Robinson Crusoe ist ein zweiteiliger Fernsehfilm aus dem Jahr 2003 mit Pierre Richard und Nicolas Cazalé in den Hauptrollen.
Änderungen zur Romanvorlage und aktuelle Bezüge
Der Film stellt eine adaptierte Fassung des berühmten Romans von Daniel Defoe aus dem Jahr 1719 vor. Im Gegensatz zum Buch ist der TV-Zweiteiler (16:9) (Originaltitel: L’île de Robinson und Robinson et Vendredi, deutsche Titel: Die Insel des Robinson und Robinson und Freitag) in Südamerika bzw. auf einer Insel der Karibik in der Mitte des 18. Jahrhunderts angesiedelt und sehr gesellschaftskritisch angelegt. So betrachtet Robinson Freitag zunächst vor allem als Diener, dem es gilt, zivilisiertes Verhalten beizubringen. Aber gerade die zivilisierten Europäer erweisen sich in dieser Verfilmung oft als Feiglinge, Lügner und Mörder, wohingegen Freitag als vermeintlich „Wilder“ viel eher Tugenden wie Mut, Charakterstärke, Treue und Ehrlichkeit aufweist. Der Film weist starke aktuelle Bezüge auf, indem er am Beispiel der Beziehung Robinsons und Freitags schildert, wie zwei Individuen völlig verschiedener Herkunft, Kultur und Religion lernen müssen, miteinander zu leben. Parallelen zu aktuellen Problemen zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Europa, zur Globalisierung im Allgemeinen und dem Aufeinanderprallen verschiedener Kulturen im Besonderen liegen auf der Hand.
Handlung
Teil 1: Die Insel des Robinson
1744: Robinson Crusoe hat eine Zuckerrohrplantage in San Luis in Venezuela geerbt und wurde gerade von einem im Sterben liegenden Freund mit der Vormundschaft über dessen Enkelin Isabella betraut. Da wird er als ortskundiger Kontaktmann ersucht, das Sklavenschiff Santa Lucia in den Golf von Guinea zu begleiten. Dort sollen Sklaven für die Plantagen in Südamerika gekauft werden. Um seine Gläubiger zufrieden zu stellen, willigt er ein und verabschiedet sich von seinem Mündel Isabella und seiner farbigen Haushälterin Mélanie in der Hoffnung, nach wenigen Monaten wieder zu Hause zu sein.
An Bord des Schiffes kommt es zwischen ihm und dem Kapitän zum Streit, als dieser statt auf direktem Weg Ostafrika zuerst Santo Domingo auf Hispaniola ansteuert, um dort Sklaven zu verkaufen. Robinson weigert sich als Vertreter des Schiffseigners, dem zuzustimmen und wird vom Kapitän kurzerhand in der Nähe einer kleinen Insel in einem Boot ausgesetzt. Unter großen Anstrengungen gelingt es ihm, die Insel noch am selben Tag zu erreichen. Erschöpft bricht er am Strand zusammen und wird in der Nacht von einem heftigen Sturm geweckt. Am nächsten Morgen beginnt er vorsichtig, die Insel zu erkunden und muss entsetzt feststellen, dass er der einzige Mensch auf dem Eiland ist. Am Strand entdeckt er die Galionsfigur der Santa Lucia und kurz darauf auch das Wrack des dem nächtlichen Sturm zum Opfer gefallenen Schiffs. Bis auf die Schiffshündin Venus hat jedoch niemand an Bord das Unglück überlebt. Robinson bringt für ihn lebenswichtige Ausrüstungsgegenstände wie Schwarzpulver, Musketen, Pistolen, Nahrungsmittel, Kerzen, Möbel, sowie sein geliebtes Tafelklavier an Land. Mit den wenigen vom Schiff geretteten Dingen – das Wrack wird in der folgenden Nacht von der Flut weggerissen – beginnt er, sich am Strand wohnlich einzurichten. Im Logbuch des Kapitäns liest er dessen Eintrag, wonach er, Robinson, am 18. März 1744 an Quartanfieber verstorben und sein Leichnam dem Meer übergeben worden sei.
Robinsons erste Jagdversuche enden meist recht unerwartet: Zieht er mit der Muskete los, um wilde Ziegen zu jagen, so bringt er stattdessen nur eine Krabbe zur Strecke. Will er dagegen fischen gehen, dann erlegt er mit seinem Speer tatsächlich eine Ziege. Als er den Ziegenbraten gemeinsam mit Hündin Venus verspeist, entdeckt er plötzlich im Fleisch eine Gewehrkugel. Er fragt sich, wer wohl auf die Ziege geschossen hat und beschließt, den Schützen zu suchen, der seiner Ansicht nach wie er ein Schiffbrüchiger sein muss.
Robinson gerät bei seiner Suche in einige Fallen, welche der Unbekannte anscheinend zum Schutz vor Eindringlingen ausgelegt hat. Schließlich entdeckt er eine Höhle und darin den Namenszug „Thomas Selkyrk“ (Daniel Defoes Romanvorlage basiert übrigens zum Großteil auf der wahren Geschichte des schottischen Seefahrers und Abenteurers Alexander Selkirk vom Beginn des 18. Jahrhunderts). Als Robinson im Dunkeln plötzlich von einem Augenpaar angestarrt wird, glaubt er zunächst, diesen Thomas Selkyrk gefunden zu haben. Im Schein seiner Fackel zeigt sich jedoch, dass es nur ein Ziegenbock ist, der ihm solchen Schreck eingejagt hat. Von Thomas Selkyrk selbst findet er jedoch nur mehr das Skelett, seine Pistole und Brille und schließlich seinen Papagei, dessen „Mein Name ist Thomas“-Gekreische ihn zuvor noch gehörig erschreckt hatte. Robinson beerdigt die sterblichen Überreste seines unglücklichen Vorgängers auf der Insel. Dieser Rückschlag trifft ihn sehr, da er schon gehofft hatte, nicht mehr allein sein zu müssen. Er beschließt, ein Floß zu bauen, um die Insel zu verlassen.
Während er wenig Erfolg mit einer Fallgrube bei der Ziegenjagd hat, dafür umso mehr mit Schweinefallen aus Klaviersaiten, schreitet der Bau seines Floßes aus Palmenholz und Bambus voran. Nachdem er es fertig gestellt und mit einigen Schwierigkeiten auch zu Wasser gelassen hat, treibt das Floß jedoch in einem unachtsamen Moment mit Hündin Venus als Passagier auf dem zum Meer strömenden Fluss davon. Robinson kann Venus gerade noch vom Floß retten, bevor dieses von der Strömung erfasst wird und aufs offene Meer hinaustreibt. Nun findet sich Robinson damit ab, für längere Zeit auf der Insel leben zu müssen und er sucht zu diesem Zweck gemeinsam mit Venus ein neues Zuhause. Endlich finden sie nahe beim Fluss eine sichere und geräumige Höhle mit Blick aufs Meer, die Robinson sogleich wohnlich einrichtet. Davor legt er ein kleines Gärtlein an und hält auch schon bald eine Ziege.
Eines Tages erblickt er vom Eingang seiner Höhle aus ein Schiff auf dem Meer. Aufgeregt eilt er in Richtung Strand, stürzt dabei zwar aus Versehen in seine eigene Fallgrube, kann aber wieder herausklettern und erreicht das Meer gerade rechtzeitig, um die Schiffsbesatzung mit Rufen und Gewehrschüssen auf sich aufmerksam zu machen. Leider zieht jedoch gleichzeitig ein Gewitter mit Donner und Regen herauf, und so kann er weder die von ihm zu diesem Zweck vorbereiteten Signalfeuer abbrennen, noch hört ihn jemand auf dem Schiff. Niedergeschlagen kehrt er in seine Wohnhöhle zurück. Plötzlich bricht der durch den Regen angeschwollene Fluss herein und überschwemmt mit einem Riesenschwall die ganze Höhle. Als Robinson wieder zu sich kommt, ist sein Zuhause ein einziges schmutziges Durcheinander. Was ihn aber noch viel mehr trifft: Seine geliebte Hündin Venus hat die Katastrophe nicht überlebt. Robinson kann sie nur mehr begraben. Zurück in der Höhle bricht er seelisch zusammen und beschließt, sich noch am selben Abend das Leben zu nehmen. Das schafft er dann zwar doch nicht, doch gehört die folgende Zeit seines Lebens, wie er selbst sagt, zu den düstersten seiner Existenz. Er hatte zwar nicht den Mut gehabt, sich zu töten, fand aber auch nicht die Kraft, zu leben und hatte alles, was aus ihm ein zivilisiertes Wesen machte, vergessen.
Nach einer nicht genau definierten längeren Zeitspanne, während der er wie ein wildes Tier im Wald lebt, entdeckt er eines Tages im Sand am Fluss einen menschlichen Fußabdruck, der zu klein ist, um sein eigener zu sein. Das lässt ihn aus seiner Lethargie erwachen. Da es nur ein einzelner Abdruck ist, glaubt er, dass es noch einen zweiten Schiffbrüchigen wie ihn selbst auf der Insel geben muss. Er schöpft neuen Mut, kehrt in seine Höhle zurück und richtet diese wieder wohnlich und sich selbst wieder menschlich her, um sich auf ein Treffen mit dem Unbekannten vorzubereiten. Plötzlich sieht er tatsächlich vom Strand her Rauch aufsteigen und läuft voller Zuversicht in Richtung Meer, um den Besucher willkommen zu heißen. Doch im Wald trifft er auf eine Gruppe Indianer und kann sich, von diesen verfolgt, gerade noch rechtzeitig im Fluss verstecken. Nachdem die Indianer die Insel in ihren Pirogen wieder verlassen haben, entdeckt Robinson zu seinem Entsetzen am Strand die menschlichen Überreste eines Kannibalenmahls. Nach diesem unfreundlichen Erlebnis baut er um seine Wohnhöhle eine Palisade mit improvisierter Zugbrücke, um sich vor einem möglichen Angriff der Kannibalen zu schützen.
Sechs Monate nach dem ersten Zusammentreffen mit den Indianer-Kannibalen sichtet Robinson erneut sechs Kanus auf dem Meer, welche seine Insel ansteuern. Er bewaffnet sich mit Musketen und Pistolen und geht zum Strand, um sich den Eindringlingen zu stellen. Die Indianer haben wieder einen der ihren dazu ausersehen, getötet und gegessen zu werden. Doch diesmal reißt sich das auserwählte Opfer los und flieht in Richtung Wald. In genau diesem Moment stürzt Robinson, der die Szene beobachtet hat, aus seinem Versteck hervor. Er erschießt einen der Verfolger und verwundet einen anderen an der Hand. Ein zusätzlicher Warnschuss in die Luft reicht aus, um sämtliche Indianer zu ihren Pirogen und aufs Meer hinaus zu vertreiben.
Zurück am Strand bleibt jener verschreckte junge Indianer, der gegessen hätte werden sollen. Verwundert sieht er aus sicherer Distanz mit an, wie Robinson den von ihm erschossenen Kannibalen beerdigt und ein Kreuz auf das Grab steckt. Mit einem aus Mitleid und Geringschätzung gemischten Blick auf den Indianer verlässt Robinson anschließend den Strand und geht in seine Höhle zurück. Dort hadert er zunächst mit Gott: „Ist das der Gefährte, den Du mir auf meine Insel schickst? Ein Kannibale, ein Wilder?!“ Schließlich überwindet er sich jedoch und geht in der Nacht zum Strand zurück, wo der junge Indianer singend an einem Feuer sitzt. Vorsichtig nähert sich Robinson dem verängstigten Einheimischen und bietet ihm eine Frucht an. Der Indianer ergreift sie scheu und reicht ihm seinerseits ein gebratenes Stück Fleisch. Als Robinson jedoch erkennt, dass der Indianer die Leiche seines getöteten Stammesangehörigen ausgegraben hat und das Fleisch von diesem stammt, weicht er zunächst entsetzt zurück. Da sich der junge Indianer, enttäuscht über die Nichtannahme seines Geschenks, abwendet, ruft ihn Robinson jedoch zurück und überwindet sich, in das gebratene Stück Menschenfleisch hinein zu beißen – entsetzt über seine eigene Tat bricht er daraufhin zusammen.
Teil 2: Robinson und Freitag