Reinshagen ist ein Stadtteil (Nr. 404) der Stadt Remscheid in Bergischen Land. Er liegt im südwestlichen Teil der Stadt. Der ursprüngliche Ortskern liegt auf dem Gebiet der heutigen Straßen Oberreinshagen und Unterreinshagen.

Reinshagen gehört als Stadtteil verwaltungstechnisch zum Stadtbezirk Alt-Remscheid. Zum Stadtteil Reinshagen gehören die Wohnplätze Oberreinshagen, Unterreinshagen, Güldenwerth, Bornstal (alle 1369 erstmals urkundlich erwähnt), Müngsten (1437, heute eine Wüstung), Lobirke, Wendung und Ehlishammer (1671 gegründet). Südlich schließt sich der Stadtteil Westhausen, nördlich die Stadtteile Morsbach, Vieringhausen und Kremenholl, östlich der Stadtteil Ehringhausen und westlich die Stadt Solingen an. Auf einer Fläche von 311 ha wohnen in Reinshagen 3.665 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2007).[ Statistisches Jahrbuch 2008] auf der Website der Stadt (PDF, 2,4 MB) Die Bebauung macht etwa 0,8 km² aus, der Rest (2,3 km²) sind Waldgebiete, Friedhöfe und Grünanlagen.

Geschichte und Gliederung Das Bergische Land wurde erst spät besiedelt. Erst im Mittelalter entstand im Eisensteingebiet von Remscheid die Grundlage für eisengewerbliche Betriebe, es wurden Rennfeuerschlacken und der Rest eines Brennofens gefunden. Noch heute ist die eisenverarbeitende Industrie ortsansässig. Im Hammertal befanden sich früher viele Hammer und Schleifkotten. Reinshagen und Güldenwerth sind heute zu einer geschlossenen Bebauung zusammengewachsen.

Bis 1806 gehörte Reinshagen zum Amt Bornefeld, von 1806 bis 1813 zum Kanton Ronsdorf im Arrondissement Elberfeld im napoleonischen Großherzogtum Kleve und Berg.

Der Ortsbezirk Reinshagen gehörte innerhalb der Bürgermeisterei Remscheid von 1816 bis 1888 zum Kreis Lennep im Regierungsbezirk Düsseldorf. 1832 bestand der Ortsbezirk aus dem Wirtshaus Wendung, dem Weiler Güldenwerth, einzelnen Häusern in Bornstahl, der Dorfschaft Reinshagen, der Dorfschaft Westhausen, einzelnen Häusern in Küppelstein, dem Weiler mit mehreren Hämmern Müngsten und dem Gockelshammer. In dieser Zeit zählte dieser Ortsbezirk 97 Wohnhäuser, 43 Fabriken und Mühlen, 75 landwirtschaftliche Gebäude mit 925 Einwohnern (davon 32 katholisch und 893 evangelisch).Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf, Düsseldorf, 1836

Seit 1888 gehört Reinshagen zur kreisfreien Stadt Remscheid.

Ober- und Unterreinshagen Der Hof Reinshagen wurde 1369 als Reinßhane, Reynshaen und Reyntzhane erstmals erwähnt und gehörte zur Honschaft Remscheid. Weitere schriftliche Erwähnungen sind Reynshagen (1469, 1487 und 1563), Renße (1479), Reinsshayge (1513), Reinshagen (1634) und Reinsen (1648). Der Ursprung des Wortes ist unklar. Ein Hag ist ein von einer Hecke eingehegtes Gelände. Güldenwerth Der Hof Güldenwerth lag an der heutigen Straße Hof Güldenwerth. Erste schriftliche Erwähnung 1369. Siehe Güldenwerth. Müngsten Müngsten wird 1437 erstmals schriftlich erwähnt. in den 1960er Jahren wurden im Zuge eines Straßenneubaus die letzten existierenden Gebäude abgerissen. Siehe Müngsten. Bornstal Der Hof Bornstal wird 1369 erstmals schriftlich erwähnt (zum Bernsdale). Weitere Nennungen folgen 1513 (zum Bernsdayle), 1639 (Bernstahl), 1666 (Bernsthall) und 1680 (Bornstahl). Heute existieren rund um die Ansiedlung einige landwirtschaftliche genutzte Weiden und Wiesen. Der Güldenwerther Bach entspringt bei Bornstal, der Bornsiepen etwa 500 m nordwestlich. Beides sind Zuläufe zum Morsbach. Lobirke Zu diesem Wohnplatz finden sich keine Quellen. Die Silbe Lo- verweist jedoch sicherlich – wie die ähnlichen Straßennamen Lobach, Lobacher Straße und Loborn – auf den Bach mit Namen Lobach. Er erscheint erstmals 1969 auf dem Messtischblatt der amtlichen topografischen Karte 1:25.000.Historika25, Landesvermessungsamt NRW, Blatt 4808, Solingen Wendung Die nach Solingen führende B229 (Solinger Straße) macht an dieser Stelle eine 180°-Kehre (=Wendung). 1815 gab es hier noch keine Bebauung, 1832 existierte an dieser Stelle ein Wirtshaus mit 6 Einwohnern. 1854 entstand eine Dampfschleiferei der Brüder Robert und Heinrich Böker, die schon sechs Jahre später um eine Dampfmaschine zum Walzwerk erweitert wurde. Weitere Erweiterungen folgten, bis der begrenzte Platz einen Umzug nötig machten. Die Fabrik wurde 1873 als Bergische Stahlindustrie (BSI) in die Nähe des Hauptbahnhofs verlegt. Seitdem wird die Wendung als Alte Wendung bezeichnet. Der Name Neue Wendung war im 19. Jhdt. für den neuen Standort in Gebrauch, heute jedoch nicht mehr. Die Giesserei der BSI wurde in den 1990er Jahren geschlossen, die Gebäude teilweise verkauft. Heute gehören Teile zum Thyssen-Krupp-Konzern und der Sona-Gruppe. Trasse des Werkzeugs (PDF) In der alten Wendung hat sich 1961 die Maschinenmesserfabrik Vokore angesiedelt.E. Erwin Stursberg: Remscheid und seine Gemeinden, Remscheid, 1969, S. 202f. Ehlishammer Der Ehlishammer ist einer von mehreren Hämmern im Hammertal.

Landschaft mini|Reinshagener Bach

Reinshagen liegt auf einem von Nord nach Süd verlaufenden 255–260 m hohen Bergrücken, der von 100–150 m tiefen, steil eingeschnittenen Tälern umgeben ist.www.tim-online.de Östlich fließen der Linkläuer Bach, der Lobach und der Eschbach, westlich die Wupper und der Morsbach. Der Ortsteil gibt dem etwa 865 m langen Reinshagener Bach, einem Nebenfluss der Wupper, seinen Namen. Große Teile des westlich von Reinshagen gelegenen Waldes (Schimmelbusch) ist als 144,42 ha großes Naturschutzgebiet Wupper und Wupperhänge südlich Müngsten auf der Website der Stadt Remscheid ausgewiesen; die östlich gelegenen Bachtäler gehören zum 40,46ha großen Naturschutzgebiet Hammertal.FlussGebietsGeoinformationsSystem des Wupperverbandes (FluGGS Wupper) auf der Website der Stadt Remscheid auf der Website der Stadt Nur kleine Gebiete werden landschaftlich genutzt, beispielsweise Flächen im Bornstal und in Lobirke.

Grenzen Der Stadtteil Reinshagen wird durch folgende Grenzen umrissen (im Uhrzeigersinn von Norden): Die Straßen Losenbücheler Straße, Vieringhausen, Güldenwerther Bahnhofstraße, Julius-Leber-Straße, Brückenstraße, Zum Walkhäuschen, die Gewässer Linkläuer Bach, Lobach, Eschbach, die Tyroler Straße, die Bahnlinie Remscheid-Solingen, die Wupper und die B 229.

Sehenswürdigkeiten und Gebäude

Die 1897 erbaute Müngstener Brücke – die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands – liegt mit dem Brückenpark auf dem Gebiet des Stadtteils. In unmittelbarer Nähe liegt im Schimmelbusch auf einem steil abfallenden Felsen der 1901 errichtete Diederichstempel. Unweit davon liegt die zwischen 1846 und 1849 erbaute Napoleonsbrücke.

Kirchen mini|Die Kirche St. Engelbert in Remscheid mini|Clarenbach-Kirche

Die St.-Engelbert-Kirche wurde 1989–1990 erbaut und ist damit der jüngste Kirchenbau Remscheids.. Abgerufen am 31. März 2024. Sie liegt an der Nahtstelle zu Vieringhausen. Im Innern der Kirche steht eine Kreienbrink-Orgel (2 Manuale, 12 Register, Wechselschleifen), außerdem gibt es ein Bronze-Kruzifix von Bert Gerresheim, die Glasfenster wurden von Johannes Schreiter entworfen. Zur Kirche gehören ein Pfarrzentrum und eine Kindertagesstätte.

Die 1929 erbaute ev. Adolf-Clarenbach-Kirche hat ebenfalls ein Gemeindezentrum und eine Kindertagesstätte.Homepage der Adolf-Clarenbach-Kirchengemeinde

Der städtische Waldfriedhof existiert seit 1937 und hat eine Fläche von etwa 6,7 ha,Waldfriedhof Reinshagen auf der Website der Technischen Betriebe Remscheid unmittelbar im Anschluss liegt der ev. Westfriedhof (etwa 7,1 ha), der von der Adolf-Clarenbach-Kirchengemeinde unterhalten wird.

Schulen Am Schimmelbuschweg liegt die Gemeinschaftsgrundschule Reinshagen mit 261 Schülerinnen und Schülern. In Reinshagen existiert seit 1782 eine Schule. Die erste Schule war in einem Schieferhaus unweit des heutigen Gebäudes untergebracht, das 1837 durch ein Holzgebäude ersetzt wurde. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1902, ein späterer Anbau zu beiden Seiten aus dem Jahr 1954, später wurden noch Pavillons zur Erweiterung aufgebaut. An der Schule Reinshagen unterrichtete von 1911 bis 1931 der Geologe und Paläontologe Julius Spriestersbach.

Es gibt keine weiterführenden Schulen in Reinshagen.

Sportstätten Das Stadion Reinshagen wurde 1925 gebaut und ist bis heute in Gebrauch. Es gibt einen Kunstrasenplatz, einen Ascheplatz und einen Naturrasenplatz, an dem auch die überdachte Tribüne liegt. Die anliegende Sporthalle West wurde am 10. November 1989 eingeweiht.

Ehemalige Gebäude Der 46 m hohe Wasserturm Remscheid-Reinshagen (gebaut 1906) wurde 1980 gesprengt. Vom ehemaligen Schloss Küppelstein (gebaut vor 1893) sind heute nur noch Reste vorhanden, bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war es ein beliebtes Ausflugslokal. Es wurde zu einem Kinderheim umgebaut.Zeitspurensuche Schloss Küppelstein

Ehrenhain mini|Innenhof des Ehrenhains

In der Nähe der Friedhöfe gibt es einen groß angelegten, von einem Ringwall umgebenen Ehrenhain (ca. 11.000 m²) zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Er wurde nach 1918 angelegt. Heute ist er Gedenkstätte für die Opfer der beiden Weltkriege und des Flugzeugabsturzes in Remscheid im Jahr 1988. Vor dem Ehrenhain liegen sechs Gedenkplatten auf dem Boden, mit folgenden Inschriften: Unseren Gefallenen der Heimat, Unserern Gefallenen der Luftwaffe, Unseren Gefallenen der Marine, Unseren Gefallenen des Heeres, Den Opfern der Gewalt, Zur Erinnerung an die Opfer des Flugzeugabsturzes am 08.12.1988.

Der Ehrenhain selbst ist kreisförmig angelegt; in der Mitte steht ein quadratischer Felsblock mit der Inschrift: Unseren Helden. Er ist von einer kreisförmigen, mit Efeu bewachsenen Mauer umgeben (Umfang ca. 60 m). Das Zentrum ist durch acht torbogenartige Eingänge erreichbar. Innerhalb der Mauer befinden sich zwischen den Torbögen Gedenktafeln, die in acht mal fünf Felder mit jeweils acht Namen eingeteilt sind. Insgesamt sind also 2560 Namen mit den jeweiligen Sterbedaten zwischen 1914 und 1918 verzeichnet.

Um die efeuberankte Mauer verläuft eine weitere, kleinere Mauer (Umfang ca. 100 m), die viermal unterbrochen ist. Die Anlage zeigt in Richtung Nord zu West. An der Nordwestseite ist der Hauptzugang, der über zwei Treppen (17 und 13 Stufen) an einer großen Wiese liegt. Zu den anderen Seiten ist die ringförmige Anlage mit einem Wall (Umfang ca. 300 m) umgeben.

Das Ehrenhain ist ein Trigonometrischer Bodenpunkt und liegt auf 247 m.ü.NN.

Schimmelbusch mini|Teufelsfelsen im Schimmelbusch

Der Schimmelbusch liegt auf der Westhangseite Reinshagens, begrenzt von der B 229, der Eisenbahnlinie und der Bebauung auf dem Höhenkamm. Er wurde zeitweise auch als Bismarckpark bezeichnet. In unmittelbarer Nähe des Ehrenhains befindet sich ein Gedenkstein mit der Inschrift: Hermann Hasenclever schenkte Bismarck zu ehren den bergischen Wald. Ihm zu danken setzte die Stadt den Stein. Unweit davon befindet sich der sogenannte Teufelsfelsen, ein Felsdurchbruch. In ihm ist eine Gedenktafel angebracht: Den Mitstiftern des Bismarckparks Emil Spennemann C.W.Kipper in Dankbarkeit.

Nicht weit davon entfernt befindet sich das Bodendenkmal Wallanlage Güldenwerth oder Wallburg bei Müngsten.

Nördlich des Ehrenhains steht die über 150 Jahre alte Kollsbuche, ein Naturdenkmal. Die Kollsbuche war möglicherweise eine Weg- oder Grenzmarkierung oder wurde wegen ihrer ungewöhnlichen Wuchsform vor dem Fällen verschont. Da die Buchen im Schimmelbusch früher als Brennmaterial benutzt wurden, ist das Alter dieses Baumes so besonders. Im 17. Jahrhundert waren die Hänge im Schimmelbusch fast kahl. Erst ab dem Jahr 1852 forstete die Stadt den Wald wieder auf.

Kaspar Wittkopp (1860–1936), ein Sägeschmied aus dem Morsbachtal, dichtete in dem Lied Ech hann mien Hatt' em Schimmelbosch verloren über den Schimmelbusch:

„Lottchen, komm, vertäll mir es, wie all dat sech druog tuo.“ „Vader, ach, ech wiét geweß, mien Jong es tröü on gout! Wo he nohm mech en denn Arm – Herr Gott! – wat woud et mir do warm! Ech hann mien Hatt' em Schemmelbosch verloren