Die Geschichte Pommerns umfasst die Entwicklungen der Region Pommern von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Pommern ist eine Region an der südlichen Ostseeküste zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte im Westen und der Weichsel im Osten. Der Teil westlich der Oder wird Vorpommern genannt und gehört (bis auf die Gegend um Stettin) heute zum deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Das östlich der Oder gelegene Hinterpommern wurde – wie auch die Region um Stettin und die anderen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Grenze – im Gefolge des Zweiten Weltkriegs zu einem Teil Polens.

Der Name Pommern ist slawischer Herkunft: po more – (Land) „am Meer“.Roderich Schmidt: Das historische Pommern. Personen – Orte – Ereignisse. Köln, Weimar, Wien: Böhlau 2009, S. 3.

miniatur|hochkant=1.8|Pommern im 17. Jahrhundert, aus dem Atlas Blaeu (1662)

Frühzeit und Germanen

Das Gebiet des heutigen Pommerns ist seit der Steinzeit besiedelt. Im 8. bis 6. Jahrhundert vor Chr. dehnten Träger der Lausitzer Kultur ihr Siedlungsgebiet entlang der Oder bis zur Ostseeküste aus. Vorpommern gehörte seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. zur germanischen Jastorf-Kultur. Antike Autoren um die Zeitenwende nennen hier die Rugier. Im 7. Jahrhundert v. Chr. entstand westlich der Weichselmündung die Pommerellische Gesichtsurnenkultur. Diese Kultur dehnte sich später über große Teile des Weichselgebiets aus. Namentlich als germanisch sprechendes Volk erwähnt wurden die Bastarnen, allerdings erst, als sie sich im letzten Jahrhundert vor der Zeitenwende im östlichen Donauraum ansiedelten. Seit etwa 100 vor Chr. wanderten die Goten ins Weichselgebiet ein. Deren Spuren, die Wielbark-Kultur, zeigen eine Mischkultur aus nordischen und anderen Elementen. Teile der Goten begannen schon um 200 nach Chr., nach Südosten abzuwandern. Während der Völkerwanderung verließen zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert nach Chr. viele Germanen das Land südlich der Ostsee. mini|Landkarte Vandalia Teutonica et Gothonica nunc Pomerania, veröffentlicht 1723 von Johannes MicraeliusJohannes Micraelius: Sechs Bücher vom Alten Pommerlande, Band I, Stettin/Leipzig 1723 (Google Books).

Slawische Besiedelung miniatur|hochkant=1.5|Vorpommern in der Slawenzeit Das überwiegend unbewohnte Gebiet wurde von Slawen besiedelt, die aus östlicher Richtung kamen. Nur an einigen Stellen auf Rügen, am Stettiner Haff und östlich entlang der Ostseeküste ist eine Siedlungskontinuität von der germanischen in die slawische Zeit nachgewiesen. Verbliebene germanische Bevölkerungsteile können sich den Slawen assimiliert oder auch – an der Küste – ihre Verbindungen nach Skandinavien aufrechterhalten haben (Jomswikinger). links|mini|Harald Blauzahns Goldscheibe – Obverse, Jomsborg, 980s Die verschiedenen Stämme der Slawen wurden vielfach nach ihrem Siedlungsgebiet benannt. Westlich der Oder waren das die Zirzipanen und Tollenser, die zusammen mit anderen Stämmen den Wilzen und später Liutizen zugerechnet werden. Auf den Inseln lebten die R(uj)anen (um und auf Rügen) und die Wolliner (um Wollin). Der Name der Rujanen wie auch der Insel Rügen geht wahrscheinlich direkt auf die assimilierten Rugier zurück. Östlich der Oder siedelnde Slawen wurden Pomoranen genannt (=„am Meer“, im Gegensatz zu den südlicher siedelnden „Polanen“ des Inlandes). Es entstanden Burgen (z. B. Demmin, Stettin, Kolberg), wendisch-skandinavische Handelsplätze (Ralswiek, Menzlin, Vineta) und Heiligtümer (Jaromarsburg). Neben Ackerbau, Viehzucht und Imkerei betrieben diese Ostseewenden auch die Seefahrt. Dabei waren sie nicht nur Fischer, sondern auch Händler. Ähnlich wie dies zu der damaligen Zeit in Skandinavien üblich war, betätigten sich manche dieser Seefahrer nebenher als Piraten.

Ab dem 10. Jahrhundert gerieten die Slawen des späteren Pommern in den Einflussbereich ihrer Nachbarn. Um die kleinen, heidnischen wendischen Stämme herum waren starke, feudale, christliche Mächte mit expansiven Interessen entstanden: Aus dem Westen drohten ihnen die deutschen Landesfürsten des Heiligen Römischen Reichs, vom Norden her die Dänen und aus dem Südosten die polnischen Piasten.

Instabile Herrschaftsverhältnisse miniatur|hochkant=1.5|Mark der Billunger und Nordmark(deutscher Geschichtsatlas von 1886) Durch Otto I., den König des Ostfrankenreichs, wurde 936 die Mark der Billunger und südlich davon die Sächsische Ostmark (die spätere Nordmark) eingerichtet. Im Jahr 955 wurden diese Marken nach dem Sieg der verbündeten Sachsen und slawischen Ranen über die Obodriten in der Schlacht an der Raxa (Recknitz) auf Teile Pommerns ausgedehnt. Durch den großen Slawenaufstand (983) des Liutizen-Bündnisses wurden große Teile des Slawengebietes östlich der Elbe wieder unabhängig. Die Mark der Billunger wurde ganz aufgegeben. Hauptort der Liutitzen wurde der Tempelort Rethra am Tollensesee. Das Bündnis zerfiel zwar relativ schnell wieder, aber die Obodriten bauten für mehrere Jahrzehnte ein Königreich auf, das außer dem heutigen Mecklenburg auch große Teile Brandenburgs umfasste.

Der polnische Herzog Bolesław I. der Tapfere gründete im Jahre 1000 im Einvernehmen mit Kaiser Otto III. ein Missionsbistum in Kolberg. Jedoch zwangen um 1010 die heidnischen Pomoranen den dort eingesetzten Bischof Reinbern zur Flucht, womit die kurze Geschichte des Bistums Kolberg endete. Als um 1035 eine heidnische Reaktion eine Staatskrise in Polen auslöste, machten die Pomoranen sich durch einen Aufstand auch politisch unabhängig. Nach Ende der Krise um 1040 stellten die Piasten ihre Hoheit über die Pomoranen und damit deren Tributpflicht 1042 wieder her.

Der erste annalistisch namentlich erwähnte Fürst der Pomoranen ist der für 1046 erwähnte Herzog Zemuzil. Im Jahre 1046 lud der deutsche König Heinrich III. die Herzöge Kasimir I. den Erneuerer von Polen, Břetislav I. von Böhmen und Zemuzil von Pommern zum Abschluss einer Friedensregelung nach Merseburg.Rudolf Benl: Pommern bis zur Teilung von 1368/72. In: Werner Buchholz (Hrsg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas – Pommern. Siedler Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-88680-780-0, S. 23.

Im Winter 1068/69 wurde das lutizische Hauptheiligtum Rethra durch deutsche Truppen zerstört, dessen Funktion als religiöses Zentrum der heidnischen Westslawen von nun an die rüganische Jaromarsburg auf dem Kap Arkona übernahm. 1091 wurde Stettin von Władysław I. Herman, Herzog von Polen, eingenommen. Jedoch waren die Pomoranen immer bemüht, so unabhängig wie möglich zu bleiben.

Rügen samt dem angrenzenden Festland bis an die Flüsse Ryck und Reckitz war zu der Zeit noch kein Teil Pommerns, sondern das eigenständige Fürstentum der Ranen. Lange Zeit konkurrierte es mit den Dänenkönigen um die Vormacht in der westlichen Ostsee. Dann eroberte 1168 König Waldemar I. von Dänemark das Fürstentum Rügen, unterwarf die ranischen Rügenfürsten seiner Lehenshoheit und ließ das Gebiet christianisieren. Die Fürsten von Rügen blieben bis zum Aussterben der Dynastie im Jahre 1325 Lehnsleute der dänischen Könige.

Herausbildung des christlichen Herzogtums Der polnische Herzog Bolesław III. Schiefmund unterwarf das Gebiet um die Odermündung und Hinterpommern mit den Hauptburgen Cammin und Stettin in drei Feldzügen der Jahre 1116, 1119, 1121. Strittig ist, ob Herzog Wartislaw I. von Pommern sich ihm nach der Einnahme von Stettin 1121 unterwerfen musste oder von ihm eingesetzt wurde. Herzog Wartislaw I. leistete Tributzahlungen und versprach die Christianisierung. Er ist der erste bekannte Pommernherzog aus der Dynastie der Greifen, die bis zu ihrem Aussterben 1637 Pommern regierten.

Bolesław hatte ein Interesse daran, das soeben unterworfene Pommern zu christianisieren. Die von ihm unterstützte Missionsreise eines aus Spanien stammenden Bischofs Bernhard 1121/1122 blieb erfolglos. Auf Veranlassung Bolesławs unternahm dann 1124/1125 Bischof Otto von Bamberg seine erste Missionsreise nach Pommern, die bereits sehr erfolgreich war. Sie betraf das unter der Herrschaft Wartislaws I. stehende Gebiet zwischen Oder und Persante bzw. dem Gollenberg, also das westliche Hinterpommern. Wohl zur selben Zeit unterwarf Wartislaw I., möglicherweise mit polnischer Hilfe, die lutizischen Siedlungsgebiete westlich der Oder bis Güstrow und zur Müritz. Unabhängig blieb das Ranenreich zwischen Ryck und Recknitz mit der Insel Rügen.

1128 unternahm Otto von Bamberg, diesmal vom römisch-deutschen König Lothar III. und deutschen Fürsten unterstützt, seine zweite Missionsreise nach Pommern, die ihn nunmehr in das lutizische Siedlungsgebiet westlich der Oder führte. Im Beisein Herzog Wartislaws I. nahmen die Großen des Landes, unter ihnen die Kastellane von Demmin und Wolgast, zu Pfingsten 1128 auf einer Versammlung in der Burg Usedom das Christentum an. Die Tempel der Hauptorte der unter pommersche Herrschaft geratenen und zu Kastellaneien umgewandelten Stammesgebiete wurden geschleift, so in Gützkow und Wolgast.

Nach dem Tod Bolesławs III. im Jahre 1138 versuchten Herzog Heinrich der Löwe von Sachsen und Bayern und der König von Dänemark, ihre Macht auf Pommern auszudehnen. 1147 führte der Wendenkreuzzug deutsche und polnische Kreuzfahrer in das doch bereits christlich gewordene Pommern, nämlich nach Demmin und Stettin. Nach der Schlacht bei Verchen im Jahr 1164 brachte Heinrich der Löwe Bogislaw I. und Kasimir I., die Söhne Wartislaws I., in seine Abhängigkeit. 1168 übertrug Jacza von Köpenick den Greifenherzögen das Land der Sprewanen. Mit diesem und dem Land Barnim erstreckte sich deren Hoheitsgebiet zwischen der oberen Havel im Westen und der Oder im Osten weit nach Süden, grenzte im Südosten an Schlesien und im Südwesten an die Markgrafschaft Meißen. 1177 unternahm Heinrich der Löwe im Bündnis mit Markgraf Otto I. von Brandenburg erneut einen Kriegszug in Pommern. Nach längerer Eskalation des Konfliktes zwischen Heinrich und den Staufern wurde 1180 die Reichsacht über Heinrich verhängt.

Im selben Jahr schloss sich Bogislaw I. dem Lehnsverband des Heiligen Römischen Reiches an. 1181 erhob Kaiser Friedrich I. Barbarossa ihn und seine Dynastie in den Rang eines Reichsfürsten und verlieh ihm den Titel Herzog Slawiens. Die Greifen bezeichneten sich hinfort manchmal als Herzöge von Slawien, manchmal aber weiterhin als Herzöge der Pommern.Mirozlava Codex Pomeraniae vicinarumque terrarum diplomaticus Bd. 1 S. 161 Anno 1233: Dei Patientia Pomeranorum Ducissa…

1185 wurde Pommern allerdings von Dänemark besetzt und fiel erst nach der Schlacht bei Bornhöved (1227) an das römisch-deutsche Reich zurück.Rudolf Usinger: Deutsch-dänische Geschichte 1189–1227. Berlin 1863, (Volltext).

1231 bestätigte Kaiser Friedrich II. den Markgrafen Otto III. und Johann I. von Brandenburg ihre vorher ihrem Vater gewährten Rechte über die Markgrafschaft und in diesem Zusammenhang auch das privilegium liberalitatis una cum ducato Pomeraniæ („mit einem Herzogtum Pommern“).Codex Pomeraniae vicinarumque terrarum diplomaticus Bd. 1 S. 150 Ao. 1231: … ejus privilegium liberalitatis inde concessimus inde cum ducatu Pomeraniae eidem Iohanni & Ottoni fratri suo „Liberalitas“ mag hier Hoheit, Souveränität, bedeuten (In Urkunden Friedrichs I. findet sich auch die Wendung „liberalitas nostra“).

Christianisierung des Reichslehens In Pommern erfolgten zahlreiche Klostergründungen. 1180 gründeten niedersächsische Prämonstratenser das Kloster Belbuck. Mecklenburgische Zisterzienser gründeten 1173 das Kloster Kolbatz und dänische 1199 das Kloster Hilda. Im zunächst von Gnesen aus missionierten Hinterpommern wurde das Bistum Cammin errichtet, die Insel Rügen wurde Teil des dänischen Bistums Roskilde, das ranische Festland kam zum Bistum Schwerin.