Die Gobert (auch Gobe oder Goburg genannt) ist ein bis hoher, felsiger und bewaldeter Muschelkalk-Höhenzug des Naturraums „Thüringer Becken (mit Randplatten)“ im Werra-Meißner-Kreis und Landkreis Eichsfeld im Grenzbereich von Hessen und Thüringen in Deutschland.
Im hessischen Teil der Gobert liegt die Hessische Schweiz bei Meinhard, eines der größten Bergsturzgebiete Deutschlands, und in ihrem thüringischen Gebiet der 858 km² große Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal.
Geographische Lage Die Gobert liegt an der Ostgrenze des hessischen Werra-Meißner-Kreises zum thüringischen Landkreis Eichsfeld. Sie liegt nördlich von Eschwege und östlich von Bad Sooden-Allendorf. Während die beiden genannten hessischen Städte nur jeweils um drei Kilometer vom Rand des Kern-Höhenzugs entfernt liegen, der in Teilen auf dem Gebiet der zweitgenannten Stadt liegt, befindet sich die nächste vergleichbar große thüringische Stadt mit Heiligenstadt in etwa zehn Kilometern nordöstlicher Entfernung.
Die orographische Gobert Orographisch wird das Gebiet der Gobert durch die Täler der folgenden Flüsse begrenzt (im Uhrzeigersinn aufgelistet): im Osten durch die Rode von der Quelle bei Schwobfeld über Rüstungen, Wiesenfeld und Sickerode bis zur Mündung bei Geismar im Südosten durch den Unterlauf der Frieda von Geismar bis zur Mündung in Frieda im Süden durch die Werra in verschiedenen Ortsteilen Meinhards und Eschweges im Westen durch die Werra über Bad Sooden-Allendorf bis Wahlhausen im Nordwesten und Norden durch die Walse von Wahlhausen flussaufwärts über Dietzenrode-Vatterode und Mackenrode bis Dieterode
Die Gobert im engeren Sinne Die eigentliche Gobert stellt den durchgehend bewaldeten Muschelkalk-Höhenzug im Zentrum der orographischen Gobert dar, der, besonders im Westen, in einer scharfen Schichtstufe zum Buntsandstein der Umgebung abfällt. Dieses Plateau ist um die Täler abfließender Bäche bzw. um dortige Orte herum eingeschnitten.
Die folgenden Dörfer und Bäche berühren unmittelbar die Gobert (im Uhrzeigersinn gelistet): Schwobfeld am Oberlauf der Rode im Nordosten Wüstung Hessel am Hesselbach westlich Wiesenfelds im Osten (eingeschnitten) Volkerode am Hühnerbach im Osten (eingeschnitten) Pfaffschwende im südlichen Osten Kella am Kellaer Bach im Südosten (eingeschnitten) Neuerode und der Schambach im westlichen Süden Hitzelrode (eingeschnitten) und Motzenrode am Mühlbach (Motzbach) im Südwesten der Hainbach (unbesiedelt) im Westen (eingeschnitten) Asbach an der Alten Hainsbach im nördlicheren Westen (eingeschnitten) Sickenberg im Nordwesten Dietzenrode und Vatterode an der Walse im Nordwesten Weidenbach im Nordosten
Auf Karten wird meistens nur der südliche und zentrale Teil südlich Asbachs als Gobert bzw. Goburg beschriftet.
Naturräumliche Gliederung Nach der Einteilung des Handbuchs der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (6. Lieferung 1959) nebst Blatt Kassel (1969) wird der Kernhöhenzug der Gobert zur Einheit Oberes Eichsfeld und damit zu den Randplatten des Thüringer Beckens gezählt, während seine Abdachungen nach Osten, Süden und Westen dem Unteren Werrabergland und damit dem Osthessischen Bergland zugerechnet werden.
Insgesamt werden die verschiedenen Teile der orographischen Gobert wie folgt zugeordnet: (zu 47/48 Thüringer Becken (mit Randplatten)) (zu 483 Ringgau–Hainich–Obereichsfeld–Dün–Hainleite) 483.1 Allendorfer Wald 483.10 Gobert (Goburg) 483.11 Weidenbach-Mackenröder Senke (Grenztal der Walse im Norden mit Randbergen) (zu 35 Osthessisches Bergland) (zu 358 Unteres Werrabergland) (zu 358.2 Eschweger Becken) 358.20 Schwebda-Jestädter Werraaue (Grenztal im Süden) (zu 358.3 Sooden-Allendorfer Werratal) 358.30 Albunger Werratal (Grenztal im südlichen Westen) 358.31 Allendorfer Weitung (Grenztal im nördlichen Westen) 358.5 Rosoppe-Frieda-Bucht 358.50 Rosoppe-Frieda-Hügelland (nur im Westteil in der orographischen Gobert; Ost-Abflachung und Südost-Abdachung) 358.52 Südliches Gobertvorland (Südwest-Abdachung) 358.6 Höheberg (nur minimal in der orographischen Gobert: Grenztal der Walse im Nordwesten) 358.7 Fretteröder Keupersenke (nur minimal in der orographischen Gobert; setzt 483.11 nach Nordwesten fort)
Die Zuordnung der Landschaftsteile zu zwei verschiedenen Haupteinheiten (dreistellig) und sogar Haupteinheitengruppen (zweistellig) ist jedoch nicht ganz unumstritten, da das Muschelkalk-Plateau der Gobert und seine Abdachung im Buntsandstein eine in sich geschlossene Schichtstufenlandschaft bilden, die nach Norden durch die Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone auch in geologischer Hinsicht vom Hauptkamm des Oberen Eichsfeldes separiert wird. Überdies wird die Kammlinie der nördlichen Gobert (am Rachelsberg ) nach Nordwesten durch den Buntsandstein des Höhebergs (an der Junkerkuppe ) fortgesetzt, der ebenfalls dem Unteren Werrabergland zugerechnet wird. So tendiert das BfN inzwischen dahin, das komplette Gebiet der Gobert zum Unteren Werrabergland zu zählen.
Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) ordnet in ihrem nur landesweit bestehenden, weniger detaillierten naturräumlichen System das komplette Gebiet der (thüringischen) Gobert – wie auch das der sich nordwestlich (Höheberg) und südöstlich (u. a. Wanfrieder Werrahöhen) anschließenden Höhenzüge – der Einheit Werrabergland–Hörselberge zu, während in der sich östlich anschließenden Einheit Hainich–Dün–Hainleite nur der östliche Hauptkamm des Obereichsfeldes liegt.
Geologie, Geomorphologie Die Gobert ist ein südwestlicher, hessisch-thüringischer Muschelkalkausläufer des thüringischen Eichsfelds. Der oberflächennahe geologische Untergrund wird von gebankten Kalken und mergeligen Zwischenlagen des Unteren Muschelkalkes (sogenannter Wellenkalk) gebildet. Zum Werratal hin bricht der Wellenkalk als Schichtstufe steil ab. Die Hangfußbereiche werden von den Mergeln, Tonen und Gipsen des Oberen Buntsandsteins gebildet. Die wegen ihrer starken Klüftung wasserdurchlässigen Kalkbänke über den tonig-mergeligen und damit wasserstauenden Schichten des Oberen Buntsandsteins haben zu besonderen Lagerungsverhältnissen geführt. Sie haben die für das an die thüringische Grenze stoßende und alpin wirkende Bergsturzgebiet „Hessische Schweiz bei Meinhard“ typischen Bergstürze, Felsabbrüche und Hangrutschungen bewirkt. Durch die Ausräumung des leichter erodierbaren Oberen Buntsandsteins wurden entlang der Wellenkalkstufe ganze Schichtpakete verkippt. Schollenabbrüche führten dazu, dass die Unterhänge von Kalkschutt überlagert wurden. An den Abbruchkanten entstanden zum Teil mehrere Meter tiefe Spalten und Klufthöhlen.
Schutzgebiete Innerhalb der Gobert existieren verschiedenartige Schutzgebiete mit artenreicher Flora und Fauna in den plateauartigen Hochlagen:
Die „Hessische Schweiz“ ist zwischen den Hitzelrode einrahmenden felsigen Bergen als 1989 gegründetes und 2,44 km² großes Naturschutzgebiet (CDDA-Nr. 163985) ausgewiesen. Ebenfalls im hessischen Bereich befindet sich das seit 1995 bestehende und 0,47 km² große Naturschutzgebiet „Kalkklippen südlich des Iberges“ (CDDA-Nr. 163985).
Im hessischen Gobert-Bereich erstreckt sich ein kleiner Teil des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets „Werra- und Wehretal“ (FFH-Nr. 4825-302), das sich auf 241,7 km² Fläche weit über die Landschaftsgrenzen hinaus entlang beider Flusstäler erstreckt. Außerdem gibt es dort das 2,92 km² große FFH-Gebiet „Kalkklippen der Gobert“ (FFH-Nr. 4726-350). Auf thüringischer Seite liegt das 7,16 km² große FFH-Gebiet „Stein-Rachelsberg-Gobert“ (FFH-Nr. 4726-320).
In der Gobert gibt es auch die Vogelschutzgebiete „Felsklippen im Werra-Meißner-Kreis“ (VSG-Nr. 4726-401), das zu Hessen gehört und 4,64 km² Fläche aufweist, und „Werrabergland südwestlich Uder“ (VSG-Nr. 4626-420), das zu Thüringen zählt und 84,33 km² groß ist.
Entlang dem Westrand der Gobert erstreckt sich in ihrem hessischen Bereich ein kleiner Teil des 1992 gegründeten und 38,41 km² großen Landschaftsschutzgebiets „Auenverbund Werra“ (CDDA-Nr. 378407). Im thüringischen Teil liegt seit 1940 das 0,36 km² große LSG-Gebiet „Pfaffschwender Kuppe“ (CDDA-Nr. 323664).
Geschichte Dass die Gobert schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war, ist in der Gemarkung Motzenrode im Bereich „Hohestein“ an einer Wallanlage zu erkennen, die als Brandwall wegen seiner teils roten Farbe bekannt ist. Auch die unterhalb bzw. nördlich des Hohesteins befindliche Wüstung Emmicherode (auch „Ammicherode“ genannt) aus dem 10. Jahrhundert n. Chr. zeugt von menschlicher Niederlassung. Letzter Überrest der Wüstung ist die aus dem 12. Jahrhundert stammende „Oberste Kirche“ (ca. ) mit ihrem Altarstein.
Zu den Relikten menschlichen Schaffens in der Gobert gehören die Felsklamm „Pferdeloch“, die vermutliche Ruhestätte „Salzfrau“ und die tischförmige Muschelkalkplatte „Wolfstisch“ (siehe hierzu auch im Abschnitt Bergwelt, Aussichtspunkte).
Zeugnis früher Besiedelung ist auch die in den Nordausläufern der Gobert östlich von Asbach (Gemeindeteil von Asbach-Sickenberg, Thüringen) befindliche Burgruine Altenstein (, erste Erwähnung 1264 n. Chr.).
Mancherorts befinden sich auf der Gobert alte hessisch/thüringische Grenzsteine aus der Zeit nach 1815; sie tragen beispielsweise die Bezeichnungen „KP“ (Königreich Preußen) und „KH“ (Kurhessen).
Ab 1891 wurde das südöstlich von Bad Sooden Allendorf (Hessen) stehende Schloss Rothestein erbaut. In kleinen auf der Gobert verteilten Steinbrüchen wurde früher Kalkstein abgebaut, um daraus vor Ort Brandkalk als Baumaterial herzustellen, wovon östlich von Hitzelrode bzw. südlich von Volkerode noch ein aufgelassener Kalkofen als von der Natur zurückerobertes Industriedenkmal zeugt.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verlief der Abschnitt Asbach–Kella der Innerdeutschen Grenze – der Eiserne Vorhang – über die Gobert. Während die hessischen Gebiete der Gobert der Amerikanischen Besatzungszone (ABZ) bzw. am 23. Mai 1949 der Bundesrepublik Deutschland zufielen, wurden ihre thüringischen Bereiche zu einem Teil der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) bzw. am 7. Oktober 1949 zu einem solchen der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Im Bereich vom Berg Goburg, von Uhlenkopf und „Schöner Aussicht“ (s. n.) verlief die Grenze direkt an der felsigen Abbruchkante entlang.
Früher wurde in der Gobert Holzwirtschaft durch ein zum Forsthaus Goburg, dem vormaligen Gutshof „Goburg“, gehörendes Sägewerk betrieben. Das Forsthaus stand am Osthang des Bergs Goburg bzw. westlich von Volkerode an der kurvigen Forststraße, die Volkerode mit Hitzelrode verband. An dieser Straße befand sich rund einen Kilometer vom Forsthaus in Richtung Hitzelrode entfernt im Wald das Sägewerk.
miniatur|Denkmal: Abschnitt der ehemaligen Innerdeutschen Grenze auf der Gobert
Im Rahmen von Sicherungsmaßnahmen entlang der innerdeutschen Grenze wurden Forsthaus und Sägewerk 1961/1962 abgerissen. Vom Forsthaus (bzw. Gutshof) sind teils überwucherte Reste von Grundmauern, Stallungen und Zisterne erhalten, vom Sägewerk sind nur noch Grundmauern direkt auf der Landesgrenze vorhanden. Mancherorts ist noch die alte Straßenbefestigung auszumachen.
Nach dem Zusammenbruch der innerdeutschen Grenze (1989/1990) wurden recht schnell die Sperranlagen des Eisernen Vorhangs abgebaut, was in der Deutschen Wiedervereinigung (3. Oktober 1990) gipfelte. Tag der ersten Grenzöffnung am alten Sägewerk war der 28. Dezember 1989. Zur Erinnerung an die ehemalige Grenze wurde ein Abschnitt des ehemaligen Zauns aus Streckmetall stehen gelassen.
Noch 1989 entstanden die ersten Ideen für das später verwirklichte Naturschutzprojekt Grünes Band Deutschland (siehe hierzu bezüglich der Gobert im Abschnitt Flora und Fauna).
Flora und Fauna Allgemein miniatur|Kalkbuchenwald am Hohestein