Das Gefecht bei Reims fand am 13. März 1814 während des Winderfeldzuges 1814 der Befreiungskriege statt. An diesem Tage griff eine französische Armee unter Napoleon Bonaparte ein preußisch-russisches Korps unter dem Kommando von General Saint-Priest vor den Toren von Reims an. Das Korps der Koalitionstruppen wurde von den französischen Truppen in kurzer Zeit aufgerieben und ging fast vollständig verloren. General Saint-Priest wurde in dem Gefecht tödlich verwundet.
Dies war der letzte eindrucksvolle und überzeugende Sieg Napoleons im Jahr 1814, der insbesondere bei der Führung der Böhmischen Armee einige Irritationen und Besorgnisse auslöste.
Vorgeschichte Napoleon in Soissons Am späten Nachmittag des 10. März 1814 hatte sich Napoleon mit seinen Truppen von Laon nach Soissons zurückgezogen, wo er um 3:30 Uhr am frühen Morgen des 11. März 1814 eintraf. Ohne weitere Nachtruhe begab sich Napoleon sofort daran, seine Truppen ebenso wie die Verteidigung von Soissons neu zu ordnen. Den ganzen Tag des 12. März 1814 widmete er sich diesen Aufgaben.
In Soissons waren einige Verstärkungen eingetroffen: 2.400 Mann Kavallerie aus Versailles, 1.000 Mann Infanterie, polnische Veteranen, die schon zuvor bei der Verteidigung Soissons mitgewirkt hatten, und einige Artillerie, die in der Mehrzahl umgehend nach Fismes zum Korps von Marschall Marmont weiter gesandt wurde, um dessen Verluste vom 9. März 1814 auszugleichen.
Die Einheiten derjenigen Kommandeure, die durch Verwundung ausgefallen waren, wurden nun aufgelöst und anderen Einheiten zugeschlagen. So umfasste das Korps von Marschall Mortier nach der Neugliederung drei Divisionen von insgesamt 8.500 Mann unter den Generalen Charpentier, Curial und Christiani und 600 Mann Kavallerie. Marschall Neys Korps umfasste die Gardes d’Honneur von 800 Mann, die spanische Brigade von 2.250 Mann, die nun von General Rousseau befehligt wurde, und eine weitere Division von 2.900 Mann unter dem Kommando von General Janssen. Unter dem Befehl von General Belliard wurde ein neues Kavallerie Korps aufgestellt, mit Roussels Dragonern von 1.880 Reitern und weiteren 1.800 Kavalleristen. Napoleon selbst befehligte die erste Division der Alten Garde unter General Friant und die Reserve Artillerie unter General Drouot mit insgesamt 6.800 Mann, sowie die Gardekavallerie mit 4200 Reitern unter den Kommandeuren Colbert, Exelmans und Letort. Kommandierender General der gesamten Gardekavallerie wurde Sebastiani, der von der Seine herauf gekommen war und in Soissons zu Napoleon stieß. Unter Napoleons persönlichem Kommando standen noch weitere 1.500 Mann Kavallerie und eine Division der Jungen Garde unter General Henrion mit 3.000 Mann. Durch die erheblichen Verluste, die die Franzosen seit dem 7. März 1814 erlitten hatten, waren die Divisionsstärken stark zurückgegangen.vgl. Houssaye
+ Die Napoleonische Armee nach der Reorganisation am 11./12. März 1814nach Houssaye Einheit Kommandant Korps-Kommandant Truppenstärke Division Alte Garde General Friant Napoleon Bonaparte 6.800 Division Junge Garde General Henrion Napoleon Bonaparte 3.000 Garde-Kavallerie General Sebastiani Napoleon Bonaparte 4.200 Infanterie-Division General Charpentier Marschall Mortier unbekannt Infanterie-Division General Curial Marschall Mortier unbekannt Infanterie-Division General Christiani Marschall Mortier unbekannt leichte Kavallerie General Grouvelle Marschall Mortier 800 Gardes d'Honneur General Defrance Marschall Ney 800 Spanische Brigade General Rousseau Marschall Ney 2.250 Infanterie-Division General Janssen Marschall Ney 2.900 Dragoner General Roussel General Belliard 1.800 gemischte Kavallerie General Berckheim General Belliard 1.800 Infanterie-Division General Ricard Marschall Marmont unbekannt Infanterie-Division General Lagrange Marschall Marmont unbekannt Infanterie-Division General Arrighi Marschall Marmont unbekannt Kavallerie General Bordesoulle Marschall Marmont 1.800
Noch am 12. März 1814 erfuhr Napoleon, dass die Stadt Reims, die bis dahin eine kleine französische Besatzung unter General Corbineau hatte, von russischen und preußischen Truppen unter dem Befehl von General Saint-Priest besetzt worden war. Die französische Besatzung war nach Westen geflohen und General Corbineau selbst war verschollen. Am Abend des 12. März 1814 um 18:00 Uhr sandte Napoleon einen Kurier an das Korps von Marschall Marmont in Fismes mit dem Befehl unverzüglich mit Tagesanbruch des 13. März 1814 auf Reims zu marschieren. Bereits am selben Abend des 12. März 1814 brachen Marschall Ney mit seinem Korps, die Division der Alten Garde, die Gardekavallerie und die Reserve Artillerie von Soissons nach Reims auf. Napoleon selbst verließ Soissons mit Tagesanbruch des 13. März 1814, um seinen Truppen nach Reims zu folgen.
Die Entfernung von Soissons nach Reims beträgt 60 km, die Entfernung von Fismes nach Reims 30 km.
Die Bewegungen der russisch-preußischen Truppen unter Saint-Priest Die russischen Truppen unter dem Befehl von General Saint-Priest gehörten zum Korps Langeron. Nach dem Übergang über den Rhein in den ersten Januartagen 1814 waren sie zuerst von Koblenz die Mosel hinaufgerückt, später aber zur Blockade der Festung Mainz herangezogen worden. Erst am 15. Februar 1814 konnte General Saint-Priest mit drei Infanterie- und einem Kavallerieregiment nach Nancy marschieren. Von dort bewegten sich seine Truppen nach Châlons-en-Champagne. Am 28. Februar 1814 erreichte General Saint-Priest ein Befehl des Feldmarschalls Blücher, der ihm preußischen Landwehrtruppen des Generalmajors Jagow von ungefähr 6000 Mann unterstellte und ihn weiterhin anwies, fünf in Mainz zurückgelassene Regimenter heranzuziehen und mit seinen Truppen die Verbindung zwischen der Böhmischen und der Schlesischen Armee zu sichern. Um diese Aufgabe zu erfüllen, ordnete General Saint-Priest an, dass die preußischen Truppen Vitry und Saint-Dizier zu besetzen hätten.
Als die Stadt Reims am 5. März 1814 wieder von napoleonischen Truppen besetzt wurde, zog Saint-Priest zunächst die Hälfte der preußischen Truppen mit seinen russischen Truppen bei Châlon zusammen und marschierte mit diesen am 7. März 1814 gegen Reims. Am 8. März 1814 befahl Saint-Priest einen ersten unentschlossenen Angriff auf Reims, bei dem seine Truppen von Tettenborns Kosaken unterstützt wurden. Dieser erste Angriff hatte keinen Erfolg. Daraufhin zog Saint-Priest auch die restlichen preußischen Truppen heran, die am 11. März eintrafen. Am gleichen Tage trafen auch die letzten fünf russischen Regimenter aus Mainz ein und nahmen Stellung bei Beaumont südöstlich von Reims. Saint-Priest verfügte nun über 14–15.000 Mann, zu zwei Dritteln Russen und zu einem Drittel Preußen. Er befahl einen weiteren Angriff auf die Stadt Reims für den folgenden 12. März 1814, 5:00 Uhr morgens.
Die Einnahme von Reims durch die russisch-preußischen Truppen unter Saint-Priest am 12. März 1814 mini|Die Kathedrale von Reims, Aufnahme aus dem Jahre 1914 Am 12. März 1814 wurde Reims von drei französischen Infanteriebataillonen, 100 Reitern und 50 Gendarmen verteidigt. Hinzu kamen etwa 1000 Männer aus der Stadt Reims, die zur Nationalgarde herangezogen worden waren. Diese kleine Truppe stand unter dem Befehl des Generals Corbineau. Letzterer hatte bereits am Vortage, den 11. März 1814, ein Hilfegesuch nach Soissons an Napoleon gesandt und um Unterstützung gegen die heranrückenden feindlichen Truppen gebeten.
Der Angriff der russisch-preußischen Truppen sollte durch drei voneinander getrennt operierende Kolonnen erfolgen. Zwei der Kolonnen bestanden im Wesentlichen aus russischen Mannschaften, die dritte aus Preußen. Die Letztere sollte am frühen Morgen einen Scheinangriff von Westen her gegen Reims ausführen. Dazu sammelte General Jagow seine Männer um 5:00 Uhr früh bei dem Dorf Cormontreuil ganz nahe am Pariser Stadttor von Reims. Kurz darauf ließ Jagow dieses Tor von Artillerie beschießen und anschließend von zwei Bataillons pommerscher Landwehr stürmen. Bereits nach einer Stunde drangen die Preußen in die Stadt ein und besetzten deren Tore und den Marktplatz. Die französischen Verteidiger flohen nach Norden oder Westen aus der Stadt, verbargen sich in deren Häuser oder gerieten in Gefangenschaft. Als die russischen Kolonnen, die sich in der Nacht verirrt hatten, vor Reims eintrafen, war die Stadt von den Preußen bereits besetzt.
800 Reiter der französischen Gardes d'Honneur, die Napoleon auf den ersten Hilferuf des Generals Corbineau allen seinen Truppen vorausgeschickt hatte, hörten die Artillerie und eilten herbei um die Verteidiger der Stadt zu unterstützen. Sie wurden jedoch auf der Höhe von La Neuvilette durch zahlenmäßig überlegene russische Dragoner zurückgeworfen und mussten sich in eine Wartestellung im Westen zurückziehen. Ihr Eingreifen ermöglichte es aber denjenigen Franzosen, die sich zunächst zur Flucht nach Norden gewandt hatten, nach Westen über die Brücke bei St. Brice zu entkommen und sich später mit den Truppen Napoleons zu vereinen.
Nach der Einnahme von Reims traf General Saint-Priest folgende Anordnungen: die russischen Truppen sollten in Reims Quartier nehmen, die preußischen in den westwärts vor der Stadt liegenden Dörfern. General Jagow kommandierte zu diesem Zeitpunkt 12 preußische Bataillone, die er in folgender Weise auf die Dörfer vor Reims verteilte: zwei in Rosnay, eines in Muizon an der Vesle, drei Bataillone in Gueux und Thillois, zwei nach Bezannes, eines nach Ormes, und eines nach Cormontreuil. Das letzte Bataillon wurde nach Sillery gesandt. Saint-Priest ordnete weiter an, am nächsten Tage zwei Gottesdienste abzuhalten: einen für die russischen Truppen in der Kathedrale von Reims, einen für die preußischen Truppen außerhalb der Stadt.
Saint-Priest hatte von der Schlesischen Armee Nachricht erhalten vom Ausgang der Schlacht bei Laon. Es war ihm mitgeteilt worden, die Koalitions-Truppen hätten einen großen Sieg erstritten und Napoleon befände sich auf einem fluchtartigen Rückzug. Saint-Priest sandte Kuriere aus, die diese Nachricht so in das Hauptquartier der böhmischen Armee im Süden weiter trugen. Er selbst war von der Richtigkeit dieser Nachricht vollkommen überzeugt und glaubte fest daran, dass von den napoleonischen Truppen bei Soissons für ihn keine Gefahr ausginge.
Das Gefechtsfeld mini|Die Vesle unterhalb von Reims Die Stadt Reims liegt östlich des kleinen Flusses Vesle auf einer Anhöhe. Reims hatte im Jahre 1814 30.000 Einwohner und war damit vier bis fünfmal so groß wie die Städte Laon und Soissons. Reims war von alters her durch eine starke Stadtmauer bewehrt. Diese bestand im Jahre 1814 in ihren wesentlichen Teilen noch, nur im Westen entlang des Flusses war sie niedergerissen worden und es war dort für die Bürger von Reims eine Uferpromenade angelegt worden. Die Brücke über die Vesle führte direkt zum Pariser Tor der Stadt, das stark befestigt war und gut verteidigt werden konnte. Auch der Fluss erschwerte den Zugang zur Stadt von Westen: zwar war er nicht bedeutend, aber in ein tiefes Flussbett mit Steilufern eingebettet. Alle Gefechte fanden westlich von Reims oder nördlich entlang der Straße nach Berry-au-Bac statt.
Die Ankunft der französischen Truppen vor Reims am 13. März 1814