Die Mainfränkischen Platten (im Volksmund mitunter nur als Fränkische Platte oder auch als [Main-]fränkische Gäufläche oder Gäuplatte bezeichnet) sind eine weitgehend unbewaldete Landschaft im Norden des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes. Sie repräsentieren dort zusammen mit den sich südwestlich anschließenden Neckar- und Taubergäuplatten die Schichtstufe des Muschelkalks und bilden gemeinsam eine Großregion 3. Ordnung.
Die Mainfränkischen Platten bilden die größte naturräumliche Haupteinheitengruppe im nordbayerischen Regierungsbezirk Unterfranken.Johannes Müller: Grundzüge der Naturgeographie von Unterfranken (=Fränkische Landschaft 1). Justus Perthes Verlag, Gotha 1996. S. 56
Lage Die Mainfränkischen Platten (13) bilden innerhalb der Großlandschaft des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes deren nördlichste naturräumliche Haupteinheitengruppe. Im Westen grenzt die Haupteinheitengruppe Odenwald, Spessart und Südrhön (14), im Osten das Fränkische Keuper-Lias-Land (11). Nach Südwesten folgt der Grenzverlauf zu den Neckar- und Tauber-Gäuplatten (12) in etwa der Ländergrenze Bayern – Baden-Württemberg, weicht jedoch leicht von der politischen Grenze ab, sodass sehr kleine Teile im Südwesten auch im letztgenannten Bundesland liegen.
Deutlicher ist der Landschaftswechsel im Norden, zur Mittelgebirgsschwelle. Hier grenzt im Dreiländerbereich Thüringen-Bayern-Hessen das Osthessische Bergland (35, westlicher Norden) mit der Rhön und weiter östlich das Thüringisch-Fränkische Mittelgebirge (39, östlicher Norden) mit dem Thüringer Wald an, deren Höhenlagen jedoch größtenteils durch Buntsandsteinabdachungen von den Mainfränkischen Platten getrennt sind.
Landschaftscharakteristik Der Landschaftsstreifen aus Gesteinen des Muschelkalks und Lettenkeupers mit gebietsweise verbreiteter Lössauflage ist vom Relief her überwiegend flachwellig bis hügelig, mit wenigen stärker eingeschnittenen Tälern. Insbesondere in den flachwelligen Gebieten mit Lössauflage beherrscht ackerbauliche Nutzung den Landschaftseindruck. Daher werden die Mainfränkischen Platten vereinfachend und unkorrekt teilweise als Gäufläche bezeichnet. Insgesamt unterscheiden sich die Mainfränkischen Platten stark von den reliefreichen und bewaldeten Höhenzügen aus Gesteinen des Buntsandsteins im Westen (Spessart, Rhön) und Norden (Salzunger Werrabergland, Südliches Vorland des Thüringer Waldes) sowie des Sandsteinkeuper im Osten (Haßberge, Steigerwald).
Leicht montanen Charakter nehmen lediglich die Werra-Gäuplatten im Norden an, die fast die Höhen des sich anschließenden Buntsandsteinrücken des Südlichen Vorlandes des Thüringer Waldes erreichen.
Die mit Abstand höchsten Erhebungen sind vulkanische Singularitäten im Norden wie der Dolmar (740 m) an der Nahtstelle zum Thüringer-Wald-Vorland sowie die beiden Gleichberge (679 und 641 m) an der Nahtstelle des Grabfelds zu den Werra-Gäuplatten.
Geologie und Tektonik Das geologische Fundament der Mainfränkischen Platten bilden leicht (durchschnittlich knapp 2°) nach SO einfallende Sedimentgesteine aus der Zeit des Muschelkalks. Es handelt sich überwiegend um harte Kalksteine und Dolomite. Der Mittlere Muschelkalk führt dagegen bedeutende Anteile an Evaporiten. Im Westen der Mainfränkischen Platte werden in Tälern auch die tiefer liegenden Ton- und Sandsteine des Buntsandsteins angeschnitten, die Osthälfte trägt weitflächig eine Auflage von Lettenkeuper (Unterer Keuper), eine Folge tonig-mergeliger Gesteine mit vielen Kalk- und Sandsteinbänken. Am Ostrand tritt stellenweise toniger Gipskeuper (Grabfeld-Formation, Mittlerer Keuper) zutage.Bayerisches Geologisches Landesamt (Hrsg.): Geologische Karte von Bayern 1:500.000. 4. neubearb. Aufl., München 1996.Josef Schwarzmeier: Geologische Karte von Bayern 1:25.000 Blatt Nr. 5927 Schweinfurt mit Erläuterungen. Bayerisches Geologisches Landesamt, München 1982. Durch tektonische Verbiegungen und Brüche wird dieses Grundprinzip regional modifiziert. Die Hauptstörungsrichtung ist NW-SO. In gleicher Streichrichtung verlaufen Sattel-Mulden-Strukturen in der Nordhälfte der Mainfränkischen Platte. Von Bedeutung ist die Kissingen-Hassfurter Störungszone zwischen Schweinfurter Mulde und Grabfeld-Mulde. Dagegen streichen in der Südhälfte der Platten (um Würzburg) die Sattel-Mulden-Strukturen SW-NO, beispielsweise der Thüngersheimer Sattel.Tektonische Karte von Bayern 1:1.000.000 (= Beilage 8 zu: Bayerisches Geologisches Landesamt (Hrsg.): Geologische Karte von Bayern 1:500.000. 4. neubearbeitete Auflage. München 1996.) Über den triassischen Gesteinen liegt weitflächig kaltzeitlicher Löss, oder – bei geringeren Distanzen zum Auswehungsgebiet – Flugsand. In lössfreien Gebieten befinden sich verbreitet Solifluktionslagen an der Oberfläche.
Klima und Landschaft Im Bezug auf die umgebenden Naturräume sind die Mainfränkischen Platten, im Lee von Spessart und Rhön, mit 550 bis 600 mm Niederschlag pro Jahr relativ trocken, bei Jahresdurchschnittstemperaturen zwischen 8,5 und 9,5 °C.Johannes Müller: Grundzüge der Naturgeographie von Unterfranken (=Fränkische Landschaft 1). Justus Perthes Verlag, Gotha 1996. S. 76f. Die Problematik der Trockenheit wird regional durch karstanfällige Kalksteine des Muschelkalks verstärkt, da das Gestein geringe Speicherkapazitäten aufweist. In den verkarstungsfähigen Gesteinen des Muschelkalks gibt es grundsätzlich wenige oberirdische Fließgewässer. Die gleichzeitige Erosionsbeständigkeit des Kalksteins resultiert in steil eingeschnittenen Flusstälern, wenn Muschelkalk angeschnitten wird (oft wird das Maintal als eigene naturräumliche Einheit angesehenJohannes Müller: Grundzüge der Naturgeographie von Unterfranken (=Fränkische Landschaft 1). Justus Perthes Verlag, Gotha 1996. Karte auf S. 166f. und das entsprechende Kapitel 8 „Das Maintalsystem“ ab S. 173). In reliefreicheren Muschelkalkgebieten existiert häufig Waldbedeckung als dominierendes Landschaftsmerkmal. Die Böden sind hier meist Rendzinen. Die Auflage aus weichem Lettenkeuper auf den weiten Flächen sorgt für ein ausgeglicheneres Relief in der Osthälfte der Mainfränkischen Platten. Die weithin verbreitete Lössauflage verstärkt diese Wirkung. Die verbreitete Bodengesellschaft sind Parabraunerden aus Löss. Die gut zu bearbeitenden und fruchtbaren, jedoch erosionsempfindlichen Böden stehen seit Jahrhunderten unter intensiver ackerbaulicher Nutzung. Das weiträumige offene Landschaftsbild der Mainfränkischen Platten erfährt hierdurch seine charakteristische Prägung.
Naturräumliche Gliederung Die Mainfränkischen Platten werden naturräumlich wie folgt in Haupteinheiten (dreistellig) und Untereinheiten (Nachkommastellen) aufgeteilt:E. Meynen und J. J. Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands Band 2 – Bundesanstalt für Landeskunde, zweite Lieferung Remagen 1955, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960Verschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern – Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1962–1987 → Online-Karten Blatt 140: Schweinfurt (Brigitte Schwenzer 1968; 43 S.) Blatt 141: Coburg (Heinz Späth 1987; 42 S.) Blatt 152: Würzburg (Horst Mensching, Günter Wagner 1963; 45 S.) [Blatt 153: Bamberg (Karl Albert Habbe 2004, in Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft 2003/2004, S. 55–102; 48 S.) – noch nicht komplett eingeflossen, nur 131 und 137] Blatt 162: Rotenburg o. d. Tauber (Wolf Dieter Sick 1962; 58 S.) – nur 131 und kleine Teile von 130 13 Mainfränkische Platten 130 Ochsenfurter Gau und Gollachgau 130.0 (ohne Namen) 130.00 Reichenberger Grund 130.01 Ifftalbereich 130.1 (ohne Namen)Auf Blatt Rothenburg (1962) wird 130.1 mit Uffenheimer Gäu bezeichnet; indes liegt nur ein kleiner Teilausschnitt (Süden von 130.10) der Landschaft auf diesem Blatt – der Großteil liegt auf dem sich nördlich anschließenden Blatt Würzburg (1963). 130.10 Ochsenfurt-Uffenheimer Gaufläche 130.11 Kleinrinderfelder Hochfläche 131 Windsheimer Bucht 131.1 Ergersheimer Ebene (Westteil) 131.2 Windsheimer Bucht im engeren SinneBezeichnung auf Blatt Rothenburg: Burgbernheimer Ebene; indes liegt Burgbernheim, der einzige Ort des naturraumes auf jenem Blatt, am Südwestrand der Windsheimer Bucht im engeren Sinne. 132 Marktheidenfelder Platte (Remlingen-Urspringer Hochfläche) 132.0 Naturräumliche Einheit 132.0 (ohne Namen) 132.00 Karlstadt-Birkenfelder Kalklößplatten 132.01 Eisinger Höhe 132.02 Roden-Waldzeller Rötflächen 132.03 Urphar-Dertinger Hügelland 133 Mittleres Maintal 133.0 (ohne Namen) 133.00 Karlstädter Maintal 133.01 Zellingen-Thüngersheimer Talweitung 133.02 Maintal bei Veitshöchheim 133.03 Würzburger Talkessel 133.04 Würzburg-Ochsenfurter Maintal 133.05 Kitzinger Maintal 133.06 Schwarzacher Talweitung 133.07 Volkacher Mainschleife 133.08 Obereisenheim-Wipfelder Maintal 134 Gäuplatten im Maindreieck 134.0 Wernecker Gäuflächen (Werneinzugsgebiet)Bezeichnung auf Blatt Würzburg (1963) Werneinzugsgebiet genannt, auf Blatt Schweinfurt (1968), das den kleineren Nordteil umfasst, mit Wernecker Gäuflächen bezeichnet. 134.1 Innere Gäuhochflächen im Maindreieck 134.10 Gäufläche im nördlichen Maindreieck 134.11 Hochflächen im südlichen Maindreieck 134.2 Lindelbacher Flugsandgebiet 135 Wern-Lauer-Platten (Muschelkalkplatten im nordwestlichen Maindreieck) 135.0 Würzburger nördliche Mainseitentäler 135.1 Gramschatzer Wald 135.2 Werngrund 135.3 Heßlarer Hochfläche 135.4 Stettener Riedel 135.5 Eschenbacher Hochflächen 135.6 Sulzthaler Höhen 135.7 Münnerstädter Hochfläche 136 Schweinfurter Becken 137 Steigerwaldvorland 137.0 Kitzinger Mainebene 137.00 Mainbernheimer Ebene 137.01 Albertshofener Flugsandgebiet 137.02 Dimbacher Flugsandgebiet 137.1 Iphofen-Gerolzhofener Steigerwaldvorland 137.10 Hellmitzheimer Bucht 137.11 Schwanbergvorland 137.12 Steigerwaldvorland von Neuses 137.13 Gaibacher Lößhochfläche 137.14 Herlheimer Mulde 137.15 Donnersdorfer Steigerwaldvorland 137.2 Haßfurter Maintal 137.20 Augsfelder Maintal 137.21 Oberthereser Maintal 1381 Grabfeld 1381.0 Westliches Grabfeld 1381.1 Südliches Grabfeld 1381.10 Hofheim-Haßfurter Gau (Nassachgrund) 1381.11 Prappacher Vorstufe 1381.12 Stadtlauringer Gau 1381.2 Königshofener-Römhilder Grabfeld 1381.20 Königshofener Grabfeld 1381.21 Römhilder Grabfeld 1381.22 Gleichberge (Singularität 4. Ordnung) 1381.23 Rodach-Coburger Niederung (Rodacher Grabfeld) 1381.3 ? 1381.30 Wiesenfeld-Coburger Niederung 1381.31 Rodachgrund 1382 Werra-Gäuplatten (Meininger Kalkplatten) 1382.0 Westliche Werra-Gäuplatten 1382.00 Mellrichstädter Gäu 1382.01 Bibraer Sattel 1382.02 St. Bernharder Plateau 1382.1 Östliche Werra-Gäuplatten 1382.10 Hildburghäuser Muschelkalkberge 1382.11 Lange Berge 139 Hesselbacher Waldland 139.0 Südliches Hesselbacher Waldland 139.1 Nördliches Hesselbacher Waldland
Die Einheiten 1381 Grabfeld und 1382 Werra-Gäuplatten werden unter der Übereinheit 138 Grabfeldgau zusammengefasst, stellen jedoch je eigenständige Haupteinheiten dar. Dass diese nicht je eigene dreistellige Ziffern erhalten haben, ist dem Zehnersystem geschuldet.
Kurzbeschreibung der Haupteinheiten Das Bundesamt für Naturschutz hat deutschlandweit Landschaftssteckbriefe herausgegeben, die sich weitgehend nach der naturräumlichen Gliederung richten und meistens eine Haupteinheit beschreiben. Wesentlichster Unterschied ist der, dass Verdichtungsräume immer gesondert ausgewiesen werden.
Nachfolgend eine Tabelle aller Landschaften der Mainfränkischen Platten, über die ein BfN-Landschaftssteckbrief existiert: