Maria Radna (rum.: Maria Radna, ung.: Máriaradna) ist der bedeutendste römisch-katholische Wallfahrtsort des Bistums Timișoara (ungarisch Temesvár, deutsch Temeschburg) und eine päpstliche Basilika in Radna, einem Stadtteil der Kleinstadt Lipova im Kreis Arad im Westen Rumäniens.
Lage Radna beziehungsweise Maria Radna liegen 34 Kilometer östlich der Kreishauptstadt Arad am nördlichen Ufer der Mureș. Der Fluss trennt Radna und Maria Radna vom Ortszentrum Lipovas. Von Westen kommend endet bei Radna die Pannonische Tiefebene, und das Hügelland der rumänischen Westkarpaten beginnt. Die vielbefahrene Nationalstraße 7, hier Teil der Europastraße 68, von Südungarn nach Siebenbürgen durchquert den Ort Radna und führt an der Basilika vorbei.
Geschichte mini|hochkant|Das Herz von Erzbischof Alexander Rudnay wird im Seitenaltar der Heiligen Mutter Anna aufbewahrt 1440 wurde der Ort Radna erstmals urkundlich erwähnt. 1520 ließ eine fromme Witwe hier eine kleine Kapelle erbauen. Nachdem das Banat 1526 in der Schlacht bei Mohács von den Truppen des Osmanischen Reichs erobert wurde, diente die Kapelle den Gläubigen und den Franziskanerbrüdern, die vor den fremden Kämpfern geflüchtet waren, als Zufluchtsort., Claudiu Călin: Geschichte der Basilika Maria Radna
Der Legende nach besaßen die dortigen Franziskaner große Schätze. Deshalb überfielen Janitscharen eines Nachts die Kapelle, zerstörten den Altar und die Bilder und raubten den vergoldeten Kelch. 1668 schenkte der Kaufmann Georg Vričonosa der Kapelle ein auf Papier gedrucktes Marienbild aus dem Atelier des Buchdruckers Remondini aus Bassano del Grappa in Italien. 1695, als die Kirche von osmanischen Truppen niedergebrannt wurde, blieb das Gnadenbild unversehrt. Seither schreiben Gläubige dieser Ikone Wunderkräfte zu.Koloman Juhasz, Adam Schicht: Das Bistum Timișoara-Temeswar. Vergangenheit und Gegenwart, Timișoara, 1934, ISBN 3-922046-76-2
1709 wurde von Arad aus die erste Wallfahrt nach Maria Radna organisiert. Infolge der Pest versprachen die Bewohner der Stadt Arad, zum Zeichen des Dankes für die Beendigung und Rettung vor der Seuche, die Wallfahrt durchzuführen. 1750 erkannte die Kirche Maria Radna offiziell als Wallfahrtsort an.
Das Kloster wurde 1750 im Barockstil erbaut und in einem feierlichen Gottesdienst anlässlich Mariä Geburt als Wallfahrtsort geweiht. Seither pilgerten Jahr für Jahr an bestimmten Wallfahrtstagen große Gruppen von Gläubigen zu diesem Ort. Die Wallfahrten erfolgten in Form von Prozessionen, zu Fuß oder mit Wagen. Überliefertes Brauchtum regelte die Verabschiedung und Ordnung der Prozession und das Verhalten an Wegkreuzen und bei der Durchfahrt durch Dörfer, sowie die Begrüßung und der Einzug in die Wallfahrtskirche. Die Prozession schloss mit einer Andacht auf dem Kalvarienberg neben der Gnadenkirche.
Von 1757 bis 1767 wurde anstelle der alten Kapelle eine neue Kirche erbaut, die noch heute besteht. 1820 wurden die Arbeiten an der Gnadenkirche zu Maria-Radna beendet. Der Erzbischof Ungarns, Alexander Rudnay von Estergom konsekrierte die Wallfahrtskirche feierlich und bescherte dem Gnadenbild zwei goldene Kronen als Weihgeschenk. Infolge erhielt der Erzbischof den Namenszusatz Rudnay, was so viel wie „von Radna“ bedeutet. Er hinterließ testamentarisch, dass sein Herz nach seinem Ableben in der Marienkapelle bestattet werden sollte. Es wird heute noch im Seiten-Altar der Heiligen Mutter Anna aufbewahrt. mini|hochkant|Marienkapelle 1895 entstanden anlässlich der 200-Jahr-Feier der prunkvolle Altar aus Carrara-Marmor und die beiden Marienstatuen. 1905 wurde eine neue Wegenstein-Orgel in der Basilika zu Maria-Radna erbaut. Ab 1868 stand den Pilgern die Bahnstrecke Arad–Alba Iulia zur Verfügung, welche die Anreise deutlich erleichterte, ab 1906 zusätzlich auch noch die Lokalbahn Arad–Podgoria. 1911 wurden die beiden Türme um 30 Meter auf 67 Meter erhöht.
Nach 1918, als das Banat infolge des Vertrags von Trianon dreigeteilt wurde, nahmen die Pilgerzüge aus Ungarn und Jugoslawien nach Maria Radna ab. 1921 rief Bischof Julius Glattfelder zu Maria Himmelfahrt zur Wallfahrt auf, wo er selbst die Predigt hielt. 1925 pilgerten zwischen 15.000 und 18.000 Gläubige nach Maria-Radna. Wegen des großen Interesses wurden die Pilgerzüge der größeren Pfarreien aus logistischen Gründen auf die Sonntage der warmen Jahreszeit verteilt. So wurde zum Beispiel der Wallfahrtstag der Temeswarer Gemeinde auf das Fest der Heiligen Anna gelegt. Der größte Wallfahrtstag war zu Mariä Geburt, an dem bis zu 20.000 Menschen nach Maria Radna pilgerten, wobei Franziskaner aus Deutschland aushalfen. 1928 wurde der Ölberg ausgebaut. Zur Amtszeit von Bischof Augustin Pacha um 1935 erreichte die Zahl der Pilger 73.000 und knüpfte an die Zahlen des vorigen Jahrhunderts an, als Pilger aus allen Ländern der Stefanskrone zu diesem Ort zogen. In den 1930er-Jahren entstand eine Exerzitienstätte für Priester und Lehrer.
Unter der kommunistischen Herrschaft wurden 1948/49 die Orden und Kongregationen der Katholischen Kirche in Rumänien aufgelöst. Durch ein Versehen wurde der Franziskanerorden erst nicht erwähnt. Nach dem 1949 erfolgten Verbot der Orden wurden alle Franziskaner Rumäniens in Maria Radna unter besonders schweren Bedingungen konzentriert. Wallfahrten wurden verboten und Klöster verstaatlicht. In Maria Radna verblieb ein einziger Pater mit zwei Brüdern, im Kloster wurde ein staatliches Altenheim errichtet.
Nach der Rumänischen Revolution von 1989 stiegen die Pilgerzahlen zur Wallfahrt wieder an, was als Folge der neu gewonnenen Freiheit gewertet werden kann. mini|hochkant|Statue des früheren Papstes Johannes Paul II. neben einem Seitenaltar 1992 verlieh Papst Johannes Paul II. der Wallfahrtskirche Maria Radna den Titel Basilica minor. Zu diesem Anlass schenkte der Titularerzbischof Adalbert Boros, Weihbischof der Temesvárer Diözese, der Basilika einen neuen Altar als Zeichen des Dankes an die Muttergottes von Maria Radna für ihren, der Kirche und der Diözese in den Zeiten der kommunistischen Herrschaft gewährten, Schutz.
2003 verließen die Franziskanerbrüder nach ihrer mehrere Jahrhunderte überdauernden Präsenz das Kloster Maria Radna auf Grund von Mangel an Nachwuchs. Seit dieser Zeit wurde das kirchliche Leben des Wallfahrtsortes dem Diözesanklerus anvertraut. Msgr. Andreas Reinholz, Canonicus Junior des Domkapitels der römisch-katholischen Diözese Temesvár, wurde zum ersten Pfarrer ernannt.
Beschreibung Neben der Wallfahrtskirche befindet sich das ehemalige Franziskanerkloster. Vor dem Eingang der Gnadenkirche liegt die 1892 erbaute Marien-Kapelle. Ein 1890 geweihter Kreuzweg führt über 14 Stationen und einer Kanzel auf den Kalvarienberg.Gábor Barna: Der sakrale Raum eines Wallfahrtsortes und seine Objekte: Maria-Radna. In: Ders. (Hrsg.): Saints, Feasts, Pilgrimages, Confraternities. Heilige, Feste, Wallfahrten, Bruderschaften. Selected Papers / Ausgewählte Schriften. Department of Ethnology and Cultural Anthropology, Szeged 2014, S. 275–281, hier S. 278 mini|links|Die Wallfahrtskirche mini|hochkant|Kanzel der Wallfahrtskirche
Wallfahrtskirche Die Wallfahrtskirche Maria-Radna ist eine einschiffige Wandpfeilerkirche mit eingezogenem, langgestrecktem Chor und trapezförmigen Apsiden. Die Länge der Kirche misst 56,2 Meter, die Breite des Schiffes 19,8 Meter, der Altarraum ist 9,3 Meter breit. Die Höhe der Kirche beträgt im Schiff 20,6 Meter. Aufgrund ihres besonderen Standortes, leicht erhöht am nördlichen Flussufer der Marosch gelegen und für den Besucher weithin sichtbar, wurde auf eine kanonische Ostung der Kirche verzichtet. Daher wurde der Chorraum im Westen, die Schauseite im Osten der Anlage errichtet. Der Chorraum ist mit einem Spiegelgewölbe, das Kirchenschiff mit einem Tonnengewölbe ausgestattet. Gurtbögen, die auf massiven Wandpfeilern ruhen, teilen das Langhaus in drei Joche. Die massiven Wandpfeiler besitzen einen quadratischen Grundriss und ragen weit in den Kirchenraum hinein. Sie werden auf drei Seiten mit duplizierten Pilastern geschmückt. Die Pilasterkapitelle wurden besonders aufwendig als korinthische Kapitelle mit reduziertem Laubwerk gestaltet. Über den Kämpfern befindet sich ein stark verkröpftes Gesims. Die zwischen den Wandpfeilern entstandenen Rundnischen dienen zur Aufnahme der Seitenaltäre. Neben dem Himmelfahrtsfresko ist das Gewölbe mit Architekturmalerei ausgestattet. Der Chor wird von je zwei Rundbogenfenstern und einem Ovalfenster in der Apsis beleuchtet. Die Beleuchtung des Langhauses erfolgt durch je drei tief in die Wand eingeschnittene Rundbogenfenster auf den Seitenwänden des Kirchenschiffes. Von der ursprünglich geplanten geschlossenen barocken Ausstattung des Innenraumes wurden nur wenige Stücke realisiert, dazu gehörten die Rahmung des Gnadenbildes, der Hochaltar, die Ampel für das ewige Licht sowie einige Altarblätter, die in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts entstanden.archiv.ub.uni-heidelberg.de (PDF; 32,3 MB), Swantje Volkmann: Die Architektur des 18. Jahrhunderts im Temescher Banat mini|links|hochkant|Innenansicht mini|Innenansicht mini|Innenansicht mini|hochkant|Bild in der Bildergalerie Durch die Verzögerungen der Bauzeit, aber auch beeinflusst von einem neuen Stilempfinden, präsentiert sich die Frontpartie der Gnadenkirche als eine eigenartige Verschmelzung aus barocken Architekturgliedern und klassizistischem Formenvokabular. Die als Schauseite gestaltete Westwand der Kirche wurde als Doppelturmfassade errichtet. Der Entwurf für diese Fassade kam zustande, nachdem das Kloster mit der Arader Festungsbaugesellschaft einen neuen Vertrag geschlossen hatte und der Fortifikations-Maurermeister Carl Joseph Huber ab 1773 in Radna tätig war. Das Kompositionsschema des Entwurfs zeigt eine Verbindung zwischen einer Doppelturm- und einer Ädikulafassade. Damit zeigt bereits die formale Gliederung der Frontpartie eine enge Verwandtschaft zur Temeswarer Domkirche. Die Mittelpartie wurde in Radna als risalitartige Anlage geplant, die durch duplizierte Säulen vertikal gegliedert und durch eine Dreiecksgiebelverdachung oberhalb des ersten Geschosses abgeschlossen wird. Trotz des sehr breiten Mittelteiles und des sehr hohen Sockelgeschosses wirkt die Fassade schlanker und eleganter als die Temeswarer Ausführung. Dies wird im Wesentlichen durch die deutlich schlankeren Pilaster, die schmalen Fenster mit Dreiecks- beziehungsweise Volutengiebelverdachungen und durch die qualitätsvoll ausgearbeitete Ädikula mit Voluten, Pilastern und bekrönenden Vasen sowie durch das bekrönende Doppelkreuz erreicht. Die Säulenordnung der Mittelpartie zeigt zwar klassizistische Anklänge, in der Gesamtsicht ist die Fassadenlösung aber durchaus noch barocken Traditionen verpflichtet.
Eine Betonung des Mittelteiles erfolgt durch das Rundbogenportal und ein Rundbogenfenster mit darüber liegendem Rundfenster. Dieser Teil wird durch Pilaster seitlich begrenzt. Der gesamte Mittelteil wird an den Kanten mit duplizierten Pilastern und einer Rustikazone abgeschlossen. Diese Rustikazone wird an den Kanten der Fassadengeschosse und an den Kanten der Türme wiederholt. Der Mittelteil wird heute mit einem Segmentgiebel abgeschlossen und nicht mit dem vorgesehenen Dreiecksgiebel.
Die horizontale Gliederung der Fassade erfolgt durch verkröpfte Gesimse. Das untere Gesims teilt die Fassade in zwei Geschosse. Alle Fenster werden mit einfachen Segmentgiebeln verdacht. Den heutigen Abschluss des Mitteltraktes bildet ein balustradenähnlicher Wellengiebel.