__NOTOC__ Ein Memorabile (lat. memorabilis = denkwürdig; pl. Memorabilia; eingedeutschte Pluralform: Memorabilien) bezeichnet eine Denkwürdigkeit, die zumeist als Nachricht oder auch literarische Sammlung gefasst ist.
Nach André Jolles stellt ein Memorabile eine prägnante historische Begebenheit dar. Wie auch die anderen acht Grundformen erzählender Texte – Legende, Sage, Mythe, Rätsel, Spruch, Kasus, Märchen und Witz – ordne das Memorabile Geistesbeschäftigungen (lebensweltliche Funktionen), einfache Formen (abstrakte Erzählstrukturen) und bezogene Formen (sprachlich-literarische Verfahren der Textgestaltung) einander zu. Aus freien Tatsachen verwirkliche sich eine gebundene äußerste Tatsächlichkeit, die das Konkrete ergebe. Jolles' Überlegungen zum Memorabile werden als ähnlich denen zum Realitätseffekt von Roland Barthes eingeordnet, wenn dieser auch vom bloßen Anschein des Realen ausgeht.
Als Memorabilia können auch Werke der Geschichtsschreibung und Geografie bezeichnet werden, die in lexikalischer Form gegliedert sind (siehe Memorabilia Tigurina).
Beispiel eines Memorabile
Der Kontrast zwischen Verzweiflung und Realität (Suizid) versus Kunstgenuss (Konzertbesuch) und Spiel (Erwähnung einer Schauspielerin) hebe das Thema hervor.Powerpoint-Präsentation "Einführung in die Literaturwissenschaft", Universität Erfurt, unbekannter Verfasser, unbekanntes Datum, Folie 18 f., abgerufen am 20. Juni 2017.
Siehe auch Literaturwissenschaft Gattung
Literatur André Jolles: Einfache Formen: Legende, Sage, Mythe, Rätsel, Spruch, Kasus, Memorabile, Märchen, Witz. Max Niemeyer, Tübingen 1974, ISBN 978-3-484221-15-4. Matias Martinez: Memorabile – Sage – Legende (PDF; 653 KB). In: Anne Bohnenkamp, Matias Martinez (Hrsg.): Geistiger Handelsverkehr. Komparatistische Aspekte der Goethezeit. Wallstein, Göttingen 2008, ISBN 978-3-8353-0246-4, S. 287–310.
Einzelnachweise
Kategorie:Literaturwissenschaft