Magdalena Heymair, auch Haymerin u. ä. (* etwa 1535 vermutlich in der Freien Reichsstadt Regensburg; † nach 1586 vermutlich in Kaschau, Königreich Ungarn), war eine deutsche Pädagogin und evangelische Kirchenlieddichterin.

Leben Magdalena Heymair wurde vermutlich in Regensburg geboren. Sie verfasste ihre Werke im mittelbairischen Dialekt, der auch dort gesprochen wird.

Anfang der 1560er Jahre wurde sie für zwei Jahre in Straubing Hauslehrerin der jüngeren TöchterÄltere Töchter: Katharina von Degenberg (1538–1570), verheiratet seit 2. Oktober 1558 mit Ulrich III. von Ortenburg (1532–1586), vgl. Friedrich Hausmann: Die Grafen zu Ortenburg und ihre Vorfahren im Mannesstamm, die Spanheimer in Kärnten, Sachsen und Bayern, sowie deren Nebenlinien. In: Ostbairische Grenzmarken – Passauer Jahrbuch für Geschichte Kunst und Volkskunde, Nr. 36, Passau 1994, S. 33. Anna von Degenberg († 1569). Magdalena (* um 1547; † 1597)Auch „Johanna Magdalena“ von Degenberg, heiratete 1569 Johann Andreas von Wolfstein zu Sulzbürg (1541–1585). und Maria († um 1610)Maria von Degenberg heiratete Georg II. von Maxlrain zu Hohenwaldeck († 1635), Sohn des Wolf Dietrich von Maxlrain (1523/24–1586). der Freifrau Katharina von DegenbergNach der Schreibung im Vorwort zu Die sontegliche Episteln in der Sekundärliteratur immer veraltet mit Degenwerg wiedergegeben. (* um 1515; † 1586),Thomas Stibarus, Ein christlich Leichpredigt Bey der Löblichen Begrebnus der Edlen Wogebornen vnnd Christlichen Frawen, Frawen Catharina Freyfrawen von Degenberg etc. Geschehen zu Pirbaum den 24. Jannuarij. Anno Christi 1586. Durch M. Thomam Stibarum, Pfarrherrn daselbst. Nicolaus Knorr, Altdorf 1586 [handschriftlicher Zusatz: „Ps. 90. Unser Leben weret 70 Jahr“] (Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar, Sig. 40,4: 149[b]; Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Sig. H: T 650c.4° Helmst. (9).) geb. von Freyberg, Witwe des Regener Stadtrichters (Johann) Hans VII. von Degenberg zu Schwarzach und Weißenstein (* nach 1510;Sein Vater Hans VI. von Degenberg († 1551) ⚭ 1510 Magdalena von Aichberg († nach 1517). † 1559).Zu den Todesdaten vgl. die Inschrift auf dem Epitaph der beiden in der protestantischen Pfarrkirche St. Georg in Pyrbaum. Katharinas von Degenberg SchwesterZu den Verwandtschaftsverhältnissen vgl. Summarische Designation Der Gräfl. Wolffsteinischen Reichs-Lehen und Allodial-Güter. o. O. 1732, S. 39 f. und 63 f. (). Susanna von Freyberg war verheiratet mit Degenhard von Stauff-Ehrenfels († 1568) zu Sünching,Doppelepitaph an der Pfarrkirche in Sünching. Die Familie ließ 1542 in ihrem Freihaus Staufferhof in der Obermünsterstraße / Ecke Pfarrergasse die ersten evangelischen Gottesdienste in Regensburg feiern. einem Cousin der Argula von Grumbach, geb. von Stauff-Ehrenfels.

Unter dem Einfluss ihrer Dienstherrin, die als Tochter des streng lutherisch gesinnten Stadthauptmanns Wolf von Freyberg zu Mickhausen († 1537)Auch „Wolfgang von Freyberg“, „Hauptmann der Reisigen“ in Augsburg, führte eine Fehde mit Herzog Wolfgang von Bayern (1451–1514), mit dem er sich 1511 verglich, war Freund des Götz von Berlichingen (* um 1480; †1562) während dessen Augsburger Gefangenschaft, verheiratet mit Cordula Marschallin von Pappenheim und Adelheit Marschallin von Wertingen. in der mehrheitlich protestantisch gesinnten Freien Reichsstadt Augsburg aufgewachsen war, konvertierte Magdalena Heymair von der katholischen zur evangelischen Konfession. Sie musste aus Straubing fliehen und wurde durch Vermittlung des kurfürstlichen Statthalters der Oberpfalz in Amberg, Ludwig VI. von der Pfalz (1539–1583), von 1566 bis 1570 Schulmeisterin in Cham.

Magdalena Heymair korrespondierte in ihrer Chamer Zeit mit dem Regensburger Superintendenten Nikolaus Gallus (* um 1516; † 1570) und war mit dem Stadtpfarrer Mag. Willibald Ramsbeck (* um 1530/35; † 1581)Auch Bilibaldus Ramsbeccius, aus Weißenburg am Nordgau, 1548 Studium in Ingolstadt, 1549 immatrikuliert in Wittenberg, Schüler von Philipp Melanchthon, 1560 bis 1567 Pfarrer in Cham, um 1567 vertrieben und 1570 wieder zurückgekehrt, ab 1579 Pfarrer in Stein an der Donau. befreundet. In ihren Briefen erwähnt sie ihren Mann und einen Sohn. Obwohl ihr die deutsche Schule ausschließlich zugesichert worden war und sie vom lutherischen Rat unterstützt wurde, wurde einem gewissen Veit Wurtzer aus LandshutVgl. Heinrich Held (Bearb.): Altbayerische Volkserziehung und Volksschule, Bd. III Regesten zur Ortsschulgeschichte der Erzdiözese München und Freising. Verein für Erforschung der Geschichte der Erzdiözese München und Freising, München 1928, S. 57. von dem calvinistischen Pflegverwalter und Kastner Hans Wenstl auf Bergerdorf (* um 1500; † 1579) gestattet, eine konkurrierende Schule zu betreiben.Vgl. Josef Lukas: Geschichte der Stadt und Pfarrei Cham. Thomann, Landshut 1862, S. 239–241 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Magdalena Heymair behauptet, Wurtzer habe vier Jahre zuvor in Bayern seine Frau umgebracht und in Cham wieder geheiratet.

Wegen ihrer lutherischen Einstellung und weil „sich zwei schuelmaister alhie nicht kunnen erhalten“, musste Magdalena Heymair diese Stelle unter dem calvinistischen Landesherrn Kurfürst Friedrich III. von der Pfalz verlassen und wirkte nach 1570 als „teutsche Schuelhalterin“ in Regensburg (dort noch 1578). Der Schulmeister Wilhelm Heymair, mit dem Magdalena wohl seit ihrer Zeit in Straubing verheiratet war, bewarb sich 1572 vergeblich um eine Anstellung der beiden in Amberg.Stadtarchiv Amberg (Ratsbuch Bd. VII b, 1568–1574). Über ihr 1568 in Cham verfasstes „Gesangsbüchlein über die Evangelien und Episteln der Sonntage“ verfasste der antiflacianisch eingestellte Regensburger Pfarrer Wolfgang Waldner († 1583/1591)Begann 1545 als Pfarrer in Steyr evangelisch zu predigen, 1548 Heirat und nach Augsburg geflohen, 1558 Prediger im Frauenkloster zu Nürnberg, als Pfarrer entlassen, 1565 Pfarrer in Regensburg. um 1570 ein Gutachten.Stadtarchiv Regensburg (Ecclesiastica I, 48, 120, S. 31605–31613).

1580 arbeitete Magdalena Heymair als Erzieherin des kaiserlichen Feldobersten und österreichischen Statthalters in Oberungarn Hans Rueber zu Pixendorf (1529–1584) und seiner Frau Judith, geb. von Friedesheim (1542–1588),Vgl. die Inschrift auf ihrem Grabstein in der Erbgrablege ihrer Eltern in der Pfarrkirche von Lengenfeld. Judith Beheim von Friedesheim war mit drei führenden österreichischen Protestanten verheiratet: in erster Ehe (⚭ um 1570) mit Hannes von Landau, Freiherr zu Haus und Rappottenstein (1535–1575), in zweiter Ehe mit Hans Rueber zu Pixendorf und in dritter Ehe (⚭ 21. Mai 1586) mit Freiherr Christoph von Prag (* 1542; † 1606/17) zu Windhaag und Engelstein; vgl. Andreas H. Zaijic, Grabdenkmäler des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit als Quelle adeliger Erinnerung und Medium adeliger Repräsentation, diss. phil. Brünn 2002 (Studia minora facultatis philosophicae universitatis Brunensis C49), S. 170 f. in Grafenwörth im Bezirk Tulln in Niederösterreich (noch 1585), wo sie des „Rueberischen Frawen Zimmers Hoff Meisterin“Vgl. Vorwort zu Das Buch Tobie Jnn Christliche Reimen, vnnd Gesangweise gefast vnd gestellet. Bartfeld 1580; 2. Aufl. o. O. 1586. war. Die Veröffentlichung Das Buch Tobie Jnn Christliche Reimen widmete sie Judith Beheim von Friedesheim und deren Töchtern Margaretha (Marusch) von Landau († 1589), Maria Rueber (1565–1594), Katharina Rueber (* 1568; † 1586/94) und Anna Rueber (* 1571; † nach 1624) sowie ihrer früheren Dienstherrin Freifrau Katharina von Degenberg, deren Schwester Susanna von Stauff-Ehrenfels, geb. von Freyberg, Tochter Magdalena von Wolfstein zu Sulzbürg, geb. von Degenberg, und Nichte Anna Maria von Stauff-Ehrenfels,Verheiratet seit 1574 mit Hans Bernhard von Losenstein († 1589). der Adeligen Anna Fuchs von WallburgTochter von Hans Fuchs von Wallburg († 1553), verheiratet seit 1540 mit Andreas Georg von Murach († 1585). und Susanna Wieland.Verheiratete Weinzierl.

Nachdem Judith Rueber geb. Beheim von Friedesheim verwitwet war, berief sie Hieronymus Deubener (Peristerius) († nach 1601),Aus Immensen oder Ilmenau, Prediger in Edersleben, 1566 in Regensburg, von dort 1574 als Flacianer vertrieben, 1576 in Villach, 1580–1586 Rektor der Stiftsschule in Graz, † in Grafenwörth. 1601 beschwerte sich Propst Melchior Kniepichler († um 1628) von Stift Dürnstein bei Hanns von Rueber über die „Proselytenmacherei“ des protestantischen Schloßpredigers Hieronymus Peristerius in Grafenwörth (Stiftsarchiv Herzogenburg, Bestand Augustiner-Chorherren Dürnstein, 1601 IX 05). den Magdalena Heymair bereits in ihrer Regensburger Zeit kennengelernt hatte, zu ihren Hofprediger. 1586, als Judith Beheim von Friedesheim wieder geheiratet hatte, lebte die ehemalige Hofmeisterin Magdalena Haymair auf den Besitzungen der Rueber in Kaschau. Ihre Dienstherrin Judith von Friedesheim starb am 8. März 1588 in ihrem Pfandbesitz Grafenwörth.

Dichtung und Vertonungen Magdalena Heymair war theologisch und literarisch gebildet. Sie gebrauchte lateinische Ausdrücke und flektierte sie entsprechend den grammatischen Regeln. Satzstellung, Sprachmelodie und Reime ihrer Lieder sind teilweise davon beeinflusst, dass sie die Texte ihrer Lieder an vorgegebene Melodien anpasste.Vgl. Linda Maria Koldau: Frauen-Musik-Kultur. Ein Handbuch zum deutschen Sprachgebiet der Frühen Neuzeit. Böhlau, Köln 2005, S. 373.

Die Dichtung An Gottes Furcht auf Erden = Das Gaistliche A. B. C., die vom Magdalena Heymair erstmals 1572 in Regensburg veröffentlicht wurde, orientiert sich in der Abfolge der Stichworte und dem Gedankengang der StrophenA: Gottes Forcht - B: Bitt Gott - C: Creutzig den Leib - D: Demut - E: Ehr Gott - F: Forcht Gott - G: Creutz tragen - H: Lieb den Nächsten - I: In Angst - K: Kehr dich - usw. an dem um 1550Vgl. Philipp Wackernagel (Hrsg.): Das deutsche Kirchenlied von der ältesten Zeit bis zu Anfang des XVII. Jahrhunderts, Bd. III. Teubner, Leipzig 1870, Nr. 1137, S. 947–950 (). von Gregor Springinklee († zwischen 1556 und 1594)Meistersinger aus Nürnberg, Gürtler und Formscheider, wahrscheinlich ein Nachkomme des Gürtlers Jorg Springinklee († 1542) und naher Verwandter von Hans Springinklee (* 1490/95; † um 1540), Vater von Lorentz SpringeInKlee († nach 1616 in Breslau) und Michael Springenklee (* 1556; † um 1594/96); verfassten Akrostichon (Abecedarius) Das Christlich A B C, gesangweyß.Vgl. Gregorius spring in klee (siehe Kolophon): Das Christlich A B C, gesangweyß, Auß der heiligen Schrifft zusammen gezogen, Vnd allen denen, die des Christlichen Glaubens sindt, auch für die jungen, zu ehren gedicht. Jm Thon Ewiger Vatter im Himelreich. Valentin Neuber, Nürnberg 1555 (Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz), weitere Ausgabe o. O. um 1555/60 (Google-Books); Kurzfassung (zweizeilige Strophen) in der Handschrift Cod. Pal. germ. 766 (Blätter 24r–25v) der Universitätsbibliothek Heidelberg (Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg).