miniatur|hochkant=1.10|Schrein des heiligen Severin. Das 1802 eingeschmolzene Gold des Originals war ein Geschenk des Kölner Erzbischofs Hermann miniatur|hochkant=1.10|St. Severin von Süden um 1665. Im Vordergrund die Immunitätsmauer, rechts die angrenzenden Stiftsgebäude miniatur|hochkant=1.10|Stiftskirche St. Georg von Süden um 1665. Im Vordergrund links die Vorhalle Oversburg war ein mittelalterlicher Vorstadtbezirk der Stadt Köln, der auch „Airsbach“ genannt wurde. Er entstand aus der Neugliederung eines sehr frühen, dem Kölner Stift St. Severin unterstehenden Bereiches. Der dieses Gebiet umfassende ursprüngliche Grenzverlauf wurde in einer Urkunde des Erzbischofs Wichfrid (924 bis 953)S. 44, Verweis auf Lacomblet: V. J. 948, U. B. 1, 102 (Cardauns, Niederrhein. Annalen 26/37, 314–347.) detailliert beschrieben.

Der alte Stiftsbereich St. Severin miniatur|hochkant|Urkunde Erzbischofs Wichfried von 948 mit der Aufführung der Grenzziehung St. Severins und der Erwähnung von St. Johann Baptist Das Gebiet unterstand St. Severin, der südlichsten Stiftskirche der Stadt und erstreckte sich von der südlichen Stadtmauer unterhalb des Stiftsbereiches von St. Pantaleon weit in das Vorland. Die kirchlich-weltlichen Verwaltungsgrenzen des Sprengels waren meist in Flurkarten festgelegt und hatten etwa folgenden Verlauf:

Beginnend an der Hochpforte, dem Südtor der römischen Befestigung, verlief die Grenze auf der heutigen Severinstraße bis zur Höhe der als Perlengraben bezeichneten natürlichen Geländesenke, einer Fortsetzung des Katharinengrabens, auch als „Fossa“, „Aducht“ oder einfach Graben bezeichnet. Von dort verlief sie südwestlich durch die Schnurgasse in Richtung der ehemaligen Ansiedlung „Thiedenhoven“ entlang der Grenze zur Gemarkung St. Pantaleons in das westliche Vorland nach dem Weiler Höningen. Sie verlief weiter durch die Wälder von „Dierlo“ und „Junginvorst“ (wahrscheinlich im Gebiet des im Kölngau erwähnten „Rumenthorp“) über den Forstweg an den Rhein. Der Fluss bildete stromabwärts die Grenze bis an den vor der Stadt in den Rhein mündenden Duffesbach im südöstlichen Stadtgraben. Der Duffesbach war die Grenze des späteren Bezirks Oversburg und der um die Rheinvorstadt angewachsenen Kernstadt. Entlang des Grabens verlief die Straße Filzengraben, der sich in westlicher Richtung als weiterer Grenzverlauf die Straße Mühlenbach bis zur Hochpforte anschloss.S. 41 ff.

Nachdem die Baumaßnahmen zur Stadterweiterung von 1180 beschlossen waren und damit der Severinsbezirk erneut durchschnitten wurde, fielen die Gebiete jenseits des Bischofsweges an Immendorf, dessen Pfarrgrenzen dann bis Godorf reichten.Robert Wilhelm Rosellen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Brühl. S. 356. Im zivilen Bereich blieb jedoch weiterhin ein großer Teil des Gebietes nach Ausweis des Schreinsbuches „Extra muros“ in gerichtlicher und Schreins-Abhängigkeit des Fronhofes St. Severin.S. 45.

Entwicklung miniatur|hochkant|Römisches Grabmal des 2.–3. Jahrhunderts, Fundort: Kreuzgang St. Severin Ein kleines Oratorium des vierten Jahrhunderts, welches schon auf dem Gelände eines ehemaligen römischen Gräberfeldes des 1. Jahrhunderts errichtet worden war, soll der Anfang der heutigen St. Severinskirche gewesen sein. Das Gelände, es diente zunächst heidnischen, später auch christlichen Bestattungen, wurde dann zum Bauplatz der Stiftskirche St. Severin, deren Bauherren zusammen mit den jeweiligen Erzbischöfen die Geschichte der südlichen Vorstadt Kölns maßgeblich prägten.

Die Zunahme der Bevölkerung war allgemein und erfasste nicht nur den innerstädtischen Bereich. Der alten befestigten Kernstadt hatten sich schon in früher Zeit an allen Seiten kleinere Ansiedlungen vorgelagert. Der Grundbesitz dieser vorstädtischen Suburbien sowie weiterer im ferneren Umland gelegener Ansiedlungen im Südwesten der Stadt (im so genannten Schweid) befand sich zu großen Teilen in der Hand der Stifte oder der jeweiligen Kölner Erzbischöfe und Landesherren. Die Ländereien waren zumeist Stiften, Klöstern oder Adelshäusern lehnspflichtig übereignet worden. Das an diesem Ort schon in früher Zeit entstandene und von Pröpsten geführte Chorherrenstift St. Severin gelangte zu erheblichem Grundbesitz. Auch Schenkungen an das Stift sowie die Befreiung von Steuern und sonstigen Abgaben mehrten seinen Wohlstand.

Kirchen und frühe Ansiedlungen Innerhalb der Kirchspielgrenzen lagen außer der schon dichteren Bebauung um St. Severin und der um die dem heiligen Johannes geweihten Kirche Sankt Jan vermutete Ansiedlung „Everich“ (später Overich, Oversburg) sowie die der später nicht wieder erwähnten Ansiedlung „Thiedenhoven“, das Dörfchen „Nothausen“ am Rhein (um St. Maria in Lyskirchen), die weiter südwestlich liegenden Hofstätten „Beina“ (später Beien oder Bayen) und weit außerhalb die Ansiedlung von Immendorf mit seiner ebenfalls dem heiligen Severin geweihten Kirche und der Weiler des heute zu Rondorf gehörenden kleinen Ortes Höningen.

Einflussbereiche durch Stiftsgründungen miniatur|hochkant|Anno II. mit Modellen von ihm gestifteter Klöster und Stifte Wie auch in den anderen Vorstadtbereichen gab es im Süden der Stadt eine Bebauung im Umfeld kleinerer Gotteshäuser. Mit dem Anwachsen dieser Gemeinden ging auch eine Vergrößerung der Kirchenbauwerke einher. So entwickelten sich zwei dieser Gotteshäuser in späterer Zeit unter der Einflussnahme der Kölner Erzbischöfe zu prachtvollen Stiftskirchen, St. Severin und St. Georg. St. Severin entstand bereits im 8. Jahrhundert durch eine Gemeinschaft von Kanonikern, während das Chorherrenstift St. Georg um 1056 unter Erzbischof Anno entstand.

Zuständigkeits- und Gebietsaufteilung Das ehemals ausgedehnte Gebiet St. Severins musste im Lauf der Zeit einige Gebietseinbußen hinnehmen. Mit dem 1056 durch Erzbischof Anno gegründeten Stift St. Georg, dem als Pfarrkirche die ebenfalls unter Anno entstandene Kirche St. Jakob unterstellt wurde, verlor St. Severin seinen nördlichen Pfarrbezirk. Die so veränderten kirchlichen Zuständigkeiten führten auch zu der Einrichtung eines neuen Verwaltungsbezirkes mit dem Namen Oversburg, in der die anderen Ortsbezeichnungen nur noch als „Viertel“ genannt wurden.

Organisation der frühen Sondergemeinden Die speziellen „Gebilde“ der frühen Kölner „Sondergemeinden“ kategorisierte der Historiker Keussen in drei Gruppen:

Es waren die Pfarrgemeinden der Kernstadt mit der Rheinvorstadt, die öffentlichen Gerichtsbezirke Niederich und Oversburg sowie die Gruppe der Vorstadtbezirke Severin, Mauritius und Christoph, die sich an ihre dortigen Hofgerichte Severin, Pantaleon und Gereon anlehnten. Lediglich der erst spät entstandene Bezirk Aposteln unterschied sich von den anderen, da er sowohl Teile der Altstadt als auch Gebiete der beiden Stadterweiterungen umfasste. Obwohl diese Gruppen zu verschiedenen Zeiten und auf unterschiedlichen Grundlagen entstanden waren, besaßen sie gleichartige Organisationsformen.S. 48. Die Führung der Schreinskarten gehörte zu den wichtigsten Tätigkeiten der Sondergemeinden des 12. Jahrhunderts. So die der Bezirke mit den „Schreinen“ Martin, Brigiden, Alban, Laurenz, Peter, Columba, Aposteln, Niederich, und Airsbach.

Zentrale Straßen und Bebauung Neben den Wegen und Sträßchen zwischen den Häusern in Kirchennähe konzentrierte sich die Bebauung der vorstädtischen Gebiete zuerst an den Torstraßen der Stadt. Im Fall Oversburg waren dies die Hochpforte (das römische Südtor), die Weißbuttenpforte am Blaubach, die Korn- oder Marktpforte zum Heumarkt und die Johannispforte auf der Severinstraße (die alte Severinspforte am Katharinen- und Perlengraben). Insbesondere entlang der Severinstraße (platea severini) als Nord-Süd-Achse, in Verlängerung des alten Cardo des römischen Kölns, verdichtete sich die Bebauung. Diese „Hauptstraße“ war im Laufe der Jahrhunderte zu einem Verkehrs- und Handelsweg geworden, der in seinem nördlichen Abschnitt die höchste Baudichte der südlichen Vorstadt aufwies. Aber auch entlang des aus Hürth die Vorstadt durchfließenden Baches und in den Vierteln um Witschgasse, Weber- und Mathiasstraße wiesen die Straßenzüge eine fast geschlossene Bauweise auf.

Nach Aufgabe der Befestigungsanlagen an Filzen-, Perlen- und Katharinengraben füllten sich die durch weitere Vorverlegung der Umwallung überflüssig gewordenen Wallgräben mit Regen und Abwasser, so dass dort teilweise große, stehende Pfuhle (in lateinischen Quellen so genannte Paludes) entstanden. Mit Ausnahme des Filzengrabens entstanden auf diesen dann trockengelegten Flächen in späterer Zeit breitere Gassen.

Die nördlichen Bachstraßen miniatur|hochkant|Büste einer unbekannten römischen Bürgerin Kölns des 2.–3. Jahrhunderts. Fundort Blaubach. Römisch-Germanisches Museum Köln Auf etwa zwei Drittel durchfloss der wohl schon zur Römerzeit genutzte Bach das Gebiet der Vorstadt Oversburg. Der Bach, später mit zwei Abzweigungen versehen, versorgte die Anwohner, Felder und Weingärten, das Vieh, aber auch viele gewerbliche Einrichtungen mit frischem Wasser.

Nach Mercators Kölner Stadtansicht von 1570 hatte der überwiegend offen fließende Bach im Bereich Oversburg insgesamt sieben Übergänge, von denen vier als hölzerne Stege bezeichnet wurden. Drei weitere Übergänge waren massiverer Bauart, auf der Karte breiter dargestellt, darunter die vom Bach durchflossene Bach- oder Weissfrauenpforte. Die beiden anderen, steinernen Bogenbrücken standen zwischen Waidmarkt und Hochpforte sowie an der Einmündung der Mathiasstraße. Sie waren, soweit in der Mercatorkarte erkennbar, von ähnlicher Bauart. Im Endbereich der Straße Filzengraben, ab der Straße „vor Lyskirchen“, wurde der Bach offensichtlich unterirdisch in den Rhein geleitet.

Blaubach und Umfeld Der zum Unterbezirk St. Jakob gehörende Blaubach, dessen westlicher oberer Teilbereich an den Bezirk des Kirchspiels St. Mauritius reichte, zog sich von dem mit einem lang gestreckten Pfuhl bestandenen Perlengraben bis zur Hochpforte und dem Waidmarkt. Auch diese Straßenbezeichnung unterlag häufigem Wandel. Adam Wrede führte folgende Varianten an: Der „Blaubach“, wurde älter als „Bloobach“ in schriftlicher Überlieferung „in ripa“, um 1200 „super ripam“ und im 16. Jahrhundert „super rivolum“, auch „under blaferber“ meist aber „uff der bach“ genannt.

miniatur|hochkant|Kloster zu den weißen Frauen Zwischen Perlengraben, Severinstraße, Weissbüttengasse und der Weissgerbereckstraße lagen die Häuser des Marienberg- und Tafelerkonventes. An seinem südwestlichen Bereich befand sich seit dem Jahr 1212 das Kloster St. Maria Magdalena mit seiner Kapelle, beide wurden auch Zu den weißen Frauen genannt. Das 1802 aufgehobene Kloster soll über kostbare Reliquien verfügt haben, die dazu führten, dass es sich zu einem Wallfahrtsort entwickelte. Etwa dem Kloster gegenüber, auf der nördlichen Seite des Blaubachs, befand sich die Weißfrauenpforte der alten Römermauer. Durch diese noch heute in Teilen erhaltene Befestigungsmauer führten Durchbrüche in das Treppengässchen, die Färbergasse und die Bachemstraße. Übergang des Blaubaches zu seiner Verlängerung, dem Mühlenbach, war an seinem östlichen Ende der Waidmarkt.

Mühlenbach und Umfeld