Undenheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Rhein-Selz an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Oppenheim hat.
Geographie Undenheim liegt zentral in Rheinhessen, ca. 20 Kilometer südlich der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz. Zur Gemeinde gehören die Wohnplätze Sparrmühle, Kastanienhof sowie der Aussiedlerhof Schwamb.
Nachbargemeinden sind Bechtolsheim, Gabsheim, Friesenheim, Köngernheim, Schornsheim und Weinolsheim.
Die Gemarkung Undenheims liegt in einem nach Westen geöffneten Bogen der Selz, die den östlichen Ausläufern der Wörrstädter Höhe entlang verläuft. Die tiefste Stelle mit 124,4 m über NHN befindet sich östlich des Ortes in der Flur An der Römervilla an der Selz und die höchste Stelle westlich des Ortes auf dem Undenheimer Berg in Richtung Schornsheim mit 187,7 m Höhe über NHN. Die Topographie der Siedlungsfläche ist leicht wellig und steigt erst in westlicher Richtung etwas stärker an.
Im Unterschied zu vielen anderen rheinhessischen Gemeinden war der Weinanbau nur von zweitrangiger Bedeutung. Der humushaltige Boden, der sich auf diesem Gebiet bis in eine Tiefe von 110 cm nachweisen lässt, gab dem normalen Ackerbau bessere Voraussetzungen. Erst in den 1960er begann man in Undenheim in größerem Umfang Wein anzubauen.
Ein Zufluss der Selz, der Goldbach, durchfließt die Ortschaft in ostwestlicher Richtung und mündet bei Köngernheim in die Selz. Im späten Mittelalter trieb dieser Bach drei Mühlen in Undenheim an. Nach der Begradigungen und der Überbauung in den 1970er Jahren ist er meist nur ein Rinnsal und führt nur in Regenzeiten nennenswert Wasser. Lediglich der Talgraben der die Gemarkung Undenheims durchfließt und ca. einen Kilometer südlich des Dorfes in die Selz mündet, führt infolge einer Drainage, die auf der Gabsheimer Gemarkung verlegt worden ist, wieder mehr Wasser.
Geschichte
Im Gegensatz zu anderen Siedlungsflächen Rheinhessens, ist der Untergrund Undenheims weniger geschichtsträchtig und zeugt nur von einem 1950 gefundenen kugelförmigen Stein aus Porphyr, der von Fachleuten als ein Klopfstein aus der jüngeren Steinzeit gehalten wird und heute im Ortsmuseum Undenheim zu sehen ist. Ungesichert datiert sind ebenfalls in den 1950er Jahren ausgegrabene angebliche Funde von Mammutknochen und Steinbeilen. Die wenigen Zeugnisse einer frühen Besiedlung werden auch auf den fruchtbaren Lößboden in dieser Senke zurückgeführt, der durch den jahrhundertelangen intensiven Ackerbau immer wieder durchpflügt und damit steinzeitliche Funde zerstört worden sind.
Gesicherte Erkenntnisse zur Besiedlung der Undenheimer Gemarkung brachte erst ein 1966 gezogener Graben für eine Öl-Pipeline, bei dem sechs keltische Gräber angeschnitten worden sind. Ein latène-zeitliches Grab mit einem Kelten fand man z. B. 70 Meter südlich des niedergegangenen Dörfchens Nordelsheim, von dem später noch einmal die Rede sein wird. Lanze und Schild waren seine Grabbeigaben. Trotzdem bestehen Zweifel über eine kontinuierliche Besiedlung des Gebietes bis zur Römerzeit.
Erst seit dem Sieg Cäsars über die Gallier (58–52 v. Chr.) findet man Zeugnisse etlicher Villae Rusticae auf der Gemarkung Undenheims, die für die Versorgung der römischen Garnison in Mogontiacum, dem heutigen Mainz, erforderlich waren und es kann von einer danach fortdauernden Urbanisierung in einer relativ ereignislosen Zeit in der Region gesprochen werden. Dieses mehr als 4 Jahrhunderte andauernde Zeitalter erhielt ein jähes Ende, als an Silvester 406 germanische Stämme während der Völkerwanderungszeit den Rhein bei Mainz überschritten und die letzten Reste der römischen Hegemonie beendeten. Für das Gebiet um Undenheim, ja für ganz Rheinhessen begannen unruhige Zeiten. Wechselnde Besitzverhältnisse kennzeichnen ein Jahrhundert lang das rheinhessische Gebiet, ja ganz Westeuropa. Aber speziell in Rheinhessen rangen Burgunder, Alemannen, Franken und Hunnen um die Vorherrschaft. Erst nach dem Sieg des fränkischen Königs Chlodwigs über die Alemannen im Jahr 496 beruhigten sich die Zeiten wieder etwas.
Archäologische Funde aus dem Anfang des 5. Jahrhunderts bezeugen die ersten Wurzeln des heutigen Undenheims. Nicht weit entfernt des heutigen Friedhofs fand man ein fränkisches Gräberfeld, das als Beweis für eine kontinuierliche Besiedlung seit dieser Zeit gilt. Es wird davon ausgegangen, dass ein fränkischer Edelmann namens „Undo“, Undenheim seinen Namen gab.
Die erste schriftliche Erwähnung Undenheims aus dem Jahr 767, stammt aus dem Lorscher Codex, welcher im Staatsarchiv Würzburg aufbewahrt wird. Es handelt sich dabei um eine Schenkungsurkunde eines Hofes im Nachbarort Hahnheim an Undenheim. Die Besitzverhältnisse und Hoheitsrechte in Undenheim liegen bis zum Ende des 12. Jahrhunderts, im Gegensatz zu den Orten der Umgebung, im Dunkeln. Zwar verfügten die Herren von Bolanden über Grundbesitz aber über keine Hoheitsrechte. Besitztümer des Klosters St. Alban verwaltete ein Vogt der Grafen von Zweibrücken. Auch über einen Grundbesitz der Rheingrafen sind aus dieser Zeit Zeugnisse überliefert, jedoch konnte auch dieses Geschlecht sich nicht als Herrschaft in Undenheim etablieren und verschwand später aus der Geschichte im Zusammenhang mit Undenheim gänzlich. Indirekt kann auf eine Herrschaft des hessischen Adelsgeschlechts Hohenfels und eines kurpfälzischen Herrschaftsbereiches, wie es sich später zeigt, geschlossen werden.
Erst eine Urkunde aus dem Jahr 1277 kündet von einer Abhängigkeit Undenheims zu der im 12. Jahrhundert errichteten Pfalzgrafschaft Alzey als ein abgelegenes Nebenland der Welfen und Wittelsbacher. Fernab des Machtzentrums der Kurpfalz suchten die Truchsesse von Alzey ihre Machtposition in Rheinhessen zu stärken. Ludwig II. bereitete dem ein Ende und zwang die Truchsesse am 12. April 1277 in Worms in der angeführten Urkunde die Herrschaft der Kurpfalz auf diesem Gebiet anzuerkennen und die widerrechtlich angeeigneten Einkünfte zu erstatten. Ausdrücklich wiesen die Alzeyer Amtsleute in dieser Urkunde aber darauf hin, dass Undenheim und Nordelsheim davon ausgenommen werden, da die Einkünfte aus diesen Orten den Herren von Hohenfels, die von den Kurpfälzern wohl schon im 12. Jahrhundert mit diesen Dörfern belehnt worden sind, zugutegekommen sind.
An dieser Stelle muss angemerkt werden, dass Undenheim und Nordelsheim in allen mittelalterliche Urkunden, die ihre politische Zugehörigkeit betrafen, in einem Atemzug genannt wurden. So schloss Ruprecht von der Pfalz 1349 einen Vertrag, das Weistum mit den beiden Orten ab, das die Rechtsprechungsgrundlagen festlegte und in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder erneuert worden ist. Im Prinzip die „Lex Undenheim“, das Grundgesetz. Der Gerichtsstand befand sich ab diesem Zeitpunkt auf der Burg Alzey und war dem pfälzischen Oberamt Alzey zugeordnet. Neben einem seit 1321 nachgewiesenen Dorfgericht in Undenheim.
Abgesehen von den Wirren der folgenden Jahrhunderte wegen wechselnden Besitzverhältnissen und den Streitigkeiten zwischen den kurpfälzischen Welfen und Wittelsbachern einerseits und dem Erzbistum Mainz und seinen Klöstern andererseits, stach ein Ereignis ganz besonders hervor. Die Nachbargemeinde Nordelsheim, zehn Wegminuten westlich des Ortsrands von Undenheim gelegen, wurde an Pfingsten des Jahres 1516 von einem schweren Unwetter heimgesucht und völlig zerstört. Die überlebenden Bewohner suchten Schutz in Undenheim und siedelten in der Folge dann auch dort. Es scheint, dass sich in dieser Zeit der Ortskern Undenheims etwas in die östliche Richtung verschob und der Anfang der Bebauung des Geländes um die spätere Untergasse, heute Staatsrat-Schwamb-Straße war.
Beträchtlichen Einfluss auf das Leben der Undenheimer nahm auch die Konfessionszugehörigkeit nach der Reformation, abgesehen von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648). Von Kurfürst Otto-Heinrich, der 1556 die Reformation einführte bis Kurfürst Karl Ludwig nach dem Westfälischen Frieden, wechselte das Bekenntnis der Undenheimer achtmal. Dann aber endgültig zum reformierten (lutherischen) Glauben.
Dem Ende des Dreißigjährigen Krieges folgte für Undenheim, so wie für ganz Rheinhessen, keine sehr lange Periode des Friedens. Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) brachte erneutes Leid für die Menschen. So wurde 1689 bis auf die Undenheimer Dorfkirche das Dorf völlig zerstört, worauf man den Umstand schließen kann, dass in Undenheim kein Gebäude oder Gehöft vor dieser Zeit mehr vorhanden ist, wobei auf ein hiervon auszunehmendes erhaltenes Kellergewölbe in der Staatsrat-Schwamb-Straße von 1549 zu verweisen ist.
Im weiteren Verlauf dieses unruhigen Jahrhunderts hatte Undenheim unter den kriegerischen Auseinandersetzungen und deren Folgen wie dem Österreichischen Erbfolgekrieg und dem Siebenjährigen Krieg zu leiden. So war es üblich, dass die Einwohner der Gemeinde regelmäßig für Kost und Logis der durchziehenden oder einquartierten Truppen aufkommen mussten.
Von den Folgen des ersten Koalitionskriegs (1792–1797) blieb Undenheim nicht verschont. Trotz der Verwüstungen und der Kosten, unter denen die Undenheimer durch die napoleonischen Okkupanten zu leiden hatten, der 1798 zur Erstellung einer Petition zur Vereinigung mit Frankreich führte. Undenheim war von da an Teil des französischen Kantons Wörrstadt im Département du Mont-Tonnerre, der mit den Grenzen des heutigen Donnersbergkreises aber nichts gemein hat. Hauptstadt des Departements war Mayence. In der Chronik Undenheims ist zu lesen, dass 25 junge Undenheimer zur napoleonischen Armee eingezogen worden sind, von denen 9 im Russlandfeldzug ihr Leben lassen mussten.; siehe auch Webpräsenz Undenheim:
Diese unruhigen Zeiten hatten ein Ende, als Rheinhessen infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses dem Großherzogtum Hessen angegliedert wurde.
Ein weiterer, weit weniger verhängnisvoller Einschnitt in der Ortschronik, war die Einführung der Simultanschule 1876, gegen den Widerstand der Geistlichen beider Glaubensrichtungen. Bis dahin gab es in Undenheim zwei Konfessionsschulen. Die 137 evangelischen und die 48 katholischen Schüler wurden von da an von zwei evangelischen und einem katholischen Lehrer unterrichtet. Vom zahlenmäßigen Verhältnis der Jungen zu Mädchen gibt es keine Überlieferung.
Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Undenheim, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 838 1835 1.188 1871 1.159 1905 1.300 1939 1.467 1950 1.870 1961 1.677 Jahr Einwohner 1970 1.702 1987 1.567 1997 2.152 2005 2.532 2011 2.699 2017 2.958
Politik Gemeinderat mini|Gemeindeverwaltung Der Gemeinderat in Undenheim besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Bis 2009 gehörten dem Gemeinderat 16 Ratsmitglieder an, die Erhöhung war nach Kommunalwahlrecht durch die gestiegene Einwohnerzahl Undenheims erfolgt.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU BfU WLU UFL Gesamt 2024 3 5 9 – 3 20 Sitze 2019 3 2 7 3 5 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2014 6 1 10 3 – 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2009 6 – 14 – – 20 Sitze 2004 6 2 8 – – 16 Sitze BfU = Bürger für Undenheim e. V. WLU = Lebenswertes Undenheim e. V. UFL = Undenheimer Freie Liste
Ortsbürgermeister mini|100px|Grenzstein Thomas Zimmerer (CDU) wurde am 22. August 2024 Ortsbürgermeister von Undenheim. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 50,5 % gegen Wilhelm Horn (BfU) durchgesetzt.