Berneck ist eine politische Gemeinde und eine Ortschaft in der Region und im Wahlkreis Rheintal im Kanton St. Gallen in der Ostschweiz.
Geographie mini|300px|Historisches Luftbild aus 600 m von Walter Mittelholzer von 1923 Geografische Lage Berneck liegt im Kanton St. Gallen, einem Kanton der Ostschweiz, an der Grenze zu Österreich auf 405 Metern Höhe und erstreckt sich über eine Fläche von 5,629 km². Als Teil des Alpenrheintals ist Berneck eingebettet in mehrere Seitenmulden des St. Galler Rheintals, am Fuss der nordöstlichen Ausläufer der Appenzeller Voralpen, welche je nach Einteilung zu den Zentral- oder Westalpen gerechnet werden.
Ortsgliederung Die Gemeinde Berneck umfasst neben dem Dorfkern die Weiler Kobel, Rüden, Taa, Husen, Hinterburg, Buechholz und Teile der Ortschaft Heerbrugg.
Zwischen den nördlichsten Ausläufern der Appenzeller Voralpen im Westen und dem Rosenberg, einem Bergsporn im Süden, liegt der historische Dorfkern, welcher auf dem Bundesinventar der Schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung der Schweiz (ISOS) aufgeführt ist. Am südlichen Dorfrand entlang fliesst der Littenbach in östlicher Richtung, zum Rheintaler Binnenkanal. Am nördlichen Dorfrand, bei der Schlifi fliesst der Kübach durch Berneck in Richtung Au. Im Norden, bei der Gemeinde Au auf einem etwas höher gelegenen Plateau, liegt der Weiler Kobel, nordwestlich ebenfalls auf einem Plateau der Weiler Rüden, der in Ober- und Unterrüden geteilt ist. Im Westen an den Hängen des Appenzeller Vorderlandes liegt der Weiler Taa, südlich der Weiler Husen und südöstlich, zwischen den Ausläufern der Appenzeller Voralpen, der Weiler Hinterburg.
Nachbargemeinden Die Gemeinde Berneck teilt sich ihre Gemeindegrenzen mit vier anderen politischen Gemeinden bzw. Bezirken. Von diesen liegen zwei, nämlich Au SG und Balgach, im selben Wahlkreis und der Bezirk Oberegg im Kanton Appenzell Innerrhoden sowie die Gemeinde Walzenhausen im Kanton Appenzell Ausserrhoden und bilden ein Dreikantoneeck.
Flächenbilanz Im Jahr 2009 weist Berneck 562,9 ha Gemeindefläche auf, welche sich auf 2233 Liegenschaften verteilen. 121 ha sind künstlich angelegte Flächen (Kulturland). Davon sind 51 ha befestigte Flächen, 27 ha Gebäude und 2 ha Beetstrukturen. Die Gras- und Krautvegetation nimmt 200 ha Fläche ein. Die Fläche der Gebüschvegetation ist 54 ha gross, darauf wachsen 42 ha Reben. Die Baumvegetation erstreckt sich über 172 ha, wovon 130 ha geschlossene Baumbestände, 10 ha Waldstreifen und 3 ha Waldecken sind. Wasser- und Feuchtflächen erstrecken sich über 2 ha, die vegetationslose Fläche beträgt 9 ha.
Klima Berneck unterliegt primär dem allgemeinen Klima im Alpenrheintal. Durch die Berge beidseits liegt der Dorfkern von Berneck jedoch geschützt im Talwinkel des Rosenbergs, und dadurch herrscht ein mildes Mikroklima. Dieses und die Einflüsse des Alpenföhns, der ungefähr 38 Tage im Jahr das Wetter beeinflusst, lassen an den zahlreichen Südosthängen des Dorfes sowie am Rosenberg, dem am meisten nach Süden zugewandten Rebberg, Weintrauben reifen. Ausserdem gedeihen auch Palmen und Süsskartoffeln. Auch für Obstbäume ist das Klima ausgezeichnet. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt rund 10,7 °C.
Geschichte Namensfindung mini|Inschrift im Marktgewölbe des Rathauses Berneck. Der Ort fand 892 erstmals (als Farniwang) in einer Urkunde Erwähnung. Diese Urkunde, ein Pergament von 37 cm × 15,5 cm mit Nummer IV 445 (UBGS Nr. 738), wird im Stiftsarchiv St. Gallen aufbewahrt. Bezeugt, am Mittwoch dem 20 September des 5. Regierungsjahrs von König Wulfrich, von Solomo. III (Abt von St. Gallen und Bischof von Konstanz) und seinem Vogt Vito, Dekan Folchward, Otwin dem Sakristan, Bero dem Probst, Windharius dem Pförtner sowie zahlreichen anwesenden Freien Alamannen. Beglaubigt wurde das Dokument von Notker I. von St. Gallen. Es bezeugt die Lehenschaft des Gutes Farniwang an den wohlhabenden Alemannischen Kaufmann Wolfhere, welcher selbiges zuvor dem Kloster St. Gallen übertragen hatte.StiASG, Urk. IV 445. Online auf e-chartae, abgerufen am 12. Juni 2020.
Diese Ortsbezeichnung erscheint wegen der Lücken von 318 Jahren in den Urkunden nach 895 nicht mehr.
Ab 1210 wird daraus Bernanc, was sich vom älteren Berinwanc (Flur des Bero) ableitet. Später wurde daraus das wohlklingendere Bernang (auch Bernag), und als Produkt der Endsilbenabschwächung setzte sich im 19. Jahrhundert der Name Bernegg und schliesslich Berneck durch.
Mittelalter und Neuzeit mini|Die auf dem Rosenberg thronende, gleichnamige Burg war einst Wahrzeichen von Berneck (Wandgemälde an der Kirchgass 8) Inhaber des Niedergerichts und des Patronatsrechts der vermutlich aus dem 9. Jahrhundert stammenden, 1225 erwähnten Kirche Berneck und wichtigster Grundherr war die Abtei St. Gallen. Die 1210 erwähnte Rosenburg war im 14. und 15. Jahrhundert als klösterliches Lehen im Besitz der St. Galler Ministerialen von Rosenberg, gelangte von den Muntprat von Spiegelberg von Konstanz 1505 wieder an die Abtei und war von 1518 bis 1798 Sitz der äbtischen Obervögte. Sie geriet danach in Abgang. Die Mauerreste sind heute noch sichtbar. Bis zur Helvetik gehörte Berneck zur Vogtei Rheintal und teilte deren Herrschaftsgeschichte. Von der 1803 geschaffenen politischen Gemeinde Berneck löste sich 1805 Au mit Monstein ab.
Nachdem revolutionäre Bestrebungen zur Reformationszeit im Jahr 1528 ohne bleibenden Erfolg waren, wurde die Kirche bis zum Bau der evangelischen Kirche (1937) paritätisch genutzt. Nach Berneck kirchgenössig waren bis 1504 Widnau, Diepoldsau und Lustenau (A), bis 1687 Reute (AR) sowie bis 1804 die Katholiken von Au. Noch heute umfasst die evangelische Kirchgemeinde Berneck Au.
mini|Strassenbahn in Berneck Das 1459 erneuerte Hofrecht, das spätmittelalterliche Rathaus und der 1543 erwähnte Wochenmarkt dokumentieren die kommunale Entwicklung. Spätestens ab dem 15. Jahrhundert dominierte in der Landwirtschaft der Weinbau, der seit 1903 genossenschaftlich organisiert ist. Ergänzend dazu wurden Milch- und Viehwirtschaft sowie Ackerbau nebst dörflichen Gewerbe betrieben. 1771 wurde die Allmend Isenriet aufgeteilt. 1848 zerstörte ein Grossbrand Berneck weitgehend. 1874 nahm die Postkutsche nach Heiden, 1897 die elektrische Strassenbahn Altstätten–Berneck den Betrieb auf. Im Anschluss an die Verkehrserschliessung setzte sich nach 1900 die Stickereiindustrie durch, das traditionelle Kleingewerbe wurde verdrängt. Seit 1970 haben Industrie mit Metall-/Holzverarbeitung und Textilien sowie das Gewerbe einen Aufschwung genommen. Sie boten 1990 fast 1300 Arbeitsplätze. Die grosse Mehrheit der in Berneck Erwerbstätigen ist im zweiten (64 %) und dritten Wirtschaftssektor (27 %) beschäftigt.
Bevölkerung
Einwohnerstatistik
Berneck zählt am 31. Dezember 2025 eine ständige Wohnbevölkerung von 4027 Einwohnern. Die Geschlechterverteilung ist mit 2019 Männern sowie 2008 Frauen ausgeglichen. 3211 sind Schweizer Bürger, 816 sind Staatsangehörige anderer Länder.
Die wichtigsten Herkunftsländer waren 2018 die direkten Nachbarn Deutschland (209) und Österreich (183) sowie Italien (73).
Aus weiteren Ländern stammten: Mazedonien 31 Serbien 30 Portugal 27 Kosovo 27 Kroatien 26 Ungarn 19 Spanien 15 Syrien 11 Afghanistan 11 Türkei 10 Aus anderen Staaten stammten 116 Einwohner
Konfessionsstatistik Aufgeteilt nach Konfessionen sind (Stand 2025) 35 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch, 22 Prozent evangelisch-reformiert und 43 Prozent sind konfessionslos oder gehören anderen Glaubensrichtungen an.
Politik Gemeinderat (Stand November 2025):
Gemeindepräsidentin ist Shaleen Mastroberardino, weitere Mitglieder des Gemeinderats sind Emanuel Bürki, Urs Castellazzi (1. Vizepräsident), Patrizia Fiechter (Schulratspräsidentin), Jules Gächter, Fabian Meier und Pascal Zeller (2. Vizepräsident).
Wirtschaft mini|Weinbaugenossenschaft Berneck, Rathausplatz Nr. 7, ehemals Restaurant Hirschen Im Jahre 1500 erhielt der Hof Bernang das gewöhnlich nur städtischen Siedlungen verliehene Marktrecht.
In Berneck dominiert spätestens seit dem 15. Jahrhundert der Weinbau, welcher bereits in der Urkunde (892) zur ersten Erwähnung belegt ist. Darin ist die Rede von Rebbergen in Farniwang. Noch heute ist Berneck, mit 42 ha Anbaufläche, die grösste Weinbaugemeinde im Kanton St. Gallen. 2019 wurden von den Weinbauern in Berneck 217'064 Kilogramm Trauben geerntet. Dies entspricht 21 % der Lese im Kanton St. Gallen.Jahresrechnung 2019 Gemeinde Berneck, S. 29
Wie in vielen anderen Dörfern des St. Galler Rheintals wurde auch in Berneck Bier gebraut. Die zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert gegründete Bierbrauerei Berneck gab das Bierbrauen bereits Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Nur die Schankstube der Brauerei Berneck wurde nach dem Dorfbrand von 1848 renoviert und ist als Restaurant Brauerei (kurz Braui) bis heute erhalten geblieben. 1886 wurde der Bernecker Gewerbeverein durch 73 Gewerbebetriebe ins Leben gerufen. 1903 wurde die Weinbaugenossenschaft Berneck gegründet.
Unternehmen Von den 259 in Berneck aktiven Unternehmen entfielen 71 auf den Sekundären Sektor und 188 auf den Tertiären Sektor.
Die Unternehmensgrössen waren folgendermassen verteilt: 253 Betriebe mit 1 bis 9 Beschäftigten 16 Betriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten 5 Betriebe mit 50 bis 249 Beschäftigten 0 Betriebe mit 250 oder mehr Beschäftigten Eines der traditionsreichsten Unternehmen von Berneck ist, bedingt durch den Weinbau, die Küferei Thurnheer, gegründet 1854. Die 1860 von Samuel Thurnheer gegründete Schmid Wetli AG, seit 2022 als Wetli Weine AG firmierend, schaut auf eine lange Weinbautradition zurück. Die 1868 gegründete Sparkassa Berneck ging im Jahr 2000, zusammen mit der 1869 gegründeten Spar- und Leihkasse Balgach, in der Alpha Rheintal Bank auf. Das Bankgebäude an der Auerstrasse 1 wird noch als Zweigstelle betrieben.
Beschäftigung 2017 waren in Berneck in 319 Betrieben 2071 Personen beschäftigt.
Die Verteilung von Arbeitsstätten und Beschäftigten nach Wirtschaftssektor ergibt sich wie folgt: 27 Arbeitsstätten mit 73 Beschäftigten auf den Primärsektor (25 Frauen/48 Männer) 74 Arbeitsstätten mit 831 Beschäftigten auf den Sekundären Sektor (260 Frauen/571 Männer) 218 Arbeitsstätten mit 1167 Beschäftigten auf den Tertiären Sektor (545 Frauen/622 Männer)
Verkehr
Geschichte Schon zur Zeit der Römer war der Rhein der wichtigste Verkehrsweg. Für die Wirtschaft in der Provinz Raetia war die Verbindung auf dem Wasser vom Bodensee nach Chur von zentraler Bedeutung. Genauso für Berneck und das gesamte Alpenrheintal.
Im Jahr 1700 änderte sich das jedoch durch die Ablagerungen von mitgeführtem Sand und Kies. In der Folge ist der Rhein nur noch bis Monstein (heute bis Rheineck) schiffbar, die Verbindung zum Bodensee wurde unterbrochen. Damit gewann der Landweg von Rheineck (am Fuss der Voralpen entlang) nach Chur an Bedeutung. Die gesamte Vogtei Rheintal konnte in der Folge davon profitieren.
Strassenverbindungen Berneck verfügte mit der Taastrasse schon seit geraumer Zeit über passable Verbindungen ins Appenzellerland. Die wichtigste führt via Oberegg nach Heiden im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Im Jahre 1700 ist ein Fahrweg Monstein bis Berneck Thalwinkel erwähnt. 1788 sind bereits Fähren im Schmitter (Richtung Hohenems) und im Monstein (Richtung Bregenz) erwähnt, später kam eine im Oberen Far (heute Oberfahr) nach Lustenau hinzu. Monstein (Hof Widnau-Haslach) war als Knotenpunkt Bregenz-Rheineck-Altstätten ein wichtiger Rheinübergang und die Strasse durch Berneck ins Appenzellerland ein wichtiger Verkehrsweg. In den Folgejahren gewinnt die Verbindung nach Diepoldsau und damit die Alte Landstrasse nach Heerbrugg am meisten Bedeutung, wegen der direkten Fährverbindung nach Hohenems.