Die Glocken- und Kunstgießerei Rincker im hessischen Sinn ist eine der ältesten bestehenden Glockengießereien.Norbert Demuth: Ein uraltes Handwerk. Ein Besuch in der inzwischen weltweit ältesten Glockengießerei. In: Kirche+Leben, 11. September 2022, S. 24. Sie befindet sich seit dem 17. Jahrhundert in Familienbesitz und zählt zu den bedeutenden Glockengießereien Europas.Dieter Schmidt: Das Nürnberger Glockenbuch. In: Verein für bayerische Kirchengeschichte (Hrsg.): Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns. Bd. 81, Degener & Co., Neustadt a. d. Aisch 2003, S. 315, ISBN 3-7686-9301-5.

Geschichte mini|Rincker-Glocke von 1971 mit Gießerzeichen auf dem Wolm

Die Anfänge der Gießerei sind schwer auszumachen. Auch die 1960 von dem Unternehmen selbst in Auftrag gegebene Firmengeschichte kommt zu keinem klaren Ergebnis, da ein solches am Fehlen jeglicher Unterlagen scheitert.Gustav Ernst Köhler: Die Glockengiesser Rincker. 1. Auflage. Universitätsdruckerei Giessen, 1960, ohne ISBN, S. 12.

Ende des 16. Jahrhunderts entstand die Berufsbezeichnung des Rotgießers, genannt Ringe, woraus sich der Name Rincker ableitet.Festschrift: Rincker – Glocken- und Kunstgießerei – 400 Jahre Familienbesitz. S. 1–2. Zwar ist für das Jahr 1596 eine Steuerzahlung für einen Hans Rincker bezeugt, nicht aber eine Tätigkeit als Glockengießer oder eine Glocke. Die für das Jahr 1590 vermutete einzige Glocke in Netphen gehört nach neueren Erkenntnissen eindeutig in das Werk des Frankfurter Meisters Laux Rucker, für den mehr als 10 Glocken nachgewiesen werden können. Auch stimmen die Namen der vier Söhne des Hans Rincker nicht mit denen der späteren Gießer überein.Jahrbuch für Glockenkunde Bd. 23/24, 2011/2012, , S. 130–133. Somit lässt sich erst eine 1683 für Ober-Hörgern durch Johann Jakob Rincker in Aßlar gefertigte Glocke als erste mit diesem Familiennamen aufführen. Diese goss er zusammen mit Antonius Fei, der auch mit dem ebenfalls in Aßlar ansässigen Gießer Dilman Schmid zusammenarbeitete.Robert Schäfer: Hessische Glockeninschriften (PDF; 37,7 MB), in: Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde 15 (1884), S. 475–544. Johann Jakob Rincker hat bis zu seinem Tode 1744 zahlreiche Glocken gegossen.Hellmut Schliephake: Glockenkunde des Kreises Wetzlar. In: Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft Lahntal e. V., 12, 1989, , S. 5–150, hier S. 104–123. Sein Sohn Wilhelm Anton Rincker wurde 1692 in Aßlar geboren und galt als bedeutender Meister der Familie, da er früh als Wandergießer tätig war und dabei einen großen Wirkungsradius hatte. Sein Sohn Friedrich Moritz ließ sich 1755 in Osnabrück nieder; dieses Werk bestand jedoch nur bis etwa 1800, da es keine Nachfolger gab. Die Gießerei in Aßlar blieb erhalten. Von dort aus gründeten Heinrich und sein Bruder Philipp in Leun eine Gießerei. Justus und Jacob führten den Osnabrücker Betrieb fort. Zwei der drei 1799 gegossenen Glocken läuten in der evangelischen Kirche zu Welver-Borgeln.

Gottfried Rincker gründete von Leun aus im Rheinland eine weitere Werkstatt. In dieser Zeit gab es noch keine ortsfesten Gießereien, lediglich Sammel-Gussstätten, zu denen die in Affeln und in Westhofen gehörten. Letztere war später von größerer Bedeutung, als Gottfried und Sohn Wilhelm Aufträge für Soest, Hagen (Westfalen), Volmarstein, Attendorn, Castrop, Iserlohn und Dortmund erhielten. Die Gießerei musste wegen fehlender Berufserben aufgelöst werden. Im Jahre 1817 verlagerte sich die Leuner Gießerwerkstatt nach Sinn; dort errichtete Philipp Rincker die gegenwärtig bestehende Gießerei. Sein ältester Sohn, Heinrich Wilhelm Rincker, gründete eine Gießerei in Chicago.

Für den technischen und handwerklichen Aufstieg der Gießerei um 1900 sorgten Heinrichs sechster Sohn Friedrich Wilhelm und dessen Sohn August Rincker. Durch die Freundschaft zu Georg Appun, der seinerzeit verstellbare Stimmgabeln zur Teiltonanalyse von Glocken erfand, erlangte die Gießerei Rincker Weltruhm. Der Erfolg blieb ihnen nur kurz gewährt; der Erste Weltkrieg und die steigende Inflation brachten die Arbeit zum Erliegen. Augusts ältester Sohn Fritz Rincker zog in dieser Zeit nach Ungarn, wo er etwa 2200 Glocken goss. Zusammen mit seinem Bruder Curt führte er das Werk unter dem Namen Gebrüder Rincker in Sinn fort. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sie die Gießerei unter härtesten Bedingungen wieder aufbauen und ihre Bedeutung in zuvor nicht erreichter Dimension erweitern (im Jahr 1958 waren es rund 10.000 Glocken); das sechsstimmige Geläut von 1960 für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin stellte den Höhepunkt der Gießerei Rincker dar. Fritz’ Sohn Hans-Gerd übernahm die Glockengießerei und fügte dieser eine Kunstgießerei hinzu. Seine Söhne Hanns Martin und Fritz Georg leiten das Unternehmen in der inzwischen 13. Generation.

Kunstgüsse Ein Bronze-Modell der Wetzlarer Altstadt im Maßstab 1:500 steht seit 2021 in unmittelbarer Nähe zum Haupteingang des Doms. Diese Stadtansicht zeigt auch den ehemaligen Verlauf der Stadtmauer. Es kann von Blinden und Sehbehinderten leicht ertastet werden. https://www.wetzlar.de/tourismus/entdecken-und-erleben/sehenswertes-in-wetzlar/altstadt-und-dom/bronzemodell-altstadt.php

Im Jahr 2021 wurde eine von Rincker gegossene lebensgroße Elvis-Presley-Statue in Bad Nauheim aufgestellt.Elvis-Bronzestatue eingeweiht auf der Seite der Stadt Bad Nauheim, abgerufen am 28. Mai 2022

Glocken und Geläute Seit Beginn der Aufzeichnung im 19. Jahrhundert hat die Gießerei bis Anfang 2014 über 20.000 Glocken gegossen.Die beiden neuen Glocken für Oberursel vom Jahresbeginn 2014 tragen die Werksnummern 20.030 und 20.031. Aufgeführt werden hier alle Glocken und Geläute, die mit ihrer tontiefsten Glocke in der Kleinen Oktave (h0 und tiefer) liegen, Geläute mit einem besonders großen Umfang (mindestens fünf Glocken) und Glocken mit Denkmalwert (alle vor dem Ersten Weltkrieg gegossenen Glocken). Aschaffenburg, St. Laurentius: fünf Glocken von 1949, Schlagtonfolge cis1–f1–e1–gis1–h1 Baden-Baden, Pauluskirche: fünf Glocken von 1958, Schlagtonfolge es1–ges1–b1–des2–es2 Bad Homburg, Erlöserkirche: eine Glocke von 1932, Schlagton g1, als Ergänzung zu drei vorhandenen Glocken mit den Schlagtönen g1–d1–e1 Bad Nauheim, Dankeskirche: vier Glocken von 1955, Schlagtonfolge b0–c1–d1–f1, 10.108 kg schwerKonrad Bund (Hrsg.): Frankfurter Glockenbuch. Waldemar-Kramer-Verlag, Frankfurt am Main 1986, S. 450–462, . Bad Rothenfelde, Jesus-Christus-Kirche: insgesamt drei Glocken, eine von 1928, Schlagton b1, zwei von 1954, Schlagtonfolge f1–g1 Bad Soden, St. Katharina: insgesamt fünf Glocken, vier von 1954, Schlagtonfolge: e1–gis1–h1–cis2, eine von 1957, Schlagton e2 Bad Vilbel, Christuskirche: sechs Glocken von 1962, Schlagtonfolge: g1–b1–c2–es2–f2–as2 Balve, St. Blasius: Johannesglocke (Totenglocke) von Johann Jakob Rincker, 1716, Schlagton dis1, 698 kg[sic!] schwer Bayreuth, Nikodemuskirche: sechs Glocken 1979, Schlagtonfolge: h1–dis2–fis2–gis2–h2–cis2 Bendestorf, Lutherische Kirche: sechs Glocken von 1964 Schlagtöne a1–h1–cis3–e3–fis3–gis3 Bergneustadt, Altstadtkirche: Große Glocke von 1956, Schlagton h0 und mittlere Glocke von Johann Jakob Rincker, 1720, Schlagton dis1 Baunatal-Hertingshausen, Evangelische Elisabethkirche: Kleine Glocke von Friedrich Wilhelm Rincker, 1908, Schlagton fis2, mit einer Glocke von 1952, Schlagton dis2 Berlin-Charlottenburg, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche: sechs Glocken von 1960, Schlagtonfolge g0–b0–c1–d1–es1–f1, 17.447 kg schwerKurt Kramer: Die Glocke und ihr Geläute. 3. Aufl., DKV, München 1990, S. 51, ISBN 3-422-06066-9. Berlin-Oberschöneweide, St. Antonius von Padua: fünf Glocken von 2023, Schlagtonfolge b0–des1–f1–as1–b1, Ersatz für drei Eisenhartgussglocken Berlin-Schöneberg, Apostel-Paulus-Kirche: zwei Glocken von 1958, Schlagtöne a0 und c1, als Ergänzung Berlin-Steglitz, Lukaskirche: drei Glocken von 1959, Schlagtonfolge h0–d1–e1 Bielefeld, Altstädter Nicolaikirche: sechs Glocken von 1962, Schlagtonfolge as0–c1–es1–f1–g1–as1, 11.611 kg schwer. Die Glocken bilden das größte für eine evangelische Kirche gegossene Bronzegeläut der Nachkriegszeit in Westfalen.Claus Peter: Die Deutschen Glockenlandschaften. Westfalen. Deutscher Kunstverlag, München 1989, S. 72, ISBN 3-422-06048-0. Biedenkopf-Dexbach, Evangelische Kirche: Große Glocke von Friedrich Wilhelm Rincker, 1898, Schlagton a1 Bonn, Kreuzkirche: fünf Glocken von 1963, Schlagtonfolge a0–c1–d1–f1–g1 Bremerhaven-Leherheide, Lukaskirche: fünf Glocken von 1966, Schlagtonfolge as1–b1–es2–f2–g2 Calden-Fürstenwald, Evangelische Kirche: Mittlere Glocke von Friedrich Wilhelm Rincker, 1908, Schlagton d2, mit zwei Glocken von 2009, Schlagtöne b1 und f2 Darmstadt, Stadtkirche: vier Glocken von 1956, Schlagtonfolge h0–d1–e1–g1, 5.116 kg schwer Dillenburg, Evangelische Stadtkirche: drei Glocken von 2024, Schlagtonfolge b0–des1–es1, als Ergänzung zu einer historischen (f1) Dortmund-Aplerbeck, Große Kirche Aplerbeck: Kleine Glocke von 1869, Schlagton g1 Düsseldorf, Johanneskirche: drei Glocken von 1952, Schlagtöne a0, c1 und g1, als Ergänzung Düsseldorf-Holthausen, Klarenbachkirche: vier Glocken von 1955, Schlagtonfolge h0–d1–e1–g1 Erfurt-Löbervorstadt, Thomaskirche: eine Glocke 1962, Schlagton cis1 (einzige Rincker-Glocke in der damaligen DDR) Erlangen, St. Markus: insgesamt fünf Glocken, vier 1956, Schlagtonfolge g1–a1–c2–d2, eine 1959, Schlagton: e1 Eschwege, St. Katharina: insgesamt vier Glocken, eine 1926, Schlagton h1, drei 1958, Schlagtonfolge c1–g1–a1 Flörsheim am Main, St. Gallus: acht Glocken von 1948, 1966 und 2016, Schlagtonfolge g0–b0–c1–es1–g1–b1–c2 und g2, ca. 11.500 kg schwer In: Wiesbadener Kurier. 13. Januar 2016. Frankenau-Dainrode, Evangelische Kirche: Glocke von 1837, Schlagton d2 Frankenberg an der Eder, Liebfrauenkirche: Bürgerglocke von Philipp Rincker, 1837, Schlagton a0, 3.200 kg schwer, 1.710 mm Durchmesser Frankfurt am Main, St. Katharinen: vier Glocken von Fritz Rincker, 1954, Schlagtonfolge h0–d1–e1–fis1, 7.943 kg schwer Frankfurt am Main, Wartburgkirche: sieben Glocken von 1960, Schlagtonfolge g1–a1–h1–c2–d2–e2–f2, 2.789 kg schwer Frankfurt-Dornbusch, Dornbuschkirche: fünf Glocken von 1961, Schlagtonfolge des1–f1–as1–b1–c2 Frankfurt-Ginnheim, Bethlehemkirche: acht Glocken von 1971, Schlagtonfolge b1–c2–es2–f2–g2–as2–b2–c3 Frankfurt-Sachsenhausen, Bergkirche: fünf Glocken von 1966, Schlagtonfolge g1–b1–c2–d2–es2 Frankfurt-Sachsenhausen, Osterkirche: vier Glocken von Fritz Rincker, 1959, Schlagtonfolge h0–d1–e1–fis1, 5.893 kg schwer Frielendorf-Schönborn, Glockenträger auf der Glockenwiese: Kleine Glocke von Wilhelm Rincker (Altenstädten), 1755, Schlagton b2 Friedberg-Ockstadt, St. Jakobus: Große Glocke von 1969, Schlagton h0, als Ergänzung zu vier Glocken d1–fis1–a1–h1 von 1950 Fulda, Christuskirche: insgesamt fünf Glocken, vier von 1954, Schlagtonfolge e1–fis1–gis1–a1, eine von 1965, Schlagton cis1 Gelting, St.-Katharinen-Kirche: insgesamt vier Glocken, eine von 1967, Schlagton b1, drei von 2016, Schlagtonfolge f1–c2–d2 Gießen, Johanneskirche: fünf Glocken aus den Jahren 1853, 1927, 1948 und 1956, Schlagtonfolge a0–c1–d1–e1–g1 Gießen, St. Bonifatius: Große Glocke von 1994, Schlagton b0, als Ergänzung zu vier Glocken des1–es1–f1–des2 von 1937 Gnarrenburg, Pauluskirche: eine Glocke von 1957, Schlagton b1, als Ergänzung zu einer g1 vom Bochumer Verein (1870) Großen-Linden, evangelische Kirche: Herren- oder Vaterunserglocke as1 aus dem Jahr 1737 von Wilhelm Rincker aus Aßlar Großheide-Arle, St. Bonifatius: Große Glocke von 1957, Schlagton h0. Groß-Gerau, Stadtkirche: insgesamt sechs Glocken, fünf von 1953, Schlagtonfolge d1–f1–g1–b1–c2, eine von 1955, Schlagton d2 Grüningen, evangelische Kirche: Glocke e1 aus dem Jahr 1737 von Hans u. Wilhelm Anton Rincker aus Aßlar Gummersbach, Stadtkirche: Große Glocke von 1979, Schlagton h0