Die Liste der Personen der Weißen Rose Hamburg ist eine Ergänzung zum Artikel über die Weiße Rose Hamburg, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus. Sie bestand aus mehreren Freundes- und Familienkreisen, die in Anlehnung an die Weiße Rose in München gegen das NS-Regime agierten. Bekannt sind gut 50 Personen, die in dieser Weise aktiv waren. 1943 wurden mehr als 30 von ihnen verhaftet. Acht Mitglieder wurden ermordet oder starben während der Haft, zwei weitere starben an den Folgen der Haft.
Die Namen der Personen, die der Widerstandsgruppe direkt zugerechnet werden, sind in fetter Schrift aufgeführt. Die anderen Personen zählen zum Umfeld.
B Hermine Baron (15. September 1866 bis 22. Januar 1943), Mutter von Katharina Leipelt Hermine Baron lebte bis 1938 in Wien und flüchtete mit ihrem Mann nach dem „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich nach Brünn. Ihr Mann (Arnold Baron) starb dort und sie wurde von ihrem Schwiegersohn Konrad Leipelt nach Hamburg-Wilhelmsburg geholt. Am 19. Juli 1942 wurde sie in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie zu Tode kam. Zu ihrem Gedenken wurde in der Mannesallee 20 in Hamburg-Wilhelmsburg ein Stolperstein verlegt., abgerufen am 12. Februar 2010
Howard Beinhoff (15. November 1916 bis 23. Juli 1986) Lichtwark-Schüler, Philologiestudent Howard Beinhoff war ein Freund von Hans Leipelt und Karl Ludwig Schneider, verkehrte im Haus der Familie Leipelt in Wilhelmsburg und war bis 1943 an den Treffen in der Agentur des Rauhen Hauses beteiligt. Im Jahr 1942 hatte er privaten Briefkontakt mit Sophie Scholl, aus dem jedoch kein Zusammenhang mit den Widerstandsgruppen hervorgeht. Nach dem Krieg war er von 1954 bis 1971 Lehrer an der Stormarnschule in Ahrensburg, er unterrichtete Englisch, Französisch und Philosophie.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 81, 389 ff.; Maike Bruhns: Kunst in der Krise. Band 1: Hamburger Kunst im „Dritten Reich“, S. 324
Wolf Beneckendorff (1. März 1891 bis 27. Januar 1960), Schauspieler Wolf Beneckendorff nahm 1942/1943 an mehreren Treffen in der Agentur des Rauhen Hauses teil.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 403; Maike Bruhns: Kunst in der Krise. Band 1: Hamburger Kunst im „Dritten Reich“, S. 324
Jürgen Bierich (1921–1994), Medizinstudent Jürgen Bierich nahm 1942/1943 an mehreren Treffen in der Agentur des Rauhen Hauses teil.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 394; Maike Bruhns: Kunst in der Krise. Band 1: Hamburger Kunst im „Dritten Reich“, S. 324
Otto Blumenthal, Assistenzarzt am Universitäts-Krankenhaus Eppendorf (UKE) Otto Blumenthal war Mitglied der candidates of humanity.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 402 f.
Ursula de Boor (3. März 1915 bis 5. Mai 2001) Assistenzärztin in der Kinderklinik des UKE, Tochter der Lyrikerin Lisa de Boor (1894–1957) Ursula de Boor war Mitglied der candidates of humanity, sie wurde am 20. Dezember 1943 verhaftet und in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel gebracht, ab November 1944 als Untersuchungsgefangene dem Volksgerichtshof überstellt, in das Frauenzuchthaus Cottbus und im Februar 1945 vor der herannahenden Roten Armee mit etwa 500 anderen Gefangenen nach Bayreuth verlegt. Sie war im Teil-Verfahren gegen Albert Suhr, Hannelore Willbrandt, Dr. Ursula de Boor, Wilhelm Stoldt und Felix Jud angeklagt, die Hauptverhandlung fand am 19. April 1945 vor dem Volksgerichtshof in Hamburg in Abwesenheit der Angeklagten statt. Ursula de Boor war bereits am 14. April 1945 in Bayreuth von amerikanischen Truppen befreit worden.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 295, 403 ff.; Tagebuch Lisa de Boor, Auszug in Ursel Hochmuth (Hrsg.): Candidates of Humanity. Dokumentation, S. 17 ff.
C Lotte Canepa, Lichtwark-Schülerin, Bündische Jugend Lotte Canepa nahm am Lesekreis Erna Stahl teil und engagierte sich bei den Aktivitäten von Margaretha Rothe und Heinz Kucharski. Lotte Canepa wird in der Anklageschrift gegen Kucharski u. a. benannt, ihr wurde vorgeworfen, verbotene Bücher beschafft zu haben. Sie selbst ist jedoch nicht angeklagt worden.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 81, 388; Arno Klönne: Gegen den Strom (1958) In: Ursel Hochmuth: Candidates of Humanity, S. 31
D Hermann Degkwitz (29. August 1921 bis 8. Dezember 2007), Kunststudent, Sohn von Rudolf Degkwitz sen. Hermann Degkwitz gründete im Juni 1940 zusammen mit Willi Renner das Musenkabinett, er nahm zudem regelmäßig an den Treffen in der Agentur des Rauhen Hauses teil.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 295, 391 ff.; Maike Bruhns: Kunst in der Krise. Band 1: Hamburger Kunst im „Dritten Reich“, S. 98 ff.
Richard Degkwitz, Medizinstudent, Sohn von Rudolf Degkwitz sen. Richard Degkwitz war Mitglied der candidates of humanity und stand in Verbindung zum Kreis um die Agentur des Rauhen Hauses.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 295 ff.
Rudolf Degkwitz (senior) (19. Januar 1889 bis 21. Mai 1973), Ordinarius für Kinderheilkunde Rudolf Degkwitz lehnte öffentlich die Reglementierung der Wissenschaft und die Kulturfeindlichkeit der Nationalsozialisten ab, engagierte sich gegen Antisemitismus und Judenverfolgung und wandte sich gegen die Kindereuthanasie. Er unterstützte die candidates of humanity und das Musenkabinett. Er wurde am 22. September 1943 verhaftet, zunächst im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel untergebracht, dann als Untersuchungshäftling dem Volksgerichtshof überstellt und in die Strafanstalt Berlin-Tegel gebracht. Am 21. und 24. Februar 1944 fand seine Hauptverhandlung in Berlin statt, er wurde zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Verfahren Rudolf Degkwitz sen. wurde nicht in den Zusammenhang der Widerstandsgruppen gestellt. Gleichwohl war er bedeutend als Mentor insbesondere der candidates of humanity. Zur Verbringung der Haftstrafe wurde er in das Zuchthaus Celle eingewiesen, bei der Räumung am 8. April 1945 konnte er fliehen und bis Kriegsende untertauchen.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 292–302
Rudolf Degkwitz (junior) (20. Juni 1920 bis 18. September 1990), Medizinstudent Rudolf Degkwitz jun. war Mitglied der candidates of humanity, nahm an den Treffen des Musenkabinetts und an Diskussionen in der Agentur des Rauhen Hauses teil. Im Wintersemester 1942/43 hielt er sich anlässlich seiner Promotion in München auf, vermutlich ohne Kontakt zur dortigen Gruppe der Weißen Rose. Er wurde am 18. Dezember 1943 verhaftet und in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel gebracht und im Teil-Verfahren gegen Heinz Kucharski, Margaretha Rothe, Erna Stahl, Dr. Rudolf Degkwitz jun. und Hildegard Heinrichs angeklagt, die Hauptverhandlung fand am 17. April 1945 vor dem Volksgerichtshof in Hamburg statt, das Urteil gegen ihn lautete auf ein Jahr Gefängnis. Kurze Zeit später konnte er durch britische Truppen befreit werden.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 295, 390 ff.
Eva von Dumreicher (19. Mai 1920 bis 30. Januar 2010), geborene Heiligtag, Assistenzärztin im UKE Eva Dumreicher war Mitglied der candidates of humanity, während eines Studienaufenthalts in der Schweiz im Wintersemester 1942/43 erhielt sie Informationen über die Kriegsverbrechen der Deutschen, die sie nach ihrer Rückkehr unter den Kollegen verbreitete. Im Oktober 1943 wurde sie verhaftet, die Beweise reichten nicht für eine Anklage, die Entlassung aus der Polizeihaft fand Ende 1943 statt.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 402, 414
F Wilhelm Flitner (20. August 1889 bis 21. Januar 1990), Reformpädagoge, Professor an der Universität Hamburg Wilhelm Flitner war Mitglied des Musenkabinetts, mit seinem Oberseminar Anthropologisches Colloquium und weiteren Diskussionskreisen unterstützte er die widerständigen Studenten.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 394 ff.; Angela Bottin: Enge Zeit. Spuren Vertriebener und Verfolgter der Hamburger Universität, S. 28 u. a.
G Friedrich Rudolf Geussenhainer, auch Frederick Geussenhainer (24. Mai 1912 bis April 1945), Medizinstudent, ermordet im KZ Mauthausen Friedrich Geussenhainer war überzeugter Katholik und 1939 kurzzeitig inhaftiert, da er eine Rede des Bischofs von Galen verteilt hatte. 1942 lernte er Albert Suhr kennen und wurde Mitglied der candidates of humanity. Im Juli 1943 erfolgte seine Verhaftung und Unterbringung im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel. Eine Anklage gegen ihn wurde nicht erhoben, am 6. Juni 1944 lieferte man ihn als Schutzhäftling in das KZ Neuengamme, einige Wochen später wurde er in das KZ Mauthausen überstellt. Dort wurde er ab dem 13. Dezember 1944 dem Kommando Gusen, einem Außenlager des KZs und ab dem 3. April 1945 dem Kommando Amstetten, einem weiteren Außenkommando, unterstellt. Er starb im April 1945 an einem unbekannten Datum den Hungertod. An Friedrich Geussenhainer wird in Hamburg mit der Gedenkplatte im Audimax, dem Mahnmal in Volksdorf sowie einem Stolperstein in der Johnsallee 63 in Rotherbaum erinnert. Zudem ist auf dem Gelände des Universitätsklinikum Eppendorf das Rothe-Geussenhainer-Haus nach ihm und Margaretha Rothe benannt.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 402 ff.; Mechtild Bausch: All die Erschlagenen, wer lebt für die? taz-artikel vom 21. August 1992, abgerufen am 29. Dezember 2010; Helmut Moll, Art.: Friedrich Rudolf Geussenhainer, in: Ders. (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn u. a. 1999,. 8., erweiterte und aktualisierte Auflage 2024, Band II, S. 1750–1754.
Hans Rudolf (John) Gluck, auch John Gluck (17. Februar 1906 bis 6. Juli 1952), Assistenzarzt im UKE John Gluck war Mitglied der candidates of humanity, man verhaftete ihn im Juli 1943. Im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel wurde er misshandelt und kam in Dunkelhaft. Es wurde keine Anklage gegen ihn erhoben, am 6. Juni 1944 erfolgte die Einlieferung als Schutzhäftling in das KZ Neuengamme, einige Wochen später die Überstellung in das KZ Mauthausen. Er wurde am 5. Mai 1945 in Mauthausen von amerikanischen Truppen befreit. Er erholte sich nicht von den Folgen der Haft und starb 1952 in Südafrika.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 402 ff.; Zeugenaussage Dr. Gluck (1947), in: Ursel Hochmuth: Candidates of Humanity, S. 23 f., siehe auch: Mechtild Bausch: All die Erschlagenen, wer lebt für die? taz-artikel vom 21. August 1992, abgerufen am 29. Dezember 2010
Riko Graepel (geboren 28. August 1922), Jurastudent Riko Graepel war ein Freund Hans Leipelts, stammte aus Harburg und studierte von 1941 bis 1943 Jura in München. Er stand unter Anklage im Teil-Verfahren gegen Karl Schneider, Maria Leipelt, Dorothea Zill, Emmy Zill, Ilse Ledien und Riko Graepel. Ihm wurde vorgeworfen, er hätte im Februar 1943 einen Koffer mit verbotenen Büchern von Hans Leipelt untergestellt. Der Prozess fand am 20. April 1945 vor dem Volksgerichtshof in Hamburg statt, Riko Graepel wurde freigesprochen.Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand. 1933–1945, S. 200, 220
H Theo Hambroer, Schriftsteller, Freireligiöse Bewegung