miniatur|hochkant|Dieter Albrecht (1996) Dieter Albrecht (* 9. Mai 1927 in Pasing; † 8. Oktober 1999 in Regensburg) war ein deutscher Historiker. Von 1967 bis 1992 lehrte er als Ordinarius Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Regensburg. Albrecht hat sich mehr als 45 Jahre mit Kurfürst Maximilian I. von Bayern beschäftigt. Seine 1998 veröffentlichte Biographie über ihn gilt als sein Hauptwerk.

Leben Dieter Albrecht kam im Mai 1927 als drittes von fünf Kindern eines Lehrers in Pasing bei München zur Welt. Er verlor den Vater schon 1940, wurde noch als Schüler im Zweiten Weltkrieg eingezogen und geriet kurzzeitig in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1946 holte er das Abitur nach und studierte ab dem Wintersemester 1947/48 Geschichte und Germanistik an der Universität München, unter anderem bei dem Neuzeithistoriker Franz Schnabel, dem Mediävisten Johannes Spörl und dem Literaturwissenschaftler Hans Heinrich Borcherdt; den nachhaltigsten Eindruck auf den jungen Albrecht aber machte der Landeshistoriker Max Spindler, bei dem er 1951 mit der ungedruckt gebliebenen Arbeit Die Gerichts- und Grundherrschaftsverhältnisse im Raum der Grafschaft Andechs vom 13. bis 19. Jahrhundert zum Dr. phil. promoviert wurde.

Noch im Jahr der Promotion wurde Albrecht Mitarbeiter der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, für die er mehrere Bände des Werks Historischer Atlas von Bayern bearbeitete (die Landgerichte Starnberg und Weilheim, die Klostergerichte Benediktbeuern und Ettal, die Fürstpropstei Berchtesgaden und die Grafschaft Werdenfels). Daneben arbeitete er 1952/53 bei den Monumenta Germaniae Historica, wo er spätmittelalterliche bayerische Chroniken daraufhin prüfte, ob sie der Veröffentlichung wert wären. 1953 erhielt er ein Forschungsstipendium des Bayerischen Kultusministeriums, das ihm bis Ende 1955 den Aufenthalt in Rom ermöglichte. Noch während dieses Aufenthaltes wurde Albrecht 1954 Mitarbeiter der Historischen Kommission im Rahmen der Reihe Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. 1956 ermöglichte ihm ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft Archivstudien in Paris. All diese Forschungen flossen in seine Arbeit über die Außenpolitik Maximilians I. von Bayern ein, mit der er sich 1958 habilitierte, betreut abermals von Max Spindler und publiziert 1962 unter dem Titel Die auswärtige Politik Maximilians von Bayern 1618–1635.

Im Jahr 1963 wurde Albrecht zum außerordentlichen Professor an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Bamberg berufen, 1964 erhielt er als Nachfolger von Leo Just ein Ordinariat an der Universität Mainz. Bereits 1967 nahm er den Ruf auf einen Lehrstuhl für Neuere Geschichte an der neu gegründeten Universität Regensburg an, an der er bis zu seiner Emeritierung 1992 lehrte. In Regensburg wurde der Lehrbetrieb im Wintersemester 1967/68 aufgenommen und Albrecht gehörte somit zur Gründergeneration der Universität. Den hochschulpolitischen Reformbestrebungen der Zeit allerdings stand er ablehnend gegenüber: noch 1968 gehörte er zu den Unterzeichnern des Marburger Manifests (mit Liste der Unterzeichner). In: Blätter für deutsche und internationale Politik, Jahrgang 1968, Heft 8., das bayerische Hochschulgesetz von 1973 dagegen, durch das der Gruppenuniversität eine Absage erteilt wurde, begrüßte er. Als Sprecher des Fachbereichs, Prodekan und Dekan der Philosophischen Fakultät, Mitglied des Fachbereichsrates, des Senates und des Ausschusses für Haushaltsangelegenheiten wirkte Albrecht in der Selbstverwaltung der Universität mit,Prof. Dr. Dieter Albrecht neuer Vizepräsident. In: Regensburger Universitätszeitung 4/1977, S. 3. von 1977 bis 1980 amtierte er als Vizepräsident der Universität Regensburg.Festschrift für Prof. Dr. Dieter Albrecht zum 65. In: Regensburger Universitätszeitung 5/1992, S. 13. Zu Albrechts akademischen Schülern gehören Hans-Michael Körner, Maximilian Lanzinner, Friedrich Hartmannsgruber, Franz J. Bauer und Bernhard Löffler.

Albrecht war seit 1962 außerordentliches, seit 1966 ordentliches Mitglied der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, deren Sekretär er von 1987 bis 1997 war. Seit 1968 leitete er die Abteilung Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, seit 1991 auch die Abteilung Protokolle des Bayerischen Ministerrats 1945–1954Dieter Albrecht: Die Protokolle des Kabinetts Hoegner I. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 60 (1997), S. 1045–1049 (Digitalisat)., zudem kommissarisch 1987–1989 die Abteilung Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe. Albrecht gehörte ferner der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (seit 1980), der Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte in Bonn und der Kommission für Zeitgeschichte an.

Albrecht war Schwiegersohn des Architekten und Diplomaten Dieter Sattler sowie Schwager des Münchner Architekten Christoph Sattler. Er lebte mit seiner Frau und seinen vier Söhnen in Regensburg.

Dieter Albrecht verstarb am 8. Oktober 1999 in Regensburg im Alter von 72 Jahren.

Werk Albrecht hat seine Arbeit zu einem erheblichen Teil der Edition historischer Quellen gewidmet. Dabei lassen sich schon in den frühen 1960er Jahren drei Forschungsgebiete erkennen, denen er sein Leben lang treu bleiben sollte und in denen er jeweils grundlegende Editionen vorlegte. Der „meisterhafte historische Schriftsteller“Andreas Kraus: Dieter Albrecht (1927–1999). In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 62 (1999), S. 857. (Andreas Kraus) trat gegenüber dieser Grundlagenarbeit zurück; diverse Aufsätze, die Beiträge zum Handbuch der bayerischen Geschichte und Albrechts Hauptwerk, die Biographie Maximilians von Bayern, zeugen aber davon. Neben seinen zentralen Arbeitsgebieten wandte sich der Regensburger Professor auch der neueren Stadtgeschichte Regensburgs zu und legte 1984 die Pionierstudie Regensburg im Wandel vor, in der auf der Grundlage breiter Archivrecherchen und Presseauswertung sozial- und politikgeschichtliche Themen des 19. Jahrhunderts und der Zeit des Nationalsozialismus behandelt werden.Rezension von Alois Schmid zu: Dieter Albrecht: Regensburg im Wandel. Studien zur Geschichte der Stadt im 19. und 20. Jahrhundert. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 48 (1985), S. 831–833 (Digitalisat).

Maximilian I. von Bayern Den ersten Schwerpunkt bildete seit Albrechts römischen Jahren die Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, speziell die Person Maximilians I. Noch in den 1950er Jahren publizierte er als Früchte seiner Archivstudien in Rom und Paris zwei kleine Monografien zur auswärtigen Politik Papst Gregors XV. und Richelieus,Dieter Albrecht: Die deutsche Politik Papst Gregors XV. Die Einwirkung der päpstlichen Diplomatie auf die Politik der Häuser Habsburg und Wittelsbach 1621–1623, Beck, München 1956 und Richelieu, Gustav Adolf und das Reich, Oldenbourg, München 1959. daneben einen Aufsatz über die Finanzierung des Krieges durch die Kurie.Dieter Albrecht: Zur Finanzierung des Dreißigjährigen Krieges. Die Subsidien der Kurie für Kaiser und Liga 1618–1635. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 19 (1956), S. 534–567. Die Publikation der Habilitationsschrift 1962 begründete dann seine Reputation, von Wolfgang Zorn damals als „wohl (...) wichtigste deutsche Neuerscheinung zur Geschichte des 17. Jahrhunderts“ neben den Werken von Konrad Repgen und Fritz Dickmann bezeichnet.Wolfgang Zorn: Rezension: Dieter Albrecht: Die auswärtige Politik Maximilians von Bayern 1618–1835. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 25 (1962), S. 809–811, Zitat S. 810 (Digitalisat). 1964 erschien Albrechts Band der Briefe und Akten für die Jahre 1629/30, in dessen Mittelpunkt der Regensburger Kurfürstentag steht. So ausgewiesen, übernahm er 1968 die Leitung der Abteilung Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und arbeitete noch bis zu seinem Tod an einem weiteren Band für das Jahr 1631.Konrad Repgen: In memoriam Dieter Albrecht (1927–1999). In: Historisches Jahrbuch 121 (2001), S. 581–592, hier: 586. Max Spindler übertrug Albrecht wesentliche Teile der frühneuzeitlichen Geschichte im Rahmen des Handbuchs der bayerischen Geschichte.Albrechts Beiträge in Band II des Handbuchs der bayerischen Geschichte, in 2. Auflage herausgegeben von Andreas Kraus, C. H. Beck, München 1988: Das Konfessionelle Zeitalter. Zweiter Teil: Die Herzöge Wilhelm V. und Maximilian I., S. 393–457; Staat und Gesellschaft. Zweiter Teil: 1500–1745, S. 625–663; Die kirchlich-religiöse Entwicklung. Zweiter Teil: 1500–1745, S. 702–735; in Band III, 3, von Andreas Kraus in 3. Auflage 1995 herausgegeben, stellte Albrecht im Rahmen des bayerischen Reichskreises die Hochstifte und Die Fürstpropstei Berchtesgaden, S. 236–270 und S. 286–301 dar. Und nach seiner Emeritierung fasste Albrecht seine lebenslangen Bemühungen um den ersten bayerischen Kurfürsten in einer großen, nah an den Quellen gearbeiteten Biographie zusammen, deren Erscheinen im Jahr 1998 er noch erlebte. Helmut Neuhaus sah hier „eine neue Stufe der Maximilian-Forschung“ erreicht: „Wer sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit dem bayerischen Herzog (...) beschäftigt, betritt gleichsam ‚Albrecht-Land‘“.Helmut Neuhaus: Maximilian I., Bayerns großer Kurfürst. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 65 (2002), S. 5–23, Zitate: S. 5 f. (Digitalisat). Eike Wolgast bewertete das Werk als „maßstabsetzende Biographie“, beruhend auf „stupenden Quellenkenntnissen“, sprachlich „klar und unprätentiös“ dargeboten.Eike Wolgast: Eine große politische Biographie: Maximilian I. von Bayern 1573–1651. In: Historisches Jahrbuch 120 (2000), S. 323–330, Zitate S. 329 f. Heinz Duchhardt betonte, dass in diese „Summe eines Gelehrtenlebens“ eine Fülle bis dahin unbekannter Dokumente unterschiedlicher Provenienz eingeflossen seien.Rezension von Heinz Duchhardt zu: Dieter Albrecht: Maximilian I. von Bayern 1573–1651, München 1998. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 62 (1999), 607–609, Zitat S. 609 (Digitalisat). Als Mitarbeiter der Neuen Deutschen Biographie steuerte Albrecht Artikel über Maximilian I. und diverse Personen aus seinem Umkreis bei.Beiträge Albrechts in der Neuen Deutschen Biographie.

Bayern im Kaiserreich