mini|Grundschule
Weißkirchen ist einer der vier äußeren Stadtteile der Stadt Oberursel im südhessischen Hochtaunuskreis in Hessen.
Geographie Weißkirchen liegt südöstlich der Kernstadt und grenzt an die Städte Steinbach (Taunus) und Frankfurt am Main. Der Stadtteil wird von dem in der Gemarkung Oberursel entspringenden Urselbach durchflossen, der auf Frankfurter Gebiet in die Nidda mündet.
Geschichte 1255: Als Wizenkirchen wird Weißkirchen in einer Abschrift eines Lehensverzeichnisses erstmals urkundlich erwähnt. Die Ortsgründung liegt jedoch vor diesem Zeitpunkt. Deshalb legte die Stadtverwaltung 1980 das Jubiläumsdatum auf den 24. Juni 818 fest. 1622: Weißkirchen wird wie viele Orte auch vom Dreißigjährigen Krieg nicht verschont. So kommt es zur Brandschatzung des Ortes und im weiteren Verlauf mehrfach zu Plünderungen. 1860: Die Homburger Bahn von Frankfurt nach Bad Homburg vor der Höhe nimmt ihren Betrieb auf, und auch Weißkirchen erhält einen kleinen Bahnhof. 1972: Die bis dahin selbständige Gemeinde Weißkirchen wird am 1. April 1972 in die Stadt Oberursel eingemeindet.
Religionen mini|Kirche St. Crutzen 1310/50: Bau der ersten Kirche 1827: Der Weißkirchener Pfarrer Jakob Brand wird zum ersten Bischof des neu gegründeten Bistums Limburg berufen. 1955: Bildung der evangelischen Kirchengemeinde Stierstadt/Weißkirchen 1992: Umbenennung der ev. Gemeinde in Versöhnungsgemeinde.
Politik Bürgermeister 1848–1853: Jakob Diehl 1854–1883: Phillip Anton Hieronymi 1883–1898: Jacob Herr 1898–1899: Josef Diehl 1899–1921: Karl Andreas Hieronymi 1921–1932: Johann Kleebach 1932–1933: Gottfried Lipp (kommissarisch) 1933–1935: Johann Harth 1935–1945: Heinrich Keller (NSDAP) 1945–1946: Johann Kleebach 1946–1952: Hans Gauf (SPD) 1952–1968: Franz Dietz (FWG) 1968–1972: Albert Jung (CDU)
Ortsbeirat Für Weißkirchen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Weißkirchen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern.
Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2021 2016 2011 2006 Anteil Sitze Anteil Sitze Anteil Sitze Anteil Sitze Anteil Sitze CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 38,61 3 34,22 3 38,97 4 43.96 4 52,23 5 Grüne Bündnis 90/Die Grünen 20,68 2 22,19 2 15,36 1 22.64 2 – – OBG-FW Oberurseler Bürgergemeinschaft – Freie Wähler 17,67 1 17,20 2 13,94 1 – – 5,21 – SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 12,06 1 14,58 1 24,05 2 24.98 2 32,14 3 ULO/Volt Unabhängige Liste Oberursel (ULO)/Volt 6,24 – – – – – – – – – Linke Die Linke 4,74 – 3,51 – – – – – – – FDP Freie Demokratische Partei – – 8,30 1 7,68 1 8.42 1 10,42 1 Ungültige Stimmen in % 3,6 – 2,6 – 3,5 – 3,1 – 2,4 – Gesamtzahl Sitze 7 9 9 9 9 Wahlbeteiligung in % 59,65 59,35 52,48 53,21 48,52
Ortsvorsteher 1972: Josef Geißler 1972–1978: Heinz Fronapfel (FWG) 1978–1985: Franz Simon (FWG/CDU) 1985–1997: Hans Gerlach (CDU) 1997–2001: Kurt Hofmann (CDU) 2001–2010: Thorsten Schorr (CDU) 2010–2011: Elke Benner (CDU) 2011–2023: Nikolaus Jung (CDU) seit 23. März 2023: Susanne Kügel (CDU)
Wappen Am 3. April 1965 wurde der Gemeinde Weißkirchen im Obertaunuskreis (Regierungsbezirk Wiesbaden) ein redendes Wappen verliehen.
Blasonierung: „In Rot eine silberne Kirche in Vorderansicht mit schwarzer Türöffnung. Auf dem Turm ein goldenes Kreuz, über dem Schiff die Großbuchstaben W und K in Silber.“
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
mini|hochkant|Wasserturm am S-Bahnhof Kirche St. Crutzen
Die alte katholische Johanniskirche in Weißkirchen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zu klein, da die katholische Bevölkerung durch die Flüchtlinge und Vertriebenen stark wuchs. Daher erfolgte 1961/63 der Bau der heutigen römisch-katholischen Kirche St. Crutzen. Der Name der Kirche geht zurück auf Kirche und Kloster St. Crutzen (Heiliges Kreuz), die in Frankfurt-Kalbach am Riedberg lag.
Der Bau ist von außen ein Betonbau im Stil der 1960er Jahre mit getrenntem Glockenturm. Auffällig ist das aufgefaltete Dach mit den Glasfenstern im oberen Viertel. Auch wenn der Bau von außen unverkennbar ein Werk der Neuzeit ist, befinden sich im Inneren eine Marienstatue mit Kind im Seitenschiff (um 1750) sowie eine Statue der heiligen Barbara am Seiteneingang aus der alten Johanniskirche.Kirchenführer Hochtaunus, abgerufen am 14. Januar 2016 (S. 58 PDF; 4,8 MB)
Wasserturm Weithin, besonders von Frankfurt aus sichtbar ist der als Weißkircher Wahrzeichen geltende Wasserturm auf dem Versuchsgelände der Firma Mazda, ein Industriedenkmal. In dem 42,2 m hohen Bauwerk speicherte die früher hier angesiedelten Erste Süddeutschen Ceresinfabrik Schütz 200 m³ Wasser. In Form von Dampf diente es zur Verflüssigung der Rohwachse, als Kühlwasser dann zur Verfestigung der hergestellten Kerzen.Bernd Ochs: Die Firma Georg Schütz GmbH – Erste Süddeutsche Ceresinfabrik in Weißkirchen (Taunus) und ihr Zwangsarbeiterlager, Heft 50-2011 der Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Heimatkunde Oberursel e. V. (PDF)
Naturdenkmale mini|hochkant|Stufenlinde am Urselbach Stufenlinde am Urselbach Die frühere Dorf- und Gerichtslinde steht auf dem – inzwischen zum Gasthausgarten gewordenen – ehemaligen Dorfplatz am Urselbach und repräsentiert den alten Dorfmittelpunkt von Weißkirchen. Die etwa 800 Jahre alte Sommerlinde ist eine geleitete und gestützte Stufenlinde mit außergewöhnlich ausladendem und bizarrem Wuchs„Geleitete Linde in Weißkirchen“ im Baumregister bei www.baumkunde.de. Der als Naturdenkmal ausgewiesene Baum ist das einzige Exemplar einer geleiteten Linde im Hochtaunuskreis. Das Landesgeschichtliche Informationssystem Hessen (LAGIS) bezeichnet den Platz unter der Linde als eine historische Gerichtsstätte.
Vereine Der Vereinsring Weißkirchen/Taunus ist eine Interessengemeinschaft von Vereinen und Kirchengemeinden des Oberurseler Stadtteils. Er koordiniert die Veranstaltungstermine und unterstützt die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsorganisationen.
Gesangverein Germania 1873 Weißkirchen/Ts. e. V. Der älteste der Weißkircher Vereine ist mit seiner Gründung am 1. Januar 1873 der Gesangverein Germania 1873 Weißkirchen/Ts. e. V.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|S-Bahnhof am westlichen Rand mini|U-Bahn, Ostseite
Der S-Bahnhof Oberursel-Weißkirchen/Steinbach liegt etwa in der Mitte zwischen Weißkirchen und Steinbach und wird von der S 5 bedient. Eine U-Bahnstrecke tangiert den östlichen Ortsrand. Hier verkehrt die U-Bahnlinie U3.
Linie Verlauf Takt
AFN-Rundfunksender mini|Sender Weißkirchen am 25. April 2011, zwei Jahre vor der Abschaltung
In Weißkirchen betrieb das American Forces Network (AFN) von 1951 bis 2013 seinen leistungsstärksten Rundfunksender in Deutschland. Gesendet wurde auf Mittelwelle 873 kHz mit einer Sendeleistung von 150 kW.
Die Sendeantenne bestand aus drei gegen Erde isolierten, 86 Meter hohen, abgespannten Stahlgittermasten, die zwischen 1954 und 1955 errichtet wurden und in einer Reihe mit gegenseitigem Abstand von 140 Metern angeordnet waren. Tagsüber wurde rundstrahlend gesendet und die Sendeenergie nominell über den mittleren Sendemast abgestrahlt. Nachts wurden für eine stärker gerichtete Abstrahlung alle drei Sendemasten gespeist.
Am 31. Mai 2013 wurde der Sender endgültig abgeschaltet. Als Abschaltzeitpunkt war 16:00 Uhr geplant, tatsächlich endete der Betrieb schon um 15:12 Uhr.AFN schaltet Mittelwellensender Weißkirchen ab. In: dxaktuell.de Begründet wurde die Abschaltung mit zu hohen Energiekosten von rund 400.000 Euro jährlich. In: Taunuszeitung, 1. Juni 2013 Die Masten blieben vorerst noch stehen, sie wurden am 23. April 2015 um 13:00 Uhr durch Sprengung zu Fall gebracht und abgebaut.Video der Sprengung bei YouTube, abgerufen am 20. November 2016. Erst wenige Jahre zuvor war für einen Millionenbetrag ein neuer Sender installiert und die Antennenanlage umgebaut worden.
Der Sender Weißkirchen des American Forces Network sollte nicht mit dem ebenfalls abgebauten Sender Weiskirchen des Hessischen Rundfunks (HR) im Landkreis Offenbach verwechselt werden.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Jakob Herr (1867–1950), deutscher römisch-katholischer Priester Johann Schmidt (1895–1977), deutscher Sprachforscher
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
Jakob Brand (1776–1833), deutscher Bischof der Diözese Limburg an der Lahn Aloys Henninger (1814–1862), nassauischer Dichter und Schriftsteller Lia Wöhr (1911–1994), deutsche Schauspielerin, Regisseurin, Tänzerin, Sängerin und Fernsehproduzentin Dorothea Henzler (* 1948), deutsche Politikerin (FDP), Kultusministerin in Hessen
Literatur Johann Schmidt: Chronik der Gemeinde Weißkirchen/Ts. Weißkirchen/Taunus 1965. Vereinsring Weißkirchen e. V.: 818-2018: 1200 Jahre Leben in Weißkirchen. Weißkirchen 2018.
Weblinks
Belege
Kategorie:Ort im Hochtaunuskreis Kategorie:Ortsbezirk von Oberursel (Taunus) Kategorie:Sendeanlage in Hessen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Hochtaunuskreis) Kategorie:Gemeindeauflösung 1972