hochkant|mini|Johannes Reinmöller mini|Geburtshaus von Johannes Reinmöller in Bebra Johannes Albert Reinmöller (* 25. Mai 1877 in Bebra; † 1. März 1955 in Heidelberg) war ein deutscher Kieferchirurg, Hochschullehrer und Universitätsrektor.Sterbedaten nach Auskunft des Stadtarchivs Heidelberg. Wohnsitz war Waldmichelbach, Ludwigstr. 43.

Leben Johannes Reinmöller, Sohn eines Bahnbeamten, wuchs in Bebra auf. Er besuchte dort die Dorfschule und bestand die Reifeprüfung am Gymnasium in Hersfeld. Im Wintersemester 1897/98 begann er an der Philipps-Universität Marburg Medizin zu studieren. Auf Empfehlung von Matthäus Triebenstein, dem Bruder seiner Mutter Barbara geb. Triebenstein, wurde er im Corps Hasso-Nassovia aktiv.Dr. med. Triebenstein (1854–1921), Sanitätsrat und Landarzt in Bebra, und seine beiden Söhne waren Hessen-Nassauer. 1898 wurde er recipiert.Corpstafel (Matrikel) des Corps Hasso-Nassovia, Teil I, 1984, S. 190–191 Er wechselte an die Hessische Ludwigs-Universität, wo er sich 1899 auch dem Corps Hassia Gießen anschloss.Kösener Corpslisten 1960, 99/688; 97/990; 120/87; 19/1053 Wohl nach dem Physikum ging er zum Sommersemester 1901 an die Universität Rostock. Immatrikulation von Johannes Reinmöller im Rostocker Matrikelportal 1903/04 war er Volontärassistent an der Zahnklinik Breslau. 1904 legte er in Rostock die medizinische Staatsprüfung ab. Die zahnmedizinische folgte 1905 an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 1905 wurde er auch zum Dr. med. promoviert.Dissertation: Beiträge zur Kenntnis des Verhaltens einiger Derivate der Oxalsäure im Organismus.

Rostock 1907 gründete er eine private Fachkrankenanstalt mit sechs kieferchirurgischen Betten in Rostock. Als Zahnarzt und Arzt approbiert, war Reinmöller zugleich Lektor für Zahnmedizin an der Universität Rostock. Nach der Habilitation wurde er 1909 Privatdozent für das Fach Zahnheilkunde an der Medizinischen Fakultät.Habilitationsschrift: Über Zahnplantationen. 1910 wurde für ihn ein Extraordinariat in Rostock eingerichtet. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Stabsarzt der Landwehr im Königlich Bayerischen 10. Feldartillerie-Regiment teil. In dem Regiment dienten viele Angehörige des Corps Baruthia. 1917 erhielt er in Rostock den Lehrstuhl für Stomatologie. 1920 musste Reinmöller von seiner Professur zurücktreten, nachdem ein Disziplinarverfahren gegen ihn wegen republikfeindlicher Äußerungen in seiner Vorlesung („Drecksrepublik“) eingeleitet worden war. Von März bis Mai 1921 war er Mitglied im Landtag des Freistaates Mecklenburg-Schwerin für die Deutschnationale Volkspartei (DNVP).Michael Grüttner, Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik, Heidelberg 2004, S. 137.

Erlangen 1921 folgte Reinmöller dem Ruf der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Er war zwei Jahre Dekan der Medizinischen Fakultät und 1933–1935 Rektor der Universität.Rektoratsreden (HKM) In diesen Jahren begann Reinmöller, sich auf Universitätspolitik zu beschränken. Nach 1925 forschte er nicht mehr und ließ sich auch von Lehrverpflichtungen befreien.

Würzburg 1935 kam er als Ordinarius an die Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wo er 1935–1937 ebenfalls als Rektor amtierte. Am Abend des 15. November 1935 schloss (im Zusammenhang mit einer von den Nationalsozialisten am 18. November geplanten Demonstration gegen den Bischof Matthias Ehrenfried) Rektor Reinmöller die Würzburger Katholisch-Theologische Fakultät, welche – nach Protesten und Demonstration durch Theologen (insbesondere Dompfarrer Heinrich Leier) – am 25. November jedoch wieder den theologischen Lehrbetrieb aufnahm.Klaus Wittstadt: Kirche und Staat im 20. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 453–478 und 1304 f., hier: S. 458–463: Die Ära des Volks- und Widerstandsbischofs Matthias Ehrenfried (1924–1948). S. 461. Nach einer Auseinandersetzung mit dem zuvor in Gegnerschaft zu Bischof Ehrenfried stehenden Gauleiter von Unterfranken Otto Hellmuth am 1. April 1938 emeritiert, zog sich Reinmöller auf seinen Landsitz in Ahrenshoop zurück.

mini|Wohnhaus Johannes Reinmöller in Ahrenshoop NS-Zeit und Russland 1933 trat er der Einheitsfront der Zahnärzte bei, um sich dem Führerprinzip des Nationalsozialismus zu verpflichten. Reinmöller trat zum 1. Dezember 1937 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 5.985.633).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/34310825 In der SA stieg er zum SA-Standartenführer (Oberst) auf.Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Frankfurt am Main 2007, S. 489. 1935 wurde er förderndes Mitglied der SS.Dominik Groß: Lexikon der Zahnärzte & Kieferchirurgen im „Dritten Reich“ und im Nachkriegsdeutschland. Stuttgart 2023. S. 364 Susanne Ude-Koeller sieht in den reichhaltigen Quellen das Bild eines zutiefst überzeugten und unnachgiebigen Feindes der Weimarer Republik. Sowohl als zahnärztlicher Standesvertreter als auch als Hochschulpolitiker habe er seine antidemokratische Grundüberzeugung kompromisslos vertreten.

In der Nachkriegszeit in Deutschland wurde er auf seinem Landsitz in Ahrenshoop im Sommer 1946 verhaftet. Nach dreijähriger Inhaftierung, unter anderem im Lager Tscherepowez, wurde er Weihnachten 1949 nach Deutschland entlassen.Reinmöller, Erinnerungen, in: Corps-Zeitung der Hasso-Nassovia zu Marburg Nr. 51 (September 1955), S. 47–51. Lange kämpfte er um den Abschluss seines Entnazifizierungsverfahrens, von dem seine Pensionsansprüche abhängig waren. Nach seinem Tod 1955 wurde er in Waldmichelbach beigesetzt. In der Zahnklinik wurde eine Büste von ihm aufgestellt.Emil Kränzlein und Max Grimmeiß: Johannes Reinmöller †. Bayreuther Zeitung Nr. 150 (1955), S. 15–16.

Privates In erster Ehe war Reinmöller seit 1906 mit Minna Binder aus Würzburg († 1908) verheiratet. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor. Nach der Kriegsrückkehr erfuhr Reinmöller 1919 vom außerehelichen Verhältnis seiner zweiten Frau Helene; die Ehe wurde anschließend geschieden. Er forderte den Liebhaber, einen Schauspieler am Rostocker Stadttheater, zum Pistolenduell. Als dieser das Angebot konkludent ablehnte, überraschte Reinmöller ihn zuhause und tötete ihn mit fünf Schüssen. Ein Schwurgericht sah darin eine Affekttat und sprach ihn frei.

Ein jüngerer Bruder war Max Reinmöller. Er folgte 1933 auf Hans Moral, den Nachfolger seines Bruders auf dem Rostocker Lehrstuhl.

Ehrungen Corps Ehrenmitglied des Corps Hasso-Nassovia Corpsschleifenträger der Baruthia (1928), Bandverleihung 1933Matrikel des Corps Baruthia (1962) Bandverleihung des Corps Visigothia Rostock (1909)

Bundesrepublik Deutschland Mitläufer (1953)

Bayern Bayern Prinz Alfons Erinnerungszeichen Abzeichen Bayerischer Kriegerbund Militär-Sanitäts-Orden I. Klasse Träger der Kronprinz-Rupprecht-Medaille Prinzregent-Luitpold-Medaille in Bronze

Mecklenburg Dr. med. dent. h. c. (Rostock 1920) Militärverdienstkreuz (Mecklenburg) Verdienstmedaille in Bronze Friedrich Franz II. Mitgliedsabzeichen Mecklenburger Kriegerverband

Hamburg, Preußen und Reich Eisernes Kreuz 2. Klasse Eisernes Kreuz 1. Klasse Verwundetenabzeichen in Schwarz (1918) Königlicher Kronen-Orden (Preußen) Hanseatenkreuz (Hamburg) Ehrenkreuz des Weltkrieges Treudienst-Ehrenzeichen

Werke mit Albrecht Burchard: Die zahnärztliche Röntgenologie. Ein Lehrbuch und Atlas für Zahnärzte und Studierende. Leipzig Berlin 1914.

Siehe auch Liste der Mitglieder des Landtages (Freistaat Mecklenburg-Schwerin) (2. Wahlperiode)#R Liste der Mitglieder der Einheitsfront der Zahnärzte

Literatur

Hans Schlampp: Prof. Dr. Johannes Reinmöller zum 75. Geburtstag. Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift, 1952, S. 719–720 Hans Schlampp: Johannes Reinmöller gestorben. Deutsche Zahn-Mund-Kieferheilkunde 1955, S. 4–6 Willi R. Koch: Johannes Albert Reinmöller. In: Corps-Zeitung der Hassia Gießen zu Mainz Nr. 117 (WS 1955/56), S. 8–11. Hans Jürgen Müller: Biographie und Bibliographie von Johannes Reinmöller (1877–1955). Königshausen & Neumann, Würzburg 1994 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 54). Herrmann A. L. Degener (Hrsg.): Wer ist’s? – Unsere Zeitgenossen. IX. Ausgabe. Verlag Herrmann Degener, Leipzig 1928. S. 1250–1251. Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik. Synchron, Wiss.-Verl. der Autoren, Heidelberg 2004 (Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte; Bd. 6), S. 137 f. ISBN 3-935025-68-8. Uwe Siegfried Peter: Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in fünf politischen Systemen – 100 Jahre Kieferchirurgie in Rostock. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Zahnmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock., hier S. 13–55: Die Ära Reinmöller (1907–1920) – der erste deutsche Lehrstuhl für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (1919), und S. 90–120: Die Ära Matthäus Max Reinmöller (1933–1955). Rostock 2007.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg Kategorie:Rektor (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) Kategorie:Rektor der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Kategorie:Hochschullehrer (Julius-Maximilians-Universität Würzburg) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Rostock) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Standort Erlangen) Kategorie:Corpsstudent (19. Jahrhundert) Kategorie:Militärperson (Bayern) Kategorie:Landtagsabgeordneter (Mecklenburg-Schwerin) Kategorie:DNVP-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Förderndes Mitglied der SS Kategorie:SA-Mitglied Kategorie:Person (Ahrenshoop) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1877 Kategorie:Gestorben 1955 Kategorie:Mann Kategorie:Ehrendoktor der Universität Rostock Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Träger des Preußischen Königlichen Kronenordens (Ausprägung unbekannt) Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse Kategorie:Ehrenmitglied eines Corps Kategorie:Träger der Kronprinz Rupprecht Medaille Kategorie:Absolvent der Universität Rostock