Steinau (im lokalen Dialekt: Stoane)Darmstädter Echo, Mittwoch, 1. August 2018, S. 19 ist ein Ortsteil der Gemeinde Fischbachtal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geographie Das Straßendorf liegt, von Wald umgeben, innerhalb des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald im Granitgebiet des nördlichen Odenwald, ca. 18 km südwestlich von Dieburg. Der Ortsteil Steinau besteht aus der 196,1 Hektar umfassenden Gemarkung Steinau.
An den Ortsteil Steinau grenzen, vom Norden beginnend, im Uhrzeigersinn an die Orte Klein-Bieberau, Lichtenberg, Billings, Meßbach, Fränkisch-Crumbach, Winterkasten und Lützelbach. Am nördlichen Ortsrand verläuft die Landesstraße 3102, von der die Kreisstraße 71 in den Ort führt und hier endet.
Geschichte Ortsgeschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde, soweit bekannt, das Dorf im Jahre 1347, als Erkingen von Rodenstein seine Rechte zu Steinau an den Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen verkaufte. Weitere Erwähnungen erfolgten unter den Ortsnamen (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Steynauw (1433), Steinha (16. Jahrhundert), Steinenn (16. Jahrhundert), Steina (1653) und Steinau (1748). Im 16. Jahrhundert stand das Dorf den Junkern von Rodenstein zu; der Landgraf von Hessen hatte die .
Im Dreißigjährigen Krieg überlebte nur ein Bauer die Kriegsgräuel.
Steinau lag im Gerichtsbezirk der Zent Oberramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“ eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Dieser Bezirk hatte einen Frachtwagen (Reiswagen) einschließlich Zugtieren und Fuhrknechten für Feldzüge bereitzustellen. Steinau gehörte zum „Großbieberauer Reiswagen“, dem Waldhausen besteht aus den Orten Niedernhausen, Billings, Meßbach und Nonrod sowie die Dörfer Rodau, Wersau und Steinau angehörten. Die gesamte Zent Oberramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.
Von 1821 bis 1909 gehörte das Dorf zur Bürgermeisterei Neunkirchen und war danach wieder eine eigenständige Gemeinde. Kirchlich gehört der Ort seit 1877 zum Kirchspiel Neunkirchen. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden eine Getreidemühle und eine Ölmühle betrieben. 1901 wurde die Schule erbaut.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Steinau:
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Steinau war bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit den Gemeinden Nonrod, Lichtenberg, Niedernhausen, Billings und Meßbach zur Gemeinde Fischbachtal zum 31. Dezember 1971 im Zuge der Gebietsreform in Hessen eine selbstständige Gemeinde. Für jede dieser ehemaligen Gemeinden wurde ein Ortsbezirk eingerichtet. Die Gemeindeverwaltung erhielt ihren Sitz im Ortsteil Niedernhausen.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Steinau angehört(e):
vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obere Grafschaft Katzenelnbogen (1457: zur Rodensteiner Mark) ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obere Grafschaft Katzenelnbogen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obere Grafschaft Katzenelnbogen (1783: Amt Lichtenberg, Zent Oberramstadt, Großbieberauer Reiswagen) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ReinheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lichtenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landkreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg, Gemeinde Fischbachtal ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Fischbachtal
Gerichte Steinau gehörte zum Zentgericht Oberramstadt. 1791 wird das Untergericht „Der kleinen Märker“ genannt. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Steinau das Amt Lichtenberg zuständig. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.
Mit Bildung der Landgerichte und Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lichtenberg das Gericht erster Instanz, zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: ab 1848: Landgericht Reinheim (Verlegung von Lichtenberg nach Reinheim), zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt ab 1879: Amtsgericht Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt ab 1968: Amtsgericht Darmstadt mit der Auflösung des Amtsgerichts Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Steinau 306 Einwohner. Darunter waren 3 (1,0 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 48 Einwohner unter 18 Jahren, 144 zwischen 18 und 49, 57 zwischen 50 und 64 und 57 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 123 Haushalten. Davon waren 30 Singlehaushalte, 30 Paare ohne Kinder und 45 Paare mit Kindern, sowie 12 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 21 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 84 Haushaltungen keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1629: 10 Hausgesesse • 1791: 66 Einwohner • 1800: 114 Einwohner • 1806: 116 Einwohner, 16 Häuser • 1829: 143 Einwohner, 20 Häuser • 1867: 178 Einwohner, 28 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 142 lutheranische (= 99,30 %) und ein katholischer (= 0,97 %) Einwohner • 1961: 236 evangelische (= 96,33 %), 7 katholische (= 2,86 %) Einwohner
Politik Für Steinau besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Steinau) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat Steinau 69,422 %. Dabei wurden gewählt: Je zwei Mitglieder der SPD und „Freien Wählergemeinschaft Fischbachtal“ (FWF) sowie ein Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen. Der Ortsbeirat wählte Elisabeth Güttler (FWF) zur Ortsvorsteherin.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Fischbachtal-Steinau
Naturräume Am Südrand von Steinau liegt das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Buchenwälder des Vorderen Odenwaldes (FFH-Nr. 6218-302; 37,0545 km²). Hier finden sich einige durch Rundwanderwege erreichbare Felsformationen wie das unmittelbar am Ortsrand gelegene Kleine Felsenmeer und weiter östlich der Rimdidim mit markanten Felsklippen und dem sogenannten Gagernstein an seiner Nordwestflanke. Südwestlich des Ortes liegt der Steinkopf mit dem als Naturdenkmal ausgewiesenen Zindenauer Schlösschen.
Regelmäßige Veranstaltungen August: ZeltkerbDarmstädter Echo, Donnerstag, 27. August 2015, S. 18
Weblinks
Ortsteil Steinau In: Webauftritt der Gemeinde Fischbachtal.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Fischbachtal) Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Ersterwähnung 1347 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971