Ried ist ein Stadtteil von Neuburg an der Donau. Er wurde am 1. Januar 1976 in die Kreisstadt eingegliedert und liegt im Norden Neuburgs. Bis zur Eingemeindung war Ried eine eigenständige Gemeinde mit den Ortsteilen Ried, Gietlhausen und Hessellohe; diese Orte bilden weiterhin die Gemarkung Ried.Gemarkungen der Stadt Neuburg an der Donau Das Pfarrdorf Ried hatte (2020) 808 Einwohner (1320 Einwohner zusammen mit Gietlhausen und Hessellohe).
Rückblick mini|Straßenblick auf Ried Die Grenzen zwischen Neuburg an der Donau und dem jetzigen Stadtteil Ried sind fast verwischt. Nur ein Ortsschild zeigt noch, wo Ried anfängt. Rechts der Ingolstädter Straße liegt am Donaufelsen das Arco-Schlösschen mit seinem herrlichen Ausblick zur Stadt. Links und rechts der Straße geht es bergauf, dort gruppieren sich die Häuser von Ried und auf dem Berg steht die Kirche St. Georg. Stadtauswärts führt eine Abzweigung von der Ingolstädter Straße in den Ortsteil Hessellohe.
Der ältere Ortsteil dürfte Hessellohe sein, denn lange Zeit war nur die Rede von der Kirche auf dem Berg oder von St. Georgen auf dem Berg. Heute bilden die beiden Ortsteile eine feste Einheit.
Geschichte Den Nachweis, dass Menschen das Gebiet der Gemeinde schon sehr früh bewohnten, lieferte der 1952 gehobene Faustkeil von Ried. Er dürfte weit über 150.000 Jahre alt sein.
Im Pappenheimer Urbar aus dem Jahre 1214 steht die „Kapelle auf dem Berg, St. Georgen“ vermerkt. Im Jahre 1280 erscheint im Salbuch von Ludwig II. des Strengen der Ort „in dem Ried“. Bis ins 16. Jahrhundert konnte man immer wieder von den „Hofstätten am Ried“ lesen.
Bei den Kämpfen König Ludwig IV. um den Erhalt seiner Macht als Römischer König wurden im Jahre 1322 auch die Besitzungen des Neuburger Benediktinerinnenklosters zerstört. Da half der Augsburger Bischof Friedrich I. (im Amt 1309–1331) den Benediktinerinnen aus ihrer Not und schenkte ihnen die Rechte an Ried.
Im Jahre 1452 bestätigt eine Quittung, dass ein Jakob Ziegler die Zieglerhütte hatte. Die Zeit hat auch hier ihre Spuren hinterlassen, heute ist sie nur noch eine Lagerstätte für Ziegelprodukte.
Durch die neue Ansiedlung in Gietlholz, später Gietlhausen genannt, kam es zu einem Rechtsstreit. Es musste entschieden werden, wohin Gietlhausen eingemeindet werden sollte und wer für den Schulunterricht zuständig ist. Am 1. März 1825 kam das Urteil, Gietlhausen wurde schulisch und kirchlich Ried zugewiesen.
1860 wird berichtet, dass die Einwohner von der Agrikultur leben, also Landwirtschaft und dem Taglohn, einige vom Gewerbe und Handwerk. Die Wohnhäuser sind infolge mehrerer Brandunfälle größtenteils mit Ziegeln bedeckt, nur wenige mit Stroh. Zu diesem Zeitpunkt zählte Ried 29 Häuser mit 149 Seelen, Hessellohe 30 Häuser mit 163 Seelen und Gietlhausen 19 Häuser mit 124 Seelen. Etwa die Hälfte der Bewohner von Gietlhausen war protestantisch. Der Forsthof zählte 14, davon vier Katholiken, und Igstetten 18 Seelen.Neuburger Kollektaneenblatt Nr. 26/1860, digitalisat.
Das Schrannengericht In Ried gab es auch ein Schrannengericht, das vor 1417 in den Händen der Grafschaft Graisbach lag, aber spätestens 1470 dem Gericht in Rain zugeordnet wurde. Heute noch erinnert die Bezeichnung Galgenberg an diese Hinrichtungsstätte, die sich „nahe bei Ried“ befand. An Silvester im Jahre 1803 wurde hier das letzte Urteil vollstreckt.
Um Zucht und Ordnung Einhalt zu gebieten, wurden alle Landgerichtsuntertanen der Orte nördlich der Donau zwischen Stepperg und Unterstall zweimal jährlich zwischen Martini und Michaeli zum Ehaftgericht (Ehaft = Gemeindeordnung) „an das Ried“ oder auf den „St. Georgsberg bei Neuburg“ geladen. Schon im 15. Jahrhundert war dies ein uralter Rechtsbrauch. Ried war damit für diesen Raum ein wichtiger Mittelpunkt.
Der Großbrand Am 10. Mai 1848 wütete das Feuer in Ried. Fünf Gehöfte wurden eingeäschert, und fünf Familien standen damit vor dem Nichts. Sie konnten sich nur noch mit dem nackten Leben retten. Eine Frau erlitt dabei schwere Brandverletzungen, so dass sie drei Wochen ans Bett gefesselt war. Selbst der Pfarrhof war von Feuer umgeben, er konnte aber gerettet werden, nur die Holzlege brannte ab. Es gab schließlich zu dieser Zeit noch keine organisierte Feuerwehr. Ganz primitiv musste mit Eimer und Wasser gelöscht werden.
Erstaunlich war die große Hilfsbereitschaft, die entgegengebracht wurde. Aus vielen Ortschaften kam Hilfe, es wurde für die betroffenen Familien gesammelt. Sogar in Eichstätt bemühten sich hilfsbereite Menschen. Das Ergebnis war beträchtlich. Es gab zur Linderung der Not viele Einrichtungsgegenstände, angefangen von Betten, Schränken, Türen, Fensterrahmen, Fußschemel über Badewannen, Eimer und Stühle bis hin zu Gerste, Roggen, Brot und Mehl. Aber auch Kalk und andere Baumaterialien wurden gespendet.
Die Betroffenen haben es auch nicht vergessen, sich zu bedanken. Die Dankesworte waren in der Neuburger Heimatzeitung zu lesen und unterzeichnet von den federführenden Organisatoren, dem königlichen Landrichter Heiß, dem Pfarrer Josef Schuster aus Ried und dem Vorsteher G. Rein, ebenfalls von Ried.
Die Kirche Kirchengeschichte mini|Die Kirche als Wahrzeichen
Die Kirche von Ried ist dem heiligen Georg geweiht und steht auf einem Hügel. Bei der Anfahrt von Eichstätt ist der Turm mit der Zwiebelhaube das Wahrzeichen. Lange war die Rede von der „Kirche auf dem Berg“ oder „St. Georgen“, ohne die Bezeichnung Ried zu erwähnen. Um den Sakralbau gruppiert sich der Friedhof.
Nach einem Manuskript der Jesuiten wird berichtet, dass die Kirche ursprünglich in Hessellohe erbaut werden sollte. Aber dreimal wurden die Steine auf den Rieder Berg überführt. Dies war ein Hinweis, das Gotteshaus auf dem Berg zu errichten, was auch geschehen ist und wo sie heute noch steht. Das älteste Gemäuer der Kirche und der Turmunterbau dürften aus dem 13. Jahrhundert stammen.
1667 wurde der Sakralbau mit zwei Seitenaltären ausgestattet: Auf der einen Seite die Statue Mariens mit dem Jesuskind, auf der anderen die Vierzehn Nothelfer als Gemälde. Diese beiden Seitenaltäre wurden 1852 durch neue ersetzt. Die Marienstatue auf dem Seitenaltar wurde durch ein Ölgemälde mit Immakulata ersetzt, sie stammt aus dem Kloster Gnadenthal in Ingolstadt. Das Altarbild mit den Vierzehn Nothelfern wurde übernommen, ebenso die beiden Medaillonsgemälde mit dem heiligen Ignaz von Loyola und Franz Xaver. Zugleich bekam der Hochaltar durch eine Vergoldung ein frisches Gesicht.
Wegen Baufälligkeit musste die Kirche am Palmsonntag 1871 geschlossen werden. Das Hesselloher Schlösschen diente jetzt bis 1875 als Kirche, Schule und Mesnerhaus.
Im Jahre 1919 wurde das Gotteshaus verlängert. 1931 war eine Renovierung erforderlich. Bei Reparaturarbeiten im Jahre 2009 kamen aus der Turmkuppel Gegenstände von 1931 zutage. In einer Bierflasche befanden sich Informationen von dem Zimmermeister Johann Kornreiter aus Unterstall, sowie das damalige Zahlungsmittel. Es wurden Millionen- und Hunderttausenderscheine entdeckt.
Auch 1954 stand eine Renovierung an. Im Jahre 1977 wurde eine Außenrenovierung durchgeführt. Die Kirche musste trockengelegt, aber auch Arbeiten am Pflaster und am Dach ausgeführt werden.
Kirchenbeschreibung Ein wuchtiger Kirchturm mit einem oktogonalen Glockengeschoss und einer Zwiebelhaube gibt der Pfarrkirche von Ried das Gepräge. Die Zwiebelhaube soll aus dem Jahre 1871 stammen. Auf dem Hochaltar steht das Bild des Kirchenpatrons St. Georg im Blickfang. Die beiden Seitenaltäre stammen aus dem Jahre 1852 und sind bis heute ebenfalls unverändert. Die Kanzel von 1720 mit einem polygonalen Korpus besitzt reichen Stuckdekor sowie viele Putten und Puttenköpfe.
2013 wurde eine neue Orgel eingebaut. 2015 erfolgte eine Innenrenovierung; auch wurde ein neuer Volksaltar des Künstlers Matthias Hoppe aufgestellt.Eichstätter Kurier vom 19. September 2015, S. 42
Kreuzweg mit Bildstöcken mini|Eine Kreuzwegstation mini|links|Der Kreuzweg am Rieder Kirchberg
Die 14 Bildstöcke mit Votivtafeln am Aufgang des Rieder Kirchbergs sind ein wahres Kleinod. Über ihre Entstehung ist nichts Genaues bekannt, es wird vermutet, dass die Bildstöcke mit Natursteinsäulen und die Metallbildtafeln etwa um 1900 aus Regensburg kamen. Freiherr von Flachslanden hatte den Kammerdiener Buchsbaum. Dessen Sohn soll diesen Kreuzweg gestiftet haben.
Die Zeit nagte daran und hatte ihnen bereits erheblich zugesetzt. Im Jahre 2005 leitete der Neuburger Stadtrat erste Schritte zur Sanierung und Finanzierung ein. Im April 2007 konnte Regionaldekan Vitus Wengert nach einer gut gelungenen Restaurierung den Kreuzweg mit Bildstöcken durch eine Weihe wieder der Öffentlichkeit übergeben. Die Kosten wurden auf 20.000 Euro beziffert, von denen der Bezirk Oberbayern 2.000 Euro übernommen hat. Der Rest wurde von Spendengeldern der Rieder finanziert.
Maria-Hilf-Grotte Die Maria-Hilf-Grotte steht auf dem Rieder Berg, ein Bauwerk mit viel Holz. Der Zahn der Zeit nagte auch an diesem Kleinod. Der Neuburger Verschönerungsverein legte an dem Bauwerk Hand an und leitete eine Renovierung in die Wege. Auf der Mängelliste standen die Stützbalken sowie die Dacheindeckung und angefaulte Hölzer. Am Ende betrugen die Kosten 1700 Euro, dazu kamen noch 150 freiwillige Arbeitsstunden. Die Stadt Neuburg übernahm davon 1000 Euro, der Rest wurde durch Spenden der Rieder aufgebracht. Zusätzlich pflanzte der Verschönerungsverein 100 Stöcke Wildrosen und der Gartenbauverein Buchsbäume, Sträucher und Blumen.
Regionaldekan Vitus Wengert, zuständig für die Pfarreiengemeinschaft St. Peter, übernahm die kirchliche Segnung im Rahmen einer Maiandacht.
Das kirchliche Leben Die Pfarrei Ried liegt in der Diözese Augsburg, direkt an der Grenze zum Bistum Eichstätt. Zur Pfarrei gehören die Orte Ried, Hessellohe, Gietlhausen und der Forsthof. Igstetten war ursprünglich in der Diözese Eichstätt, 1516 kaufte das Neuburger Frauenkloster die Einöde und damit kam es zur Diözese Augsburg und ebenfalls zur Pfarrei Ried.
Von 1542 bis 1616 war Ried, wie das gesamte Fürstentum Pfalz-Neuburg, evangelisch. Mit dem Übertritt von Herzog Wolfgang Wilhelm zur katholischen Religion ist auch Ried wieder katholisch geworden. Die Rechte von Ried wurden jetzt dem neugegründeten Jesuitenkolleg in Neuburg übertragen.
Schwere Zeiten herrschten während des Dreißigjährigen Krieges, vor allem um 1632. Die Schweden raubten und plünderten im Neuburger Raum. Die Bewohner von Bittenbrunn und Ried suchten in der Stadt ihre Zuflucht. Die Dörfer waren verlassen, die religiösen Funktionen mussten eingestellt werden. Die Gotteshäuser wurden beraubt, die Altäre profaniert. Erst 1636 konnte wieder religiöses Leben in der Kirche einziehen. Von 1650 bis 1664 versorgten die Jesuiten abwechslungsweise die beiden Pfarreien Bittenbrunn und Ried. Von 1667 bis 1700 mussten die Geistlichen von Bittenbrunn auch die Seelsorge von Ried übernehmen. Die Jesuiten wirken zu dieser Zeit als Missionare.
Raufereien und Kirchendiebstahl Auch weniger erfreuliche Dinge sind in die Kirchengeschichte von Ried eingegangen. Pfarrer Viktor Karrmann, zuvor in Genderkingen, war vom 16. Februar 1828 an Pfarrer von Ried. Er kam im Ort nicht immer gut zurecht. Am 10. Mai 1829 kam es in der Pfarrkirche zu einer Schlägerei, dabei wurde ein Bursche blutig geschlagen. Der Geistliche ließ daraufhin die Kirche schließen, es gab 17 Tage keinen Gottesdienst, keine Messe und kein Glockengeläute. Die Burschen wurden durch das Landgericht verurteilt und durch Schläge bestraft.
Am 7. August 1832 wurde der Kreuzpartikel aus der Kirche gestohlen. Stadtpfarrer und Dekan Jäger aus Neuburg schenkte den Riedern wieder ein Heiligtum. Der Pfarrer ließ für einen neuen Kreuzpartikel sammeln. Auch ein neues Kleid für das Muttergottesbild wurde aus dem Erlös angeschafft, sowie vier große und vier kleine Maibüschen.