mini|Karte der Forts um Antwerpen mini|Eingang von Fort Breendonk mini|Fort 3, Borsbeek. mini|Der zerstörte linke Flügel von Fort Braschaat mini|Fort 12, Sint-Katelijne-Waver. Die Festung Antwerpen bestand als militärische Verteidigungsanlage aus zwei ringförmig angelegten Gürteln von Forts um die belgische Hafenstadt Antwerpen. Zwischen 1859 und 1914 erbaut, hatte die Anlage einen Gesamtumfang von 95 km.

Frühe Geschichte Die Stadtbefestigung von Antwerpen bestand bis zur Unabhängigkeit Belgiens im Jahre 1830 aus der spanischen Stadtmauer in der Nähe des aktuellen Leien (Italiëlei, Frankrijklei, Amerikalei), im Süden begrenzt durch das Südschloss (Zuidkasteel; nördlich des jetzigen Justizpalastes) und auf der Nordseite begrenzt vom Nordfort, das an der Stelle des derzeitigen Kattendijkdok lag. Die Forts „Liefkenshoek“, „De Perel“, „St. Maria“ und „St. Filips“ wurden während des Achtzigjährigen Krieges im Jahre 1584 durch den Herzog von Parma (Alessandro Farnese) mit der Absicht erbaut, die Versorgung der Holländer in Antwerpen blockieren zu können. Diese Forts waren an der Biegung der Schelde in Kallo gelegen.

Nach der Unabhängigkeit Belgiens Ab 1830 bestand die Verteidigung Belgiens aus zwanzig Festungsstädten, der sogenannten Wellington-Barriere zum Schutz gegen Frankreich. Zur Aufgabe der Festung Antwerpen gehörte auch die Verteidigung der Schelde („Rede Verteidigung“). Sie wurde durch die Forts „De Perel“, „Burcht“, „Isabella“ und „Saint Marie“ sichergestellt. Verstärkt wurde die „Rede Verteidigung“ der Schelde später durch den Bau des Forts „Vlaams Hoofd“, das westlich des heutigen Endpunkts des Sint-Annatunnels gelegen war.

Gesetz von 1851 Mitte des 19. Jahrhunderts wurde nach dem Amtsantritt von Napoleon III. im Jahre 1851 deutlich, dass die belgische Armee keine Möglichkeiten hatte, um einem französischen Angriff zu widerstehen. Das zweite französische Kaiserreich war damals die führende Militärmacht Europas. Es war notwendig, die Verteidigung zu zentralisieren. Daher wurde beschlossen, um Antwerpen einen Ring von Forts zu bauen (die so genannten Fortjes 1–7). Ursprünglich nur als Erdwallpalisaden gebaut, wurden diese jedoch später mit Steineinbauten verstärkt.

Gesetz vom 7. September 1859 mini|Eingang des in Hoboken gelegenen Fort 8. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Konzept der Verteidigung Belgiens geändert, weil eine vollständige Landesverteidigung nicht realistisch war. Antwerpen war am besten als letztes Bollwerk (Nationaal Reduit) geeignet, bis Hilfe vom Verbündeten Großbritannien kommen sollte. Die Wahl Antwerpens als sogenanntes Nationaal Reduit beruhte auf den guten Möglichkeiten für die Bevorratung und Verteidigung. Das Nationaal Reduit nach dem Gesetz vom 9. August 1859 sah eine Umwallung mit einem Ring von Forts und Überflutungsgräben vor. Der Fortring sollte aus acht sogenannten Brialmontforts – benannt nach Henri Alexis Brialmont – bestehen. Sie wurden ab 1859 in einem 18 km langen Ring von Wijnegem bis Hoboken gebaut.

Gesetz von 1870 Während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/71 zeigte sich, dass die deutsche Artillerie das belagerte Paris bereits aus einer Entfernung von 7 km beschießen konnte. Der Ring der Brialmontforts lag also zu nah an der Stadt Antwerpen. Zunächst wurde beschlossen, die Forts „Merksem“, „Zwijndrecht“ und „Kruibeke“ zu bauen. Außerdem wurde die Verteidigung der Schelde mit den Forts „St. Filips“ und „De Perel“ ausgeweitet. Das waren kleine längliche Panzerforts, die zur Abwehr etwaiger Angriffe vom Wasser her konzipiert waren. Für diese Forts war eine Bewaffnung mit Geschützen der Kaliber 24 cm und 28 cm vorgesehen. Das Fort „De Perel“ wurde jedoch nie bewaffnet.

Arbeiten in der Periode 1878–1905 Im Jahre 1872 entstand die Idee, die Verteidigung Antwerpens auf die Linie der Flüsse Rupel und Nete mit Überflutungen der Polder um die Flüsse zu konzentrieren. Es fehlten jedoch die finanziellen Mittel, um mit dem Bau direkt zu beginnen. Ab 1878 wurden drei Forts in „Walem“, „Lier“ und (ab 1882) „Steendorp“ errichtet. 1885 wurde Fort „Schoten“ gebaut; im Jahr darauf entstand die Schanze „Duffel“, um die Eisenbahnlinie Antwerpen – Brüssel zu verteidigen. Drei weitere Schanzen („Oorderen“, „Berendrecht“ und „Kapellen“) wurden gebaut, um die Deiche, die zu überflutenden Polder und die Eisenbahn nach den Niederlanden zu verteidigen. Schließlich war durch das Gesetz von 1902 in diesem Zeitraum mit dem Bau der Forts „Sint Katelijne Waver“ und „Stabroek“ ein Anfang gemacht worden. Sie waren im Jahr 1914 noch nicht fertiggestellt.

Gesetz vom 30. März 1906 Die Entwicklung neuer Waffen schritt so schnell fort (siehe Brisanzgranate – ab etwa 1890; Schnellfeuergeschütz ab etwa 1900), dass im Jahr 1900 ein Komitee zur Überprüfung der Verteidigung Antwerpens gegründet wurde. Dieses Komitee betrachtete die derzeitige Verteidigung als mangelhaft, konnte jedoch keine Lösung anbieten. Schließlich stellte die Regierung im Mai 1905 einen Vorschlag vor, in dem der Abriss der Brialmontumwallung und der Bau eines Sicherheitsrings um die Forts 1–8 und eine neue Verteidigungslinie auf der Linie Rupel – Nete vorgesehen waren. Dieser Plan wurde durch das Gesetz vom 30. März 1906 ratifiziert; er umfasste den Bau von elf neuen Forts und zwölf Schanzen. Diese Festung Antwerpen (die so genannte Hoofdweerstandsstelling) sollte insgesamt auf dem rechten Ufer der Schelde 16 Forts und zehn Schanzen und auf dem linken Ufer fünf Forts und zwei Schanzen umfassen.

Struktur der Forts und Schanzen Die Brialmontforts Klassische Forts hatten eine etwa rechteckige Form. Ein gutes belgisches Beispiel für ein rechteckiges Fort mit Artilleriepositionen an den Ecken ist das Fort „Liefkenshoek“ aus dem 16. Jahrhundert. Danach gab es eine schrittweise Entwicklung im Festungsbau. Im 19. Jahrhundert existierten zwei Schulen im Festungsbau, die „französische“ und die „deutsche“ Schule. Die deutschen Forts hatten eine Polygonalsystem mit Kaponniere. Die französischen Forts basierten auf einem Bastionärsystem. Brialmont (der Architekt der belgischen Forts) war im Jahre 1846 nach Deutschland gereist, wo er den deutschen Festungsbau kennenlernte. Die Forts hatten mehrere Funktionen. Das waren Fernverteidigung Verteidigung der Zwischenräume der Forts sowie Grabenverteidigung. Der Entwurf wurde an diese Funktionen angepasst. Auf der Außenseite wurden die Forts von einem 40 bis 50 m breiten Graben umgeben, um so einen direkten Angriff möglichst zu erschweren. Außerhalb der Gräben befand sich das Glacis eine deckunglose Schräge, die es erlaubte, angreifende Infanterie unter wirkungsvolles Feuer zu nehmen. An der Innenseite des Grabens befand sich die Escarpenmauer, die bis zu einer Höhe von zehn Metern reichte und die Besatzung gegen direktes Feuer schützte. Die Artillerie war in Deckung hinter dieser Mauer aufgestellt.

Das eigentliche Fort hatte eine Polygonalstruktur. Im Hauptgebäude des Forts, dem so genannten Reduit, befanden sich die Aufenthaltsräume für die Besatzung in Friedenszeiten. Es diente als letzter Schutz, wenn der Feind bereits in das Fort eingedrungen war. Dieses Reduit wurde aus Backsteinen hergestellt und hatte zur Verteidigung Kanonen auf dem Dach, in der Regel hinter einer krenelierten Mauer installiert. An der Frontseite des Forts wurden die Hauptgeschütze hinter Erdwällen aufgestellt. Weitere Geschütze befanden sich in der Kaponniere der Front. Die Hauptfassade hatte eine Breite von etwa 350 m und verfügte auf jeder Seite über eine Halbkaponniere. Auf den Erddeckungen der Hauptfassade wurden etwa dreißig Geschütze und Granatwerfer für die Verteidigung des Vorfeldes aufgestellt. Zur Überquerung des rückseitigen Grabens war eine Brücke installiert. Dieser Zugang wurde durch zwei Verteidigungsstellungen geschützt.

Die späteren Forts, wie die Sperrforts „Walem“, „Lier“, „Steendorp“, haben eine ähnliche Struktur, aber ohne Reduit. Die Forts waren miteinander durch die so genannte Krijgsbaan verbunden. →siehe auch: Kommunikation (Festung)

Gesetz von 1906 Der Bau der mit dem Gesetz von 1906 beschlossenen Forts begann im Jahre 1909, nachdem das dafür benötigte Land enteignet worden war. Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Firma Bolsée aus Antwerpen. Die vom Bauplan her sehr ähnlichen Forts wurden in 2,5 m dickem unbewehrtem Beton ausgeführt, der Kanonen bis zu 28 cm Kaliber Widerstand leisten sollte. Die Forts der sogenannten „Zweiten Ordnung“ hatten eine Hauptkuppel mit zwei 15-cm-Geschützen, zwei Kuppeln mit 12-cm-Haubitzen und vier Kuppeln mit 7,5-cm-Kanonen. Die Forts „Erster Ordnung“ hatten zwei Kuppeln für je zwei 15-cm-Kanonen und zwei zusätzliche Kuppeln mit einer 7,5-cm-Kanone. Die 15-cm-Kanonen und 12-cm-Haubitzen waren an der Front der Hauptgebäude platziert. An den Flanken der Vorderseite waren Kaponnieren für die Grabenverteidigung eingebaut. Diese Kaponnieren gab es in den folgenden Ausführungen: zusammengestellte kasemattierte Kaponnieren, Kaponnieren mit Kuppeln (Bornem), freistehende Kaponniere (Stabroek, St. Katelijne Waver und Gravenwezel) oder angebundete Kaponniere (Brasschaat und Kessel). Fort Bornem hat eine Struktur mit einer pseudobastonierten Front mit Kuppeln auf der Kaponniere.

Bewaffnung Die Forts hatten mehrfache Funktionen:

Die ersten Forts 1–8 (erbaut ab 1859) hatten ursprünglich keine fest eingebauten Artillerie, da hierfür mobile Feldgeschütze verwendet wurden. In die späteren Forts wurde dann die Artillerie fest eingebaut. Gemäß den zu diesem Zeitpunkt bereits vorherrschenden Erkenntnissen wurden die Decken der Hohlräume stärker ausgeführt als noch ursprünglich geplant.

Die wichtigsten Entwicklungen im Bereich der Artillerie: Ab 1885 wurde Pikrinsäure oder Nitrozellulosepulver anstelle von Schwarzpulver verwendet. Durch den Gebrauch von TNT erhöhte sich die Splitterwirkung der Granaten (Brisanzgranate). In Deutschland wurden die ersten Kanonenrohre aus gezogenem Stahl hergestellt, welche die bis dahin aus Gusseisen und Bronze hergestellten Rohre ersetzten. Dadurch konnte das Kaliber vergrößert werden. Die Wirkung wurde damit um ein Vielfaches gesteigert. Entwicklungen in der Chemie und Metallurgie veränderten die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kaum veränderte Kanone dramatisch.

Infolge der raschen Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Artillerie mussten die Forts den veränderten Verhältnissen angepasst werden.

Ein Teil der Geschütze wurde bereits in Bunkern aufgestellt, während die anderen noch frei standen.

Als schwere Artillerie wurden zu diesem Zeitpunkt in der Hauptsache die 21-cm-Geschütze der Firma Krupp und die 22-cm-Geschütze der Firma Le Creusot geführt. Um gegen diese Kaliber bestehen zu können, waren bis 1890 die Gewölbedecken aus Beton auf eine Stärke von 2,25 bis 2,5 m verstärkt worden. Die Entwicklungen schritten allerdings oftmals so schnell voran, dass die Baumaßnahmen zur Verstärkung nicht Schritt halten konnten. Im Jahre 1905 setzten die Japaner während der Belagerung von Port Arthur im Russisch-Japanischen Krieg schon 28-cm-Geschütze ein, kurz vor dem Ersten Weltkrieg verfügte Deutschland bereits über 42-cm-Haubitzen (sog. Dicke Bertha).

Im Jahr 1912 in Russland durchgeführte Versuche mit einer belgischen Panzerkuppel zeigten, dass diese bereits einem Kaliber von 28 cm nicht mehr standhalten konnte. Diese Informationen wurden von der belgischen Militärführung ignoriert, insbesondere war eine weitere Verstärkung der Forts aus bautechnischen Gründen nicht mehr möglich.