Lang-Göns ist ein Ortsteil der Gemeinde Langgöns im mittelhessischen Landkreis Gießen. In Unterscheidung zum Gemeindenamen wird der Ortsname in zwei Wörtern mit Bindestrich geschrieben.

Geographie Geographische Lage Lang-Göns liegt auf dem Übergang der nördlichen Wetterau zum Lahntal im Südzipfel des Gießener Beckens. Der Ort ist 10 km südlich von Gießen und 10 km nördlich von Butzbach gelegen. Durch den Ort fließt der Gönsbach, ein rechter Nebenfluss des Kleebachs, der beim Langgönser Ortsteil Espa entspringt. Die Gemarkung gehört zum Großen-Lindener Hügelland, das von Gebirgen umgeben ist: im Südwesten der Taunus, im Nordwesten der Westerwald, im Norden das Hessische Bergland und im Osten der Vogelsberg. Im Süden erstrecken sich die flachen Ausläufer der Wetterau.

Der Ort liegt an der historischen Wein- oder Wagenstraße („Mainzer Straße“), die von Mainz nach Paderborn führte und in früheren Zeiten eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Süd- und Norddeutschland bildete. Zudem verlief in west-östliche Richtung eine Straße durch Lang-Göns, auf der Truppen bei Grüningen auf die Heerstraße gelangten. Heute ist der Ort durch mehrere Landstraßen, einen Autobahnanschluss und einen Bahnhof an der Main-Weser-Bahn von Frankfurt am Main nach Gießen verkehrstechnisch gut erschlossen.

Flächennutzung + Flächennutzung 2014 Nutzung Fläche in ha Gebäude- und Freiflächen 134,0 Mischnutzung 47,2 Betriebsflächen 8,5 Erholungsflächen 12,9 Verkehrsflächen 162,9 Landwirtschaftsflächen 729,9 Wasserflächen 7,1 Waldflächen 362,8 Flächen anderer Nutzung 34,8 Gesamtfläche 1.500,1

Die Flächennutzungstabelle macht den hohen Anteil der Landwirtschaftsflächen im Ortsteil Lang-Göns von 48,7 Prozent deutlich. Er macht fast ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche der gesamten Gemeinde aus und liegt über dem Landesdurchschnitt von 42 %. Hingegen ist in allen anderen Ortsteilen der Anteil an Waldflächen höher. Er liegt mit 24,1 % deutlich unter dem landesweiten Durchschnitt von 40,1 %. Die Gebäude- und Freiflächen zum Wohnen sind mit 134 Hektar fast so hoch wie in allen anderen Ortsteilen zusammen.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Archäologische Funde belegen eine Besiedlung der Gegend durch Steinzeitbauern (um 3000 v. Chr.) und Hüttenstellen am Hochelheimer Pfad, östlich von Lang-Göns, aus der Mittleren Bronzezeit (1600 bis 1200 v. Chr.). Andere Stämme drangen um 1200 v. Chr. in den Raum vor, um 900 v. Chr. Bauern aus der Hallstattzeit, die im Wehrholz Funde aus der älteren Eisenzeit hinterließen (um 800 bis 475 v. Chr.).Berndt: Lang-Göns. Einblicke in die Vergangenheit. 2013, S. 5. Die Kelten mischten sich im 6. Jahrhundert v. Chr. mit der hiesigen Bevölkerung. Andere germanische Stämme gerieten um 100 v. Chr. mit den Römern im Konflikt, die von den Chatten aus dem Norden und Osten verdrängt wurden. Nach dem Zerfall des römischen Reiches wurde das Gießener Becken Teil des fränkischen Reiches.

Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Mark Göns in dem berühmten Kopiar Lorscher Codex des Klosters Lorsch am 19. Januar 777: „... in pago Logenehe in Gunniser marca mansum I et hubam unam ...“Karl Glöckner: Codex Laureshamensis = Arbeiten der historischen Kommission für den Volksstaat Hessen. Darmstadt 1929. Band 3: Kopialbuch; Die übrigen fränkischen und die schwäbischen Gaue, Güterlisten, späte Schenkungen und Zinslisten, Gesamtregister, Fotomechan. Nachdruck der Ausgabe von 1936, Darmstadt. Hessische Historische Kommission 1963. = CL III, Nr. 3071 = CL III 3693, S. 188 f. Insgesamt gibt es zehn Privatschenkungen im Gebiet der Gönser Mark zwischen 777 und 817 an das Kloster Lorsch, die aber nicht näher lokalisiert werden. „... In Logenehe in Gunnuser marca ...“ heißt es 779.CL III 3080 = CL III 3698 b Die Reihe der Übertragungen an das Kloster Lorsch endet 817: „... in pago Logenehe in uilla Gunniesen ...“CL III 3070 = CL III 3730 b. Hier wird erstmals die Siedlungsform uilla erwähnt. Folgende Namensform wird im Jahr 789 ebenfalls genannt: „... in pago Logenehe in uilla Gunnissere marca ...“CL III 3075 = CL III 3730 b. Bis ins 12. Jahrhundert sind die Göns-Orte nicht eindeutig zu unterscheiden, da die differenzierenden Beinamen fehlen.

Erstmals wird mit Kirch-Göns ein Ortsname zwischen 1145 und 1153 eine konkret bestimmbaren Siedlung erwähnt. Langgöns erscheint als de Langengunsne (1233), de Langengunse (1233) und in Langengunse (1242). Der Ortsname ist in seiner Bedeutung nicht eindeutig geklärt. Er leitet sich von dem Gewässernamen Gönsbach ab, der allen vier Siedlungsnamen Langgöns, Kirch-Göns, Ebergöns und Pohl-Göns zugrunde liegt.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 139-142, S. 141 Das Suffix -issa in Ortsnamen bezeichnet eine Zugehörigkeit zum Basiswort Gunn-. Möglich ist für die Basis eine -n-Erweiterung der indogermanischen Wurzel *g̑heu „fließen/gießen“ oder von *gus-na „Flut“, die sich zum Althochdeutschen gusi „Flut, Überschwemmung“ entwickelt hat.

Erstmals wird 1129 mit Bernhardus de Gunness ein Mitglied des Ortsadels erwähnt der bei der Stiftung des Klosters Schiffenberg genannt wird.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1 - 3. Leipzig 1879 - 1899. Band 3. Nr. 1329. S. 302. Vom 12. bis 16. Jahrhundert ist das Geschlecht derer von Göns mit 35 Vertretern nachweisbar, die in Kirch-Göns ihren Stammsitz hatten.Berndt: Lang-Göns. Einblicke in die Vergangenheit. 2013, S. 15. Die Ritter von Göns gehörten zum niederen Landadel und waren meist Burgmannen. Im Wappen trugen sie zwei gekreuzte Schwerter. Der letzte männliche Nachfahre, Johann Ernst von Göns, starb 1587 in Kinzenbach.Hofmann: Lang-Göns, ein Dorfbuch aus dem Hüttenberg. 1955, S. 89. Die langgestreckte und bevölkerungsreichste Siedlung der Mark erhielt den Namen Langengunse.Homepage der Gemeinde Langgöns: Der Ortsteil Lang-Göns, abgerufen am 24. Januar 2016. Im Heiligsprechungsverfahren für Elisabeth von Thüringen wurde 1235 eine Mehthildis de Langengunsne genannt – die Ersterwähnung von Lang-Göns. Konrad Meisenburg und seine Frau Gertrud schenkten 1242 unter dem Vorbehalt, dass sie keine Nachkommen hätten,Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 95. dem Kloster Arnsburg einen Mansus in Langgöns.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. Zur Wirtschaftsverfassung des Klosters Arnsburg zwischen Eigenwirtschaft und Rentengrundherrschaft 1174-1400. Dissertation. Darmstadt und Marburg 2003. Hrsg.: Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen. = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 129. S. 168. Keimzelle des alten Ortes war das Gebiet am „Alten Stück“, das bis ins 13. Jahrhundert westlich über den „Niederhof(en)“ und den Schmittgraben bis zur Großen-Lindener Straße hin und südlich um die Breitgasse, Pinggasse und Moorgasse vergrößert wurde.Zu den alten Langgönser Flurnamen siehe die , abgerufen am 19. Juni 2016. Der Schmittgraben erhielt seinen Namen vermutlich von Konrad Schmit, der zu Beginn des 14. Jahrhunderts seinen Besitz an die Klöster verkaufte. Verschiedene „Pinggässer“ werden 1313, 1326 und 1328 in Urkunden der Klöster Schiffenberg und Arnsburg erwähnt, die „Brei(t)gasse“ erstmals 1470 urkundlich genannt.Hofmann: Lang-Göns, ein Dorfbuch aus dem Hüttenberg. 1955, S. 42–44.

mini|Evangelische Jakobuskirche Kirchlich war die Gönser Mark im Mittelalter dem Dekanat Wetzlar und Archidiakonat St. Lubentius Dietkirchen im Bistum Trier zugeordnet.Friedrich Kilian Abicht: Der Kreis Wetzlar, historisch, statistisch und topographisch dargestellt. Bd. 3. Wetzlar 1836, S. 36 () Wahrscheinlich wurde die Lang-Gönser Gemeinde mit 21 anderen Dörfern ursprünglich von der Mutterkirche in Großen-Linden versorgt. Hier fand auch das Sendgericht statt.Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum (= Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau. 16). N. G. Elwert, Marburg 1937, ND 1984, S. 199. Später wurde Lang-Göns Filialkirche von Kirch-Göns. Aufgrund des Ortsnamens wird angenommen, dass Kirch-Göns zur ältesten Ortschaft der Göns-Gemeinden gehörte. In hochmittelalterlicher Zeit stand die Kirch-Gönser Kuratkapelle kirchenrechtlich zwischen einer Filial- und einer Pfarrkirche und hatte überörtliche Funktion inne.Dorfchronik-Ausschuss (Hrsg.): 850 Jahre Kirch-Göns. Eine Dorfchronik. Butzbach-Kirch-Göns 2000, S. 11, 50. Im 13. Jahrhundert wurde Lang-Göns zur selbstständigen Pfarrei erhoben.Peter Weyrauch: Langgöns. In: Die Kirchen des Altkreises Gießen. Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft, Gießen 1979, S. 104. Eine nicht erhaltene Urkunde von 1220 berichtet von einer ersten Kapelle in „villa Günße“, die Junker Hildericus auf seinen Eigengütern errichteteBayer: Zur Geschichte der Gemeinde Lang-Göns. 1976, S. 64. und für die ein Vorgängerbau angenommen wird. Namenspatron der Kirche war der heilige Jakobus der Ältere, der auf einem spätgotischen Steinrelief mit seinen Attributen Wanderstab und Muschel dargestellt wird.

Am Ende des Mittelalters besaß Lang-Göns drei Windmühlen: die Moorgässer Mühle, die Lochermühle und die Mühle auf dem Scheidfeld. Letztere stellte 1914 ihren Betrieb ein. Die baufällige Lochermühle wurde Mitte der 1970er Jahre abgerissen.Berndt: Lang-Göns. Einblicke in die Vergangenheit. 2013, S. 53–54.

Territoriale Zugehörigkeit

Politisch unterstand das Hüttenberger Land im 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts den Merenbergern. Das Amt Hüttenberg war später ein Kondominat zwischen den Grafen von Nassau und der Landgrafschaft Hessen bzw. der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Es umfasste zunächst 20 Dörfer. Die Landesherren lösten das Kondominat in zwei Schritten 1595 und 1703 auf und gliederten je einen Teil der Dörfer dem eigenen Herrschaftsbereich ein. Lang-Göns gehörte nach der Teilung zum hessischen Amt Hüttenberg. L. Ewald: Beiträge zur Landeskunde. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landes-Statistik (Hg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Jonghaus, Darmstadt 1862, S. 54. Zwischen 1452 und 1821 war Lang-Göns Hauptsitz sowohl des kondominalen als später auch des hessischen Amtes Hüttenberg.

1803 fasste die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt ihre nördlich des Mains gelegenen Gebiete in dem Fürstentum Oberhessen (später: Provinz Oberhessen) zusammen, wo nun auch Lang-Göns lag. 1806 wurde die Landgrafschaft zum Großherzogtum Hessen. Dieses führte 1821 eine Verwaltungsreform durch, in der das Amt Hüttenberg aufgelöst wurde. Übergeordnete Verwaltung war nun der Landratsbezirk Gießen, zuständiges Gericht das Landgericht Gießen.

Frühe Neuzeit Mit Einführung der Reformation in den 1530er Jahren wechselte Lang-Göns zum evangelischen Bekenntnis.Bayer: Zur Geschichte der Gemeinde Lang-Göns. 1976, S. 74. Von einem großen Brand im Jahr 1546 war auch das Langhaus der Kirche betroffen, das 1568 abermals abbrannte und wieder aufgebaut wurde.Wilhelm Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. (Hassia sacra; 5). Selbstverlag, Darmstadt 1931, S. 243. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erhielt Lang-Göns eine eigene Schule, an der bis zum Jahr 1738 fast ausschließlich junge Theologen ausgebildet wurden.Hofmann: Lang-Göns, ein Dorfbuch aus dem Hüttenberg. 1955, S. 190.

In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1690 fielen 153 Gebäude dem großen Dorfbrand zum Opfer.Berndt: Lang-Göns. Einblicke in die Vergangenheit. 2013, S. 67. Von der Kirche brannten der obere Teil des gotischen Spitzhelms und das Kirchendach vollständig ab.