alternativtext=Science Slammerin Ursula Pfeiffer hält ihren Science-Slam-Vortrag.|mini|Science Slammerin Ursula Pfeiffer hält ihren Science-Slam-Vortrag.

Ein Science-Slam (englisch; im Deutschen auch Scienceslam; deutsch: Wissenschaftswettstreit, gebildet nach Poetry-Slam; auch Science Slam) ist ein wissenschaftliches Kurzvortragsturnier, bei dem Wissenschaftler (auch Science-Slammer) ihre Forschungsthemen innerhalb einer vorgegebenen Zeit vor Publikum präsentieren. Im Vordergrund steht die populärwissenschaftliche Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte; die Bewertung erfolgt durch das Publikum. Bewertet wird neben dem wissenschaftlichen Inhalt auch die Verständlichkeit und der Unterhaltungswert des Vortrags. Aufgrund der Kombination von wissenschaftlichem Fachvortrag, sportivem Wettbewerbscharakter und Unterhaltungselementen kann ein Science-Slam als ein hybrides Event bezeichnet werden.

Format Die Vortragenden sind überwiegend Nachwuchswissenschaftler. Sie präsentieren innerhalb von zehn Minuten eigene Forschungsthemen in populärwissenschaftlicher Sprachescienceslam.de, abgerufen am 31. August 2015. und greifen im Wettstreit um die Gunst des Publikums tief in die Trick- und Rethorikkiste. Im Anschluss wird der Vortrag vom Publikum (meist mittels Punktekarten oder Applaus) nach den obengenannten Kriterien bewertet und eine Siegerin bzw. ein Sieger gekürt. Der zu gewinnende Preis hat in der Regel nur symbolischen Charakter (beispielsweise das „goldene Gehirn“ in Braunschweig oder MünsterWestfälischen Nachrichten: Ratespaß und Wettbewerb um das Goldene Gehirn 7. Juni 2013 sowie die „goldenen Boxhandschuhe“ von science-slam.com).

Ein Science-Slam kann sowohl zur Förderung der Kommunikationsfähigkeit von (jungen) Wissenschaftler beitragen als auch dazu dienen, einem Laienpublikum verschiedene Wissenschaftsthemen zu vermitteln und Interesse daran zu wecken. Science-Slams bilden auf diese Weise ein Teilgebiet der Wissenschaftskommunikation.

Das Vorbild der Science-Slams ist das Format des literarischen Vortragswettbewerbs Poetry-Slam. Das Format wurde Ende 2006 von dem Poetry-Slammer und Verständlichkeitsforscher Alex Dreppec in Darmstadt eingeführt, und ab 2008 von Markus Weißkopf (damals Haus der Wissenschaft Braunschweig) aufgenommen und verbreitet.

Die Vortragsform Science-Slam gilt als zeitgenössisches Phänomen. Theoretische oder empirische Untersuchungen über seine Auswirkungen auf den Wissenstransfer liegen bislang kaum vor.Bernd Käpplinger, Steffi Robak, Sabine Schmidt-Lauff: Engagement für die Erwachsenenbildung: Ethische Bezugnahmen und demokratische Verantwortung. Springer VS, Wiesbaden, 2013, S. 257–259.

Ein verwandtes Format ist das FameLab, bei dem die Teilnehmenden nur drei Minuten zur Verfügung haben und von einer Jury bewertet werden.

Verbreitung Deutschland Der erste Science-Slam fand Ende 2006 in Darmstadt statt, weitere Städte folgten in den nächsten Jahren. Regelmäßige Slams finden seit Juni 2008 in Deutschland im Braunschweiger Haus der Wissenschaft statt. Weitere Slams entwickelten sich seit 2009 in mehreren deutschen Städten. 2016 fanden in Deutschland ca. 58 regelmäßige Science-Slams statt.scienceslam.org Übersicht der Scienceslam Standorte in Deutschland

Ein Vortrag von Giulia Enders mit dem Titel Darm mit Charme aus dem Jahr 2012 wurde 2014 zur Grundlage ihres gleichnamigen Sachbuch-Bestsellers und sorgte für eine größere Popularität des Science-Slam im deutschsprachigen Raum.

Die größten Science-Slams in Deutschland mit bis zu 1300 Besuchern veranstalten Science-Slam.com (LUUPS Verlag) in Aachen, Berlin, Bochum, Bonn, Dortmund, Freiburg, Heidelberg, Köln, Leipzig, Mainz, Mannheim, München, Stuttgart und Wiesbaden sowie der Physikalische Verein in Frankfurt mit 1.250 Besuchern.

Der weltweit größte Science-Slam mit 4.600 Besuchern fand Ende 2018 statt, veranstaltet durch Science-Slam.com (LUUPS Verlag) im RheinMain CongressCenter Wiesbaden.

Deutsche Meisterschaften Seit 2010 finden jährlich deutschsprachige Meisterschaften im Science-Slam statt. Seit 2012 sind dem Finale vier Vorentscheide vorgelagert, in denen sich die Slammenden in ihren jeweiligen Regionen (Nord, Ost, Süd, West) für das Finale qualifizieren müssen.scienceslam.org Information zum mehrstufigen Wettbewerb. Die Meisterschaft 2023 im Theaterhaus Stuttgart gewann Lea Wirth mit ihrem Vortrag „EYE See YOU“ aus dem Bereich der Forensischen Toxikologie.

+ Deutsche Meisterschaften – Zahlen und Fakten Jahr Ort Vorentscheide Gewinner Vortrags-Titel Fach Zuschauerzahl 2010 Braunschweig – Martin Buchholz Entropie – von Kühltürmen und der Unumkehrbarkeit der Dinge Thermodynamik 800 2011 Hamburg – Boris Lemmer Elementarteilchen – Bis(s) ins Innere des Protons Teilchenphysik 800 2012 Karlsruhe Braunschweig (Nord), Chemnitz (Ost), Ulm (Süd), Münster (West) Henning Beck Speed up your mind Biochemie 1000 2013 Münster Göttingen (Nord), Magdeburg (Ost), Stuttgart (Süd), Köln (West) Reinhard Remfort Dienliche Defekte Physik 1000 2014 Berlin Hamburg (Nord), Berlin (Ost), Esslingen am Neckar (Süd), Bochum (West) Kai Jäger Ein Fossil zum Knutschen Paläontologie 450 2015 Dortmund Göttingen (Nord), Leipzig (Ost), Erlangen (Süd), Bochum (West) Martin Schrön Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln? - Sinnsuche eines theoretischen Physikers Umweltphysik 1200 2016 Darmstadt Hamburg (Nord), Dresden (Ost), Ravensburg (Süd), Köln (West) Johannes Kretzschmar Frankensteins Elektroauto Informatik 1400 2017 Ulm Osnabrück (Nord), Berlin (Ost), Mannheim (Süd), Aachen (West) Martin Werz Rührreibschweißen in der Küche Materialwissenschaft 1500 2018 Wiesbaden Hamburg (Nord), Clausthal-Zellerfeld (Ost), München (Süd), Köln (West) Aniruddha Dutta Stealing Weight from Steel Werkstofftechnik 4600 2019 Leipzig Hamburg (Nord), Halle (Saale) (Ost), Stuttgart (Süd), Bonn (West) Maxi Frei Das Diät-Gerät Mikrosystemtechnik2021DortmundJanine MoyerDer Kampf gegen die EndometrioseBiologie2022HamburgHamburg (Nord), Köln (West), Ludwigsburg (Süd), Dresden (Ost)Lisa BudzinskiDas Horoskot – Die Zukunft steht in leuchtenden DarmbakterienBiotechnologie16002023StuttgartHamburg (Nord), Düsseldorf (West), Friedrichshafen (Süd), Göttingen (Ost)Lea WirthEYE see YOUForensische Toxikologie1000 + Livestream im ZDF2024GöttingenBraunschweig (Nord), Berlin(Ost), Köln (West), Stuttgart (Süd)Benedikt WiggeringWer fraß am Aas?Biodiversität1200 + Livestream im ZDF 2025 Düsseldorf Hamburg (Nord), Stuttgart(Süd), Berlin (Ost), Wiesbaden (West) Verena Dzialas Motor Reserve Neurowissenschaften 800

Österreich Seit November 2010 findet in Österreich ein regelmäßiger Slam in Wien unter dem Titel „Science Slam Vienna“ statt. Dieser wird vom Verein „Die Wissenschaffer“ organisiert und auch als Fernsehformat aufgezeichnet. Die erste Ausstrahlung fand am 8. Januar 2011 im Programm des partizipativen TV-Senders Okto statt.

Schweiz Ende November 2010 fand der erste Science-Slam in der Schweiz statt. Derzeit organisieren vier Universitätsstandorte dieses Event: Bern, Basel, Freiburg und Zürich.

Europameisterschaften Seit 2014 finden jährlich Europameisterschaften im Science-Slam statt. Dabei wird das Finale immer im Herkunftsland des Vorjahressiegers abgehalten. JahrAustragungsortGewinnerHerkunftslandVortrags-TitelFachZuschauerzahl2014KopenhagenMartin ModerÖsterreichFruit Flies - The Annoying Life SaversMolekularbiologie9002015WienSimon McGowanDeutschlandPimp my Bioplast!Bioverfahrenstechnik500

Erfolgreiche Slammer

Science-Slammer, die mindestens zehn Veranstaltungen gewonnen haben, sind: Anastasia August, Henning Beck, Johannes Hinrich von Borstel, Martin Buchholz, Dong-Seon Chang, Uwe Gaitzsch, Helene Hoffmann, Kai Jäger, André Lampe, Boris Lemmer, Sebastian Lotzkat, Reinhard Remfort, Darius Rupalla, Johannes Schildgen, Benjamin Stegmann, Peter Westerhoff.

Auszeichnungen Am 30. November 2011 wurde der Science-Slam mit dem goldenen Bürgerpreis der Stadt Münster ausgezeichnet, der mit 5000 Euro dotiert ist und zum siebten Mal vergeben wurde, unter dem Motto „Münster und seine Hochschulen. Miteinander – Füreinander“.

Das Haus der Wissenschaft Braunschweig ist Preisträger im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“, der von der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ in Kooperation mit der Deutschen Bank durchgeführt wird. Als „Ausgewählter Ort“ ist das Haus der Wissenschaft für die Etablierung des Science-Slams im Jahr 2011 Botschafter für das Land der Ideen und repräsentiert das Innovationspotenzial Deutschlands.

Die Molekularbiologin und Wissenschaftskommunikatorin Julia Offe, die das Format „Science Slam“ maßgeblich mitentwickelt und in Deutschland etabliert hat, wurde von der Standortinitiative „Deutschland - Land der Ideen“ auch dafür als eine der „100 Frauen von morgen“ ausgezeichnet.

Literatur

Hill, Miira: The New Art of Old Public Science Communication: The Science Slam. Routledge, 2022, ISBN 978-1-000-54816-7.

Niemann, Philipp; Bittner, Laura; Hauser, Christiane; Schrögel, Philipp: Science-Slam, Multidisziplinäre Perspektiven auf eine populäre Form der Wissenschaftskommunikation, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-28860-0 Bertemes, Jean Paul, Haan, Serge and Hans, Dirk. 50 Essentials on Science Communication, Berlin, Boston: De Gruyter Mouton, 2024. https://doi.org/10.1515/9783110763577

Weblinks science-slam.com – Website der Science & Stories GmbH, Dortmund (Karsten Brinsa, Sven-Daniel Gettys) scienceslam.de – Website von Julia Offe scienceslam.ch – Website des Netzwerks Science Slam Schweiz

Einzelnachweise

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