miniatur|Pleurobranchaea meckelii, aktuell Überfamilie Pleurobranchoidea, Familie Pleurobranchidae miniatur|Tylodina perversa, aktuell Überfamilie Umbraculoidea, Familie Tylodinidae miniatur|Umbraculum umbraculum, aktuell Überfamilie Umbraculoidea, Familie Umbraculidae
In der Unterordnung Notaspidea (griechisch νῶτον: Rücken, άσπις: Schild) oder Pleurobranchacea (πλευρά: Seite, Flanke, βράγχια: Kiemen), deutsch Flankenkiemer oder Seitenkiemer, auch Rückenschildschnecken,Harry Erhardt, Horst Moosleitner: Mergus Meerwasser-Atlas - Band 2. Mergus Verlag, Melle 1997. Notaspidea - Rückenschildschnecken: S. 646. einer heterogenen Gruppe der Hinterkiemerschnecken, wurden sowohl gehäusetragende Schnecken als auch Nacktschnecken zusammengefasst. Das für die deutsche Bezeichnung namensgebende Merkmal ist eine externe rechte Kieme. Das Taxon entfällt in der Systematik von Bouchet & Rocroi (2005).
Merkmale Anatomie Charakteristika der Flankenkiemer sind eine externe Federkieme (Cteniden) auf der rechten Seite, eine flache Schale sowie eingerollte Rhinophoren. Die Schnecken der Familien Tylodinidae und Umbraculidae, die äußerlich an die nicht verwandten Napfschnecken erinnern und deshalb auch „falsche Nacktschnecken“ genannt werden, weisen große äußere Schalen und einen kleinen Mantel auf. Bei der Familie Pleurobranchidae kehren sich die Verhältnisse um: Sie haben eine deutlich sichtbaren Mantel und eine innere Schale. Die Schale ist ein Produkt evolutionärer Rückbildung und kann im Erwachsenenstadium sogar vollständig fehlen.
Ernährung Ausgewachsene Flankenkiemer sind Fleisch- oder Aasfresser.
Schutzmechanismen Viele Arten produzieren giftige Hautsekrete zur Selbstverteidigung.
Systematik Das Taxon Notaspidea wurde 1883 vom französischen Zoologen Paul Henri Fischer aufgestellt, der hierbei die beiden Familien Pleurobranchidae Menke, 1828 (Meeresnacktschnecken mit rechts liegender äußerer gefiederter Kieme) und Tylodinidae Gray, 1847 (Meeresschnecken mit napfschneckenähnlichem Gehäuse und rechts liegender äußerer gefiederter Kieme) zusammenfasste. Diese Gruppe wurde auch von Johannes Thiele (1929–1935) in seine bis in die 1990er-Jahre anerkannte Taxonomie der Schnecken übernommen.Johannes Thiele: Handbuch der systematischen Weichtierkunde. Fischer, Jena 1931–1935 (zwei Bände). Die Monophylie der Gruppe wurde 1985 von Luise Schmekel angezweifelt und seitdem auch von mehreren anderen Autoren verworfen.Luise Schmekel: Aspects of Evolution within the opisthobranchs. In: R. Trueman, M. R. Clarke (Hrsg.): The Mollusca. Vol. 10. Evolution. Academic Press, New York 1985. S. 221–267. Das kennzeichnende Merkmal, die Federkieme auf der rechten Körperseite, wurde nunmehr als Plesiomorphie und das Taxon als paraphyletische Gruppe angesehen. Jedoch tauchen die Notaspidea noch in der Systematik von Ponder & Lindberg (1997) auf, in welcher sie die Familien Pleurobranchidae Menke, 1828, Tylodinidae Gray, 1847 und Umbraculidae Dall, 1889 umfassen.Winston F. Ponder, David R. Lindberg: Towards a phylogeny of gastropod molluscs: an analysis using morphological characters. In: Zoological Journal of the Linnean Society.119, Nr. 2, 1997, S. 83–265, . Bouchet & Rocroi (2005) verwerfen die Gruppe in der heute akzeptierten Systematik der Schnecken, die auf molekulargenetischen Untersuchungen basiert, und stellen die zwei zuvor zusammengefassten Gruppen in unterschiedliche Taxa innerhalb der Hinterkiemer. Die Umbraculoidea, welche die Umbraculidae und Tylodinidae umfassen, sind hiernach eine Schwestergruppe der Cephalaspidea, mit denen sie zu den Euopisthobranchia zählen, während die Pleurobranchidae mit den Nacktkiemern, ihrer Schwestergruppe, die Nudipleura bilden.P. Bouchet u. a.: Part 2. Working classification of the Gastropoda. In: Malacologia. 47, Nr. 1–2, 2005, S. 239–283Philippe Bouchet, Jean-Pierre Rocroi: Classification and Nomenclator of Gastropod Families. ConchBooks, Hackenheim 2005, ISBN 3-925919-72-4.Guido T. Poppe, Sheila P. Tagaro: (PDF; 195 kB) 2006.
Aktuelle Systematik nach Bouchet & Rocroi (2005) In der Systematik von Bouchet & Rocroi (2005) wurde das Taxon Notaspidea ausgemustert.
Die Familien der Notaspidea gingen in den neuen Claden Nudipleura (H. Wägele & R. C. Willan, 2000), Umbraculida (W. H. Dall, 1889) und den neuen Überfamilien Pleurobranchoidea (J. E.Gray, 1827), Umbraculoidea (W. H. Dall, 1889) auf. Die Überfamilien wurden der Konsistenz halber eingeführt und den Entdeckern der namensgebenden Familien zugeschrieben.
Klasse Gastropoda G. Cuvier, 1797 Clade Heterobranchia J. E. Gray, 1840 informelle Gruppe Opisthobranchia H. Milne Edwards, 1848 Clade Aplysiomorpha P. H. Fischer, 1883 Clade Cephalaspidea P. H. Fischer, 1883 Clade Gymnosomata H. M. D. de Blainville, 1824 Clade Nudipleura H. Wägele & R. C. Willan, 2005 Überfamilie Nudibranchia H. M. D. de Blainville, 1814 Überfamilie Pleurobranchoidea J. E. Gray, 1827 Familie Pleurobranchidae J. E. Gray, 1827 Clade Sacoglossa H. von Ihering, 1876 Clade Thecosomata H. M. D. de Blainville, 1824 Clade Umbraculida W. H. Dall, 1889 (1827) Überfamilie Umbraculoidea W. H. Dall, 1889 (1827) Familie Tylodinidae J. E. Gray, 1847 Familie Umbraculidae W. H. Dall, 1889 (1827) Gruppe Acochlidiacea P. Bouchet & D.R. Lindberg, 2005 Gruppe Cylindrobullida J. Thiele, 1931 (Baba, 1966)
Alte Systematik nach Ponder & Lindberg (1997) Klasse Gastropoda G. Cuvier, 1797 Unterklasse Orthogastropoda W. F. Ponder & D. R. Lindberg, 1995 Teilklasse Apogastropoda L. Salvini-Plawen & G. Haszprunar, 1987 Überordnung Heterobranchia J. E. Gray, 1840 Gruppe Euthyneura J. W. Spengel, 1881 Ordnung Opisthobranchia H. Milne Edwards 1848 Unterordnung Notaspidea P. H. Fischer, 1883 Familie Pleurobranchidae J. E. Gray, 1827 Familie Tylodinidae J. E. Gray, 1847 Familie Umbraculidae W. H. Dall, 1889
Literatur
Einzelnachweise
Weblinks [ Notaspidea] bei ITIS (englisch, noch mit alter Systematik nach Ponder & Lindberg)
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