Boitzum ist ein Ortsteil der Stadt Springe und liegt an der südlichen Grenze der heutigen Region Hannover. Der Ort liegt zwischen den Klöstern Wülfinghausen und Wittenburg unterhalb der Finie, einer kleinen mit Hainbuchen-, Hasel- und Dornengebüsch bewachsenen Hügelkette, die den Ort im Süden und Osten umgibt.

Im Dorfkern ist der „kleine Rundling“ erkennbar, der später in nördlicher und südlicher Richtung erweitert wurde. Durch die abseitige Lage blieb die bis heute von der Landwirtschaft geprägte Ortschaft von der Siedlungsentwicklung, die benachbarte Dörfer überformt hat, verschont.

Geografie Das Dorf liegt zwischen den früheren Klöstern Wülfinghausen und Wittenburg. an der West- und Nordseite eines kleinen Höhenzuges, der Finie, die sich von Boitzum über Wittenburg bis Sorsum und in die Wülfinger Feldmark erstreckt. Ihre höchste Erhebung ist 169 m, innerhalb der Boitzumer Feldmark südlich von Boitzum ist die Finie 146,9 m hoch. Der Mittelpunkt von Boitzum, der Thie, liegt 105 m über dem Meeresspiegel.

Die Größe Boitzums hat sich in den letzten Jahrhunderten bis auf einige Neubauten, die vor allem am östlichen und nördlichen Dorfrand und innerhalb der Ortslage nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden, kaum verändert. Der Bebauungsplan für den östlichen Dorfrand war der einzige, der für Boitzum jemals aufgestellt wurde.

Geschichte Zum ersten Male wurde Boitzum im Jahre 1022 erwähnt.stadtmarketing-springe.de: Es ist jedoch davon auszugehen, dass eine Besiedlung des Gebietes oberhalb der Leineniederungen, in dem Boitzum liegt, schon frühzeitig erfolgte, wie steinzeitliche Funde belegen.

Die Geschichte Boitzums ist eng verbunden mit der Entwicklung der beiden Klöster Wülfinghausen und Wittenburg. Das Kloster Wülfinghausen wurde 1236 gegründet und gehörte dem Augustinerorden an. Das Augustiner-Mönchskloster Wittenburg wurde 1316 gegründet. Vorher lebten hier schon fromme Männer, Inklusen, ohne besondere Ordensregel. Aus dem Kloster Wittenburg wurde nach der Säkularisation 1580 ein fürstliches Kammeramt; hier wurden nun mit der Verwaltung des früheren Klosterhaushaltes Amtleute betraut.

Der umfangreiche Besitz des Klosters Wülfinghausen und des Klosters bzw. Amtes Wittenburg hatte nun auch für die Klöster viele Gerechtsame zur Folge. So bestand ein Lehnsverhältnis zwischen den Klöstern als Lehnsherrn und dem Hörigen oder Unfreien als Lehnsmann. Die abhängigen Bauern waren die Meier. Die Lage Boitzums zwischen den beiden Klöstern führte dazu, dass die Klöster Wülfinghausen und Wittenburg Gutsherren der Boitzumer Bauern waren. Die Meier und Hörigen in Boitzum waren somit aufgrund der mittelalterlichen Lehnsverfassung vielen Gerechtsamen der beiden Klöster unterworfen.

Bis in das Jahr 1885 gehörte Boitzum zum Amt Calenberg.

Aus den Ämtern Calenberg und Springe sowie den Städten Eldagsen, Münder und Pattensen entstand 1885 der Kreis Springe, der 1974 bei der Gebiets- und Verwaltungsreform aufgelöst worden ist. Springe mit seinen Stadtteilen gehörte von nun an zur Region Hannover.

Politische Gemeinde Boitzum Bis 1964: selbständige Gemeinde Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges wurden die Geschicke der Gemeinde Boitzum von der Gemeindeversammlung bestimmt, der ein Gemeindevorsteher zusammen mit zwei Beigeordneten vorstand. In dieser Gemeindeversammlung hatten die Bürger unterschiedliches Stimmrecht, das wohl nach der Größe des Grundbesitzes berechnet wurde. Wenn mindestens ein Drittel der Stimmen anwesend waren, war die Gemeindeversammlung beschlussfähig.

Ab 1920 bestimmte dann die Geschicke Boitzums ein aus sechs Mitgliedern bestehender Gemeindeausschuss und der Gemeindevorsteher.

Ab 1934 hießen die Gemeinderäte Gemeindeälteste und wurden vom Landrat berufen. Zur Vertretung und Hilfeleistung des Leiters der Gemeinde wurden außerdem noch zwei Schöffen aus der Bürgerschaft ernannt. An den Gemeinderatssitzungen nahmen auch der oberste örtliche Leiter der NSDAP sowie der rangälteste Führer der SA teil.

1935 trat dann eine neue Gemeindeverordnung in Kraft. Sie bestimmte, dass dem Bürgermeister zwei ehrenamtliche Beigeordnete zur Seite stehen und die Zahl der durch den Beauftragten der NSDAP zu berufenden Gemeinderäte fünf betragen sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg tagte am 14. Januar 1946 erstmals wieder eine Gemeindevertretung, die über eine neue Gemeindesatzung zu beraten hatte. Verschiedene Kommissionen – Finanz-, Wegebau-, Wasserbau-, Wohnungskommission und ein Ernährungsausschuss, der sich aus drei Erzeugern und drei Verbrauchern zusammensetzte, – nahmen ihre Arbeit auf. So musste der Ernährungsausschuss u. a. zur Sicherung der Ernte eine Feldwache aufstellen. Ein Schulausschuss wurde gewählt und ein Ausschuss, der die Hoover-Schulspeisung zu überwachen hatte. Es gab darüber hinaus noch einen Sozialausschuss, einen Verbraucherausschuss und einen Flüchtlingsrat.

1964–1974: sukzessiver Zusammenschluss Ab 1964 konnten kleine Gemeinden unter 500 Einwohner, wozu auch Boitzum gehörte, nur Finanzzuweisungen des Landes nach dem Finanzausgleichgesetz erhalten, wenn sie Mitglied einer Samtgemeinde waren oder Aufgaben auf eine andere Gemeinde übertragen hatten. Darum schlossen die Gemeinden Boitzum und Wittenburg mit der Gemeinde Sorsum eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung ab, die Führung der Kassen- und Rechnungsgeschäfte durch die Gemeinde Sorsum erledigen zu lassen. Ab 1966 gab es aber auch bei Kassenzusammenschlüssen keine Finanzzuweisungen des Landes mehr, Voraussetzung hierfür war die Zugehörigkeit zu einer Samtgemeinde. So kam es 1965 zur Gründung der Samtgemeinde „Finie“ mit Sitz in Holtensen. Ihr gehörten die Gemeinden Boitzum, Wittenburg, Sorsum und Holtensen an. Mit der Bildung der Samtgemeinde wurde auch das Standesamt in Boitzum aufgelöst.

Bis zum 1. März 1974 war Boitzum eine selbstständige Gemeinde, der ein Ortsvorsteher bzw. ein Bürgermeister vorstand. Zur Seite standen ihnen Beigeordnete bzw. Ratsherren.

1974: Ortsteil Bei der Gebiets- und Verwaltungsreform vom 1. März 1974, die den Landkreis Hannover mit seiner heutigen Flächenausdehnung von über 2.000 km² und 20 Städten und Gemeinden mit über 200 Ortsteilen schuf, entstand die Ortschaft Holtensen, bestehend aus Boitzum, Holtensen und Wülfinghausen. An der Spitze dieser Ortschaft steht ein Ortsbürgermeister, der von einem im fünfjährigen Turnus gewählten Ortsrat bestimmt wird.

Bürgermeister Die Bauermeister, Ortsvorsteher, Bürgermeister, Gemeindedirektoren von Boitzum, soweit die Namen aus alten Unterlagen ersichtlich, waren: Wintel, Johann Dietrich (um 1799) Ziegenbein, Karl (um 1840–1851) Giesselmann, Heinrich (1876–1886) Alves, Heinrich (um 1895) Kreipe, Eberhard (1898–1924) Ebeling, Karl (1925–1945) Prelle, Friedrich (1946–1947) Schaumann, Friedrich (1948) Kreipe, Reinhold (1948–1951) Schaumann, Friedrich (1951–1953) Ebeling, Reinhard (1953–1974)

Der letzte Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Boitzum war Reinhard Ebeling. Unter seiner Führung hat sich Boitzum nach dem Zweiten Weltkrieg weiter entwickelt und dabei seinen dörflichen Charakter behalten. In Anerkennung seiner langjährigen Verdienste um das Allgemeinwohl und seiner Arbeit im Bereich der Kommunalpolitik wurde ihm 1997 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Seit der Gebietsreform im Jahre 1974 hatten die Ortsräte von Boitzum und Holtensen folgende gemeinsame Ortsbürgermeister gewählt: Heinrich Freimann sen., Holtensen (1974) Fritz Helmbrecht, Boitzum (1974–1981) Horst Stiehler, Wülfinghausen (1981–1986) Fritz Helmbrecht, Boitzum (1986–1991) Heinrich Deiters, Boitzum (1991–2001) Heinrich Freimann jun., Holtensen (ab 2001)

Feuerwehr in Boitzum mini|Die ersten Zeilen der Gründungsurkunde der Feuerwehr Boitzum, 1859

Die älteste vorliegende schriftliche Quelle, die über den Ursprung des Feuerlöschwesens in Boitzum berichtet, stammt vom 25. November 1859. Daraus soll hervorgehen, dass die ersten amtlichen Feuerwehrmänner in Boitzum die Halbmeier Conrad Ewig und Heinrich Gießelmann gewesen seien. Die ersten Zeilen lauten: Geschehen beim Königlichen Amte Calenberg den 25. November 1859. Die von der Gemeinde Boitzum erwählten Feuergeschworenen, als 1. Halbmeier Conrad Ewig, 2. Halbmeier Heinrich Gießelmann, beide aus Boitzum waren heute auf Ladung erschienen, erklärten sich zur Übernahme des Dienstes bereit, und sind dann mit nachfolgendem Eide:

Pflichtfeuerwehr 1902–1934 In der Regel haben alle Freiwilligen Feuerwehren den gleichen geschichtlichen Ursprung: zur Gewährleistung des Brandschutzes im Gemeindebereich waren die so genannten Pflichtfeuerwehren aufgestellt. Auch die Freiwillige Feuerwehr Boitzum hat sich aus solch einer Pflichtfeuerwehr entwickelt. Am 27. September 1901 wurde vom Oberpräsidenten der preußischen Provinz Hannover, Graf zu Stolberg, die „Polizeiverordnung betreffend Regelung des Feuerlöschwesens“ erlassen. Darauf wurde am 5. März 1902 unter Vorsitz von Gemeindevorsteher Eberhard Kreipe in einer Gemeindeversammlung die Gründung der Pflichtfeuerwehr einstimmig beschlossen.

Ab 1934 – Freiwillige Feuerwehr Die Pflichtfeuerwehr wurde spätestens 1934 aufgelöst, und am 10. Februar 1934 wurde unter Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Karl Ebeling in der Gaststube des Boitzumer Gastwirtes Probst die Freiwillige Feuerwehr Boitzum gegründet. 38 Männer, davon fünf im Alter von über 60 Jahren, erklärten damals und mit eigenhändiger Unterschrift ihren Beitritt und ihre Unterstützung für den Aufbau der Feuerwehr.

Vorangegangen war am 15. Dezember 1933 der Erlass eines Gesetzes über das Feuerlöschwesen.

In der Gründungsversammlung am 7. März 1934 wurde dann die Satzung der Feuerwehr beschlossen und unterzeichnet von sieben Mitgliedern, die das erste Kommando – damals Führerrat – bildeten.

Aus einem Formblatt vom Herbst 1936 geht hervor, dass die Freiwillige Feuerwehr Boitzum dem Feuerlöschverband Eldagsen angegliedert war.

Weil Boitzum noch keine Wasserleitung hatte, entstand 1954 auf dem Thie für 3.454,44 DM (1766 Euro) ein Löschwasserbehälter. Mit dem Bau der Wasserleitung 1964 wurde die Löschwasserversorgung durch Hydranten sichergestellt, so dass der Löschwasserbehälter nicht mehr notwendig war.

Bei der Umgestaltung des Thie im Sommer 2003 wurde auf Betreiben des Ortsrates versucht, den Löschwasserbehälter zu reaktivieren bzw. einen Brunnen zur Unterstützung der Löschwasserversorgung anzulegen. Beide Vorhaben stellten sich als nicht realisierbar heraus. Jedoch wurde ein Wasserhochbehälter auf der Finie zwischen Boitzum und Wittenburg zum Löschwasser-Reservoir umfunktioniert.

Ein neues Feuerwehrhaus für die Boitzumer Feuerwehr baute 1964–1966 der Maurer Hertrampf, dem die Gemeinde dafür das Grundstück mit dem alten Spritzenhaus vermachte. Schon 1947 hatte Herr Hertrampf von der Gemeinde das Armenhaus erworben, das südlich an das alte Spritzenhaus angrenzte (heute „Zur Finie 4“).

Auf der am 3. Mai 1974 stattfindenden außerordentlichen Versammlung wurde die Frage nach der Existenz der Feuerwehr aufgeworfen: In einer Abstimmung über den Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehr Boitzum kamen die Anwesenden allerdings zu einem eindeutigen Votum: 15 Ja-Stimmen und eine Enthaltung drückten den festen Willen der Boitzumer aus, weiterhin eine eigenständige Feuerwehr zu haben und im Zuge der Gebietsreform keinen Zusammenschluss mit den Feuerwehren der Nachbarorte zu bilden.

Ebenfalls 1974 gründete man die Jugendfeuerwehr.

1976 wurde das Feuerwehrhaus umgebaut. 1977 konnte die erste Hauptversammlung im Feuerwehrhaus abgehalten werden. 1989 bis 1991 wurde das Feuerwehrhaus weiter ausgebaut, es entstand neben dem Raum für Feuerwehrfahrzeug und -geräte ein Dorfgemeinschaftsraum für Versammlungen, Schulungen, Feiern, der auch privat von Feuerwehrmitgliedern und Vereinen genutzt werden kann.

mini|Der Türbalken des alten Boitzumer Schulhauses