mini|Xatar (2018) Xatar [] (* 24. Dezember 1981 in Sanandadsch, Iran; † 7. Mai 2025 in Köln; bürgerlich Giwar Hajabi) war ein deutscher Rapper, Produzent und Unternehmer kurdischer Abstammung aus Bonn.
Neben seiner eigenen Rap-Karriere war er Gründer und Inhaber der Labels Alles oder Nix Records, Kopfticker Records, Groove Attack TraX und Goldmann Entertainment. Über seine Labels förderte er Hip-Hop-Musiker wie SSIO, Schwesta Ewa, Eno, Mero und Sero el Mero. Parallel zu seiner musikalischen Tätigkeit erweiterte er mit der Shisha-Bar Bar Noon, dem Köfte-Imbiss Haval Grill, der Tabak-Marke Orijinal und dem Schmuck- und Kleidungsdesign für Massari seine unternehmerische Arbeit. Mit seiner Autobiografie Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir trat er 2015 als Autor in Erscheinung. Zudem erlangte er 2009 durch einen Überfall auf einen Goldtransporter nationale Bekanntheit.
Leben und Karriere Kindheit und Ausbildung mini|Xatar erlernte ab dem neunten Lebensjahr das Klavierspielen (2018)
Xatar wurde 1981 unter dem Namen Giwar Hajabi () in Sanandadsch in der iranischen Provinz Kurdistan geboren. Sein Vater ist der Musikprofessor und Komponist Eghbal Hajabi. Anfang der 1980er Jahre flüchteten seine Eltern mit ihm in den nahegelegenen Irak. Zu dieser Zeit brach der Erste Golfkrieg zwischen den beiden vorderasiatischen Staaten aus. Nach den Übergriffen des Regimes Saddam Husseins auf die kurdische Minderheit im Irak kamen seine Eltern in Haft, als Xatar drei Jahre alt war.„Ich komme aus der Gewalt, aber habe sie nie geliebt“. Interview mit Hannes Roß und Nora Gantenbrink, in: Stern Nr. 10, 2. März 2017, S. 84–89, hier 88. Im Interview berichtete er, dass seine Mutter in der Haft gefoltert wurde, weil sie „die Positionen der kurdischen Rebellen verraten“ sollte.„Ich komme aus der Gewalt, aber habe sie nie geliebt“. Interview mit Hannes Roß und Nora Gantenbrink, in: Stern Nr. 10, 2. März 2017, S. 84–89, hier 88. Zusammen mit seinen Eltern war er einige Monate im Gefängnis in Samawa eingesperrt.„Ich komme aus der Gewalt, aber habe sie nie geliebt“. Interview mit Hannes Roß und Nora Gantenbrink in: Stern, Nr. 10, 2. März 2017, S. 84–89, hier S. 88. Mit Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes gelangte seine Familie nach einem einjährigen Zwischenstopp in Paris 1985 als Asylbewerber nach Bonn.Brand eins, 09/2017, Seiten 154 ff. Dort lebte sie in einem Hochhaus im Ortsteil Brüser Berg. Ab dem neunten Lebensjahr erhielt Hajabi Klavierunterricht. Durch Dr. Dres Debütalbum The Chronic wurde 1993 sein Interesse an Hip-Hop geweckt. Nach eigener Aussage litt er als Jugendlicher unter Armut und Ausgrenzung: „Meine Mutter ging putzen, mein Vater ist abgehauen. Es war nicht schön mit anzusehen, wie sich meine Mutter Tag für Tag abmühte. Dazu kam, dass ich auf dem Gymnasium wie ein Außenseiter behandelt wurde. Die Deutschen nannten mich einen Asi. Zu den Geburtstagen wurden alle eingeladen. Außer mir. Ich wurde dann der Asi, den sie wollten.“„Ich komme aus der Gewalt, aber habe sie nie geliebt“. Interview mit Hannes Roß und Nora Gantenbrink, in: Stern Nr. 10, 2. März 2017, S. 84–89, hier 88f. Nach Abschluss seiner Schullaufbahn schloss er eine Ausbildung zum informationstechnischen Assistenten ab. Als er wegen des Verdachts auf Drogenhandel gesucht wurde, zog er nach London, wo er von 2005 bis 2007 an der Metropolitan University International Business und Music Business studierte. Nachdem der Haftbefehl gegen ihn wegen Mangels an Beweisen aufgehoben worden war, kehrte er nach Deutschland zurück.
Überfall auf Goldtransporter Am 15. Dezember 2009 überfiel Hajabi gemeinsam mit drei Komplizen einen Goldtransporter des Nürnberger Schmuckhändlers Rudolf Hanauer. Die als Steuerfahnder und Polizisten verkleidete Gruppe erbeutete dabei Gold im Wert von etwa 1,7 Millionen Euro. Xatar floh daraufhin über Moskau in den Irak, wo er durch den kurdischen Geheimdienst festgenommen wurde und später auch gefoltert worden sein soll. Im Mai 2010 erfolgte die Abschiebung nach Deutschland. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft erhob am 14. Juli 2010 Anklage gegen Hajabi und fünf weitere Tatverdächtige. Am 27. Oktober 2010 begann der Prozess vor dem Landgericht Stuttgart. Nachdem die große Strafkammer des Landgerichts in Aussicht gestellt hatte, im Falle eines Geständnisses die Haftstrafen auf sieben bis acht Jahre zu begrenzen, legte Hajabi im Mai 2011 ein umfassendes Geständnis ab. Das Gericht verurteilte ihn daraufhin am 22. Dezember 2011 wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu acht Jahren Freiheitsstrafe. Mit seinem Urteil folgte es damit in weiten Teilen den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Während seiner Inhaftierung blieb Xatar weiterhin als Manager und Musiker aktiv. Für diese Zwecke ließ er sich ein Mobiltelefon in seine Zelle in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach schmuggeln. Am 5. Dezember 2014 erfolgte die vorzeitige Haftentlassung Xatars aus der Justizvollzugsanstalt Rheinbach.
Musikalische und unternehmerische Karriere Anfänge als Rapper und Gründung von Alles oder nix Records Ende der 1990er Jahre begann Hajabi unter dem Pseudonym Xatar, der kurdischen Bezeichnung für „Gefahr“ (), im Aufnahmeraum eines Jugendzentrums zu rappen und Beats zu produzieren. 2007 gründete er das Label Alles oder Nix Records, das einen Vertriebsvertrag mit Groove Attack einging. Als erste Künstler nahm er Samy und SSIO unter Vertrag. Ende November 2008 erschien unter dem Titel Alles oder nix sein erstes Album. Neben seinen Labelkollegen Samy und SSIO finden sich darauf auch Gastbeiträge von La Honda, Azad, Jetsett Mehmet, Jamila und Jalaal. Knapp ein Jahr nach seiner Veröffentlichung wurde Xatars Debütalbum durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.
2011 nahm Alles oder Nix Records die Rapperin Schwesta Ewa unter Vertrag. Zudem arbeitete er an seinem zweiten Album, indem er sich in Haft nachts über das Mobiltelefon Instrumentals vorspielen ließ und dazu seine Songtexte in ein Diktiergerät einrappte. Die Bänder schickte er anschließend per Post an sein Label. Hajabi wurde nach einigen Monaten erwischt und in Einzelhaft gebracht, doch das Album konnte vervollständigt und ergänzt um Gastbeiträge von Rappern wie Farid Bang, Nate57, Celo & Abdi, Capo und Eko Fresh im April 2012 über sein Label veröffentlicht werden. Die nach seiner Gefangenennummer benannte Veröffentlichung Nr. 415 stieg auf Platz 19 der deutschen Album-Charts ein. In der Schweiz erreichte es Rang 23 und in Österreich Rang 52. Neben Nr. 415 veröffentlichte Alles oder Nix Records im Verlauf von Xatars Haftzeit auch die Alben Spezial Material und BB.U.M.SS.N. von SSIO, Realität von Schwesta Ewa und Sechs Kronen von Kalim.
Kommerzieller Durchbruch mit Baba aller Babas und Zusammenarbeit mit Haftbefehl Einen Monat nach seiner Haftentlassung veröffentlichte er über sein Label Schwesta Ewas Debütalbum Kurwa. Zugleich begann er mit der Produktion seines dritten Albums, für das er mit SSIO, Haftbefehl, Schwesta Ewa, Olexesh, Kalim, Samy und Teesy erneut eine Reihe namhafter Gäste gewinnen konnte. Im Mai 2015 erschien Baba aller Babas und erreichte Platz 1 der deutschen Charts. In Österreich und der Schweiz positionierte es sich jeweils auf Rang 3. Abseits der Musik eröffnete Xatar im selben Jahr gemeinsam mit SSIO und zwei weiteren Freunden die Kölner Shisha-Bar Bar Noon. Am 12. Oktober 2015 veröffentlichte er seine Autobiografie Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir über den Riva Verlag. Xatar stellte das Buch unter anderem im Rahmen der Frankfurter Buchmesse und bei stern TV vor. Des Weiteren gründete er mit Kopfticker Records ein Zweitlabel für Rapper, die stilistisch nicht zu Alles oder Nix Records passen. Als erster Künstler veröffentlichte Plusmacher sein Album Ernte.
Anfang 2016 trat Xatar im Zuge der Benefizaktion The Voice Of The Voiceless in der Berliner Columbiahalle auf. An der von dem gemeinnützigen Verein Our Bridge organisierten Veranstaltung zur Finanzierung eines Waisenhauses im Nord-Irak beteiligten sich auch Azad, SSIO, Schwesta Ewa, Haftbefehl und die 187 Strassenbande. Über Xatars Hauptlabel Alles oder Nix Records erschienen im selben Jahr die Alben 0,9, mit dem SSIO erstmals Platz 1 der Charts erreichen konnte, sowie Odyssee 579 von Kalim. Im Mai 2016 kündigten Xatar und Haftbefehl mit einer Promotion-Aktion im Rahmen der Fernsehsendung Studio Amani und der anschließenden Entfernung ihrer Social-Media-Profile das gemeinsame Album Der Holland Job an. Das Berliner Label Four Music veröffentlichte es am 12. August 2016. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der Schweiz belegte das Kollaboalbum Platz 1 der Charts.
Ausweitung der unternehmerischen Felder und Vertrag mit Universal Music mini|Daniel Zlotin (links) und Xatar beim Videodreh zu Gaddafi 2017 erschienen die Alben Shäms von Samy und Thronfolger von Kalim über Alles oder Nix Records sowie Xalaz von Eno, Entre 2 Mondes von Yonii, Kush Hunter von Plusmacher, Der letzte weisse König von Sylabil Spill und Favela von Levo über Kopfticker Records. Im November löste Xatar sein Zweitlabel auf, womit auch die Rapper Eno, Yonii, Sylabil Spill, Ajé, Joao Michel Diau, Dollar Euro Yen und Levo ihre Verträge verloren. Zeitgleich verkündete er die Gründung der Plattform PUSH, auf der sich Künstler präsentieren können. Ab 100.000 Klicks sollten sie die Möglichkeit erhalten, ein Album zu veröffentlichen.
Im selben Jahr begann Xatar seine Betätigungsfelder abseits der Musikindustrie zu erweitern. In Zusammenarbeit mit Golden Pipe gründete er die Shisha-Tabak-Marke Orijinal. Mit dem Unternehmen Massari begann er sich darüber hinaus als Mode- und Schmuckdesigner zu betätigen. Für die Marke kooperierte er mit DefShop. Für den deutschen Gangsterfilm Nur Gott kann mich richten von Moritz Bleibtreu, unter der Regie von Özgür Yıldırım, erhielt Xatar den Auftrag, einen Sampler zusammenzustellen. Im Januar 2018 erschien die Veröffentlichung über die Warner Music Group. Auf dem Sampler sind unter anderem Soufian, Lary, Disarstar, Luciano und Schwesta Ewa vertreten. Xatar trat zudem in einer kleinen Rolle im dazugehörigen Drama auf. Auch im Film Familiye und der ZDFneo-Sitcom Blockbustaz trat er schauspielerisch in Erscheinung.
Im März 2018 unterschrieb Xatar einen Vertrag bei der Universal Music Group, die seitdem den Vertrieb für die Veröffentlichungen seines Labels übernehmen. Zum zehnjährigen Jubiläum seines Debütalbums erschien im September sein viertes Soloalbum Alles oder Nix II. In der limitierten Box-Edition findet sich zudem das um die indizierten Stücke reduzierte Debütalbum des Rappers. Als Gastrapper sind Capital Bra, Azet, Schwesta Ewa, Samy, Eno und Nu51 vertreten. Alles oder Nix II erreichte als dritte Veröffentlichung des Bonners Platz 1 der Charts. Neben seinem eigenen Album veröffentlichte der von Alles oder Nix Records übernommene Eno das Album Wellritzstrasse. Mit Aywa und Mann im Haus erschienen 2018 zudem Alben von Schwesta Ewa und Samy. Dagegen lief Kalims Vertrag mit dem Label im Sommer aus. Er unterschrieb später einen Künstlervertrag bei Urban. Am 15. Dezember 2022 wechselte Xatar zum Berliner Label Budde Talent Agency.
Gründung von Groove Attack TraX und Insolvenz mini|Xatar (Mitte) mit seinen Künstlern Sero el Mero (links) und Mero (rechts neben ihm) Ende des Jahres 2018 gründete Xatar gemeinsam mit dem Vertrieb Groove Attack das Label Groove Attack TraX. Als erster Künstler erhielt Mero einen Vertrag. Mit seinen ersten drei Singles Baller los, Hobby Hobby und Wolke 10 sowie seinem im März 2019 folgenden Album Ya Hero Ya Mero erreichte er jeweils Platz 1 der deutschen Charts. Zudem erhielt Baller los Goldene Schallplatten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Im Mai 2019 folgte Enos Album Fuchs als Veröffentlichung über Alles oder Nix Records. Die Singleauskopplung Ferrari mit Mero belegte in Deutschland, Österreich und der Schweiz Rang 1.