Der Große Preis von Deutschland 1982 (offiziell XLIV Großer Preis von Deutschland) fand am 8. August auf dem Hockenheimring in Hockenheim statt und war das zwölfte Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft 1982.
Berichte Hintergrund Zur Herabsetzung der zuvor sehr hohen Kurvengeschwindigkeiten in der Ostkurve, wo Patrick Depailler bei Testfahrten während der Saison 1980 tödlich verunglückt war, wurde am Beginn dieser langgezogenen Kurve eine Bremsschikane installiert. Eine weitere Schikane, die im Bereich der ersten Waldgeraden bereits bestanden hatte, wurde zudem umgestaltet, sodass die offizielle Streckenlänge fortan mit 6,797 Kilometern angegeben wurde.
Während Nigel Mansell nach endgültig auskurierter Verletzung wieder seinen Platz bei Lotus einnahm, musste Jochen Mass nach dem ersten freien Training sein Cockpit an Rupert Keegan übergeben, da ihn seine Verletzungen, die er zwei Wochen zuvor im Zuge eines Unfalls während des Großen Preises von Frankreich erlitten hatte, zu sehr am Fahren hinderten. Er trat nie wieder zu einem Formel-1-Rennen an.
Bei Theodore Racing wurde entschieden, Jan Lammers durch den aufstrebenden Formel-3-Piloten Tommy Byrne zu ersetzen. Lammers verließ daraufhin die Formel 1 und kehrte erst rund 10 Jahre später zum Großen Preis von Japan 1992 zurück. Er hält somit den Rekord für die längste Zeitspanne zwischen zwei Grand-Prix-Beteiligungen eines Fahrers.
In der Fahrerwertung führte Didier Pironi mit neun Punkten vor John Watson und mit 14 Punkten vor Alain Prost. In der Konstrukteurswertung führte McLaren mit zwei Punkten vor Ferrari und mit 16 Punkten vor Renault.
Mit Jacques Laffite, Niki Lauda und Nelson Piquet (jeweils einmal) traten drei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.
Training Das erste der beiden Qualifikationstrainings fand am Freitag bei trockenen Bedingungen statt. Pironi absolvierte die schnellste Runde.
Während des freien Trainings am Samstagvormittag regnete es bereits. Pironi fuhr auf eine Gischtwolke auf, in der er lediglich den Williams FW08 von Derek Daly vermutete. Hinter diesem folgte jedoch, für Pironi nicht sichtbar, Prost im Renault RE30B. Pironi prallte in dessen Heck. Durch die Berührung der Räder der beiden Fahrzeuge hob der Ferrari 126C2 ab und flog über den Renault hinweg. Nach der Landung überschlug sich der Wagen mehrfach und prallte schließlich in die Streckenbegrenzung. Pironi wurde schwer verletzt. Am Unfallort wurde zunächst durch den Formel-1-Arzt Sid Watkins eine Beinamputation in Betracht gezogen, zu der es jedoch schließlich nicht kam. Der Verletzte wurde mit einem Hubschrauber ins Universitätsklinikum Heidelberg transportiert. Pironi, der zum Zeitpunkt des Unfalls die Weltmeisterschafts-Wertung angeführt hatte, konnte zwar durch mehrere Operationen nahezu vollständig geheilt werden, kehrte jedoch nie wieder in die Formel 1 zurück. Für die Scuderia Ferrari war dies bereits der zweite schwerwiegende Verlust in diesem Jahr nach dem Tod von Gilles Villeneuve im Training zum Großen Preis von Belgien, der ebenfalls durch einen Auffahrunfall zustande gekommen war.
Prost hatte den Unfall zwar unverletzt überstanden, entwickelte jedoch aufgrund der Eindrücke eine Abneigung gegen das Rennfahren bei nassen Streckenbedingungen, die ihn während seiner restlichen Karriere begleitete.
Da es während des zweiten Qualifikationstrainings am Samstagnachmittag weiterhin regnete, konnte keiner der Piloten seine am Freitag erzielte Rundenzeit verbessern. 11 der 29 Piloten verzichteten gänzlich auf einen weiteren Versuch. Die übrigen Fahrer erzielten Rundenzeiten jenseits von zwei Minuten mit Durchschnittsgeschwindigkeiten unter 200 km/h. Da das Ferrari-Team seinen im Krankenhaus liegenden Piloten Pironi nicht vom Rennen abgemeldet hatte, war er der offizielle Pole-Setter und der erste Startplatz blieb leer. Prost und René Arnoux hatten sich für die Startplätze zwei und drei qualifiziert, vor dem amtierenden Weltmeister Piquet und dem zweiten Ferrari-Piloten Patrick Tambay. Hinter Riccardo Patrese folgte Michele Alboreto als erster derjenigen Fahrer, die nicht über einen Turbomotor verfügten.
Lauda hatte sich während des Trainings verletzt und verzichtete daraufhin auf die Teilnahme am Rennen. (Motorsportarchiv.de; abgerufen am 15. November 2012)
Rennen Wie von den meisten Beobachtern vermutet, benötigte Piquet lediglich zwei Runden, um an Arnoux und Prost vorbeizuziehen und die Führung zu übernehmen. Der Grund dafür war die seit zwei Rennen vom Team Brabham praktizierte Strategie, die von vornherein einen Boxenstopp zur Hälfte des Rennens vorsah, wodurch die Wagen zu Beginn des Rennens aufgrund des nur zur Hälfte gefüllten Tanks vergleichsweise leicht waren. Zudem konnten weichere Reifen eingesetzt werden, die während des Boxenstopps gewechselt werden sollten.
In der 14. Runde musste Prost aufgrund eines Problems mit der Kraftstoffeinspritzung aufgeben. Eine Runde zuvor war Patrese wegen eines Motorschadens ausgeschieden. Unterdessen war Tambay bis auf den zweiten Rang nach vorn gelangt.
Der mit deutlichem Vorsprung führende Piquet kollidierte in der 19. Runde im Zuge eines Überrundungsmanövers mit Eliseo Salazar. Beide Piloten schieden aus. Vor laufenden Fernsehkameras verlor Piquet die Fassung und prügelte kurz auf Salazar ein, bevor zwei Streckenposten hinzukamen und die Situation entschärften. Tambay gelangte durch Piquets Ausfall in Führung vor Arnoux sowie Watson, Keke Rosberg und Alboreto. Laffite überholte bis zur 27. Runde sowohl Alboreto als auch Rosberg, beschädigte sich jedoch kurz darauf infolge eines Fahrfehlers seinen Wagen, wodurch dessen Handling negativ beeinflusst wurde. Laffite fiel dadurch zunächst zurück und gab schließlich in Runde 36 auf. Eine Runde später musste auch Watson das Rennen aufgrund eines Aufhängungsschadens vorzeitig beenden.
Tambay gewann erstmals einen Grand Prix. Zweiter wurde Arnoux vor Rosberg, Alboreto, Bruno Giacomelli und Marc Surer.„Bericht“ (abgerufen am 15. November 2012)
Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Brabham BT50 BMW M12/13 1,5 L4t 2 3 Tyrrell 011 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 4 5 Williams FW08 6 7 McLaren MP4/1B 8 9 ATS D5 10 11 Lotus 91 12 14 Ensign N181 15 Renault RE30B Renault EF1 1.5 V6t 16 17 Keegan löste Mass nach dem ersten freien Training am Steuer des March 821 mit der Startnummer 17 ab. March 821 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 18 20 Fittipaldi F9 22 Alfa Romeo 182 Alfa Romeo 1260 3.0 V12 23 25 Ligier JS19 Matra MS81 3.0 V12 26 27 Ferrari 126C2 Ferrari 021 1.5 V6t 28 29 Arrows A4 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 30 31 Osella FA1C 32 Theodore TY02 33 Toleman TG181C Hart 415T 1.5 L4t 36 Anmerkungen
Klassifikationen Qualifying Pos. Fahrer Konstrukteur Qualifikationstraining 1 Qualifikationstraining 2 Start Zeit Ø-Geschwindigkeit Zeit Ø-Geschwindigkeit 1 1:47,947 226,678 km/h keine Zeit — DNS 2 1:48,890 224,715 km/h 2:07,540 191,855 km/h 2 3 1:49,256 223,962 km/h 2:11,164 186,554 km/h 3 4 1:49,415 223,637 km/h 2:03,434 198,237 km/h 4 5 1:49,570 223,320 km/h 2:04,090 197,189 km/h 5 6 1:49,760 222,934 km/h keine Zeit – 6 7 1:52,625 217,263 km/h keine Zeit – 7 8 1:52,683 217,151 km/h keine Zeit – DNS 9 1:52,786 216,952 km/h 2:08,873 189,871 km/h 8 10 1:52,892 216,749 km/h 2:05,368 195,179 km/h 9 11 1:53,073 216,402 km/h 2:07,821 191,433 km/h 10 12 1:53,887 214,855 km/h 2:12,880 184,145 km/h 11 13 1:54,211 214,246 km/h keine Zeit – 12 14 1:54,476 213,750 km/h keine Zeit – 13 15 1:54,594 213,530 km/h keine Zeit – 14 16 1:54,982 212,809 km/h keine Zeit – 15 17 1:55,223 212,364 km/h 2:11,564 185,987 km/h 16 18 1:55,474 211,902 km/h 2:11,280 186,389 km/h 17 19 1:55,866 211,185 km/h keine Zeit – 18 20 1:55,876 211,167 km/h 2:07,514 191,894 km/h 19 21 1:56,250 210,488 km/h 2:11,607 185,926 km/h 20 22 1:56,489 210,056 km/h 2:14,398 182,065 km/h 21 23 1:56,537 209,969 km/h 2:11,823 185,622 km/h 22 24 1:56,680 209,712 km/h 2:12,107 185,223 km/h 23 25 1:57,245 208,701 km/h 2:13,758 182,936 km/h 24 26 1:57,337 208,538 km/h keine Zeit – 25 27 Surer scheiterte ursprünglich an der Qualifikation, wurde allerdings aufgrund des Unfalls von Lauda zum Rennen zugelassen. 1:57,402 208,422 km/h 2:10,226 187,898 km/h 26 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 26 Wagen begrenzt war, scheiterten Surer, Byrne, Keegan und Fabi an der Qualifikation. 1:59,007 205,611 km/h 2:13,032 183,935 km/h – DNQ 1:59,951 203,993 km/h keine Zeit – – DNQ keine Zeit – keine Zeit – – Anmerkungen
Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 45 0 1:27:25,178 5 1:54,805 (29.) 2 45 0 + 16,379 3 1:55,825 (3.) 3 44 0 + 1 Runde 9 1:57,882 (6.) 4 44 0 + 1 Runde 7 1:58,190 (5.) 5 44 0 + 1 Runde 11 1:58,193 (40.) 6 44 0 + 1 Runde 26 1:59,025 (34.) 7 44 0 + 1 Runde 17 1:58,848 (13.) 8 44 0 + 1 Runde 21 2:00,167 (35.) 9 43 1 + 2 Runden 18 1:58,447 (39.) 10 43 1 + 2 Runden 14 1:57,794 (38.) 11 43 0 + 2 Runden 25 2:01,238 (3.) – 36 0 DNF 10 1:57,000 (14.) – 36 0 DNF 15 1:57,454 (18.) – 25 0 DNF 19 1:57,927 (18.) – 22 0 DNF 24 2:01,692 (12.) – 21 1 DNF 13 1:58,246 (20.) – 18 0 DNF 4 1:54,035 (7.) – 17 0 DNF 22 2:00,040 (17.) – 14 1 DNF 2 1:56,312 (3.) – 13 0 DNF 6 1:56,460 (3.) – 9 0 DNF 8 1:57,383 (6.) – 8 3 DNF 12 2:00,033 (5.) – 6 3 DNF 23 2:15,546 (2.) – 3 0 DNF 20 2:01,238 (3.) – 3 0 DNF 16 2:03,646 (2.)
WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2 bzw. 1 Punkt(e). In der Fahrerwertung wurden die besten elf Resultate, in der Konstrukteurswertung alle Resultate gewertet.
Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Ferrari 392McLaren-Ford 303Williams-Ford 274Renault 255McLaren-Ford 246Brabham-Ford / Brabham-BMW 197Renault 198Brabham-Ford / Brabham-BMW 17 9Ferrari 1610Tyrrell-Ford 1411Lotus-Ford 1312Ligier-Matra 1013Theodore-Ford / Williams-Ford 7 14 Lotus-Ford 715 Williams-Ford 6 16 † Ferrari 6 17Alfa Romeo 518Osella-Ford 3 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte19Arrows-Ford 320Alfa Romeo 221ATS-Ford 222ATS-Ford 223Ligier-Matra 124Fittipaldi-Ford 125Arrows-Ford 126Arrows-Ford / Tyrrell-Ford 027March-Ford 028Tyrrell-Ford 029March-Ford 030Ensign-Ford 031Toleman-Hart 032Theodore-Ford / Lotus-Ford 0–Williams-Ford 0–Toleman-Hart 0– †Osella-Ford 0–Theodore-Ford 0
Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 612 54 3 444 405 206 197 178 149 11 Pos. Konstrukteur Punkte10 711 412 413 314 115 016 0– 0– 0 Einzelnachweise
Weblinks Rennergebnis auf der offiziellen Website der Formel 1
#1982 Deutschland Kategorie:Sportveranstaltung in Hockenheim Kategorie:Hockenheimring Baden-Württemberg