mini|alternativtext=Gläsernes Bürogebäude in einem Komplex von weiteren Bürogebäuden|Die Gebäude der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung in Wiesbaden

Die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung (HZD) ist der zentrale Full-Service-Provider für die hessische Landesverwaltung bei der digitalen Transformation der Verwaltung. Sie hat ihren Hauptsitz in Wiesbaden und eine Außenstelle in Hünfeld. Zu ihren Aufgaben zählen:Hessische Zentrale für Datenverarbeitung: Zukunft ist jetzt. HZD-Report 2023. 2023, S. 5.

IT-Lösungen Landes-IT-Infrastruktur und IT-Architektur Beratung aller Ressorts der hessischen Landesverwaltung rund um Informationssicherheit IT-Strategie des Landes Hessen zentrale IT-Beschaffung für das Land Hessen Schulungen der Landesbediensteten zu IT-Anwendungen und IT-Verfahren Qualifizierungs- und Ausbildungsprogramme für Nachwuchskräfte in der Verwaltungs-IT Bereitstellung und Betrieb landesweiter IT-Standardprodukte (insbesondere des Arbeitsplatzsystems HessenPC)

Geschichte 1970 trat das hessische Datenverarbeitungsverbundgesetz in Kraft. Ein Kernpunkt war die Gründung der HZD. Durch die in der HZD zusammengefasste landeseigene Informationsverarbeitung wollte das Land den Weg in das „Computer-Zeitalter“ wagen. 1977 wechselte die HZD von der Staatskanzlei in die Dienstherrschaft des Innenministeriums. 1989 wurde die HZD Landesbetrieb nach § 26 der Hessischen Landeshaushaltsordnung. Die Nutzung ihrer Leistungen war damit entgeltpflichtig. Im Gegenzug erhielt die HZD keine Landeszuschüsse mehr. Im Jahr 1990 wurde die Außenstelle in Hünfeld eröffnet, die vor allem für die IT der hessischen Justiz zuständig war und ist.

Mit dem nahenden Jahrtausendwechsel und der Einführung von E-Government in der öffentlichen Verwaltung begann eine strukturelle Neuausrichtung der Behörde. 1998 startete das Projekt „Neue Verwaltungssteuerung“, das in den Folgejahren zu umgreifenden Veränderungen in der gesamten Landesverwaltung führte. 2003 wechselte die Dienstherrschaft vom Innenministerium auf das Finanzministerium (HMdF) über. Seit 2006 nimmt die HZD die Aufgabe der zentralen IT-Beschaffungsstelle des Landes Hessen wahr. Neben den umfangreichen Aufgaben, die mit dem Masterplan für die Verwaltungsdigitalisierung verbunden waren, entwickelte sich die HZD seit den frühen 2000er Jahren zunehmend weg von der Rolle als Rechenzentrums- und reiner IT-Dienstleister. Seither versteht sie sich als Full-Service-Provider, der für seine Kunden in der hessischen Landesverwaltung IT-Lösungen anbietet, Hardware bereitstellt, Fachverfahren entwickelt und betreibt sowie zu zahlreichen IT-Themen berät. Auch organisatorisch spiegelt sich die neue Ausrichtung wider: Die HZD richtete zusätzliche Bereiche wie Enterprise Architekturmanagement und Zentrales Projektmanagement ein und rief die Abteilung Landesverfahren als Pendant zu den beiden großen Kundenabteilungen für die Steuer und die Justiz ins Leben. Zu den strategisch wichtigsten Vorhaben der HZD zählt inzwischen neben der fortlaufenden Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes die Transformation hin zum Cloud-Anbieter.Hessische Zentrale für Datenverarbeitung: Doppeljubiläum. Nichts ist beständiger als der Wandel In: INFORM Nr. 1, 2020, S. 45–47. Ein weiterer historischer Meilenstein war die zum 1. Januar 2026 erfolgreich abgeschlossene, flächendeckende Einführung der elektronischen Akte (E-Akte) an allen 83 hessischen Gerichten und Staatsanwaltschaften.

Organisation Die HZD ist ein Landesbetrieb nach § 26 der Hessischen Landeshaushaltsordnung. Sie untersteht aktuell der Dienst- und Fachaufsicht des Hessischen Ministeriums der Finanzen. Soweit sie Aufgaben der Verwaltung oder der Gerichte und Staatsanwaltschaften wahrnimmt, die nicht zu dem Geschäftsbereich des Hessischen Ministeriums der Finanzen gehören, untersteht sie der Fachaufsicht der dafür zuständigen obersten Landesbehörde.Jahresbericht 2015, Organisation, S. 7 Die HZD wird von einer Direktorin oder einem Direktor geleitet und sowohl gerichtlich als auch außergerichtlich vertreten. Die fachliche Unterstützung sowie die behördliche Stellvertretung übernimmt eine Technische Direktorin beziehungsweise ein Technischer Direktor (aktuell Thomas Kaspar).Betriebssatzung für den Landesbetrieb Hessische Zentrale für Datenverarbeitung (HZD), veröffentlicht im Staatsanzeiger für das Land Hessen (StAnz.), Fassung 2022/2023. Der Direktion sind drei Bereiche direkt zugeordnet: die Stabstelle Regeleinhaltung und IT-Kooperation KOP-IT, das Informationssicherheitsmanagement und der Bereich Zentrales Projektmanagement. Darunter gliedern sich sieben Abteilungen:Organisationsplan der HZD, Stand: Juni 2024.

Kundenmanagement Verfahren der Steuerverwaltung Landesverfahren Verfahren der Justiz Rechenzentrum Produkte Zentralabteilung

Zentrale Verfahren und Infrastruktur Als IT-Dienstleister des Landes Hessen verantwortet die HZD eigenständig den Betrieb und die Weiterentwicklung essenzieller IT-Infrastrukturen für die Landesverwaltung, die Justiz und die Polizei.

Das technische Rückgrat bilden zwei redundant ausgelegte Hochsicherheits-Rechenzentren an den Standorten Wiesbaden und Hünfeld. Diese landeseigenen Anlagen sind nach ISO 27001 auf Basis des IT-Grundschutzes des BSI zertifiziert und stellen die ausfallsichere Datenverarbeitung für staatliche Aufgaben sicher. Die Außenstelle in Hünfeld ist dabei traditionell schwerpunktmäßig für die IT-Verfahren der hessischen Justiz zuständig, für die die HZD die Serverinfrastruktur der elektronischen Akte (E-Akte) sowie spezifische Fachverfahren betreibt. Für die hessische Polizei stellt die HZD zentrale Netzwerkarchitekturen und ausfallsichere Serverumgebungen bereit, wie etwa durch die Einführung cloudbasierter Desktop-Lösungen für den Zugriff auf Beweismaterial.

Neben der IT-Ausstattung der hessischen Behörden entwickelt und betreibt die HZD in alleiniger technischer Verantwortung auch Systeme mit bundesweiter Tragweite. Im Rahmen des KONSENS-Gesetzes (Koordinierte neue Software-Entwicklung der Steuerverwaltung) verantwortet die HZD die Entwicklung zentraler Softwarekomponenten für die Steuerverwaltung aller 16 Bundesländer. Zudem entwickelte und betreibt die Behörde technisch federführend das bundesweite Spielersperrsystem OASIS zur Bekämpfung von Glücksspielsucht, welches fachlich und rechtlich dem Regierungspräsidium Darmstadt untersteht.

Kontroversen und Kritik Ende 2010 geriet die HZD wegen Fehlern bei der Vergabe von IT-Aufträgen in die Kritik. Infolgedessen wurden die organisatorischen Strukturen der Vergabestelle verändert.

Im Jahr 2024 diskutierte die Landesregierung eine organisatorische Aufspaltung der HZD, um Zuständigkeiten an das neu geschaffene Digitalministerium zu übertragen. Nach Widerstand der Belegschaft, die in einer Petition mit über 600 Unterschriften vor ineffizienten Doppelstrukturen warnte, verblieb die HZD vollständig im Geschäftsbereich des Finanzministeriums.

Zudem rügte der Hessische Rechnungshof wiederholt strukturelle und wirtschaftliche Ineffizienzen in unterschiedlichen Bereichen. So wurde im Prüfbericht 2017 der starre vierjährige Austauschzyklus der Standard-Behördenrechner („HessenPC“) kritisiert; eine Verlängerung auf fünf Jahre hätte laut Rechnungshof jährliche Einsparungen von rund 2 Millionen Euro ermöglicht. Weiterhin wurden in den Bemerkungen 2020 redundante Prozesse im Bereich der IT-Sicherheit bemängelt, da die administrative Trennung des „CERT-Hessen“ vom internen Sicherheitsteam der HZD zu Verzögerungen bei der Abwehr von Cyberangriffen führen könne.

Kooperationen Viele Verwaltungsaufgaben sind in den Bundesländern grundsätzlich vergleichbar. Auf vielen Gebieten bietet sich deshalb die Zusammenarbeit nach § 91c des Grundgesetzes an. Erst recht seit Beginn der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes wird Verwaltungsdigitalisierung über die Bundeslandgrenzen hinaus gedacht. So entwickelt auch die HZD viele ihrer IT-Lösungen mit dem Ziel, dass sie von möglichst vielen Bundesländern nachgenutzt werden können. In Abgrenzung zu den alleinig verantworteten Infrastrukturen tritt die HZD bei weiteren bundesweiten Vorhaben als gleichberechtigter Partner im Verbund auf, wie z. B.:Website der HZD: Kooperationen. Abgerufen am 10. Juni 2024.

Elektronische Aufenthaltsüberwachung (EAÜ) per Fußfessel Umsetzung des elektronischen Rechtsverkehrs im sogenannten e²-Verbund Betrieb und Entwicklung des elektronischen Wohngeldverfahrens

Darüber hinaus ist sie in verschiedensten Gremien wie z. B. der Genossenschaft govdigital oder der Einkaufsgenossenschaft KOP-IT aktiv. Daneben bietet die HZD seit 2018 zur landesweiten Deckung des Personalbedarfs im Bereich IT federführend für das Land ein duales Studium Wirtschaftsinformatik/E-Government und Angewandte Informatik an, wofür ab 2018 eine Kooperation mit der Hochschule RheinMain abgeschlossen wurde. Um das Programm durch räumliche Nähe attraktiver zu machen, wurden mittlerweile auch entsprechende Vereinbarungen mit den Hochschulen in Darmstadt und Fulda abgeschlossen.Website der HZD: Duales Studium. Abgerufen am 10. Juni 2024.

Weblinks

Offizielle Webpräsenz

Einzelnachweise

Kategorie:IT-Dienstleister (Deutschland) Kategorie:Behörde (Wiesbaden) Kategorie:Behördengründung 1970