntstreit mit der Gemeinde Lermoos, bzw. dessen Kuraten Peter Götsch. 1673 ordnete der Fürstbischof von Brixen an, dass der Kurat keine Sakramente mehr schenken durfte, was einer Art Interdikt gleichkam. Nun intervenierte der Landesherr, der explizit um das Seelenheil seiner Untertanen fürchtete. Der Kurat und die Gemeinde einigten sich schließlich 1674 auf die Wiederherstellung des vorherigen Zustandes.
1688 wurde Ehrwald in kirchlicher Hinsicht selbstständig, und es erhielt einen eigenen Kuraten, eine eigene Kirche bestand bereits seit den 1640er Jahren, die 1648 geweiht wurde.Georg Tinkhauser, Ludwig Rapp: Topographisch-historisch-statistische Beschreibung der Diöcese Brixen mit besonderer Berücksichtigung der Kulturgeschichte und der noch vorhandenen Kunst- und Baudenkmale aus der Vorzeit, Bd. 5: Vinstgau (Schluß) und Außerkern, Brixen 1891, S. 439–464.
Die Besiedelung Ehrwalds erfolgte nicht wie im übrigen Außerfern vom Allgäu her, sondern von Imst. Einen Anreiz dazu bot sicher der Bergbau, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts betrieben wurde. Der Ort lag etwas abseits der wichtigen Hauptverkehrsroute über den Fernpass, hatte aber mit der Produktion von Fassdauben für die Saline Hall eine wichtige Einnahmequelle. Daneben spielte die Weidewirtschaft eine bedeutende Rolle. 1891 zählte man 156 Häuser. Zu dieser Zeit gehörte noch das nördlich gelegene Schanzl dazu, das aus einem „Zoll-, Wirths- und Wegmacherhause“ bestand. 1890 zählte man 1.309 Einwohner. Die Gemeinde gehörte zur Diözese Brixen.
Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Ehrwald von Touristen entdeckt und wuchs neben Lermoos zu einer zweisaisonalen Tourismusgemeinde im Zugspitzgebiet heran. Einen wichtigen Anteil daran hat der zweite Seilbahnbau Österreichs, die 1926 eröffnete Tiroler Zugspitzbahn, die 1991 neu gebaut wurde. 2003 erfolgte der Neuaufbau der Talstation nach einem Feuer.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Das Heimatmuseum im ehemaligen Spinnhof mini|Fassade der barocken Pfarrkirche Ehrwald
Museum im Spinnhof (Ehrwalder Heimatmuseum)Museum im Spinnhof (Ehrwalder Heimatmuseum). Katholische Pfarrkirche Ehrwald Unsere Liebe Frau Mariä Heimsuchung Naturschutzgebiet Ehrwalder Becken Jedes Jahr am Wochenende um den Johannistag (Sommersonnenwende, 21. Juni) wird die imposante Bergkulisse rund um den Talkessel Ehrwald-Lermoos-Biberwier im Rahmen der traditionellen Sonnwendfeuer durch das Auslegen von großen Figuren aus tausenden Brandsätzen zu einem Erlebnis, das in seiner Art einzigartig ist. Die Figuren reichen von der christlichen Symbolik, Motiven aus der Pflanzen- und Tierwelt bis hin zur Darstellung von komplexen Bildern. Durch das zusätzliche Auslegen von Feuerketten entlang der Bergkämme wird die gesamte Dynamik weiter gesteigert. Seit 2010 gehört das Bergfeuer Ehrwald zum Immateriellen Welterbe, wie es die UNESCO deklariert, auf der Österreichliste (Nationales Kulturgut).unesco.at:
Ski- und Wandergebiete Ehrwald besitzt – neben der Zugspitze – noch zwei weitere Ski- und Wandergebiete, die vom Ortszentrum abgehenden Wettersteinbahnen sowie das Skigebiet Ehrwalder Alm (). Letztere ist über die Ehrwalder Almbahn zu erreichen und Ausgangspunkt für verschiedene Skilifte. In einer Höhe zwischen 1.100 und 1.900 Metern gibt es rund 27,5 Kilometer Skipisten; davon eine schwarze Piste („Issentalkopf“). Für Wanderer ist die „Ehrwalder Alm“ Startpunkt für unterschiedliche Wanderungen, so z. B. zur Zugspitze (über das „Gatterl“) oder an den Seebensee und die Coburger Hütte.
mini|Ehrwalder Alm im Herbst
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Ehrwalder Almbahn Verkehrsmäßig hat Ehrwald Verbindung ins Inntal über den Fernpass, nach Reutte und nach Garmisch-Partenkirchen. An das Eisenbahnnetz ist Ehrwald über die Außerfernbahn angeschlossen.
Ehrwald liegt am Fernradweg, der als Via Claudia Augusta entlang einer gleichnamigen antiken Römerstraße verläuft.
Politik Gemeinderat In den Gemeinderat werden 15 Mandatare gewählt. Partei202220162010ProzentMandateProzentMandateProzentMandateEhrwald EINS (EINS)51,158Huamat und Grüne Liste Ehrwald (HUAMAT)18.093Zukunft-Ehrwald (ZE)14,852FREI.Li.Ehrwald (FLE)10,171DORFLISTE FÜR EHRWALD (DFE)5,741Ehrwald.komm1001559,33Miteinander für Ehrwald40,67
Bürgermeister Bürgermeister seit 1903 waren:
Wappen Blasonierung: Ein fünfreihig silbern-grün gespickelter Schild.Landesgesetzblatt für Tirol. Nr. 12/1978 (Digitalisat).
Der stilisierte Wald im 1978 verliehenen Gemeindewappen symbolisiert den Ortsnamen. mini|hochkant=2.3|Ortsansicht Ehrwald mit der Zugspitze von der hochgelegenen Terrasse des Hotels Hubertushof in Lermoos
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde Josef Riehl (1842–1917), Bauingenieur und Bauunternehmer Hermann Stern (1878–1952), Rechtsanwalt, Lokalpolitiker und Wirtschaftspionier Söhne und Töchter der Gemeinde
Ernst Jäger (1847–1929), Rechtsanwalt und Politiker Erich Steiner (1917–1997), Maler und Sportler Ferdl Kerber (1925–1977), Skispringer Wolfgang Schennach (1934–2004), Maler Kurt Leitl (1935–2024), Politiker (ÖVP) Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
Fritz Behn (1878–1970), Künstler Eugen Bönsch (1897–1951), Pilot, verstorben in Ehrwald Rudolf Gopas (1913–1983), akad. Maler aus Litauen Liesl Karlstadt (eigentlich Elisabeth Wellano) (1892–1960), Soubrette, Schauspielerin und Kabarettistin, Bühnenpartnerin von Karl Valentin, ab 1941 zwei Jahre bei einer Gebirgsjägereinheit auf der Ehrwalder Alm stationiert Martin Kirschner (1842–1912), Politiker, Oberbürgermeister von Berlin, verstorben in Ehrwald Clemens Krauss (1893–1954), Dirigent, in Ehrwald begraben Paula Ludwig (1900–1974), Schriftstellerin und Malerin Arthur Pauli (* 1989), Skispringer Signe von Scanzoni (1915–2002), Tänzerin, Sängerin, Schauspielerin und Autorin Heinrich Ritter von Srbik (1878–1951), Historiker, verstorben in Ehrwald Rudolf Schramm-Zittau (1874–1950), Künstler, verstorben in Ehrwald Viorica Ursuleac (1894–1985), Sopranistin, die erste Arabella (Strauss), verbrachte die letzten 30 Jahre ihres Lebens in Ehrwald und ist auch dort begraben
Literatur Das 700-Meter-Fenster in die Eisenzeit, Wissenswert, 13. Juni 2017 Hermann Schwaighofer-Hirschberger: Ehrwald, Lermoos, Biberwier und Umgebung. Tyrolia, Innsbruck 1929 (digital.uibk.ac.at). Eugen Simkovsky: Ehrwald, Lermoos, Biberwier und Umgebung. Ein Führer. Tyrolia, Innsbruck/Wien/München 1937. Gert Ammann: Ehrwald, Tirol. Verlag St. Peter, Salzburg 1989. Guenther Weber: Analyse lokaler Machtstrukturen am Beispiel der Tiroler Fremdenverkehrsgemeinde Ehrwald. 1989. Otto Haudek: Ehrwald in Wort und Bild. Chronik des Zugspitzendorfes. Gemeinde Ehrwald, Eigenverlag, 1991. Susanne Schiftner: „Bist du für uns – oder gegen uns?“ Das Konfliktpotential Agrargemeinschaften, aufgezeigt am Fallbeispiel der Gemeinde Ehrwald. 2010.
Weblinks
Website der Gemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Wettersteingebirge Kategorie:Ersterwähnung 1274