Der Fürstliche Verein für deutsche Geschichts- und Altertumskunde in Sondershausen war der Erforschung und Vermittlung der Regionalgeschichte im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen gewidmet. Eine Neugründung von 1990 knüpft an diese Aufgabenstellung an.
Geschichte Gründung mini|Gründungsdekret des Alterthumsvereins 1853 Anlässlich der Gründung des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine im August 1852 in Dresden wurde Fürst Günther Friedrich Carl II. ersucht, Maßnahmen zur Erfassung, Aufbewahrung und Pflege von Kunstgut und Archivalien in seinem Fürstentum zu ergreifen.Vgl. das Protokoll der Versammlung deutscher Geschichts- und Alterthumsforscher in den Mittheilungen des Königlich Sächsischen Vereins für Erforschung und Erhaltung vaterländischer Alterthümer, 6. Heft, 1852, S. 129f.
Der Fürst beauftragte seinen früheren Geheimrat Günther von Ziegeler (1775–1853), einen Verein mit dieser Aufgabe zu bilden, und berief den Baurat Carl Scheppig, den Gymnasialdirektor Wilhelm Kieser, den Gymnasiallehrer Ferdinand Göbel und den Pfarrvikar Friedrich Apfelstedt als Mitglieder unter von Ziegelers Vorsitz.Scheppig, Kieser und Apfelstedt blieben dem Verein dann bis zu ihrem Lebensende erhalten. Eine erste Sitzung des Gremiums fand am 20. Dezember 1852 statt. Hier und in weiteren Sitzungen wurden korrespondierende Mitglieder hinzugewählt, u. a. der Justizrat Carl Einert, der Pfarrer Adolph Friedrich Magerstedt in Großenehrich, der Realschullehrer Heinrich Hoschke in Arnstadt und der Rektor Christian Wellendorf in Gehren,Döring S. 5. und es wurden die künftigen Arbeitsgebiete und Vorgehensweisen erörtert, wobei Kieser für besonders umfassende und großzügige Zielsetzungen eintrat.
Aufgrund dieser Vorklärungen erließ der Fürst am 12. Mai 1853 eine „Instruktion“, durch die der Verein für deutsche Geschichts- und Alterthumskunde mit Sitz in Sondershausen förmlich gegründet und mit einer detaillierten Satzung ausgestattet wurde.Gesetz-Sammlung für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen Nr. 23. Der (gewöhnlich so genannte) „Alterthumsverein“ unterstand der Ministerialabteilung für Kirchen- und Schulsachen; seine Mitglieder wurden vom Fürsten ernannt.Der Beitritt zum Gesamtverein wurde dem Alterthumsverein jedoch erst Anfang 1890 gestattet. (Döring S. 9; Korrespondenzblatt des Gesammtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine. 38. Jg., 1890. S. 17.) Zusammen mit diesem Erlass wurde am 4. Juni 1853 auch eine Bestimmung vom 28. Mai veröffentlicht, in der die vom Fürsten nunmehr berufenen Vereinsmitglieder genannt wurden: F. Apfelstedt, F. Göbel, W. Kieser, C. Scheppig und, als Vorsitzender, C. Einert als ordentliche Mitglieder; außerdem als korrespondierende Mitglieder (die nicht verbunden waren, an den Vereinssitzungen teilzunehmen) weitere sieben Personen, darunter A. Magerstedt und die Lehrer H. Hoschke, August Hallensleben und Johann C. Uhlworm in Arnstadt.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 4. Juni 1853, S. 239f. Der Verein erließ sogleich (am 21. Juni) eine öffentliche Aufforderung, ihm alle relevanten Informationen und Fundstücke zukommen zu lassen.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 16. Juli 1853, S. 317f.
Am 5. August 1853 wurde der Gymnasiallehrer Thilo Irmisch als weiteres Mitglied berufen.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 13. August 1853, S. 355. Als Einert seine Mitgliedschaft aus Gesundheitsrücksichten niederlegte, wurde am 24. Juni 1854 Scheppig an seine Stelle berufen;Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 1. Juli 1854, S. 304. er blieb Vorsitzender bis zu seinem Tod im Februar 1885.
Bedeutung mini|Publikation des Fürstlichen Alterthumsvereins 1886 Im Verein konzentrierten sich knapp siebzig Jahre lang nahezu alle regionalgeschichtlichen Aktivitäten von Sondershausen. Folgende Aufgaben standen im Vordergrund:
Oberaufsicht über alle ur- und frühgeschichtlichen Funde und über die Pfarr- und Gemeindearchive. Ausgrabung und Bearbeitung, Aufbewahrung und Präsentation der gemachten Funde. Veröffentlichung von wissenschaftlichen Arbeiten und informativen Publikationen.Aus früher Zeit ist nur eine Mitteilung über den Erwerb des Schersenguts bekannt (Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 23. August 1856, S. 397‒399). Nachdem Irmisch 1864 Redakteur des Regierungsblatts geworden war, brachte er dort zahlreiche Beiträge (etwa über Münzfunde und Ausgrabungen) heraus. Apfelstedt verstand seine Heimathskunde als Auftrag des Vereins; seine Bau- und Kunstdenkmäler wurden vom Verein herausgebracht. (Vgl. Döring S. 8 und 9.) Zusammenstellung der „Schwarzburgica-Bibliothek“ aus eigenen und übernommenen Beständen der Ministerialbibliothek.
Der Verein schloss sich 1896 dem Verband der Thüringer Geschichts- und Altertumsvereine und seinem Arbeitsprogramm an.Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde Band 18, 1897. S. 615. (Döring S. 10.)
Der Naturwissenschaftliche Verein und das Museumskränzchen Neben dem regierungsamtlichen streng verfassten Alterthumsverein bildeten sich zwei informelle private Vereinigungen mit weitgehend ähnlicher Mitgliedschaft.
Naturwissenschaftlicher Verein Im Januar 1863 beschlossen Karl Chop, Thilo Irmisch, Hermann Töpfer, Adolf von Wolffersdorff und der Hofapotheker Adolf Funke, sich einmal wöchentlich in einem öffentlichen Lokal zu treffen, um sich über wissenschaftliche Themen auszutauschen. Für ihren Naturwissenschaftlichen Verein verabredeten sie betont informelle Grundsätze; jeder, der sich für diese Art der Unterhaltung interessierte, konnte beitreten.Naturwissenschaftlicher Verein zu Sondershausen. In Regierungs- und Nachrichtsblatt für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen vom 15. April 1884, S. 183. Als Vorsitzender fungierte zeitweise Chop, nach dessen Tod Töpfer, anschließend der Studienrat (und frühere Schüler von Irmisch und Kieser) Edmund König.Adressbuch Sondershausen 1882 S. 85, 1900 S. 124, 1913 S. 133 sowie Der Deutsche 1916 Nr. 19.
Museumskränzchen Gegen Ende der 1890er Jahre fanden sich ortsgeschichtlich interessierte Sondershäuser zu einem Museumskränzchen zusammen, „von dem aus manche Anregung in die Wirklichkeit und Öffentlichkeit trat, die im Altertumsverein Ursprung und Pflege hätte finden müssen.“Döring S. 11. Die Anregung dazu ging von dem Altertumskränzchen und der Museumsgesellschaft in Arnstadt aus, bei der Döring bis 1895 Mitglied war.Vgl. Franz Boese, Wie ich zur Museumsgesellschaft kam, und wie sie wurde. In Alt-Arnstadt. 12. Heft, 1939. S. 103–119. Förmlich gegründet wurde das Museumskränzchen am 9. Oktober 1899Vgl. Heimatliches in Der Deutsche 1910 Nr. 46. von Döring und Günther Lutze zusammen mit Otto Fleischhauer und Ernst Schedensack; es bestand bis 1923.Lebenswege in Thüringen, S. 218 und 290. Dort entstand der erste Kern der Sammlungen, die zum Städtischen Museum Sondershausen weiterentwickelt wurden.Aufruf in Der Deutsche 1902 Nr. 27. Das Museum existierte spätestens ab 1910, mit Döring als Leiter (Kustos),Adressbuch 1910 S. 128. Er hatte die Museumsleitung bis zu seinem Tod inne; vgl. Adressbuch 1937/38 S. XIV. und nahm die Sammlungen des Altertumsvereins auf, später auch das Fürstliche Naturalienkabinett.Döring S. 13; vgl. die Besuchsordnung für das Museum in Der Deutsche 1913 Nr. 78. Die Entwicklung und Pflege der Sammlungen wurde im Wesentlichen von Lutze und Döring geleistet.
Das Museumskränzchen stiftete einige Gedenktafeln für namhafte Einwohner der Stadt: für Cannabich, Irmisch und Bruch. (Die Kosten der Anbringung wurden jeweils von der Stadtverwaltung getragen.)Der Deutsche 1920 Nr. 261 und 278 (Cannabich), 1922 Nr. 48 und 54 (Irmisch) sowie 1922 Nr. 116 und 130 (Bruch).Das Kränzchen verwendete dazu ein Vermächtnis des Arztes Otto Moszeik (Nachruf in Der Deutsche 1921 Nr. 85). Dörings Antrag an den Magistrat vom 18. Januar 1922 ist abgedruckt bei Wolfgang Gresky, Gedenktafeln in der Stadt Sondershausen. Hrsg. Kulturamt der Stadt Sondershausen, 1993. S. 23.
Reformierung und Ende mini|Zeitschrift des reformierten Altertumsvereins 1922 Nach dem Ende der Monarchie im November 1918,Gesetzsammlung für das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen 1918 Nr. 55. dem Aufgehen des Freistaats im Land Thüringen im Mai 1920 und schließlich dem Ende der Gebietsvertretung Ende März 1923Der Deutsche 1923 Nr. 80; Lengemann, Landtag, S. 40–47. verlor der Altertumsverein seine regierungsamtliche Funktion.Vereinsakten bis 1923 befinden sich im Archiv des Ministeriums Sondershausen, II. Abt. (Inneres), Arch.-Sign. 2505. Er war nun in der üblichen Weise für Beitrittswillige offen, und es gab Ortsgruppen („Pflegschaften“) in mehreren Orten der Unterherrschaft wie auch eine in ArnstadtAdressbuch Arnstadt 1921 S. 165. (in der Oberherrschaft). Dort blieb sie jedoch nicht erhalten. Das Mitgliederverzeichnis vom Ende 1928 nennt 9 Ortsgruppen mit insgesamt 148 Mitgliedern, aber nur in der Unterherrschaft.Mitteilungen usw. 5. Heft, 1928, S. 53–56. Der reformierte Verein realisierte den alten Wunsch, eine eigene Zeitschrift herauszugeben: Ab Dezember 1922 erschienen die Mitteilungen des Vereins für deutsche Geschichts- und Altertumskunde mit Döring als Schriftleiter,Der Deutsche 1923 Nr. 41. zunächst mit dem Zusatz „Abteilung Unterherrschaft“, ab 1926 stattdessen „in Sondershausen“. 1925 wurde der Altertumsverein förmlich ins Vereinsregister eingetragen.Der Deutsche 1925 Nr. 165. Döring, der noch von der Gebietsregierung als Leiter eingesetztVgl. Der Deutsche 1923 Nr. 74 und Verabschiedung von Lehrkräften an den Staatsschulen in Der Deutsche 1924 Nr. 91. und später durch WahlenVorstandswahl am 14. Mai 1928 und am 12. Mai 1931; vgl. Der Deutsche 1928 Nr. 108 und 1931 Nr. 103. bestätigt worden war, legte in einer Sondersitzung im Juni 1932 den Vorsitz nieder, wobei seine Nachfolge zunächst ungeregelt blieb.Der Deutsche 1932 Nr. 137 und 141. Erst Monate später wurde Erich Caemmerer zum neuen Vorsitzenden gewählt.Vgl. Der Deutsche 1933 Nr. 60. Er führte die zeitgemäße Gleichschaltung mit demonstrativer Deutlichkeit durch; im Juli 1935 wurde die entsprechend modifizierte Satzung angenommen.Der Deutsche 1934 Nr. 143 mit 177 und 1935 Nr. 111 mit 153. Die neue Satzung wurde am 3. Oktober 1935 ins Vereinsregister eingetragen (Lengemann, Erich Caemmerer, S. 12). Die Mitgliederzahl hatte sich inzwischen auf 87 vermindert; in den nächsten Jahren sank sie auf 70.Der Deutsche 1936 Nr. 151, 1938 Nr. 153, 1939 Nr. 155, 1940 Nr. 148, 1941 Nr. 143, 1942 Nr. 141. Nach Dörings Tod 1938Nachruf des Vereins in Der Deutsche 1938 Nr. 100. kam 1940 noch ein Heft der Mitteilungen heraus,Der Deutsche 1940 Nr. 111. und noch im November 1942 fand eine öffentliche Sitzung statt.Der Deutsche 1942 Nr. 259. Für die folgenden Jahre sind jedoch keine Belege bekannt. Der Verein wurde 1949 aus dem Vereinsregister Sondershausen gestrichen.Lengemann, Edmund Döring, S. 10.
Der Verein stiftete einige Gedenktafeln: am Geburtshaus von Stefanie KeyserDer Deutsche 1928 Nr. 26. und am Wohnhaus von Ernst Ludwig Gerber;Beide Häuser sind im Original zerstört, die Tafeln sind verschollen. im Alten Gottesacker für zehn Gelehrte, die dort zwischen 1578 und 1852 beigesetzt wurden;Text in Gedenk- und Erinnerungstafeln, in Der Deutsche 1929, Nr. 104; vgl. Photo. sowie am und im Haus der Goethe-Vorfahren in Berka.Der Deutsche 1933 Nr. 3.
Mitglieder des Vereins für deutsche Geschichts- und Altertumskunde Direktoren/Vorsitzende Justizrat Carl Einert (1853–1854) Baurat Carl Scheppig (1854–1885) Regierungsrat Max von Bloedau (1885–1895)Nachruf in Der Deutsche 1895 Nr. 132. Max (1830–1895) war ein Sohn des Fürstlichen Leibarztes Dr. Carl Bloedau, der 1835 in den Adelsstand erhoben wurde. Hofjägermeister Adolf von Wolffersdorff (1895–1901)Nachruf in Der Deutsche 1901 Nr. 104.