Seddiner See ist eine amtsfreie Gemeinde im Landkreis Potsdam-Mittelmark im Westen des Landes Brandenburg.
Geografie Das Gemeindegebiet umfasst ca. 24 km². Alle Ortsteile grenzen an den Großen Seddiner See, der etwa 218 ha umfasst, südlich der Stadt Potsdam. Außerdem liegen im Gebiet der Gemeinde der Kleine Seddiner See und der Kähnsdorfer See. Die höchste Erhebung der Gemeinde ist der Rauhe Berg mit 78,5 m ü. NHN.
Nachbargemeinden
Die Nachbargemeinden von Seddiner See sind die Stadt Beelitz, die Gemeinde Michendorf und die Gemeinde Schwielowsee.
Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich laut ihrer Hauptsatzung in drei Ortsteile: Kähnsdorf, mit einer Größe von 484 ha und 460 Einwohnern Neuseddin, mit einer Größe von 1409 ha und 3.186 Einwohnern Seddin, mit einer Größe von 528 ha und 1.268 Einwohnern
Auf dem Gemeindegebiet befinden sich die Wohnplätze Kunersdorf Försterei und Schuppesiedlung.
(Einwohnerzahlen 31. Dezember 2023)
Geschichte Kunersdorf war ein mittelalterliches Dorf, das im 15. Jahrhundert wüst gefallen war. Im 16. Jahrhundert war dort zunächst eine Schäferei, später ein Forsthaus errichtet worden. 1817 wurde die Chaussee von Michendorf bis nach Treuenbrietzen (die heutige Bundesstraße 2) ausgebaut. Zum Einziehen des Chausseegeldes (heute würde man Maut sagen) wurde nördlich der Försterei ein Chausseehaus errichtet. Es existiert heute nicht mehr.
In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich im Ortsteil Neuseddin ein Zwangsarbeiterlager der Deutschen Reichsbahn. Auf dem Friedhof an der Friedhofsgasse wurde 1947 an den Gräbern der Opfer ein Gedenkstein für die 45 Opfer errichtet, darunter sowjetische und polnische Zwangsarbeiter, jüdische Frauen und Mädchen, sowie KZ-Häftlinge.
Am 6. Dezember 1993 schlossen sich im Zuge der Kommunalwahlen die vormals selbstständigen Gemeinden Kähnsdorf, Neuseddin und Seddin trotz ihrer unterschiedlichen Geschichte, Entwicklung und Strukturen freiwillig zusammen und bildeten die Gemeinde Seddiner See,Beitrag zur Statistik: Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005 – Landkreis Potsdam-Mittelmark. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Brandenburg wobei der Große Seddiner See als Namensgeber diente. Alle drei Gemeindeterritorien grenzen an dieses größte Gewässer der Umgebung.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Kähnsdorf Neuseddin Seddin 1875 73 81 284 1910 72 91 426 1939 98 1.026 682 1946 195 1.484 1.033 1950 174 1.525 1.012 1971 137 1.763 855 1990 196 3.183 788 1992 230 3.118 817 Jahr Seddiner See 1993 4.189 1995 4.268 2000 4.339 2005 4.279 2010 4.198 2015 4.349 2020 4.511 Jahr Seddiner See 2021 4.510 2022 4.688 2023 4.754 2024 4.794 2025 4.790
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. DezemberLandkreis Potsdam-Mittelmark. (PDF) In: Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005, S. 26–29 (PDF)Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Seddiner See besteht aus 16 Gemeindevertretern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,8 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Wähler Seddiner See 27,1 % 4 30,1 % 5 Unabhängige Wählergruppe pro Gemeinde Seddiner See 21,1 % 3 25,0 % 4 Die Linke 22,2 % 4 15,8 % 3 Listenvereinigung Wählergemeinschaft Vereine 11,4 % 2 15,7 % 2 Wählergruppe Neuseddin-Kähnsdorf-Seddin – – 5,6 % 1 SPD – – 4,9 % 1 Pro DORV 8,4 % 1 2,8 % – Interessengemeinschaft Bürger und Vereine 8,6 % 2 – – Einzelbewerber Thomas Herzbach 1,2 % – – – Insgesamt 100 % 16 100 % 16
Bürgermeister 2002–2021: Axel Zinke (parteilos)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 30 seit 2022: Carina Simmes (BVB/Freie Wähler)
Zinke wurde am 24. September 2017 mit 53,2 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 24. September 2017 Er trat 2021 vorzeitig zurück.
Simmes wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 22. Februar 2022 mit 57,4 % der gültigen Stimmen zu seiner Nachfolgerin gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 22. Februar 2022 Ihre Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74
Verwaltung Die Gemeinde verfügt über kein eigenes Einwohnermeldeamt, sondern lässt dies über die Stadt Beelitz betreiben.Website der Gemeinde Seddiner See
Wappen
Flagge Die Flagge ist Rot – Weiß – Blau (1:4:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.
Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Gemeinde mit der Umschrift: „GEMEINDE SEDDINER SEE • LANDKREIS POTSDAM-MITTELMARK“.
Sehenswürdigkeiten und Kultur Bauten Siehe Liste der Baudenkmale in Seddiner See und in der Liste der Bodendenkmale in Seddiner See mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Baudenkmalen.
Die Dorfkirche Seddin ist eine Saalkirche aus dem Jahr 1735. Im Innern stehen unter anderem ein polygonaler Kanzelaltar sowie eine Hufeisenempore.
Museen Die Kulturscheune und die Heimatstube in Kähnsdorf bieten Informationen zur Geschichte der Gemeinde und Funde aus vergangenen Zeiten sowie Ausstellungen von Werken verschiedener Künstler, Workshops (beispielsweise Wachsmalerei), Bastelnachmittage, Literaturnachmittage und anderes.
Der Findlingsgarten in Kähnsdorf, ein 25.000 m² großes Freilichtmuseum mit Findlingen, eiszeitlichen Geländeformschätzen und nordischen Leitgeschieben, informiert über die Eiszeitalter. Hier werden auch Skulpturen renommierter Künstler ausgestellt.
Regelmäßige Veranstaltungen Regelmäßige Veranstaltungen in der Gemeinde Seddiner See sind unter anderem das alljährliche Osterfeuer, das Maibaumfest, das Fischerfest, der „Seddiner See Pokal“ im Löschangriff Nass, das Oktoberfeuer sowie der Seddiner Super-Cup und der Lauf im Grünen des ESV Lok Seddin.
Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen In der Gemeinde Seddiner See gibt es 336 Unternehmen. Auf die drei Ortsteile verteilen diese sich wie folgt: Kähnsdorf 24, Neuseddin 228, Seddin 84. auf www.seddiner-see.de Im 62 Hektar großen Gewerbegebiet im Ortsteil Neuseddin, unmittelbar vor den Toren Berlins, haben die größten Unternehmen ihren Sitz.
Verkehr Die Gemeinde Seddiner See liegt an der Bundesstraße 2 zwischen Michendorf und Beelitz. Die nächstgelegenen Autobahnanschlussstellen sind Michendorf und Ferch an der A 10 (südlicher Berliner Ring).
Der im Ortsteil Neuseddin an der Bahnstrecke Berlin–Dessau gelegene Bahnhof Seddin ist Halt für die wochentags zweimal und am Wochenende einmal stündlich verkehrenden Regional-Express-Züge der Linie RE 7 Dessau – Bad Belzig – Berlin-Wannsee – Berliner Stadtbahn – Königs Wusterhausen – Senftenberg. Zum Bahnhof gehört einer der wichtigsten Rangierbahnhöfe der DB Netz AG in Ostdeutschland.
Bildung Nach einem Beschluss der Gemeindevertreter 2006 wurde die ehemalige Oberschule „Friedrich List“ infolge der sinkenden Schülerzahlen ausgegliedert. Die heutige Grundschule „Friedrich List“ wartet mit stetig steigenden Schülerzahlen auf und sollte dauerhaft Bestand haben. Zusätzlich gibt es in der Gemeinde eine Heimvolkshochschule direkt am Seddiner See, die vor allem für Seminare verschiedener Firmen und Organisationen benutzt wird. Alle Bildungseinrichtungen gehören zum Ortsteil Neuseddin.
Einrichtungen für Kindertagesbetreuung und Jugendliche Für die Kindertagesbetreuung gibt es die Kindertagesstätte „Waldsternchen“ (Neuseddin) sowie die Kindertagesstätte „Seepferdchen“ in Seddin. Die Grundschüler können nachmittags den Hort direkt in der Grundschule (Neuseddin) besuchen. Jugendliche können sich nachmittags im Jugendklub (Neuseddin) aufhalten.
Medizinische Einrichtungen Neuseddin hat für die ärztliche Versorgung eine Fachärztin für Allgemeinmedizin sowie einen Zahnarzt.
Sport Seddiner See bietet vielerlei Möglichkeiten für Aktivität in den verschiedensten (Gruppen-)Sportarten. So werden im Eisenbahnersportverein Lokomotive Seddin e. V. die Sportarten Badminton, Callanetics, Fußball, Gymnastik, Kegeln, Leichtathletik, Selbstverteidigung, Tischtennis und Wandern angeboten. Regelmäßige Sportveranstaltungen, wie zum Beispiel der Seddiner Super-Cup, ein ganztägiges Jugendfußballturnier für mehrere Altersklassen oder der Lauf im Grünen locken immer wieder eine Vielzahl von aktiven Sportlern und Zuschauern in das Stadion an der Kunersdorfer Straße in Neuseddin. Die erste Männermannschaft spielt in der Saison 2022/23 in der Landesklasse West Brandenburg. Die Kegler der SG Michendorf/Seddin schieben ihre Kugel in der 2. Bundesliga Süd/Ost.
In weiteren Vereinen der Gemeinde werden auch Ringen, Volleyball, Golf und Angeln angeboten. In Kähnsdorf ist jedem die Möglichkeit geboten, sich ein Ruder- oder Segelboot zu mieten.
Vereine In Neuseddin gibt es neben dem ESV Lok Seddin e. V. den „Spielmannszug Neuseddin e. V.“, sowie mehrere Gartenvereine. Die Freiwillige Feuerwehr ist in der Gemeinde mit den Freiwilligen Feuerwehren Neuseddin und Seddin sowie der „Jugend- und Kinderfeuerwehr der Gemeinde Seddiner See“ vertreten.
Persönlichkeiten Ehrenbürger Fritz Klewitz (1921–2009), Bürgermeister der Gemeinde Neuseddin von 1965 bis 1985
Söhne und Töchter der Gemeinde Werner Gocksch (1922–2006), Maler und Illustrator, geboren in Seddin Erik Hahn (* 1970), Ringer, geboren in Neuseddin
Weblinks
Eintrag im Kommunalverzeichnis Brandenburg
Einzelnachweise (PDF; 75 kB) Gemeinde Seddiner See. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil V Zauch-Belzig. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1977, S. 210–212 Amts-Blatt der Königlichen Regierung in Potsdam, Jahrgang 1817, S. 42.
Kategorie:Naturpark Nuthe-Nieplitz Kategorie:Gemeindegründung 1993