Der zweite Wettkampf der Vierschanzentournee 2009/10 war das traditionelle Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen auf der Großen Olympiaschanze.
Nachdem der Auftaktwettbewerb in Oberstdorf besonders von wechselhaften Windbedingungen geprägt war, wurden die Verhältnisse in Garmisch-Partenkirchen als „hervorragend“ gelobt; das Springen habe auf einem „extrem hohen Niveau“ stattgefunden.Aus der Arztpraxis aufs Siegerpodest auf welt.de. Erschienen am 2. Januar 2010. Besonders erfolgreich waren dabei wie in Oberstdorf die Österreicher, die einen Doppelsieg durch Gregor Schlierenzauer und Wolfgang Loitzl erreichten. Auch in der Gesamtwertung führte mit Andreas Kofler weiterhin ein Athlet aus dem Alpenland. Den besten Sprung des Wettkampfes zeigte der Schweizer Simon Ammann, der im zweiten Durchgang mit 143,5 Metern einen neuen Schanzenrekord aufstellte und den dritten Rang belegte. Kofler und Ammann waren in der Qualifikation disqualifiziert worden, da sie regelwidrige Anzüge getragen hatten.
Schanzendaten Der Wettkampf fand am 1. Januar 2010 auf der Großen Olympiaschanze statt, die eine Schanzengröße von 140 Metern, einen Kalkulationspunkt von 125 Metern, eine Aufsprungneigung am K-Punkt von 34,70°, eine Turmhöhe von 60,4 Metern, eine Anlauflänge von 103,5 Metern und eine Gesamtlänge bis zum Beginn des Auslaufs von 235 Metern aufweist. Aktueller Schanzenrekordhalter zum Zeitpunkt des Wettbewerbs war der Österreicher Gregor Schlierenzauer, der am 1. Januar 2008 eine Weite von 141,0 Metern erreichte. Im zweiten Finaldurchgang des Springens verbesserte der Schweizer Simon Ammann diesen Rekord auf 143,5 Meter.
Training Im ersten von zwei Trainingsdurchgängen sprang Gregor Schlierenzauer am weitesten, der Österreicher landete bei 139,5 Metern – der Tagesbestweite – und verpasste somit seinen eigenen Schanzenrekord nur um 1,5 Meter. Am zweitbesten war der Tourneeführende Andreas Kofler, der aber schon dreieinhalb Meter hinter seinen Landsmann Schlierenzauer zurückfiel. Bereits sechs Meter Rückstand hatte der Schweizer Simon Ammann. Der einzige weitere Springer, der über 130 Meter weit sprang, war Martin Koch mit 131 Metern. Bester Deutscher war Michael Neumayer, der als Sechster 128 Meter erreichte.
Den zweiten Trainingssprung entschieden Martin Koch und der Norweger Johan Remen Evensen mit jeweils 133 Metern für sich. Koch war damit der einzige Athlet, der in beiden Versuchen über die 130-Meter-Marke sprang. Nahezu alle anderen Sportler, die unter den besten Zehn im Gesamtweltcup platziert waren, erreichten eine Weite um die 125 Meter; einzig Gregor Schlierenzauer hatte mit 129 Metern einen kleinen Vorsprung auf seine Konkurrenten in der Gesamtwertung. Andreas Wank war mit 130,5 Metern bester Deutscher und belegte den vierten Rang, drei Plätze dahinter reihte sich mit Andreas Küttel (129 Meter) der beste Schweizer ein.Trainingsergebnisse auf fis-ski.com (PDF; 292 kB)
Qualifikation Die Qualifikation fand am 31. Dezember 2009 zwischen 13:46 und 15:06 Uhr statt. Zu ihr traten 73 Starter aus 19 Nationen an. Die besten zehn im Gesamtweltcup waren bereits vorqualifiziert. Zu den 18 Ländern, deren Athleten bereits am Auftaktspringen in Oberstdorf teilgenommen hatten, kamen lediglich die Schweden hinzu, die mit Carl Nordin und Isak Grimholm zwei Springer starten ließen.
Verlauf mini|Richard Freitag hielt lange die Führung in der Qualifikation Nachdem das Training bei recht stabilen Windbedingungen stattgefunden hatte – im Gegensatz zu Oberstdorf wurde der Anlauf nicht verändert –, begann auch der Qualifikationsdurchgang ohne größere wetterbedingte Pausen. Er wurde von sechs Deutschen eröffnet, die in der nationalen Gruppe sprangen, also nur zum Einsatz kamen, da das Springen in ihrem Heimatland stattfand. Den weitesten Versuch dieser Athleten zeigte Severin Freund, der sich mit 117,5 Metern als 37. schließlich auch für das Finale qualifizierte; ebenso sein Teamkollege Maximilian Mechler. Dagegen schied Felix Schoft am Ende trotz Punktgleichheit mit dem knapp qualifizierten Polen Krzysztof Miętus aus, was daran lag, dass Schoft im bisherigen Gesamtweltcup schlechter als Miętus platziert war.
Als erster Springer über 120 Meter kam ebenfalls ein Deutscher, Richard Freitag. Die 123,5 Meter des Deutschen reichten für den 15. Rang, damit war Freitag zum zweiten Mal für die Top 50 im Weltcup qualifiziert. Als zwischenzeitlich Führender erklärte er: „Das ist ein schönes Gefühl nach einem richtig guten Sprung.“Führungsduo disqualifiziert auf spox.com. Erschienen am 31. Dezember 2009. Die beiden Schweizer Pascal Egloff und Rémi Français, die das sonstige Zwei-Mann-Team Ammann und Küttel ergänzten, schieden dagegen aus. Auch Stephan Hocke erreichte lediglich 110 Meter und sprang damit zu kurz, um in das Finale einzuziehen. Eine Viertelstunde, nachdem der Wettkampf begonnen hatte, gab es gegen 14 Uhr die erste Unterbrechung von etwa fünf Minuten aufgrund zu starken Rückenwindes. Zehn Minuten darauf folgte eine weitere, etwas kürzere Pause, ehe der Wettbewerb in der letzten Dreiviertelstunde wie geplant zu Ende geführt werden konnte.
Von den Athleten, die im Mittelfeld des Weltcups platziert waren und die daher auch zur Mitte der Qualifikation starteten, erreichte zunächst keiner die Weite von Richard Freitag, der weiterhin an der Spitze der Konkurrenz lag. Es gab jedoch auch wenige Favoritenausfälle; der einzige Athlet, der in Oberstdorf in die Punkteränge vorgestoßen war und dem in Garmisch-Partenkirchen nicht die Qualifikation gelang, war der Südkoreaner Kim Hyun-ki. Mit der Startnummer 41 war der Deutsche Michael Neumayer der Erste, der seinen Teamkollegen Freitag von der Führung verdrängte, sodass es zwischenzeitlich eine deutsche Doppelführung gab. Diese hielt jedoch nicht lange, da der Tscheche Jakub Janda mit 127,5 Metern zwei Meter weiter als Neumayer sprang. Die nun guten Verhältnisse nutzte auch ein weiterer Deutscher aus, Andreas Wank, der mit 126 Metern schließlich bester Sportler seines Landes war und Neunter wurde. In Hinblick auf das schwache deutsche Abschneiden beim Tourneeauftakt meinte Wank: „Wir haben einen Haken hinter Oberstdorf gemacht. Jetzt wird eine neue Geschichte geschrieben, und ich kann mich noch steigern.“ Auch der deutsche Bundestrainer Werner Schuster war grundsätzlich zufrieden: „Das war ein deutliches Lebenszeichen, die Moral ist intakt. Wir sind in der Breite gut aufgestellt, aber uns fehlt noch die Spitzenleistung.“Acht Deutsche für das Neujahrsspringen qualifiziert auf welt.de. Erschienen am 31. Dezember 2009.
Bevor die ohnehin vorqualifizierten besten Zehn des Gesamtweltcups ihren Versuch absolvierten, zeigte insbesondere der Finne Janne Ahonen, der in Oberstdorf Zweiter geworden war, noch einen guten Sprung auf 128 Meter. Damit war Ahonen bester Athlet der eigentlichen Qualifikation. Die Top Ten eröffnete Adam Małysz, der zwar einen halben Meter kürzer als der Finne sprang, aber dennoch dank besserer Haltungsnoten die Führung übernahm. Von den weiteren Startern sprangen drei über 130 Meter: Thomas Morgenstern mit 130,5 Metern, Simon Ammann mit 134 Metern sowie der Tourneeführende Andreas Kofler mit 137,5 Metern. Kofler gewann damit die Qualifikation vor Ammann und Morgenstern, während Gregor Schlierenzauer lediglich 126,5 Meter erreichte, den zehnten Rang belegte und meinte: „Ich bin nicht unzufrieden. Der Sprung stimmt nicht ganz, aber es fehlt nicht viel. Morgen geht's ab. Mein erster Sprung war heute der Beste, vielleicht lasse ich morgen den Probedurchgang aus.“ÖSV auch beim Neujahrsspringen mit Septett dabei auf derstandard.at. Erschienen am 1. Januar 2010. Bei der routinemäßigen Materialkontrolle nach dem Wettkampf stellten die Zuständigen fest, dass sowohl Koflers als auch Ammanns Anzug nicht regelkonform sei; beide Springer wurden daraufhin disqualifiziert. Als Vorqualifizierte durften sie dennoch im Wettkampf starten, sie wurden für die K.O.-Springen allerdings an die letzten Positionen gesetzt. Kofler erklärte das regelwidrige Material dabei so: „Ich habe in der Qualifikation einiges ausprobiert, auch einen anderen Anzug, aber dieser war leider, der Meßung nach, zu groß.“Garmisch: Schlierenzauer schlägt zurück und gewinnt auf sportsplanet.at. Erschienen am 1. Januar 2010. Der Qualifikationssieg ging so nachträglich an Thomas Morgenstern, der – wegen der Rückversetzungen – aber im K.-o.-System des ersten Durchgangs gegen Kofler antreten musste. Die zweite Paarung, in denen beide Springer zu den besten im Weltcup zählten, lautete Wolfgang Loitzl gegen Simon Ammann.
Ergebnis Die zehn Führenden des Gesamtweltcups, die für das Springen bereits vorqualifiziert waren, sind in der Liste mit einem Stern * gekennzeichnet.
Rang Name Weite Punkte 1 * 130,5 m 126,4 2 * 128,0 m 121,9 3 * 127,5 m 119,5 4 128,0 m 119,4 5 127,5 m 119,0 5 127,5 m 119,0 7 128,0 m 118,9 8 * 126,5 m 116,7 9 126,0 m 115,8 10 126,0 m 115,3 11 * 125,0 m 114,0 12 * 125,5 m 113,9 13 * 126,0 m 113,8 14 125,5 m 112,9 15 123,5 m 111,3 16 123,5 m 110,8 17 124,5 m 110,6 18 122,5 m 109,0 19 123,0 m 108,9 20 122,5 m 108,5 21 122,0 m 107,1 21 122,0 m 107,1 23 121,0 m 105,3 24 121,5 m 105,2 25 * 121,5 m 104,7 26 120,5 m 104,4 26 120,5 m 104,4 28 120,5 m 102,9 29 119,5 m 102,6 29 119,5 m 102,6 31 119,5 m 102,1 32 119,0 m 101,2 33 119,5 m 101,1 34 118,5 m 100,8 34 118,5 m 100,8 36 118,0 m 98,9 37 117,5 m 98,5 Rang Name Weite Punkte 38 118,0 m 98,4 39 117,0 m 98,1 40 117,5 m 97,5 41 115,5 m 95,4 42 116,0 m 95,3 43 115,5 m 93,4 44 115,0 m 93,0 45 115,5 m 92,9 46 114,0 m 92,7 47 114,5 m 92,1 47 114,5 m 92,1 DSQ * – – DSQ * – – Nicht für den ersten Durchgang qualifiziert: 47 114,5 m 92,1 50 114,0 m 91,2 50 114,0 m 91,2 52 114,0 m 90,7 53 114,0 m 89,7 54 111,5 m 86,7 55 112,0 m 86,6 56 111,0 m 84,8 57 110,5 m 83,9 58 109,5 m 82,1 59 110,0 m 80,5 60 107,5 m 78,0 61 107,0 m 77,6 62 110,0 m 76,0 63 106,0 m 75,3 64 107,0 m 75,1 65 104,0 m 71,7 66 103,0 m 68,9 67 101,5 m 66,2 68 104,0 m 64,7 69 100,0 m 63,0 70 97,0 m 56,6 71 89,5 m 36,6
Erster Durchgang Der erste Wertungsdurchgang fand am 1. Januar 2010 zwischen 14:02 und 14:59 Uhr statt. Zu diesem traten 50 Springer aus 14 Nationen an. Gestartet wurde aus Luke 24. Zuvor hatte bereits ein Probedurchgang stattgefunden, bei dem Andreas Kofler und Martin Koch mit jeweils 134 Metern am weitesten sprangen.
Verlauf Mit Ausnahme der beiden disqualifizierten Andreas Kofler und Simon Ammann waren wenige starke Springer in der hinteren Hälfte des Qualifikationsklassements platziert. Dadurch gab es bei vielen Duellen klare Favoriten. Das größte Aufgebot stellten die Deutschen, von denen sich acht für den ersten Wertungsdurchgang qualifiziert hatten. Die nächstgrößten Kontingente boten Österreich (sieben Springer) sowie Finnland (sechs Athleten) auf.