Die Blaue Narzisse (BN) war anfänglich ein Jugendmagazin in Printversion aus Chemnitz. Es erschien seit 2004 und wurde seit 2006 durch einen Internetauftritt ergänzt. Seit 2010 gibt es die Blaue Narzisse nur noch als Internetseite. Gründer und Chefredakteur ist der Publizist Felix Menzel. Das Magazin widmet sich inhaltlich sowohl Jugendthemen als auch politischen Inhalten und konzentriert sich nach eigenen Angaben auf die Errichtung „einer rechten Milieubildung“.Patrick Keßler: Die „Neue Rechte“ in der Grauzone zwischen Rechtsextremismus und Konservatismus? Protagonisten, Programmatik und Positionierungsbewegungen. LIT Verlag, Berlin/Münster 2018, ISBN 978-3-643-13844-6, S. 187. Von der Politikwissenschaft wird die BN als zur Neuen Rechten gehörend betrachtet.Alexander Geisler, Martin Gerster: Fußball als Extrem-Sport – Die Unterwanderung des Breitensports als Strategie der extremen Rechten. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag, 2009, ISBN 3-531-15911-9, S. 193f. (Onlineversion). S. 3 spricht vom „konservativ-neurechten Internetmagazin Blaue Narzisse“.
Erscheinungsformen Schülerzeitung Die Blaue Narzisse erschien erstmals im September 2004 als Schülerzeitung für ganz Chemnitz. Sie erschien mit ein bis drei Ausgaben pro Jahr. Der Name setze sich, so Menzel, aus der „Blauen Blume“ der Romantik, als Sinnbild „für unverfälschte Freiheit und die Suche nach dem Schönen“, sowie der Narzisse zusammen, die den Fokus auf das Individuum betonen solle. Bis Februar 2010 erschienen insgesamt zwölf Ausgaben in unregelmäßigen Abständen.Weinen oder kämpfen – www.blaue-narzisse.de. Interview mit Felix Menzel. In: Sezession 21, Dezember 2007, S. 32–34. Seitdem erscheint das Magazin ausschließlich online.Quelle: Apabiz: Ökologie von rechts, abgerufen am 5. Juli 2020.
Online-Magazin An einigen Chemnitzer Gymnasien sorgte der Verkauf der Blauen Narzisse für Widerstand. So verboten das Johannes-Kepler-Gymnasium, das Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasium, das Einsiedel-Gymnasium und das Georgius-Agricola-Gymnasium die Verbreitung der Zeitschrift. Darauf reagierte die Blaue Narzisse ab dem März 2006 mit einem Online-Angebot. Unter dem Slogan lesen und handeln bietet die Webseite der Blauen Narzisse Kommentare zu Politik, Gesellschaft und Tagesgeschehen sowie Rezensionen und Interviews mit Künstlern, Musikern und Autoren. Die Angebote gliedern sich in die Rubriken „Anstoß“, „Gesichtet“, „Rezension“ und „Verkauf“. Unter jedem Beitrag können Kommentare gepostet werden.
Seit Dezember 2009 existiert der Verein Journalismus und Jugendkultur Chemnitz e. V., der im Februar 2018 in Verein Journalismus und Wissenschaft Chemnitz e. V. umbenannt wurde.Vereinsregister des Amtsgerichts Chemnitz, Vereinsnummer VR 2422, abgerufen am 29. Januar 2024 Felix Menzel war und ist Vereinsvorsitzender. Er fungiert als Herausgeber der Blauen Narzisse und ist als Förderverein konzipiert. Von den Einnahmen wird neben den Publikationskosten seit Januar 2010 auch eine Halbtagsstelle in der Redaktion des Magazins finanziert.Robert Scholz: Amtlich bestätigt: „Blaue Narzisse ist gemeinnützig.“ www.endstation-rechts.de, 19. Mai 2010
Der Verein wird auch als Träger eines Projekts namens Recherche Dresden. Denkfabrik für Wirtschaftskultur geführt, das seit Sommer 2018 vierteljährlich erscheint und eine eigene Website hat. Es dient nach eigenen Angaben ebenfalls der Diskursverschiebung nach rechts.
Interviews Der Blauen Narzisse gaben mehrere Personen des öffentlichen Lebens Interviews. Mathias Brodkorb nannte die Blaue Narzisse eines von Menzels Instrumenten zur „rechten Milieubildung“ und führte aus: „Wie die JF versucht www.blauenarzisse.de bspw. nicht unerfolgreich, angesehene Querdenker zu Interviews zu motivieren und so von deren symbolischem Kapital zu profitieren.“Mathias Brodkorb: Junge Freiheit 2.0 – Das jung-konservative Projekt www.blauenarzisse.de. In: Störungsmelder, 21. Februar 2008. Zu den Interviewpartnern gehören u. a. der Autor Henryk M. Broder,Kay Sokolowsky: Feindbild Moslem. Rotbuch Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86789-083-0, S. 92. Mathias Brodkorb: Junge Freiheit 2.0 – Das jung-konservative Projekt www.blauenarzisse.de. In: Störungsmelder, 21. Februar 2008. Marc Felix Serrao: "Enteignet Springer!". sueddeutsche.de, 17. Mai 2010. Fabian Wolff: Der wütende Clown. In: Jüdische Allgemeine, 22. März 2012. der „Pegida“-Mitbegründer Lutz Bachmann, der AfD-Politiker Björn HöckeAchim Pollmeier, Kim Otto, Peter Onneken (Red.): . Monitor (ARD), 11. September 2014. und der Jugendbeauftragte der rechtsextremen Bürgerbewegung pro Köln.Hans Peter Killguss, Jan Schedler: Jugendarbeit der extremen Rechten und das Beispiel PRO KÖLN und PRO NRW. In: Alexander Häusler (Hrsg.): Rechtspopulismus als "Bürgerbewegung". Kampagnen gegen Islam und Moscheebau und kommunale Gegenstrategien. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15919-5, S. 148.
Ausrichtung und Inhalte Die Blaue Narzisse beschäftigt sich laut ihrer Selbstdarstellung „mit kontroversen Fragen der Politik, Kultur und Geschichtsschreibung“. „Wir berichten und kommentieren Geschehnisse der Tagespolitik aus konservativer Sicht und machen uns Gedanken, welche Alternativen es zur Islamisierung und Überfremdung Europas, zum Verfall des Regierungssystems und zum Parteienklüngel in Deutschland gibt.“ Darüber hinaus werde auch Artikeln, die sich mit „rechter“ (Zitat Menzel) Zukunft beschäftigen, Platz gegeben. Die Nutzung neuer Medien verstehe man nicht nur „als Werkzeug, sondern auch als Aufforderung an die deutsche Rechte, neue Strategien und Wege aufgeschlossen zu erproben“.Felix Menzel: 2. Februar 2007. Abgerufen am 4. Februar 2010. Blaue Narzisse ergänzt sich mit anderen neurechten Medien wie Sezession und Junge Freiheit, die alle über nahezu identische Ideologien und Inhalte verfügen.Patrick Keßler: Die „Neue Rechte“ in der Grauzone zwischen Rechtsextremismus und Konservatismus? Protagonisten, Programmatik und Positionierungsbewegungen, LIT Verlag, Berlin/Münster 2018, ISBN 978-3-643-13844-6, S. 165
Der Rechtsextremismusforscher Helmut Kellershohn (2009) vom Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung verortete die Blaue Narzisse in erster Linie in der ideologischen Nähe der Konservativ-Subversiven Aktion um Götz Kubitschek, die wiederum zu dieser Zeit der Jungen Freiheit nahestand. Die Redaktion beschreibt er als „buntes Gemisch bündisch beziehungsweise burschenschaftlich geprägter junger Menschen“.Helmut Kellershohn: Widerstand und Provokation: Strategische Optionen im Umfeld des „Instituts für Staatspolitik.“ In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag, 2009. ISBN 3-531-15911-9, S. 261. Kellershohn sieht sie nunmehr (2015) fest verankert in einem „jungkonservativen Netzwerk“.Helmut Kellershohn: Das Institut für Staatspolitik und das jungkonservative Hegemonieprojekt. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten: Hintergründe – Analysen – Antworten. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-01983-9, S. 441.
Mathias Brodkorb (2010) bezeichnete die Autoren der Blauen Narzisse als eine „noch nicht ganz der Pubertät entwachsene Gruppierung, von jungen Männern vor allem, die Anschluss suchen an die Junge Freiheit […] und [das] Institut für Staatspolitik“. Diese Bestrebungen sah er als „schlechte Kopie“ und als „Nachahmungsprozesse, die politisch nicht wirklich bedeutend sind“. on3, 3. November 2009. Abgerufen am 4. Februar 2010.
Martin Gerster und Alexander Geisler (2009) wiesen darauf hin, dass die Blaue Narzisse eine ausländerfeindliche Gesinnung zur Schau trage, etwa indem der Einsatz im Ausland geborener Fußballspieler in Nationalmannschaften kritisiert, türkischstämmige Menschen als unzivilisiert dargestellt und Ausländern als Tätern kategorisch Deutsche nur als Opfer gegenübergestellt würden. Dieses Schema werde nur durchbrochen, wenn es gelte, „linksgerichtete“ Deutsche in ein schlechtes Licht zu rücken.Alexander Geisler, Martin Gerster: Fußball als Extrem-Sport – Die Unterwanderung des Breitensports als Strategie der extremen Rechten. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag, 2009. ISBN 3-531-15911-9, S. 194.
Nach Samuel Salzborn (2015) dient die Zeitschrift, die vordergründig im Internet operiere, der „Popularisierung neurechter Ideen“.Samuel Salzborn: Rechtsextremismus: Erscheinungsformen und Erklärungsansätze. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, Nomos (UTB), Baden-Baden 2015, ISBN 978-3-8252-4476-7, S. 73 f. Auch der Rechtsextremismusforscher Alexander Häusler (2015)Alexander Häusler: Zerfall oder Etablierung?. Die Alternative für Deutschland (AfD) als Partei des Rechtspopulismus. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 63 (2015) 9, S. 741–758, hier: S. 752. und der Historiker Wolfgang Benz (2015)Wolfgang Benz: Auftrumpfendes Unbehagen. Der politische Protest der Pegida-Bewegung. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 63 (2015) 9, S. 759–776, hier: S. 766. rechnen die Zeitschrift dem neurechten Spektrum zu.
In einem antiuniversalistischen und antisemitischen Geist positioniert sich laut Volker Weiß die Zeitschrift, wenn sie schreibt, dass „jüdische Organisationen“ meist „linksradikale Positionen“ vertreten und „massiv für Multikulti und gegen Patrioten“ agitieren.Volker Weiß: Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes. Klett-Cotta, Stuttgart 2018, S. 225
Kritik und Kontroversen Auftritt bei JU-Seminar Im September 2008 sorgte der Auftritt von Felix Menzel bei einem Kongress der Hamburger Jungen Union (JU) im Juli desselben Jahres für Schlagzeilen. Menzel hatte im Hamburger Ludwig-Erhard-Haus einen Vortrag unter dem Motto Mit gleichen Waffen zurückschlagen gehalten und darin erklärt, wie man „linke Aktionen“ stören könne. Angehörige der JU Hamburg Mitte stürmten daraufhin im September eine Veranstaltung der Bürgerinitiative „Eine Schule für Alle“. Daraufhin bezeichnete bild.de Menzel als „ultrarechten Burschenschaftler“ und titelte: „Neonazi bei Partei-Seminar“.Marc Felix Serrao: sueddeutsche.de, 19. Oktober 2008. Abgerufen am 5. Oktober 2010. Auch die taz kritisierte den Vorfall.Andreas Speit: Rat von Rechtsextremen: Junge Union wird kreativ. taz.de, 24. September 2008. Abgerufen am 5. Februar 2010.
Daraufhin nahm Felix Serrao in der Süddeutschen Zeitung Menzel in Schutz: Weder er noch die Blaue Narzisse seien rechtsextrem. Wahr sei jedoch, so Serrao, dass das Magazin „offen rechts, sogar stramm“ sei. Auch der Verfassungsschutz erklärte, er beobachte die Blaue Narzisse nicht.
Vorwurf der Täuschung Im Oktober 2009 gab die österreichische Band Ja, Panik der Blauen Narzisse ein Interview.Paul Donnerbauer: Das große VICE-Lexikon zu den rechten Ausstellern am „Kongress der Verteidiger Europas“ www.vice.com, 6. Juli 2016 Nach Veröffentlichung des Gesprächs auf der Webseite des Magazins warf Ja, Panik-Frontmann Andreas Spechtl der Zeitschrift vor, die Band über die politische Ausrichtung der Blauen Narzisse getäuscht zu haben, und distanzierte sich öffentlich von ihr. Ähnliche Vorwürfe erhob Albert Koch, der der Zeitschrift ebenfalls ein Interview gegeben hatte, ohne dass er, nach eigener Aussage, über die Inhalte Bescheid wusste. Er forderte Menzel auf, das Interview nicht zu veröffentlichen, was dieser jedoch ablehnte. Auch den Vorwurf der Täuschung wies er zurück und bedauerte, dass Koch „nicht einfach zu seinem freien Wort steht“.
Beleidigung von Claudia Roth