Florence Isabelle Schelling (* 9. März 1989 in Zürich) ist eine ehemalige Schweizer Eishockeytorhüterin und Funktionärin. Von 2003 bis 2018 war sie Stammtorhüterin der Schweizer Nationalmannschaft der Frauen. Von April 2020 bis April 2021 war sie Sportchefin beim SC Bern. Ihr Bruder Philippe Schelling war ebenfalls Eishockeyspieler.
Leben Schelling wuchs in Oberengstringen auf und kam durch ihre beiden Brüder zum Eishockey. Diese spielten Zuhause in der Garage mit einem Tennisball Hockey, da wollte die dreijährige Schwester auch mitmachen. Kurzerhand stellten die Brüder sie für ihre Schussübungen ins Tor. Diese Erfahrung führte bei Schelling zu dem Wunsch, Eishockeytorhüterin zu werden.
Karriere Sie begann ihre Karriere bei den GCK Lions und spielte zwischen 2003 und 2005 für deren Elite-A-Junioren. Zudem lief sie in einem Testspiel für die National-League-B-Mannschaft der Lions auf, womit sie die erste Frau wurde, die je das Eis der National League B betrat.Peter May: Northeastern Goalie Balances College and International Game. In: New York Times. 6. Februar 2009. 2007 wurde sie durch den Schweizer Eishockeyverband als Woman of the Year 2006/07 ausgezeichnet.Florence Schelling «Woman of the Year 2006/07». In: rsteck.ch, 23. Dezember 2007.
Während der Weltmeisterschaft 2008 wurde der Trainer der Bostoner Northeastern University auf Schelling aufmerksam und überzeugte sie, in Boston zu studieren. Sie studierte anschliessend Wirtschaftswissenschaften an der Northeastern University und spielte parallel für die Huskies, das Eishockeyteam der Universität.
In ihrem ersten Collegejahr absolvierte sie 19 Einsätze für die Huskies und wies mit 93,3 % gehaltenen Schüssen und einem Gegentorschnitt von 2,24 sehr gute Statistiken auf, so dass sie mehrere Auszeichnungen der Hockey East erhielt und in das All-Rookie-Team der Liga gewählt wurde.#41 Florence Schelling. In: gonu.com. Während der Saison 2009/10 wurde sie in drei Wochen hintereinander als Defensivspieler der Woche sowie im Oktober und November als Bauer Goaltender of the Month ausgezeichnet.Martin Merk: Schelling: Über Boston an die Weltspitze. In: hockeyfans.ch, Dezember 2009 (Interview). Sie nahm mit den Huskies am ersten Freiluftspiel in der Geschichte des College-Fraueneishockeys teil, das im Fenway Park im Rahmen der NHL Winter Classic 2010 ausgetragen und durch die University of New Hampshire gewonnen wurde.Dennis Schellenberg: Schelling verliert Winter Classic. In: hockeyfans.ch, 11. Januar 2010.
Am Ende der Saison 2010/11 erreichte Schelling mit den Huskies das erste Mal in deren Geschichte das Playoff-Finale der Hockey East.Martin Merk: Schelling: Saisonende mit Awards. In: hockeyfans.ch, 9. März 2011.
In der Saison 2012/13 spielte sie für Brampton Thunder in der Canadian Women’s Hockey League. 2013 beendete sie ihr Studium an der Northeastern University mit einem Bachelor of Science in Business Administration. Ab Juni 2013 arbeitete sie für die IIHF als EDV-Koordinatorin und Assistentin der Geschäftsführung.. In: iceTimes. Nr. 3, 2013, S. 2. Hrsg.: Internationale Eishockey-Föderation (PDF; 2,7 MB). Parallel dazu spielte sie für den EHC Bülach in der 1. Liga und entwickelte sich dort weiter. Nach der Saison 2014/15 entschied sie sich, nach Schweden zum Linköping HC zu wechseln und parallel ihren Master of Business Administration an der dortigen Universität zu machen. Ein Jahr später verlängerte sie ihren Vertrag um zwei Jahre. Sie beendete ihre Laufbahn im Mai 2018.
International mini|Schelling im Tor der Schweizer Nationalmannschaft Im Alter von 13 Jahren wurde Schelling das erste Mal für die A-Nationalmannschaft nominiert und stand nachher ununterbrochen im Kader des Nationalteams. Seither nahm sie als Stammtorhüterin an den Olympischen Winterspielen in Turin 2006 und drei Weltmeisterschaften teil. Bei der Weltmeisterschaft 2008 führte sie ihr Team bis in das Spiel um die Bronzemedaille. Das Spiel ging verloren, doch das Schweizer Team erreichte mit dem vierten Platz die beste Platzierung in seiner Geschichte. Schelling war nach Statistiken die zweitbeste Torhüterin des Turniers und die einzige, die in jeder Spielminute, einschliesslich Verlängerung und Penaltyschiessen, auf dem Eis stand.
2010 nahm sie an den Olympischen Winterspielen in Vancouver teil. Bei der Weltmeisterschaft 2012 gewann sie mit dem Nationalteam überraschend die Bronzemedaille. Zwei Jahre später, bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi, gewann sie mit dem Nationalteam wiederum die Bronzemedaille und wurde für ihre gezeigten Leistungen mehrfach ausgezeichnet – als «Wertvollste Spielerin» des ganzen Olympia-Turniers und zur «Besten Torhüterin» – sowie in das All-Star-Team des Turniers gewählt.Three honours for Schelling. Internationale Eishockey-Föderation, 21. Februar 2014 (englisch). Schelling bestritt insgesamt 190 Länderspiele, sie war Teilnehmerin an vier Olympischen Winterspielen sowie elf WM-Turnieren.
Sportfunktionärin Nach ihrer aktiven Karriere wurde Schelling Assistenztrainerin der U18 Frauen-Nationalmannschaft und wurde bereits nach einer Saison zum Head-Coach dieser Mannschaft befördert. Seit November 2019 trat sie im SRF regelmässig als Eishockey-Expertin der National League auf. Im April 2020 wurde bekannt, dass Florence Schelling zur Sportchefin des SC Bern gewählt wurde. Mit dieser Ernennung zur Sportchefin ist sie Pionierin, denn Schelling ist die erste Frau weltweit die Sportchefin eines professionellen Männerteams wurde. Sie wurde Nachfolgerin von Alex Chatelain und trat das Amt nach Ostern 2020 an.Reto Kirchhofer: Der SCB verpflichtet eine Sportchefin. In: Tages-Anzeiger. 8. April 2020. Ihre Expertinnentätigkeit beim SRF stellte sie nach der Bekanntgabe ihres Wechsels zum SCB ein. Am 28. April 2021 gab der Club nach einem Jahr die Trennung von Schelling bekannt.Reto Kirchhofer: Florence Schelling und Alex Chatelain müssen gehen. In: Berner Zeitung. 28. April 2021, abgerufen am 30. April 2021. In der Folge wurde sie durch den ehemaligen SCB-Spieler Andrew Ebbett ersetzt.
Verschiedenes Anlässlich des Spengler Cups 2014 nahm Florence Schelling zusammen mit Nina Waidacher und Livia Altmann am «Legenden-Spiel» zwischen dem HC Davos und dem EHC Arosa teil.Florence Schelling. In: Aroser Zeitung. 9. Januar 2015, S. 25.
Im Februar 2019 brach sie sich bei einem Skiunfall den sechsten Halswirbel und erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Es folgte eine monatelange Rehabilitation.
Erfolge und Auszeichnungen
International
Karrierestatistik Reguläre Saison Play-offs Saison Team Liga Sp S N U Min GT SO GTS Sv% Sp S N Min GT SO GTS Sv% 2008/09 Northeastern University Huskies Hockey East 19 5 12 1 1124 42 2 2,24 93,30 2009/10 Northeastern University Huskies Hockey East 21 11 5 4 1270 29 4 1,37 94,9 2010/11 Northeastern University Huskies Hockey East 28 13 9 6 1662 4 2,02 93,0 2011/12 Northeastern University Huskies Hockey East 30 20 6 4 1823 8 1,42 95,0 2012/13 Brampton Thunder CWHL 14 6 6 831:05 35 3 2,53 90,1 2 0 2 118:43 6 0 3,03 90,2 2013/14 EHC Bülach 1. Liga 14 2,19 3 3,03 2014/15 SC Reinach SWHL A 2 120:00 5 2,50 2014/15 EHC Bülach 1. Liga 6 1 4 356:13 19 0 3,20 2015/16 Linköping HC Riksserien 21 18 3 1270:00 35 4 1,65 93,83 8 5 3 477:55 14 2 1,76 94,33 2016/17 Linköping HC SDHL 10 9 1 604:11 11 2 1,09 96,32 5 3 2 297:45 9 1 1,81 94,55 Hockey East gesamt 98 49 32 15 18 1,74 94,0
International Jahr Team Veranstaltung Resultat Sp S N Min GT SO GTS Sv % 2004 Schweiz WM 8. Platz 3 1 2 166 5 1 1,80 95,45 2005 Schweiz WM Div. I 1. Platz 1 1 0 60 2 0 2,00 85,70 2006 Schweiz Olympia 7. Platz 3 0 3 150 10 0 2,40 93,90 2007 Schweiz WM 5. Platz 4 2 2 231 13 1 3,38 91,16 2008 Schweiz WM 4. Platz 5 3 2 305 15 1 2,95 91,89 2009 Schweiz WM 7. Platz 3 0 2 153 12 0 4,70 85,00 2010 Schweiz Olympia 5. Platz 5 3 2 302 16 1 3,18 90,91 2011 Schweiz WM 6. Platz 5 289 16 0 3,32 92,56 2012 Schweiz WM 15px|3. Platz, Bronze 5 288 16 0 3,33 93,19 2013 Schweiz WM 6. Platz 4 238 13 0 3,28 91,8 2014 Schweiz Olympia 15px|3. Platz, Bronze 6 2 4 363 24 1 3,97 91,3 2015 Schweiz WM 6. Platz 4 236 7 1 1,78 94,1 2016 Schweiz WM 7. Platz 5 303 8 1 1,58 93,2 2017 Schweiz Olympia-Quali 1. Platz 3 3 0 180 3 0 1,00 94,1 2017 Schweiz WM 7. Platz 6 4 2 368 11 0 1,79 93,1 2018 Schweiz Olympia
Weblinks
Daniel Röthlisberger: . In: Schweizer Familie. September 2020
Einzelnachweise
Kategorie:Eishockeynationaltorwart (Schweiz) Kategorie:Eishockeytorwart (GCK Lions) Kategorie:Eishockeytorwart (ZSC Lions) Kategorie:Eishockeytorwart (Northeastern Huskies) Kategorie:Eishockeytorwart (EHC Bülach) Kategorie:Eishockeytorwart (Linköping HC) Kategorie:Eishockeytorwart (Markham Thunder) Kategorie:Eishockeyfunktionär (SC Bern) Kategorie:Olympiateilnehmer (Schweiz) Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 2006 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 2010 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 2014 Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Winterspiele 2018 Kategorie:Mitglied der IIHF Hall of Fame Kategorie:Mitglied der Swiss Ice Hockey Hall of Fame Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1989 Kategorie:Frau