mini|Rasentreppe des Rathauses von Säynätsalo von Alvar Aalto, 1952 mini|Kirche von Bagsværd von Jørn Utzon, 1973–76
Der kritische Regionalismus ist eine Richtung der zeitgenössischen Architektur, die regionale Besonderheiten im Entwurf berücksichtigt und Gleichförmigkeit und einen Mangel an Identität in der Architektur der klassischen Moderne kritisiert. Eine Verbindung moderner Architekturtradition mit lokalem und kulturellem Kontext wird angestrebt.
Der kritische Regionalismus ist ein progressiver Ansatz zur Relokalisierung der Moderne und eine späte Gegenbewegung zum sogenannten Internationalen Stil, die im Gegensatz zur Postmoderne lokale Architektursprache und Bautraditionen berücksichtigt.Hal Foster, "Postmodernism: A Preface", in "Anti-Aesthetic. Essays on Postmodern Culture." Seattle: Bay Press, 1983. ISBN 0-941920-01-1
Die Ideen des kritischen Regionalismus korrespondieren teilweise mit dem Reformstil vom Anfang des 20. Jahrhunderts und dem New Urbanism im Städtebau.
Geschichte Der Begriff wurde erstmals von Alexander Tzonis und Liane Lefaivre gebraucht, die damit 1981 das Werk des Architektenpaars Dimitris und Suzana Antonakakis und ihrem Büro Atelier 66 beschrieben, wo im Entwurf des Appartementhauses Emannouil-Benaki-Straße 118 von 1975 in Athen die Kleinteiligkeit der Besiedelung der griechischen Inseln aufgenommen wurde. In dem Gebäude ist jede Wohnung anders geschnitten, teilweise mit unterschiedlichen Deckenhöhen. Das Treppenhaus ist auf das ganze Haus verteilt.
Kenneth Frampton griff mit Bezug auf Tzonis das Beispiel und den Begriff in seinem Standardwerk Die Architektur der Moderne sowie dem Buch Towards a Critical Regionalism: Six points for an architecture of resistance auf und der Begriff fand allgemein Einzug in die Architekturgeschichte.
Der Architekt Minnette De Silva aus Sri Lanka baute in den 1950er Jahren in einem Stil, den er selber als 'Regionale Moderne' bezeichnete.
Ex post wurden dem Begriff auch frühere Bauten zugeordnet, die sich durch ihre starke regionale Bindung hervorheben, wie beispielsweise das Werk Alvar Aaltos, in welchem die finnische Landschaft und die lokalen Bautraditionen Berücksichtigung finden. Als eine Gefahr des Kritischen Regionalismus wird gesehen, dass er als Argument formaler Spielereien herhalten soll. „Kritischer Regionalismus lasse sich leicht durch den Postmodernismus kolonisieren, wie das Schicksal einiger Architekten illustriere“ schrieb 1990 die Zeitschrift Archithese.
Zuordnung Dem kritischen Regionalismus wird unter anderem das Werk folgender Architekten zugeordnet:
Alvar Aalto Bernardo Bader Mario Botta Charles Correa Rainer Greschik Aris Konstantinidis Rafael Moneo Glenn Murcutt Juhani Pallasmaa Dimitris Pikionis Raj Rewal Álvaro Siza Luigi Snozzi Jørn Utzon Peter Zumthor
Weblinks Clemens Bonnen, Regionale Architektur Institut der Stadtbaukunst, Bremen
Belege
Kategorie:Architektur der Moderne Kategorie:Architekturstil