Lützelhausen ist neben Altenhaßlau (Linsengericht), Eidengesäß, Großenhausen (mit Waldrode) und Geislitz (mit Hof Eich und Eichermühle), einer der fünf Ortsteile der Gemeinde Linsengericht im hessischen Main-Kinzig-Kreis.
Geografie Geographische Lage Das Dorf liegt am Oberlauf des Schandelbaches, eines Nebenflusses der Kinzig, und 4,3 km südlich von Gelnhausen. Im Westen liegt einer der Zeugenberge des Spessarts, der Rauenberg, .
Lützelhausen liegt an der Landesstraße L3202, die den Ort im Südwesten mit dem Ortsteil Bernbach der Gemeinde Freigericht und im Nordosten mit der Kerngemeinde Altenhaßlau verbindet. Die Kreisstraße K897 führt im Osten zum Ortsteil Großenhausen.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn: die Ortsteile Altenhaßlau und Geislitz im Nord-Osten, Hof Eich im Osten und Großenhausen im Südosten, die Ortsteile Horbach und Bernbach der Gemeinde Freigericht im Südwesten. Es folgt der Ortsteil Niedermittlau der Gemeinde Hasselroth, das zu Gelnhausen gehörige Meerholz im Nordwesten sowie Gelnhausen im Norden.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Lützelhausen erfolgte unter dem Namen Lutzelnhusen im Jahr 1326. In erhaltenen Urkunden wurde Lützelhausen 1556 auch als Luczelhausen erwähnt.
Das Dorf gehörte im Mittelalter zum Gericht Altenhaßlau, aus dem sich das Amt Altenhaßlau entwickelte, das zur Herrschaft Hanau, später zur Grafschaft Hanau und schließlich zur Grafschaft Hanau-Münzenberg gehörte. In der Zeit um das Jahr 1400 brach eine große Bergwerksanlage in sich zusammen, in der Eisen und Kupfer gewonnen wurden. Der Bergbau hat in der Gemarkung des Ortes bis heute riesige Mulden hinterlassen. Vor und nach der Reformation war das Dorf in Altenhaßlau eingepfarrt. Die Reformation hatte hier – wie in der gesamten Grafschaft Hanau-Münzenberg – nach 1597 die reformierte Richtung eingeschlagen.
Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Dorf Lützelhausen. 1821 kam das Dorf, nunmehr im „Kurfürstentum Hessen“ genannten Hessen-Kassel gelegen, bei einer dort durchgeführten grundlegenden Verwaltungsreform zu dem neu gebildeten Landkreis Gelnhausen.
1908 wurde Lützelhausen ans Wassernetz angeschlossen, 1920 ans Stromnetz. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs siedelte sich kunststoffverarbeitende Industrie an. Einen Aufschwung durchlebte in dieser Zeit auch das Handwerk. Von 1958 bis 1960 wurde Auf dem Berg ein Hochbehälter errichtet, 1961 ein Feuerwehrhaus und 1965 eine Leichenhalle.
Ab 1972 wurde eine Umgehungsstraße zur Entlastung von Lützelhausen gebaut. Im Zuge von weiteren Straßenbegradigungsarbeiten wurde 1977–78 die alte Schule und das alte Rathaus abgerissen. Die wichtigste Einrichtung des Dorfes ist die Turnhalle. Sie entstand 1988/89 Auf dem Berg und verfügt über fünf moderne Tennisplätze.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Lützelhausen zum 31. Dezember 1971 in die im September 1970 neu gegründete Gemeinde Linsengericht als Ortsteil eingegliedert. Seit 1974 gehört Linsengericht-Lützelhausen zum durch die Gebietsreform neu entstandenen Main-Kinzig-Kreis. Für Lützelhausen wurden ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Lützelhausen angehört(e):
vor 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau ab 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Altenhaßlau ab 1643: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel (als Pfand), Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Altenhaßlau ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau, Amt AltenhaßlauDurch den Reichsdeputationshauptschluss. 1806–1810: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonischen Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Altenhaßlau (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau, Distrikt Gelnhausen ab 1816: Kurfürstentum Hessen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Fürstentum Hanau, Amt Altenhaßlau ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis GelnhausenVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 76.Trennung von Justiz (Justizamt Gelnhausen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Amt Altenhaßlau ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1918: Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Gelnhausen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen, Gemeinde LinsengerichtAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Linsengericht. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Gemeinde Linsengericht
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lützelhausen 951 Einwohner. Darunter waren 30 (3,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 144 Einwohner unter 18 Jahren, 435 zwischen 18 und 49, 204 zwischen 50 und 64 und 168 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 402 Haushalten. Davon waren 105 Singlehaushalte, 123 Paare ohne Kinder und 129 Paare mit Kindern, sowie 42 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 66 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 286 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Belegte Einwohnerzahlen sind: 1587: 9 Schützen, 2 Spießer 1632: 14 Dienstpflichtige 1753: 30 Haushaltungen mit 147 Personen 1812: 48 Feuerstellen, 313 Seelen
Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 300 evangelische (= 99,67 %), ein katholischer (= 0,33 %) Einwohner • 1961: 493 evangelische (= 91,47 %), 45 katholische (= 8,35 %) Einwohner
Politik Für Lützelhausen besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus acht Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 56,94 %. Dabei wurden gewählt: fünf Mitglieder der SPD, zwei Mitglieder der „Bürgerliste Lützelhausen“ (FWG) sowie ein Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen. Der Ortsbeirat wählte Hans-Bernd Gerhold (SPD) zum Ortsvorsteher.
Öffentliche Einrichtungen Nahverkehr Ganzjährig verkehrt die Buslinie MKK-63, des KVG und schafft öffentlichen Verkehrsanschluss zu allen Ortsteilen der Gemeinde Linsengericht, nach Gelnhausen und an die Kinzigtalbahn (Hessen) (Bahnhof Gelnhausen) sowie ins Freigericht. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.
Freiwillige Feuerwehr Linsengericht Süd-West Die Freiwillige Feuerwehr Lützelhausen wurde am 1. Januar 2026 mit der Feuerwehr Großenhausen zur Feuerwehr Linsengericht Süd-West zusammengelegt. Die Feuerwehr Linsengericht Süd-West besteht aus der Einsatzabteilung, der Kinderfeuerwehr, der Jugendfeuerwehr, sowie der Ehren- und Altersabteilung.
Einsatz- und Gefahrenschwerpunkte sind: Gewerbepark Birkenhain/Freigericht/Linsengericht. Gewerbepark Am Weinberg I und zukünftig Am Weinberg II einfache technische Hilfeleistung, Linsengerichter Wald Mehrere Gewerbebetriebe innerhalb der Ortschaften Wasserförderung lange Wegstrecken. Die Einsatzabteilung besteht (Stand 2026) aus 57 Frauen und Männern. Die Jugendfeuerwehr zählt 25 MitgliederFreiwillige Feuerwehr Lützelhausen, aufgerufen am 17. Januar 2023. Die Kinderfeuerwehr besteht aus 20 Kindern.
Ausbildungszeiten sind für die Aktiven (ab 17 Jahren) Mittwochs ab 19:30 Uhr, für die Jugendfeuerwehr (ab 10 Jahren) Montags 18:00 bis 19:30 Uhr und für die Kinderfeuerwehr (ab 6 Jahren) Gruppe 1 Montags von 17:30 bis 18:30 Uhr, Gruppe 2 Dienstags 17:00 bis 18:00 Uhr.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kindertagesstätten Die Gemeinde Linsengericht verfügt über vier Kitas in kommunaler Hand. Damit besteht die Möglichkeit der Kinderbetreuung für alle Ortsteil. „Durch weitere Träger wird das Angebot ergänzt und vervollständigt“, aufgerufen am 24. Juni 2024.
Schulen Grund- und Hauptschulen Grund- und Hauptschulen in der Gemeinde Linsengericht sind: Hasela-Grundschule, früher Grund- und Hauptschule in Altenhaßlau, Martinsschule, eine Förderschule für den Schwerpunkt geistiger Entwicklung, seit 1980Martinsschule Linsengericht, aufgerufen am 24. Juni 2024, Brentano-Schule mit den Abteilungen: Förderschule mit Schwerpunkt Lernen, Förderschule mit Schwerpunkt Sprachheil-Förderung, sowie das Beratungs- und Förderzentrum, Montessori-SchuleMontessori-Schule mit Kindergarten, aufgerufen am 16. Juni 2024.
Weiterführende Schulen Weiterführende Schulen in der Region sind: Kopernikusschule im Freigericht, eine Kooperative Gesamtschule, Käthe-Kollwitz-Schule Langenselbold, eine Integrierte Gesamtschule, Alteburg-Schule in Kassel, eine Haupt- und Realschule, Grimmelshausen-Gymnasium Gelnhausen, ein Gymnasium mit Mittagsbetreuung.
Vereine Zahlreiche Vereine prägen das kulturelle und das gesellschaftliche Leben in Lützelhausen. Unter ihnen sind: Freiwillige Feuerwehr Lützelhausen e. V. Gesangverein „Sängerlust“ Lützelhausen 1896 e. V. Kunstturnvereinigung Main-Kinzig 75 e. V. Musikverein Lützelhausen 1962 e. V. Theaterverein „Riwwelkuche“ Turnverein Lützelhausen 1913 e. V.
Hinzu kommen übergeordnete Vereine, die Linsengericht insgesamt umfassen.
Sehenswürdigkeiten Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Linsengericht-Lützelhausen
Wirtschaft Im Jahr 2001 erfolgte die Erschließung des Gewerbegebietes Birkenhain, zusammen mit der Gemeinde Freigericht, welches eine Fläche von 15 ha hat. Dort siedelte sich, auf der Gemarkung Lützelhausen, Logistik, Produktion und Handel an.
2020 wurde das Gewerbegebiet Am Weinberg erschlossen. Es hat eine Fläche von 3 ha und beherbergt die Firma DeBeer Breidenbach, welche unterschiedliche Kunststoffteile produziert. Weiterhin hat sich die Firma Gebäudereinigung Daniel Baumann GmbH dort angesiedelt, welche mit über 250 Mitarbeitern Gebäudereinigungen aller Art anbieten.
Seit 2025 läuft die Erweiterung des Gewerbegebietes. Es entsteht Am Weinberg II mit 7,6 ha.
Im Ort liegt eine Gewerbefläche von 1 ha, welche aktuell als Lager und Versand genutzt wird.
Literatur Walter Engel: Die urkundlichen Ersterwähnungen der Linsengerichter Ortsteile in einer kurzen Zusammenfassung – Altenhaßlau – Eidengesäß – Geislitz mit Hof Eich, Großenhausen mit Waldrode – Lützelhausen. In: Mitteilungsblatt des Zentrums für Regionalgeschichte 30 (2005), S. 9. Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Marburg 1926., S. 213.
Weblinks