Die Schlacht um den Busan-Perimeter wurde während des Koreakriegs vom 4. August bis zum 15. September 1950 zwischen den Streitkräften der USA beziehungsweise des Kommandos der Vereinten Nationen sowie Südkoreas auf der einen Seite und der nordkoreanischen Volksarmee geschlagen. Der Busan-Perimeter war ein Gebiet im äußersten Südosten Koreas, das als einziges nie von den nordkoreanischen Truppen besetzt werden konnte. Die als „Perimeter“ (Umkreis) bezeichnete Verteidigungslinie erstreckte sich über etwa 225 km und wurde nach der Küstenstadt Busan benannt. Bis zur Landung und dem folgenden Gegenangriff der UNO-Truppen bei Incheon diente der Busan-Perimeter als letzte Verteidigungslinie gegen den nordkoreanischen Vormarsch Richtung Süden und wichtiger Brückenkopf für Nachschub und Verstärkung.
Vorgeschichte Nach den anfänglichen Niederlagen der südkoreanischen und der US-amerikanischen Armee bei den Schlachten von Seoul, Osan und Daejeon sammelten und formierten sich die alliierten Truppen mit den verbliebenen Einheiten und Material um die südöstliche Hafenstadt Busan. Eine Verteidigungslinie verlief von Masan im Südwesten entlang des Ufers des Nakdong Flusses bis zum Japanischen Meer nördlich von Yeongdeok.
Truppenaufstellungen Die 24. Infanteriedivision der US-Army teilte sich die Verteidigung Südkoreas mit der neu aufgebauten südkoreanischen Armee und zwei neu eingetroffenen US-Army-Divisionen – der 25. Infanterie- und der 1. Kavalleriedivision. Am 24. Juli restrukturierte sich die südkoreanische Armee in zwei Korps und fünf Divisionen. Das I. Korps umfasste die 8. Infanteriedivision und die Hauptstadtdivision, das II. Korps umfasste die 1. und die 6. Infanteriedivision. Eine wiedergegründete 3. Infanteriedivision unterstand direkt dem Oberkommando der südkoreanischen Streitkräfte. Das Hauptquartier des II. Korps befand sich bei Hamchang, wobei sich die 1. und 6. Infanteriedivision in west-östlicher Linie davor befanden. Das I. Korps hatte sein Hauptquartier bei Sangju mit der 8. Infanteriedivision und der Hauptstadtdivision ebenfalls in west-östlicher Linie davor. Die 3. Infanteriedivision operierte an der Ostküste Südkoreas. Durch die große Zahl an Rekruten und Nachschub konnte die ROK-Armee ihre Vorkriegsstärke von etwa 95.000 Mann wieder erlangen.
Die 25. US-Infanteriedivision, mit ihren drei Regimentern (24., 27. und 35. Infanterieregiment), kommandiert von Major General William B. Kean, traf zwischen dem 10. und 15. Juli bei Busan ein. General Walker befahl der 25. Infanteriedivision, die Verteidigungspositionen der südkoreanischen Armee an den zentralen Gebirgspässen zu verstärken. Die drei Regimenter (5., 7. und 8. Kavallerieregiment) der 1. Kavalleriedivision trafen aus Japan per Schiff zwischen dem 15. und 22. Juli nördlich von Busan bei Pohang ein. Die Kavalleriedivision übernahm die Aufgabe, den Korridor zwischen Daejeon und Daegu für die Nordkoreaner zu sperren.
Gegen Ende Juli widerstanden sowohl die 25. Infanterie- als auch die 1. Kavalleriedivision heftigen nordkoreanischen Angriffen; allerdings unter hohen Verlusten und Demoralisationsanzeichen. Am 29. Juli gab General Walker, der dies für Drückebergerei hielt, mit Rückendeckung von General Douglas MacArthur daher einen – wie die Presse es nannte – „halten oder sterben“-Befehl an die 8. US-Armee aus. Walker betonte, dass es keinen weiteren Rückzug geben dürfe. Die 8. Armee hatte sich zuvor durch Geländepreisgabe Zeit erkauft, wurde aber zusehends Richtung Meer gedrängt.
miniatur|Karte – Busan-Perimeter, August 1950 Eines der größten Probleme beim Rückzug war die Menge der Flüchtlinge, die sich durch die Linien der 8. Armee bewegten. Ihre Anzahl war während des Juli und August 1950 größer als zu jedem anderen Zeitpunkt des Krieges. In der zweiten und dritten Juliwoche bewegten sich etwa 380.000 Flüchtlinge in das verbliebene von der südkoreanischen Armee kontrollierte Territorium um Busan. Die nordkoreanische Armee nutzte die Situation oftmals aus, in dem sie Angriffe durch eine Welle von Flüchtlingen einleitete, die über die alliierten Minenfelder getrieben wurden. Erst danach rückten die Nordkoreaner mit Infanterie und Panzern vor. Die Nordkoreaner konnten zudem mehrfach die US-Linien durchbrechen, indem sie sich in der traditionellen weißen Kleidung unter die Flüchtlinge mischten und Überraschungsangriffe auf die US-Truppen ausführten. Die Kommandeure der 25. Infanterie- und 1. Kavalleriedivision versuchten mehrfach erfolglos, die Flüchtlingsströme durch festgelegte Zeitpunkte und vorgegebene Routen zu kontrollieren. Ende Juli gab General Walker in Zusammenarbeit mit den südkoreanischen Befehlshabern ausdrückliche Regeln zum Umgang mit den Flüchtlingen an die US-Truppen und die südkoreanischen Polizeikräfte aus. Gegen Ende Juli hatte die südkoreanische Regierung 58 Flüchtlingslager errichtet, die meisten im Gebiet zwischen Daegu und Busan. Aber trotz dieser Anstrengungen behinderten die Flüchtlingsströme weiterhin die Bewegungen der US- und ROK-Truppen.
Als sich die 8. Armee der natürlichen Verteidigungsposition am Nakdong-Fluss näherte, intensivierten die Nordkoreaner ihre Versuche, Teile dieser Armee zu isolieren. Nach dem Fall von Seoul Ende Juni hatte die 6. nordkoreanische Division den Han-Fluss überquert und sich entlang des westlichen Netzes von Küstenstraßen schnell nach Süden bewegt. Die Aufklärung der 8. US-Armee hatte die Spur der 6. Division verloren. Die einzigen UN-Truppen, die zu diesem Zeitpunkt südwestlich der Daejeon-Daegu-Busan-Straße positioniert waren, waren einige Hundert Überlebende der 7. südkoreanischen Infanteriedivision sowie verstreute südkoreanische Marinesoldaten und lokale Polizeikräfte. Am 21. Juli erfuhr General Walker, dass eine nordkoreanische Einheit, von der er annahm, es sei die 4. nordkoreanische Division, im Südwesten operierte. Walker befahl der 24. Division, trotz ihrer Verluste an Männern und Material nach der Schlacht um Daejeon, als Blockadestreitkraft in die Region zwischen Jinju im süd-zentralen Korea und Gimcheon zu verlegen. Zwei Bataillone des 29. US-Regiments, bis dahin auf Okinawa stationiert, sowie das 17. südkoreanische Infanterieregiment sollten die 24. Division verstärken.
Am 23. Juli bewegte sich die 4. nordkoreanische Division in südliche Richtung mit dem Ziel, die 6. Division bei der Umfassung der linken Flanke der UN-Truppen zu unterstützen und auf Busan vorzustoßen. Bis Ende Juli war die 4. Division bis in das Gebiet Anui und Geochang, etwa 80 km südwestlich von Daegu, vorgedrungen. Am 25. und 26. Juli wurden die beiden Bataillone des 29. US-Regiments durch die, etwa 40 km westlich von Jinju befindliche, 6. nordkoreanische Division zurückgetrieben. Erst am 31. Juli wurde sich die 8. US-Armee der Präsenz der 6. Division wirklich bewusst, nachdem diese Jinju erobert hatte und ein Bataillon des 29. Regiments sowie das 19. Regiment der 24. Division sich nach Osten zurückziehen mussten. Die 8. US-Armee setzte das 27. Infanterieregiment der 25. Division, das bislang in Reserve gehalten wurde, zur Verstärkung der amerikanischen Einheiten im Jinju-Korridor in Bewegung. Die 24. und 25. Division, unterstützt durch das 17. südkoreanische Regiment, konnten den Vorstoß der nordkoreanischen 4. und 6. Division schließlich an dem Punkt, der später der südlichste Sektor des Busan-Perimeters werden sollte, bremsen. Am 3. August hatten die US- und südkoreanischen Einheiten die Gefahr eines direkten Vorstoßes der Nordkoreaner bis nach Busan schließlich zunächst abgewendet.
Verteidigungspositionen Am 1. August gab die 8. Armee eine Generaldirektive an alle UN-Bodentruppen für den geplanten Rückzug nach Osten über den Nakdong-Fluss aus. Die UN-Einheiten sollten danach eine Hauptverteidigungslinie hinter dem nun so genannten Busan-Perimeter errichten. Das Ziel war, den weiteren Rückzug zu beenden und die nordkoreanische Armee aufzuhalten, während die US-Armee ihre Kräfte für den Start einer Gegenoffensive aufbauen könnte. Der von den US- und südkoreanischen Truppen am 4. August aufgebaute Busan-Perimeter schloss ein rechteckiges Gebiet von etwa 160 km von Nord nach Süd und etwa 80 km von Ost nach West ein. Der Nakdong-Fluss formte die westliche Begrenzung, ausgenommen bei den südlichsten 24 km, wo der Nakdong nach seinem Zusammenfluss mit dem Nam-Fluss nach Osten abbog. Das Meer formte die östliche und südliche Begrenzung, während im Norden eine unregelmäßige Frontlinie sich durch die Berge von Waegwan bis Yeongdeok zog. Vom Südwesten bis Nordosten wurde die Linie von der 25. und 24. US-Infanteriedivision, der 1. US-Kavalleriedivision, der 1. südkoreanischen Infanteriedivision, der 6. und 8. südkoreanischen Infanteriedivision, der Hauptstadtdivision und der 3. südkoreanischen Infanteriedivision gehalten. Von Süd nach Nordost waren die den UN-Truppen gegenüberstehenden nordkoreanischen Truppen: das 83. motorisierte Regiment der 105. gepanzerten Division, die 6. Division, die 8. Division, die 12. Division, die 5. Division und das 766. unabhängige Infanterieregiment.
Die UN-Truppen waren den Nordkoreanern zahlenmäßig anfangs unterlegen, sie verfügten allerdings über eine deutlich überlegene Artillerie und ausreichend Munition. Dies sollte sich in den entscheidenden Stunden zu Beginn der Schlacht als ausschlaggebend erweisen. Das 5. US-Infanterieregiment aus Hawaii und die nach und nach eintreffende 2. US-Infanteriedivision verstärkten danach schrittweise die US-Truppen. Eine dritte größere Verstärkung traf am 2. August in Form der 1. Provisional Marine Brigade mit etwa 4700 Mann auf der Koreanischen Halbinsel ein. Die UN-Kampftruppen waren ab diesem Punkt den nordkoreanischen Truppen zahlenmäßig mit 92.000 gegenüber 70.000 Mann überlegen.
Schlachtverlauf Nordkoreanischer Angriff Die Nordkoreaner hatten vier verschiedene Vorstoßwege Richtung Busan, die zu einer Niederlage der US- und südkoreanischen Truppen führen konnten. Im August wurden diese allesamt gleichzeitig beschritten. Die Ansatzpunkte waren der Zusammenfluss von Nam und Nakdong-Fluss, die Ausbuchtung des Nakdong-Flusses an den Eisenbahn- und Straßenlinien nach Mityang, durch Gyeongju und den Korridor im äußersten Osten sowie durch Daegu. In der ersten Augustwoche entschied General Walker, den ersten amerikanischen Gegenangriff des Krieges im Jinju-Masan-Korridor zu starten. Eines seiner Ziele war, eine vermutete Massierung von feindlichen Einheiten in der Nähe von Daegu zu brechen, in dem er die Umleitung von nordkoreanischen Einheiten nach Süden erzwang. Am 6. August gab die 8. US-Armee die Operationsbefehle für den Angriff der Einsatzgruppe Kean aus, benannt nach dem Kommandeur der 25. Division. Diese bestand aus der 25. Division, Teilen des 27. Infanterieregiments und einem Feldartilleriebataillon, verstärkt durch das 5. Infanterieregiment und die 1. Provisional Marine Brigade. Der Plan sah vor, dass sich die Truppen von ihren Positionen bei Masan nach Westen bewegten, den Jinju-Pass zu nehmen und die Frontlinie bis zum Nam-Fluss zu sichern. Die Einsatzgruppe Kean startete ihren Angriff am 7. August, geriet aber in einen gleichzeitig vorgetragenen Vorstoß der 6. nordkoreanischen Division. Nach einer Woche heftiger Kämpfe hatte keine der beiden Seiten nennenswerte Fortschritte gemacht. Trotzdem hatte die 8. US-Armee ihre erste Offensive in Korea begonnen und den Vorstoß einer feindlichen Division erfolgreich aufgehalten.
Nakdong-Ausbuchtung