Dacia [] () ist eine Handelsmarke für Automobile sowie ein zu Renault gehörender rumänischer Kraftfahrzeughersteller und viertgrößtes Unternehmen in Rumänien. Ursprünglich war Dacia der zentrale Markenname des rumänischen Autoherstellers UAP in Pitești, welcher später in Dacia umfirmierte. UAP ist die Abkürzung für (wörtlich übersetzt „Autowerk Pitești“). Dacia selbst ist eine Anlehnung an die Vergangenheit Rumäniens als römische Provinz Dakien (). Als ursprüngliches Markenzeichen verwendete man ein Schildemblem mit im oberen Teil stehender Abkürzung UAP, im Feld darunter einem auf Felsen stehenden und die Flügel ausbreitenden Adler.

Geschichte Anfänge mini|Dacia 1300 Errichtet wurde das Werk 1952 in Colibași (heute Mioveni) nordöstlich von Pitești.Monografia Uzinelor de Autoturisme Piteşti 1972 (französisch). Es war hauptsächlich als Zulieferbetrieb für das LKW-Werk Steagul-Roșu (später Roman) in Brașov konzipiert. 1967 wurde es modernisiert und mit Unterstützung der französischen Renault-Werke zu einem Automobilwerk ausgebaut. Ab August 1968 lief mit dem Dacia 1100 das erste Modell vom Band – ein Lizenzbau des französischen Modells Renault 8.Michael Dünnebier, Eberhard Kittler: Personenkraftwagen sozialistischer Länder. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1990, ISBN 3-344-00382-8, S. 112–113. Größere Stückzahlen erreichte Dacia/UAP ab 1969 mit dem Dacia 1300, einem Lizenzbau des Renault 12. Bis 1976 wurden insgesamt etwa 280 000 Dacia-Pkw gebaut.Kraftfahrzeugtechnische Neu- und Weiterentwicklungen zur Leipziger Herbstmesse 1976. In: Kraftfahrzeugtechnik 10/1976, S. 293–295. Die Stückzahlen erhöhten sich jedoch weiter. In 35 Jahren wurden bis zur Produktionseinstellung am 21. Juli 2004 insgesamt 1.959.730 Fahrzeuge der Dacia 1300-Reihe hergestellt. Dieser Dacia gilt bzw. galt daher als „Volkswagen“ Rumäniens. Kleine Stückzahlen der Modelle Renault 18 und Renault 20 wurden aus CKD-Bausätzen montiert; der Renault 20 hieß in Rumänien Dacia 2000.

Im Jahr 1978 wurde der Lizenzvertrag mit Renault beendet, und es erschienen weitere Modelle, die jedoch alle vom Renault 12 abgeleitet waren. Darunter befand sich auch ein Pick-up, der auf Hinterradantrieb umgestellt wurde, sowie ein Coupé. 1986 begann in Timișoara die Produktion des Dacia 500, der im Volksmund Lăstun (Schwalbe) genannt wurde.

In die DDR wurde der Dacia 1300 ab 1973 exportiert und erfreute sich dort als einer der wenigen angebotenen Fronttriebler mit Viertaktmotor zunächst großer Beliebtheit. Die Verarbeitungsqualität ließ jedoch immer mehr nach, was dem Ruf von Dacia schadete. Dennoch wurde er als Typ 1310 auch in den 1980er Jahren noch importiert. Dabei handelte es sich stets um die normale Limousine mit dem 1300-cm³-Motor.

Wendezeit mini|Dacia Logan Mit der Öffnung nach Westen strömten billige Gebrauchtwagen in das Land, die Produktionszahlen sanken. Dacia begann, sich nach einem Technologiepartner umzusehen, und ging eine lose Kooperation mit Peugeot ein. Ein Ergebnis war der auf einer vom Peugeot 309 abgeleiteten Bodengruppe basierende Dacia Nova (Markteinführung 1995), in dem allerdings die alten OHV-Motoren verwendet wurden.

Ende der 1990er-Jahre begann Renault, sich für Dacia zu interessieren, und erwarb 1999 Mehrheitsanteile. Erste signifikante Änderung war die Umstellung des Dacia Nova auf OHC-Motoren von Renault und die Einführung von Diesel-Modellen, nun unter dem Namen SupeRNova und nach optischen Retuschen 2003 als Solenza. Die Produktion des Solenza wurde Anfang des Jahres 2005 beendet.

Dacia heute mini|Dacia Duster mini|Dacia Spring mini|Dacia Jogger In Westeuropa weniger verbreitet waren die von 1975 bis zum 8. Dezember 2006 produzierten und auf der Karosserie des Dacia 1300 basierenden Nutzfahrzeuge mit offener Ladefläche: Pick-Up, Drop Side und Double Cab. Die Fahrzeuge wurden in der letzten Bauzeit von 2004 bis 2006 mit Dieselmotoren von Renault ausgestattet und hatten wahlweise einen elektro-pneumatisch zuschaltbaren Allradantrieb. Der „Drop Side“ war mit kurzer zweisitziger Kabine und einer überbreiten Ladefläche mit umklappbaren Seitenwänden ausgestattet. Der „Pick-up“ hatte eine zweisitzige Kabine und eine Ladefläche mit Heckklappe. Der „Double Cab“ hatte eine verlängerte Kabine und war für fünf Personen zugelassen, die Ladefläche hinten war entsprechend kürzer. In 31 Produktionsjahren wurden etwa 320.000 Fahrzeuge dieser Art hergestellt. Die Produktion wurde eingestellt, um unter anderem die wirtschaftlich wesentlich lukrativere Produktion des Logan (im Jahre 2006 etwa 150.000 Fahrzeuge) erweitern zu können. Abgeleitet von dem Kombi wurde von diesem Modell auch eine Pick-up-Version angeboten.

Das Unternehmen Dacia gehört inzwischen vollständig zu Renault. Seit 2004 werden in den Werken in Mioveni und Pitești nur noch der Logan, der Sandero sowie Nutzfahrzeuge mit offener Ladefläche hergestellt. Der Logan ist eine Renault-Entwicklung, die in Osteuropa anfangs für ungefähr 5000 Euro (zuzüglich Umsatzsteuer) verkauft wurde. Ab Juni 2005 gab es eine Version für Westeuropa mit Basispreisen unter 7.200 Euro. Damit unterbot Dacia/Renault alle Angebote von Fahrzeugen vergleichbarer Größe in Westeuropa. Der Vertrieb wurde anfangs über die Renault-Vertragshändler abgewickelt. Im März 2006 präsentierte Dacia in Genf das Konzeptauto Dacia Logan Steppe Concept als ein Ausblick auf die künftige Kombiversion des Logan, welche im Oktober 2006 als Logan MCV auf den Markt kam.Jan Kriebel: Langer Logan. In: autobild.de 3. März 2006. Im Juli 2008 wurde die Stufenhecklimousine überarbeitet, der MCV im Oktober desselben Jahres. In Deutschland war der überarbeitete Logan MCV erst ab März 2009 erhältlich.

Ebenfalls 2008 wurde die erste Generation des Sandero vorgestellt, welcher sich ebenfalls mit seinem Einstiegspreis ab 7000 Euro auf dem Kleinwagenmarkt durchsetzen konnte. Wie die überarbeiteten Modelle Logan und Logan MCV wurde der Sandero mit dem damals neuen Dacia-Logo ausgeliefert.

Im Jahr 2008 betrug der Monatslohn eines Beschäftigten in Pitești durchschnittlich 285, nach anderen Angaben rund 400 Euro. Im selben Jahr trat ein Großteil der Beschäftigten in einen Streik und forderte eine Lohnerhöhung von 50, nach anderen Angaben von 60 Prozent.Rumänen streiken für 50 Prozent mehr Lohn, Die Welt, 2008., Trend onlinezeitung, 2008. Auch 2023 waren die niedrigen Löhne ein wichtiger Grund der niedrigen Preise: Während bei Renault 98 % der Karosserie-Schweißarbeiten von Robotern ausgeführt werden, sind es bei Dacia nur 46 %.

Der Durchbruch unter anderem im europäischen Markt kam etwa ab dem Krisenjahr 2008, als Dacia nach Ansicht der Zeitung Die Welt mit Kampfpreisen „das richtige Konzept gegen die Krise“ gefunden habe und mit einem Marktanteil von 0,8 Prozent (Gesamtmarkt) erstmals an Porsche und Jaguar vorbeigezogen seiDacia kann Porsche und Jaguar überholen. Die Welt, 8. Januar 2009. und im Folgejahr 2009 ein Absatzplus von 91 Prozent vermeldete.Dacia auf Rekordkurs. motorsport-magazin.com, 14. Januar 2010. Im Jahr 2012 konnte der Marktanteil in Deutschland mit 46.622 Fahrzeugen auf 1,41 Prozent ausgebaut werden, das sind für Deutschland bis dahin insgesamt 267.000 Fahrzeuge. In: auto.de, 3. Januar 2013. 2014 setzte der Hersteller 48.907 Fahrzeuge in Deutschland ab.Auto Bild, Ausgabe 3 vom 16. Januar 2015, .

Dacia war in der Saison 2009/2010 Haupt- und Trikotsponsor des Hamburger Fußballvereins FC St. Pauli.

Im Jahr 2016 produzierte Dacia in acht Ländern: Rumänien (Mioveni), Russland (im Moskauer Werk von Avtoframos), Iran, Indien (in Zusammenarbeit mit Mahindra), Marokko (Tanger) und Kolumbien.

Im Jahr 2021 verkaufte Dacia weltweit 537.095 Fahrzeuge, wobei etwas mehr als die Hälfte dabei auf den Sandero entfielen. Des Weiteren wurde mit der Konzeptstudie Bigster ein neues Logo eingeführt.

Motorsport Seit 2025 nimmt Dacia an der Rallye Dakar teil. Das Dacia-Rally-Raid-Team tritt in der FIA-Kategorie Ultimate T1+ mit drei, durch Prodrive gebauten, Dacia Sandrider an. Als Fahrer wurden der fünffache Rallye-Dakar-Sieger Nasser Al-Attiyah, Sebastien Loeb und Cristina Gutiérrez verpflichtet.2025 nimmt Dacia an der Rallye in Dakar teil.Dacia stellt den «Sandrider» für Dakar 2025 vor.

Modelle Zeitleiste

Chronologie 1968–1970: Dacia 1100 1969–2004: Dacia 1300/1210/1310/1410; Stufenheck Berlina, Lieferwagen (Kombi ohne Sitze hinten), Sanitätswagen 1973–2004: Dacia 1300/1210/1310/1410 Kombi 1974–1977: Dacia D6; Kleintransporter, baugleich mit dem Renault Estafette 1975–2006: Dacia Pick-Up 1304/1305/1307/1309; Pick Up/Gamma (2- oder 4-Sitzer, z. T. mit klappbaren Ladebordwänden) 1975–1992: Dacia 1410; trug auch den Namen Brasovia 1981–1989: Dacia 2000; nur für Staatsfunktionäre, baugleich mit dem Renault 20 1984–2005: Dacia 1310 Coupé/Sport 1985–1993: Dacia Duster; Geländewagen ARO 10 des rumänischen Herstellers Auto Romania, als Dacia Duster exportiert 1986–1989: Dacia 500; Kleinstwagen, Lăstun genannt 1988–1995: Dacia 1320/1325 Liberta; Fließheck 1995–2000: Dacia Nova; auf Basis des Peugeot 309 2000–2003: Dacia SupeRNova; auf Basis des Renault 9 2003–2004: Dacia Solenza; Faceliftversion des SupeRNova seit 2004: Dacia Logan; eine neuentwickelte Stufenhecklimousine auf Plattform des Renault Clio seit 2005: Dacia Logan Lieferwagen; ohne Seitenscheiben und Sitze hinten (Zweisitzer) 2006–2020: Dacia Logan MCV; Kombiversion des Logan 2007–2013: Dacia Logan Van; Panel-Van des Logan MCV 2008–2020: Dacia Logan Pick-up 2008–2012: Dacia Sandero 2009–2012: Dacia Sandero Stepway 2010–2018: Dacia Duster (Kompakt-SUV) 2012–2022: Dacia Lodgy als Van 2012–2022: Dacia Sandero II und Dacia Sandero II Stepway Nachfolgemodell des Sandero 2012–2021: Dacia Dokker als Hochdachkombi wie z. B. Renault Kangoo 2018–2024: Dacia Duster II seit 2021: Dacia Sandero III und Dacia Sandero III Stepway; Nachfolgemodell des Sandero II seit 2021: Dacia Spring als erstes Elektroauto der Marke seit 2022: Dacia Jogger seit 2024: Dacia Duster III seit 2025: Dacia Bigster ab 2026: Dacia Striker

Umsatz- und Produktionsdaten Jahr Umsatz Fahrzeuge 2012 12,74 Mrd. LeiRobert Stan: In: Capital, 29. April 2013, abgerufen am 19. März 2025 (rumänisch). 359.822 FahrzeugeDacia a sfidat criza si in 2012. Vanzarile globale au crescut cu 4,8 % si au atins un nou maxim istoric. hotnews.ro, 18. Januar 2013 (rumänisch). 2011 13,17 Mrd. Lei 343.233 Fahrzeuge 2010 348.723 Fahrzeuge: 325.346 Pkw und 23.377 leichte NutzfahrzeugeVanzarile Dacia au crescut anul trecut cu 12 %, la 348.723 de autovehicule. wall-stret.ro, 11. Januar 2011, abgerufen am 13. März 2011 (rumänisch). 2009 2,1 Milliarden EuroDacia, a doua companie privata din Romania dupa Petrom. zf.ro, 2. April 2010, abgerufen am 4. April 2010. 311.282 Fahrzeuge (rumänisch). 2008 258.372 Fahrzeuge 2004 ≈400 Mio. EUR (Prognose 12/2004)Marius Serban: Dacia intenționează să fuzioneze cu patru dintre furnizorii săi. zf.ro, 3. Dezember 2004, abgerufen am 20. Oktober 2010 (rumänisch). 61.482 Fahrzeuge 2003 360 Mio. EUR 1984 101.732 FahrzeugeMichael Dünnebier, Eberhard Kittler: Personenkraftwagen sozialistischer Länder. transpress, Berlin 1990, ISBN 3-344-00382-8, S. 116.1975 57.284 Fahrzeuge1968 2030 Fahrzeuge

Entwicklung des Logos

Literatur Bernard Jullien, Yannick Lung, Christophe Midler: L’épopée LOGAN – Nouvelles trajectoires pour l’innovation. Dunod, Paris 2012, ISBN 978-2-10-058508-3 (französisch). Bernard Jullien, Yannick Lung, Christophe Midler: The Logan Epic. New trajectories for innovation. Foreword Carlos Ghosn. (PDF; 2,2 MB) Translation by Alan Sitkin, Dunod, Paris 2013, ISBN 978-2-10-058996-8 (englisch).

Weblinks

Länderwebsites: Deutschland, Österreich, Schweiz Dacia bei der Renault Group

Einzelnachweise

Kategorie:Pkw-Hersteller (Rumänien) Kategorie:Mioveni Kategorie:Markenname (Automobilindustrie) Kategorie:Unternehmensgründung 1966 Kategorie:Elektroautohersteller Kategorie:Hybridelektroautohersteller