Die Rud. Ley Maschinenfabrik AG war ein Maschinen-, Automobil- und Nutzfahrzeughersteller in Arnstadt. Bereits 1856 wurde die auf Elektrotechnik spezialisierte Firma als Handwerksbetrieb zur Herstellung von Näh- und Schuhmaschinen gegründet und später vom Gesellen Rudolf Ley gekauft. 1901 wurde die Firma von dessen Söhnen Alfred, Hugo, Robert und Hermann übernommen. Ab 1905 wurden dort leichte Motorwagen unter den Markennamen Loreley gebaut, die Alfred Ley konstruierte. Mit Umwandlung der Rechtsform in eine Aktiengesellschaft 1909 schied Hermann Ley aus dem Unternehmen aus. Hugo und Robert Ley wechselten in den Aufsichtsrat, Alfred Ley wurde alleiniger Vorstand.

Geschichte

1856–1901 Nachdem Rudolf Ley 1857 den Nähmaschinenfabrikanten Eduard Schmidt in Arnstadt getroffen hatte, trat er in seine Fabrik als Werkführer ein.

Am 1. Januar 1868 erwarb Ley auf eigene Rechnung das Nähmaschinengeschäft und führte die Firma unter dem Namen „Rudolph Ley, vormals Eduard Schmidt“ weiter. Als Gründungsjahr gab Ley 1856 an, das Jahr der Gewerbeanmeldung der Vorgängerfirma Eduard Schmidt.

In den Jahren 1879 bis 1885 konstruierte Ley Nähmaschinen mit verstellbaren Gestellen, die patentiert wurden, und anschließend erfand er 1885 die Schuhpflockmaschine, die ihm zum Weltruf verhalf.

Ab 1886 bot das Unternehmen neben den Nähmaschinen auch Handwerkermaschinen aller Art an.

Im Jahr 1896 errichtete Ley ein Elektrizitätswerk und erweiterte die schon vorhandenen Gebäude.

Als seine letzte Erfindung verbesserte Ley die Konstruktion der Schuhpflockmaschine: Mit der Leistung, täglich 1500 Paar Schuhe zu nageln, lag sie über allen bis zu dieser Zeit weltweit existierenden Systemen.

1901–1914 mini|Loreley 6/10 PS (1907) mini|Ley Loreley L 4 (1913)

Als Rudolf Ley 1901 im Alter von 62 Jahren starb, übernahmen seine vier Söhne Alfred, Hugo, Robert und Hermann das Unternehmen und ließen bereits im August 1902 eine neue Dampfmaschine mit 350 „Pferdekräften“ anliefern, da die vorhandene Dampfkraft zur Stromerzeugung nicht mehr ausreichte.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 entstanden konventionelle Tourenwagen mit zwei oder vier Sitzen und Vier- oder Sechszylindermotoren.

Der erste Loreley war ein 6/10-PS-Fahrzeug mit Vierzylinder-Reihenmotor, der mit einem Hubraum von 1500 cm³ 10 PS (7,4 kW) leistete und eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h ermöglichte. Der zum günstigen Preis (Zweisitzer für 3800 Mark, Viersitzer für 4900 Mark) angebotene Wagen wurde zum Verkaufserfolg. Nachdem Alfred Ley auch im Ausland damit Erfolge bei seinem großen internationalen Kundenstamm erzielte, aufgebaut aus dem weltweiten Geschäft mit Schuhmaschinen, Elektromotoren und Dynamos, baute Ley das Modellangebot aus. Weitere technische Finessen wie ein mit dem Getriebe direkt verblockter Motor kamen hinzu. Bereits 1908 wurde eine 2,6-Liter-Sechszylinder-Variante mit 25 PS angeboten.

Um das Kapital für Expansionspläne zu beschaffen, ließ Alfred Ley die Maschinenfabrik 1909 in eine AG umwandeln. Es folgten umfassende Erweiterungsbauten und es wurden höhere Produktionszahlen erreicht.

Hermann Ley verließ das Unternehmen, Hugo und Robert wechselten in den Aufsichtsrat, und Alfred Ley wurde zum alleinigen Vorstand berufen. Um 1910 war das Unternehmen mit 1200 Beschäftigten größter Arbeitgeber der Stadt.

Nach dem Ersten Weltkrieg Nach dem Ersten Weltkrieg erschienen die Vorkriegsmodelle zunächst in unwesentlich veränderter Form jetzt unter dem Markennamen Ley. Mit dem neuen Modell T6 wurden die ersten Stromlinienfahrzeuge nach einem Patent von Paul Jaray erprobt. mini|Aktie über 1000 Mark der Rud. Ley Maschinenfabrik AG vom Dezember 1922 Ende 1925 geriet der 750-Mitarbeiter-Betrieb in solche wirtschaftliche Schwierigkeiten, dass ein Vergleich zur Abwendung eines Konkurses beantragt werden musste. 1928 wurde der Bau von Personenwagen eingestellt, 1933 wurden mit Aufbrauch der vorhandenen Teile auch die letzten LKW ausgeliefert.

1935 wurde das Gelände mit den Baulichkeiten der Automobilfabrik verkauft, um alle Verbindlichkeiten zu erfüllen. Die Maschinen der Automobilfabrik wurden ins Stammwerk verlagert. Die Abteilung Automobilbau stellte weiterhin Ersatzteile her und war Zulieferer für andere Automobilfabriken. Der Schuhmaschinenbau und die Abteilung Elektrotechnik liefen bis 1945 unverändert weiter.

1947 wurde das Unternehmen nach Enteignung und zweimaliger Demontage aus dem Handelsregister gelöscht. Das Schuhmaschinensortiment wurde ab 1947 im Nachfolge-VEB unter den Markennamen SCHUMA und TEXTIMA weiterproduziert.

Modelle Loreley Modell Bauzeitraum Zylinder Hubraum Leistung Radstand6/10 PS1905–19074 Reihe1500 cm³10 PS (7,4 kW)1800–2400 mmJ 10/25 PS1908–19146 Reihe2599 cm³25 PS (18 kW)3000 mmA 5/12 PS1909–19114 Reihe1132 cm³12 PS (8,8 kW)2100 mmL4A 6/18 PS1911–19144 Reihe1545 cm³18 PS (13,2 kW)2785 mm6A 6/18 PS1911–19146 Reihe1550 cm³18 PS (13,2 kW)2785 mmH4A 8/21 PS1912–19144 Reihe2068 cm³21 PS (15,4 kW)2930 mmK6 10/28 PS1912–19146 Reihe2599 cm³28 PS (20,6 kW)3250 mm

Ley Modell Bauzeitraum Zylinder Hubraum Leistung RadstandU12 12/32 PS1918–????4 Reihe3091 cm³32 PS (23,5 kW)3175 mmT6 6/16 PS1920–19224 Reihe1540 cm³16 PS (11,8 kW)2670 mmU12 12/32 PS1921–19234 Reihe3091 cm³32 PS (23,5 kW)3175 mmT6E 6/20 PS1922–19254 Reihe1540 cm³20 PS (14,7 kW)2670 mmU12B 12/36 PS1923–19244 Reihe3091 cm³36 PS (26,5 kW)3175 mmM8 8/36 PS1924–19274 Reihe2010 cm³36 PS (26,5 kW)2959 mmU12C 12/45 PS1924–19274 Reihe3091 cm³45 PS (33 kW)3175 mmN8 8/38 PS19286 Reihe1991 cm³38 PS (28 kW)2870 mmV12 12/50 PS19286 Reihe3180 cm³50 PS (37 kW)3200 mm

Literatur

Weblinks

www.ley-automobile.de, Homepage eines Enkels von Alfred Ley

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemaliger Pkw-Hersteller (Deutschland) Kategorie:Ehemaliger Lkw-Hersteller (Deutschland) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Ilm-Kreis) Kategorie:Organisation (Arnstadt) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Ilm-Kreis) Kategorie:Unternehmensgründung 1856 Kategorie:Aufgelöst 1947