mini|Peter Zingler in Frankfurt am Main, 2010 mini|Autograph Karl Peter Zingler (* 5. Januar 1944 in Chemnitz; † 30. Dezember 2022 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Schriftsteller, Drehbuchautor und zuvor professioneller Einbrecher.

Leben Zingler kam direkt nach seiner Geburt ins Kinderheim, und seine Mutter gab ihn zur Adoption frei. Zu seiner Zeugung war es bei einem One-Night-Stand während eines Fliegeralarms gekommen. Die Mutter verschwieg gegenüber der Familie seine Geburt. Wegen seines damals jüdischen Nachnamens und Staatenlosigkeit fanden sich keine Adoptionseltern. Als seine Großmutter eineinhalb Jahre später von Zinglers Geburt erfuhr, holte sie diesen aus dem Kinderheim nach Köln, wo er aufwuchs. Während die Großmutter sich als seine Mutter ausgab, kümmerte sich die wahre Mutter nicht um ihn. Im Alter von zehn Jahren erfuhr er, dass seine vermeintliche Schwester seine wahre Mutter war.

Schon mit vier Jahren nahm seine Großmutter ihn 1948 mit zum Hamstern aufs Land. Er begann schon als Kind zu stehlen und half beim Schmuggeln über die belgische Grenze. 1959 – im Alter von 15 Jahren – wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt und kam erstmals ins Gefängnis. Bei zahlreichen Einbrüchen stahl er in den folgenden 25 Jahren vor allem Luxusgüter. Reue empfand er niemals. „Ich war gerne Gangster im Milieu“, sagte er laut Der Spiegel noch 2015. Die Geschichte seiner Familie nach dem Zweiten Weltkrieg wurde von der ARD im Februar 2015 im Film Die Himmelsleiter gezeigt.

Zingler verbrachte insgesamt zwölf Jahre als Berufseinbrecher in Gefängnissen mehrerer Länder. Während seiner letzten Haftzeit im offenen Vollzug in der JVA Dieburg begann er zu schreiben, zunächst für die Gefängnisliteratur typische erotische Geschichten; allerdings konnte er sie an Penthouse und Playboy verkaufen. 1985 gründete er in Frankfurt, wo er seit 1973 lebte, mit der Cartoonistin Doris Lerche, seiner Lebensgefährtin, dem Bordellbesitzer Dieter Engel und Herbert Heckmann, dem Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die Romanfabrik, die erste Literaturinitiative der Stadt, die ihn mitten ins Schriftstellerleben brachte; 1989 wurde er mit dem Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene ausgezeichnet und erschien in der ersten Anthologie Risse im Fegefeuer.

Ab 1985 war er als Journalist für verschiedene Zeitschriften tätig. Zeitweise gehörte er zu den erfolgreichsten Drehbuchautoren für Fernsehkrimis. Gemeinsam mit Mario Adorf erfand er 1990 bei einem gemeinsamen Tennisspiel die Figur des Kunstsachverständigen Joachim „Jo“ für die im Dezember 1996 ausgestrahlte dreiteilige Sat.1-Krimireihe Tresko. 1993 bekam er (zusammen mit Oliver Hirschbiegel) den Adolf-Grimme-Preis mit Bronze für das Drehbuch zum ORF-Tatort Kinderspiel. In dem sehr stark besetzten Film Alles nur Tarnung führte er 1996 auch Regie. Sein ZDF-Film Tödliche Wende wurde mit dem Goldenen Löwen und das Drehbuch mit dem Goldenen Gong ausgezeichnet.

Er lebte in Frankfurt am Main und hatte sechs Kinder von vier Frauen. Bestattet wurde er auf dem Bonner Nordfriedhof.

Filmografie (Auswahl) 1986–1992: Ein Fall für Zwei (Fernsehserie, 4 Episoden) 1990: Tatort – Seven Eleven (Fernsehreihe) 1991: Tatort – Telefongeld 1992: Tatort – Kinderspiel 1993: Tatort – Stahlwalzer 1994: Tatort – Ostwärts 1995–1999: Die Straßen von Berlin (Fernsehserie, 3 Episoden) 1996: Tatort – Kolportage 1996: Tödliche Wende 1996: Alles nur Tarnung (auch Regie) 1996: Tresko – Der Maulwurf 1996: Peanuts – Die Bank zahlt alles 1997: Tatort – Bombenstimmung 1999: Tatort – Restrisiko 1999: Tatort – Strafstoß 2000: Tatort – Direkt ins Herz 2000: Tatort – Trittbrettfahrer 2001: Tatort – Nichts mehr im Griff 2001: Tatort – Zielscheibe 2002: Tatort – Reise ins Nichts 2005: Tatort – Nur ein Spiel 2005: Das Duo – Blutiges Geld 2007: Ein starkes Team – Blutige Ernte 2010: Tatort – Spargelzeit

Bibliografie (Auswahl) 1983: Notizen aus der Mülltonne. Gedanken, Gedichte, Geschichten zum Strafvollzug und dem Vorher – Nachher, Vorwort von Klaus Kordon 1984: Tod in Kingston, Roman 1985: 11 Tage im Frühjahr, Roman 1985: Im Puff. Geschichten von Freiern und Huren, Erzählungen 1985: Rückkehr in den Regen, Erzählungen 1985: Spur 139. Erzählungen aus Deutschland 1986: Lava, Erzählungen 1986: Marokkanische Nächte, Roman 1987: Autostopp, Roman 1987: Der Puff-Poet. Geschichten aus einem Edelbordell 1988: Jamaica-Trip, Roman 1988: Die Millionen des Dr. Erlemann oder die Kunst, Geld zu machen. Eine unglaubliche Karriere, mit Gabi Erlemann 1989: Die Seuche, Roman 1994: Die Gerichtsreporterin. Der Roman zur Fernseh-Serie der ARD 1996: Alles nur Tarnung. Der Roman zum Film 2005: Dunkelziffer, Roman 2011: Männer, die nach Liebe suchen. Erotische Geschichten 2011: Der Vitaminstoss, Kurzgeschichten 2011: Rotlicht im Kopf, über das berühmteste Bordell Deutschland, das Sudfass 2015: Der Tod des Schamhaars, Kurzgeschichten 2015: Im Tunnel, biographischer Roman

Weblinks

Webpräsenz von Peter Zingler Zingler in krimilexikon.de

Einzelnachweise

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